Was man alles überleben kann – „Ruby“ von Cynthia Bond

Ruby Bell wächst Ende der 1940er Jahre in Ost-Texas auf. Ihre Mutter ist ohne sie nach New York gegangen und sobald sie alt genug ist, folgt Ruby ihr. Liberty, die Kleinstadt, aus der die Familie stammt, ist ein trostloses, abgelegenes Nest und Ruby hat allen Grund, von dort fortzugehen. Besonders die Tatsache, dass sie schwarz ist, macht das Leben dort schwer für sie. Erst ein Trauerfall bringt sie viele Jahre später wieder zurück. Die Stadtbewohner machen sich lustig über die feine Dame, die mit Handschuhen und Stöckelschuhen aus dem Greyhound-Bus steigt. Doch vielen ist sie auch unheimlich. Ruby bewohnt ein Haus draußen am See, von wo man nachts gruselige Schreie hört und sie scheint auch immer merkwürdiger und verwahrloster zu werden. Nur einer hält ihr seit Jahrzehnten die Treue: Ephram, Sohn eines fanatischen Predigers, der von seiner Schwester großgezogen wurde und Ruby nicht vergessen konnte, seit er sie als Achtjähriger das erste Mal gesehen hat.

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Liberty ist eine erzkonservative Kleinstadt in Texas. Ein sehr offen gelebter Rassismus bedeutet für die schwarzen EinwohnerInnen eine ständige Gefahr. In fast jeder Familie fällt mindestens ein Mensch dem Ku Klux Klan zum Opfer. Das strikt geregelte Sozialleben innerhalb der Gemeinschaft geht über alles und wer aus der Reihe tanzt, wird schnell zum gemiedenen Außenseiter. Umso mehr ist Ephrams Schwester Celia besorgt, als ihr Bruder sich plötzlich wieder so brennend für Ruby interessiert. Mit seinem Ruf steht natürlich auch ihrer auf der Kippe.

Soweit das Kleinstadtleben, das mit seiner abgeschiedenen Lage mitten im Wald schon genug unheimliche Kulisse bietet. Was aber in diesem Buch und insbesondere mit Ruby passiert, ist ein Albtraum für sich. Erst nach und nach kommt heraus, was vor Rubys Flucht nach New York alles passiert ist und es ist ein reines Horrorkabinett. Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Mord, archaische Rituale nebst plastisch geschilderten Tieropfern – Cynthia Bond erspart ihren LeserInnen absolut nichts. Je weiter man im Roman kommt, desto tiefer versinkt man in diesem Morast aus Grausamkeit. Als Ruby wieder nach Liberty zurückkehrt, ist ihr Körper ihr herzlich egal geworden. Sie hat schon lange aufgegeben, um körperliche Unversehrtheit zu kämpfen. Nur ihre Seele – auf die legt sie Wert. Und auf die Seelen „ihrer Kinder“. Nachts im Wald hört und sieht sie Geister ermordeter Kinder und sieht es als ihre Pflicht an, ihnen zu helfen. Denn dort ist auch der Dyboù unterwegs, ein böser Geist, der in Menschen fahren kann und so Ruby und den kleinen Geistern ohne Unterlass nachstellt. Und dies sind nur einige der phantastischen Elemente, die Cynthia Bond in ihrem Roman unterbringt. Die Erzählung ist durchwachsen von magischem Realismus, angefangen bei der Voodoo-Zauberin Ma Tante bis hin zu Haaren, die Erinnerungen festhalten und weitergeben können.

„Ain’t nobody ever gone answer your cries. You can fill a well with tears, and all you gonna get is drowned.“

Ruby ist der Debüt-Roman von Cynthia Bond und wurde ein schlagartiger Erfolg. Die Autorin scheint ihre Stil auf Anhieb gefunden zu haben. Es gelingt ihr, die düstere Atmosphäre in jeder Hinsicht einzufangen. Die Grausamkeiten, die geschildert werden, sind zum Teil an Blutrünstigkeit und Perversion nicht mehr zu überbieten, erwecken aber nicht den Eindruck, als reine Sensation in den Roman geschrieben worden zu sein. Das hat der Roman auch überhaupt nicht nötig. Und Bond selber auch nicht. Vieles, was sie beschreibt, kennt sie aus der eigenen Familiengeschichte oder aus ihrer Arbeit im sozialen Bereich. Das macht die Geschichte nun aber wirklich nicht leichter verdaulich. Ruby beschreibt den finsteren Sumpf aus Rassismus, Sexismus und Misogynie, der für viele Alltag war und ist und macht deutlich, mit welcher Kraftanstrengung es verbunden ist, dem zu entkommen. Bond hat einen sehr mutigen und ambitionierten Debüt-Roman geschrieben, der gut und stimmig komponiert ist, aber durchaus seine Ecken und Kanten hat. Angst vor der Dunkelheit, besonders der der menschlichen Seele, sollte man allerdings nicht haben.


Cynthia Bond: Ruby. Two Roads 2015. Originalausgabe Hogarth 2014. Eine deutsche Übersetzung konnte ich leider nicht finden.

Das Zitat stammt von S. 51.

Bond war mit diesem Roman auf der Shortlist des Baileys Women’s Prize for Fiction 2016. Dieser Beitrag ist Teil des wpf-Leseprojekts.

An der Grenze zur Realität – „If I Told You Once“ von Judy Budnitz

Es ist eine märchenhafte Welt, in der Ilana aufwächst, in einem abgelegenen Dorf inmitten verschneiter Wälder. Man kann erahnen, dass es irgendwo in Sibirien sein könnte. Schon in ihrer Kindheit erlebt sie Unglaubliches. Ihr Bruder Ari ist so groß und stark wie ein Bär, die Mutter hat heilende Kräfte und Menschen sind von Dibbukim besessen. Als Ilana es nicht mehr aushält in der Enge des Dorfes, macht sie sich auf zu einem Hafen, von dem sie gehört hat. Von dort sollen Schiffe in eine andere Welt fahren.

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Budnitz erzählt im Grunde eine Auswanderungsgeschichte, das aber in großen Teilen geprägt von Phantastik und magischem Realismus. Was wahr ist und was nicht, ist nicht immer leicht herauszufinden. Man kann sich aus den verschiedenen Geschichten allerdings erschließen, dass Ilana kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in Osteuropa ein Schiff besteigt, das sie und ihren Mann in die USA bringt, wahrscheinlich nach New York. Die Geschichte folgt Ilana und ihren weiblichen Nachkommen noch drei Generationen lang, bis zu ihrer Urgroßenkelin Naomie.

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Das Abenteuer der relativen Freiheit – Esi Edugyans „Washington Black“

1818 wird auf einer Zuckerrohrplantage in Barbados der junge Sklave George Washington Black geboren. Er weiß, dass er von seinem Leben nicht viel zu erwarten hat. Doch überraschend wird er von Titch, dem Bruder seines Besitzers ausgeliehen, der an einem fantastischen „Wolkenkutter“ arbeitet, einem Luftschiff, für dessen Fertigstellung er Hilfe benötigt. In dem jungen Washington entdeckt er ungeahnte Talente und macht ihn schließlich zu seinem Assistenten. Für Washington bedeutet das einen ungeheuren Aufstieg. Er wohnt nicht mehr in den menschenunwürdigen Baracken bei den übrigen Sklaven, sondern schläft im eigenen Bett, trägt englische Kleidung und lernt Lesen und Schreiben. Aber er traut sich nie, sich auf seinen neugewonnenen Privilegien auszuruhen. Ihm ist völlig klar, dass der Absturz jede Sekunde kommen kann, denn so viele Freiheiten er in seiner neuen Position auch haben mag, wirklich frei kann er nie sein.

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So unwahrscheinlich der Erfolg auch scheinen mag, brechen Titch und Washington doch eines Tages im Wolkenkutter auf, landen an einer fremden Küste und Washington hält es das erste mal in seinem Leben für möglich, dass er nie wieder Zuckerrohr schneiden muss. Die Hoffnung auf eine Heimat allerdings ist damit für immer verloren. Sein ganzes Leben lang wird Washington nicht nur aufgrund seiner Hautfarbe und seines sozialen Status das Gefühl haben, nicht dazuzugehören.

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Essen aus Büchern: Tamale Pie aus E. Annie Proulx‘ „Accordion Crimes“

Autor*innen setzen Essen in Büchern höchst unterschiedlich ein. Bei vielen spielt es überhaupt keine Rolle, andere zählen ins Detail alles auf, was sie ihren Romanfiguren vorsetzen. Häufig wird es eingesetzt, um eine Klassen- oder Gruppenzugehörigkeit zu verdeutlichen. E. Annie Proulx geht damit in Accordion Crimes in die Vollen. Der Roman folgt einem Akkordeon, das durch die Hände vieler Menschen, vor allem Menschen mit Einwanderungsgeschichte in den USA geht. Neben der Musik ist vor allem ihre traditionelle Küche ein heimatlicher Anker und jede Gruppe, die Proulx beschreibt hängt an ihren Küchenklassikern, die wieder und wieder aufgelistet werden, für die Polen, die Italiener, die Deutschen, die Mexikaner. Ob es ein Essen aus diesem Buch geben wird, war also gar nicht die Frage. Ich musste mich nur entscheiden. Meine Wahl ist auf Tamale Pie gefallen, zum einen, weil es ein sehr schönes Beispiel für eine Küche ist, die der neuen Heimat angepasst wird, zum anderen weil es eines der wenigen Gerichte ist, die nicht nur in einer Liste auftauchen. Der Tamale Pie hat einen ganzen eigenen Satz!

„Down the street stood a wreck of an old tamale stand, the remnant of a failed franchise from the 1920s in the shape of a giant tamale, the stucco sloughing off, faded signs drooping: HAMBURGERS AS YOU LIKE’EM. TAMALE PIE.“

Kurz nachdem er erwähnt wird, ist der Tamale-Imbiss auch schon Geschichte, ersetzt durch einen Friseur-Salon, der bald Teil einer ganzen Siedlung mexikanischer Migrant*innen wird. Darunter natürlich auch ein Akkordeonist. Auch wenn der Pie dem Imbiss am Straßenrand kein Glück gebracht hat, hab ich ihn mal ausprobiert. Und so geht’s:

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Unauffindbar in Seattle – Maria Semples „Where’d You Go, Bernadette“

Als Bee geboren wird, hängt ihr Leben am seidenen Faden. Sie ist so blau, dass ihre Mutter Bernadette beschließt, sie Bandakrishna zu nennen. Fünfzehn Jahre später findet sie die Idee so blöd, dass sie Wert darauf legt, dass ihre Tochter überall unter „Bee“ läuft, so auch bei der bevorstehenden Antarktis-Kreuzfahrt. Die ist ein besonderer Wunsch von Bee, der ihr anlässlich eines Schulabschlusses mit lauter Einsen im Zeugnis gewährt werden soll.

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Für Bernadette ist diese Kreuzfahrt der reinste Horror. Erstens wird sie leicht seekrank, zweitens hasst sie Menschen. Nicht nur auf Kreuzfahrtschiffen, sondern auch in Seattle, der Heimat der Familie. In Bees Schule wird Wert darauf gelegt, dass auch die Eltern sich in den Alltag einbringen. Bernadette hat darauf so wenig Lust, dass sie sich schnell mit der gesamten Liga der vorbildhaften Mütter anlegt, die total gerne Schulausflüge begleiten. Die nun bevorstehende Kreuzfahrt klingt für sie so fürchterlich, dass sie laut überlegt, einfach zu verschwinden. Und tatsächlich – kurz bevor es losgehen soll, geht Bernadette nur kurz aufs Klo und wird danach nicht mehr gesehen. Where’d You Go, Bernadette ist der Versuch ihrer Tochter, die Spur aufzunehmen und mit Hilfe von Mails, Zeitungsausschnitten und anderen Schriftstücken herauszufinden, wo ihre Mutter jetzt sein könnte.

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Emily St John Mandels „Station Eleven“

Georgien scheint weit weg zu sein, als die Nachrichten einer dortigen Grippe-Welle die USA erreichen. Ein besonders aggressiver Erreger der Schweinegrippe ist mutiert und befällt nun auch Menschen. Wer die ersten Krankheits-Symptome zeigt, hat noch 24 bis 48 Stunden zu leben, eine Heilung gibt es nicht, auch keine Impung. Als die erste Maschine mit Infizierten aus Moskau eintrifft, ist es schon lange zu spät. Die Seuche breitet sich rasant über den ganzen Kontinent, die ganze Welt aus und tötet fast alle, die auf ihr leben.

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Die wenigen, die es schaffen, hoffen noch einige Wochen auf Rettung und beginnen dann, in der völlig veränderten Welt ein neues Leben aufzubauen. Einige von ihnen finden sich in einer Art Wanderzirkus zusammen. Sie tingeln durch Kanada und den Norden der USA, tauschen Shakespeare-Stücke und Symphonie-Konzerte gegen Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Doch ihre Wege sind voller Gefahren. Die neue Gesellschaft ist auch zwanzig Jahre später noch im Aufbau, neue Siedlungen entstehen, andere brechen zusammen und nicht alle wollen ihren Lebensunterhalt mit ehrlichen Mitteln bestreiten.

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Ja wo laufen sie denn? – Jane Smileys „Horse Heaven“

Um es vorweg zu nehmen – bei Horse Heaven habe ich getan, was ich für das gesamte „Women’s Prize„-Projekt ausgeschlossen hatte: Ich habe es abgebrochen. Nach 274 von 699 Seiten habe ich es schlicht nicht mehr ausgehalten. Ich weiß nicht, was in die Jury gefahren ist, diesen Roman auf eine Shortlist zu setzen, auf der auch Margaret Atwood und Ali Smith standen.

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Horse Heaven ist ein Roman über Rennpferde und Pferderennen. Die ersten hundert Seiten hatte ich noch die Hoffnung, es könnte eigentlich um komplexe zwischenmenschliche Beziehungen gehen von Leuten, die eben auch Pferde besitzen oder mit ihnen arbeiten. Aber es geht um die Pferde. Wie sie gestriegelt, massiert, geritten, gemustert, geschätzt, verletzt, verkauft und gekauft werden. Sie heißen Residual, Epic Steam und Limitless, sind Englische Vollblüter und Rennpferde. Ihre Herkunft wird peinlich genau benannt.

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Familiendrama in Zuckerwatte – „Divine Secrets of the Ya-Ya Sisterhood“ von Rebecca Wells

Als die gefeierte New Yorker Theaterregisseurin Siddallee in einem Interview mit der nationalen Presse erzählt, dass ihre Mutter Vivi sie als Kind geschlagen hat, ist die Hölle los. Tief verletzt bricht Vivi den Kontakt ab. Sidda stürzt das in eine Krise, in der sie sogar in Frage stellt, ob sie fähig ist zu lieben und ihre geplante Hochzeit erstmal auf Eis legt. Als sie dann aber Regie führen soll bei einem Stück, das von Frauenfreundschaften handelt, kann sie ohne die Hilfe ihrer Mutter nicht mehr auskommen. Als Teil der legendären „Ya-Ya-Schwestern“ ist Vivi nämlich die Freundschafts-Expertin schlechthin.

„They smoke and curse and flaunt themselves and have no shame. And the public high school treats them like pagan princesses. These girls put their friendship before their love for God the Father.“

Seit ihrer Kindheit sind Vivi, Teensy, Caro und Necie unzertrennlich. Ihre für immer währende Freundschaft haben die vier bei einem geheimen Ritual nachts im Wald mit Blut besiegelt. Seitdem ist klar, dass jede jederzeit für die anderen einsteht. Die Ya-Yas sind alles für sie. Es ist der Goldstandard ihres Lebens, es sind Göttinnen, es ist oft genug ihr einziger Halt. Was gut ist, ist ya-ya, was blöd ist, ist ya-ya-no. Klingt albern, ist es im Kern natürlich auch. Die vier stammen durchgehend aus ziemlich wohlhabenden Familien in Louisiana, teils mit Pflanzer-Hintergrund, alle mit Dienstmädchen und Ammen. Die Jahrzehnte ihrer Freundschaft hat Vivi in einem Sammelalbum dokumentiert, das sie ihrer Tochter nun, trotz aller Uneinigkeit, als Materialsammlung schickt. Sidda zieht sich damit in die Abgeschiedenheit einer Waldhütte zurück und entdeckt Seite um Seite die Höhen und Tiefen im Leben ihrer Mutter. Und Seite um Seite scheint eine Annäherung der beiden möglicher zu werden, denn Sidda erkennt, dass ihre glänzende, glamouröse Mutter es bei weitem nicht immer so leicht hatte, wie ihre schillernde Fassade glauben lässt.

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Porträt einer massakrierten Kultur – „There There“ von Tommy Orange

Kaum ein anderes Buch im englischsprachigen Raum wurde von Kritik und Medien im letzten Jahr so einhellig gefeiert wie Tommy Oranges Debütroman There There. Er beschreibt darin das Leben der Native Americans in Oakland, einer urbanen Minderheit, an die in Deutschland kaum jemand denkt, wenn es wieder mal um Rassismus in den USA geht. Dass es innerhalb dieser Gruppe massive Schwierigkeiten gibt, ist allerdings längst bekannt. Tommy Orange schreibt von Familien, die gezeichnet sind von Alkoholismus, Gewalt und enormen Suizidraten, denen die Behörden und Hilfseinrichtungen ratlos gegenüber stehen. Er erzählt von der strukturellen Gewalt, die seit der Ankunft der Pilgrim Fathers auf die bereits vorhandene Bevölkerung Nordamerikas ausgeübt wurde, von systematischen Massenmorden und der Einsicht, die bis heute fehlt. Der Titel There There bezieht sich auf ein Zitat von Gertrude Stein, die, gleich den Charakteren des Romans, ebenfalls eine Zeit ihres Lebens in Oakland verbrachte. Als sie nach Jahren der Abwesenheit zurückkehrte in die vermeintliche Heimat, fand sie ihr ehemaliges Wohnviertel völlig verändert vor und schrieb in ihrer Autobiographie, es gäbe kein „there there“ mehr für sie in dieser Stadt.

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In seinem Roman lässt Orange zwölf verschiedene Charaktere zu Wort kommen, die sehr verschieden mit ihrer Herkunft umgehen und ihre Stellung in der Gesellschaft unterschiedlich begreifen. Einige von ihnen sind sehr stolz auf ihr Erbe, anderen ist es kaum bewusst. Die Stimmen sind so unterschiedlich, dass der Roman zumindest im ersten Drittel eher wie eine Kurzgeschichtensammlung wirkt. Noch dazu wechseln auch die Erzählperspektiven permanent. Erste Person, zweite Person, dritte Person, auktorialer Erzähler – alles dabei. Erst nach und nach wird klar, dass die Personen mehr gemeinsam haben als ihre geographische Herkunft und dass sie alle an einem Punkt zuammentreffen werden: dem ersten großen Powwow in Oakland.

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Women’s Prize for Fiction für Tayari Jones

Gestern wurde der diesjährige Women’s Prize for Fiction an Tayari Jones für ihren Roman An American Marriage verliehen. Die Jury begründet ihre Wahl wie folgt: “This is an exquisitely intimate portrait of a marriage shattered by racial injustice. It is a story of love, loss and loyalty, the resilience of the human spirit painted on a big political canvas – that shines a light on today’s America. We all loved this brilliant book.”

Jones erzählt in ihrem Roman die Geschichte eines Paares, Roy und Celestial, die in den Südstaaten leben, und als Schwarze rassistischer Diskriminierung ausgesetzt sind. Dies gipfelt in der unrechtmäßigen Festnahme Roys. Wo vorher große Liebe war, sind nun große Zweifel und noch größere Hindernisse. Denn die Justiz von der Unschuld eines Schwarzen zu überzeugen, ist in den Südstaaten alles andere als leicht.

In deutscher Übersetzung ist der Roman unter dem Titel In guten wie in schlechten Tagen bei arche erschienen.