Becky Chambers: The Long Way to a Small, Angry Planet

2014 stand Becky Chambers vor der Entscheidung: neuen Job suchen oder Roman schreiben? Mit Hilfe einer Crowdfunding-Aktion gelang es ihr, die joblose Zeit zu überbrücken und sich auf ihre schriftstellerische Tätigkeit zu konzentrieren. Das Ergebnis, die Geschichte der jungen Rosemary, die ihren ersten Job an Bord eines Raumschiffes bekommt, wurde zum Überraschungserfolg und wurde für jeden Preis in greifbarer Nähe nominiert. In diesem Sommer erscheint nun schon der dritte Roman von Chambers.

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Hier aber soll es um den ersten gehen, der an Bord des Raumschiffs Wayfarer spielt. Kapitän Ashby hat als Ergänzung für seiner chaotischen Crew die junge Rosemary angeheuert, deren undankbarer Job fortan die Organisation aller Bordangelegenheiten ist. Erst noch schüchtern taut sie doch schnell auf in Gesellschaft der sympathischen Crew, die aus den verschiedensten Ecken des Universums stammt. Längst nicht alle von ihnen sind humanoid und es braucht einiges diplomatisches Geschick und Geduld um so viele Bedürfnisse, Besonderheiten, Arme und Schuppen unter einen Hut zu bringen. Und gerade jetzt ist es besonders wichtig, dass die Crew zusammenhält. Die Wayfarer ist ein Bohrschiff, das Wurmlöcher durchs Universum legt und so für schnelle und effiziente Verbindungen sorgt. Ashby hat nun einen besonders gut bezahlten, aber auch riskanten Job an Land gezogen: sie sollen einen neuen Tunnel bauen zum Planeten Hedra Ka, dem Hauptplaneten der aggressiven Toremi, die erst vor kurzem der Allianz der Galactic Common beigetreten sind. Der Weg ist lang und der Planet potentiell feindselig, aber die Wayfarer scheut die Herausforderung nicht.

„Funny how it’s always the speciests who ruin things for everybody else.“

Obwohl ich sonst kein besonders großer SciFi-Fan bin, hat Chambers mich sofort gekriegt. Der Wayfarer-Geschichte mangelt es nicht an Spannung und Action, aber eben auch nicht an Humor. Die Versammlung skurriler aber sympathischer Charaktere erinnert manchmal ein bisschen an Douglas Adams – ein bisschen ernster und weniger absurd geht es dann aber schon zur Sache. Die kritischen Parallelen zu Kolonialismus, Ausbeutung von Ressourcen und Rassismus (im Kontext des Romans natürlich eher Speziesismus) sind unübersehbar, die Moralkeule aber schwingt Chambers nicht. Übrigens kommen die Menschen in diesem Roman nicht besonders gut weg. Als gierige Individuen haben sie ihren Planeten erfolgreich zugrunde gerichtet und erkämpfen sich erst langsam und misstrauisch beäugt einen Platz in den Galacitc Commons. In Chambers Universum geht es aber nicht um fiese Feinde oder glänzende Helden. Man betritt die Geschichte zwar mit Rosemary (einer menschlichen Bewohnerin der Mars-Kolonie), sie bleibt aber nicht im Fokus und die Geschichte verteilt sich mehr oder weniger gleichmäßig auf mehrere Charaktere. Auch die Welten und Kulturen, durch die Chambers die Wayfarer reisen lässt, sind originell, schlüssig und durchdacht. Bei den Alien-Spezies gibt es ein paar sehr schöne und überraschende Ideen und Details, besonders was die kreative Platzierung und Verwendung von Gliedmaßen angeht. Rosemary ist als Reflektor übrigens eine sehr große Hilfe. Sie ist, wenn auch auf dem Mars aufgewachsen, immerhin ein Mensch und hat eine angenehm vertraute Perspektive bei der Entdeckung des Universums. Als Linguistin im Herzen hat mich auch die wirklich interessante Sprachvielfalt begeistert. Auch hier zeigt die Autorin einen großen Einfallsreichtum und lässt die Aliens auf sehr unterschiedliche Arten kommunizieren.

Die große Mission der Wayfarer ist zwar immer das tragende Element des Romans, statt um Schießereien und technobabble geht es unterwegs aber vielmehr um die Entwicklung der Crew, sowohl der einzelnen Mitglieder als auch des Miteinanders. Jede Figur bringt ihre Vergangenheit, Fähigkeiten und Schwächen ein und es ist an der kompletten Mannschaft, das beste daraus zu machen. Freundschaften und sogar Liebe entstehen in den unwahrscheinlichsten Konstellationen und Feindschaft hat auf einem so kleinen Raumschiff nicht genug Platz. Die einzelnen Charaktere werden so detailliert und schlüssig beschrieben, dass ich am Ende gerne noch mit ihnen weitergeflogen wäre. Vielleicht ja in einem der nächsten Bände.


Becky Chambers: The Long Way to a Small, Angry Planet. Hodder & Stoughton 2015. 404 Seiten. Deutsche Übersetzung unter dem Titel Der lange zu einem kleinen zornigen Planeten. Übersetzt von Karin Will. Fischer 2016.

Das Zitat stammt von S. 283

Deirdre Madden: Molly Fox’s Birthday

Wie es sich für einen Dubliner Roman gehört, spielt Molly Fox’s Birthday an einem einzigen Tag, dem 21.06. Diesen einen Tag verbringt eine namenlose Erzählerin, Theaterautorin, in Molly Fox’s Haus und versucht, an ihrem neuen Stück zu arbeiten. Molly Fox selbst taucht in diesem Roman ebenso wenig auf wie ihr Geburtstag, den die Schauspielerin lieber nicht feiert und stattdessen alleine in New York verbringt. Die Erzählerin fühlt sich trotzdem ständig von ihr umgeben, denn Mollys Haus ist randvoll mit Erinnerungen an Theatererfolge, Reisen und Freundschaften. Ständig in Gedanken bei der alten Freundin kommt die Erzählerin nicht dazu, auch nur einen Satz zu Papier zu bringen. Stattdessen hängt sie Erinnerungen an die gemeinsame Zeit nach, an die erste gemeinsame Produktion und die gemeinsamen Freunde. Vor allem Andrew, den sie seit Studienzeiten kennt, spielt eine große Rolle in ihren Erinnerungen, ebenso wie ihr Bruder Tom, der Priester geworden ist.

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Dabei beschäftigt sie sich viel mit der Frage, ob und wie das ständige Darstellen anderer Personen ihre Freundin beeinflusst oder verändert hat, sinniert über das Theater an sich und die Kunst im allgemeinen. Für sie hat das Theater von früher Jugend an eine große Bedeutung gehabt, seit ihr deutlich älterer Bruder Tom sie das erste mal in eine Shakespeare-Inszenierung mitgenommen hat, hat diese Welt sie nicht mehr losgelassen. Schauspielerische Ambitionen hat sie nicht entwickelt, aber dass sie Stücke schreiben wollte, war ihr da schon klar.

„What about the theatre? Well, it exists in time – a play lasts an hour and a half, two hours, but if it’s any good at all it takes you somewhere outside time. And then you can see things – see things differently.“

Während des Tages in Dublin passiert nicht viel. Die Erzählerin zerbricht einen Krug, trifft, als sie Ersatz besorgen will, eine alte Freundin aus College-Zeiten, und empfängt drei Überraschungsgäste, die ebenso überrascht sind, sie und nicht Molly anzutreffen. Und so ist die Stärke des Romans eben auch nicht die Handlung sondern das Nachdenken über Freundschaften, Familie, Theater, Veränderungen und Blickwinkel. Es ist ein heißer Tag, den die Erzählerin vor allem im schön angelegten Garten des Dubliner Hauses verbringt, in dem sie zu Ruhe und Konzentration finden will und es doch nicht schafft. Ähnlich ist es mir in Teilen mit diesem kurzen Roman gegangen, auf den ich mich gerne einlassen wollte, mit dem ich aber nur stellenweise warm geworden bin. Die Personenkonstellationen sind zwar interessant, aber eben auch nur sehr indirekt vermittelt und werden nur bruchstückhaft freigelegt, eben so, wie es der Erzählerin gerade in den Sinn kommt. Auch wenn in der unmittelbaren Handlung des Romans beinahe nichts passiert, tut sich in und zwischen den Personen doch einiges. Unter anderem schlägt der Nordirland-Konflikt ein paar tiefe Kerben in die ein oder andere Freundschaft und religiöse Fragen führen zu einigen erhitzten Debatten beim Abendessen.

Molly Fox’s Birthday ist trotz seines einfachen Aufbaus ein vielschichtiger Roman mit stimmig charakterisiertem Personal, der seine Tiefen nach und nach offenbart. Aufgrund der sehr ruhigen Erzählweise muss man für diesen Roman aber wirklich in der richtigen Stimmung sein. Ein sehr warmer Tag in einem sehr schönen Dubliner Garten könnte zumindest der richtige Ort dafür sein. Sehr warme Tage auf einem ziemlich schönen Bremer Balkon haben nur bedingt geholfen.


Deirdre Madden: Molly Fox’s Birthday. Faber and Faber 2009. 221 Seiten. Erstausgabe beim gleichen Verlag 2008. Eine Neuauflage ist dort ebenfalls lieferbar. Eine deutsche Übersetzung gibt es nicht.

Das Zitat stammt von S. 90

Mit diesem Roman war Madden 2009 auf der Shortlist für den Orange Prize for Fiction. Dieser Beitrag ist Teil des Leseprojekts Women’s Prize for Fiction.

 

Essen aus Büchern: Kugel aus Ann Patchetts „The Magician’s Assistant“

Kugel ist ein Auflauf aus der jüdisch-aschkenasischen Küche und teilt seine etymologischen Wurzeln wahrscheinlich mit dem Gugelhupf. Es gibt eine süße Variante, die vor allem aus Eiernudeln und verschiedenen Milchprodukten besteht und eine herzhafte, die vor allem aus Kartoffeln besteht. In The Magician’s Assistant allerdings ist recht eindeutig die süße Variante gemeint, ausgestellt in der Süßwarenvitrine des traditionellen jüdischen Restaurants Canter’s Deli, in dem Protagonistin Sabine der Versuchung kaum widerstehen kann:

„She couldn’t remember the last time she had eaten, and she put her hand on the overflowing pastry case and leaned towards the glass, suddenly mesmerized by kugel.“

Die süße Variante ist auch bekannt als Lokshen Kugel, wobei ‚Lokshen‘ die Nudeln bezeichnet, oder als Noodle Kugel, was mühelos den phonetischen Sieg davon trägt. Über die Jahrhunderte haben sich natürlich sehr viele Varianten entwickelt. Fast in allen süßen Kugel-Rezepten findet man Rosinen, manchmal auch andere (Trocken)früchte, Zitronenzesten oder Apfelmus. Oft werden nur Zucker und Zimt über die Masse gestreut, manchmal aber auch Toppings wie zerbröselte Kekse, Streusel oder Cornflakes. Es war mir nicht möglich, herauszufinden, was Canter’s Deli sein Kugel nun genau macht, deswegen habe ich mich einfach für eine möglichst traditionelle Variante entschieden. Es ist einfach, es ist sehr lecker, es ist super variabel, aber ich warne euch – es ist auch eine riesige Milchprodukte-Schlacht.

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eine große Auflaufform bzw. 10 Portionen Kugel:

  • 200 g Rosinen
  • 350 g breite Eiernudeln
  • 6 Eier Größe M
  • 450 g Saure Sahne
  • 250 g Frischkäse
  • 200 g körniger Frischkäse
  • 200 g Zucker
  • 60 g sehr weiche oder geschmolzene Butter
  • 1/4 TL Salz
  • außerdem ca. 4-6 EL Zucker-Zimt-Mischung zum Bestreuen und etwas Fett für die Auflaufform

Den Ofen auf 180°C vorheizen. Die Rosinen in einer Schüssel mit warmem Wasser übergießen und einweichen lassen. Ungesalzenes Wasser für die Nudeln aufstellen.

In einer Schüssel die Frischkäse-Sorten, Saure Sahne, Eier, Butter, Zucker und Salz mit einem Rührlöffel oder einem Schneebesen zu einer glatten Masse verrühren. In einer weiteren Schüssel je nach Geschmack 4-6 EL Zucker mit gemahlenem Zimt vermischen.

Wenn das Wasser kocht, die Nudeln in den Topf geben und nach Packungsanweisung sehr al dente kochen. Die fertig gegarten Nudeln abgießen und zurück in den Topf geben (nicht mehr auf die Platte stellen!). Die Rosinen ebenfalls abgießen und etwas trocken tupfen. Nudeln, Käse-Eier-Mischung und Rosinen im Topf vermengen. Die Auflaufform gut fetten und die Masse hineingeben. Die Zucker-Zimt-Mischung gleichmäßig auf der Oberfläche verteilen und die Form in den Ofen schieben.

Die Backzeit beträgt etwa 60 Minuten. Der Kugel ist fertig, wenn er nur noch schwach nachgibt und die Oberfläche braun ist. Dann aus dem Ofen nehmen und noch etwa 20 Minuten ruhen lassen, bevor man ihn anschneidet.

Vom Ergebnis war ich im ersten Anlauf so gar nicht angetan. Frisch aus dem Ofen schmeckte der Kugel wie eine missglückte Mischung aus Lasagne und Käsekuchen. Ein paar Stunden später hat mir das schon deutlich besser gefallen. Mesmerized war ich nun aber trotzdem nicht.


Das Zitat stammt von S. 27 von Ann Patchett: The Magician’s Assistant. Fourth Estate 2002.

Mehr Essen aus Büchern gibt es auf schiefgegessen.

 

Emma Henderson: Grace William Says it Loud

Grace wird 1946 als drittes Kind der Londoner Familie Williams geboren. Schnell wird ihrer Mutter klar, dass ihre jüngste Tochter sich anders und langsamer entwickelt als ihre älteren Geschwister. Sie wächst sehr langsam, lernt spät und nur mit Mühe laufen und kommt nie über Zwei-Wort-Sätze hinaus, die sie in die Welt schreit, trotz aller Therapiebemühungen kaum in der Lage, ihre Zunge zu beherrschen. In winzigen Schritten geht es voran, doch als Grace sechs Jahre alt ist erkrankt sie an Kinderlähmung. Nur knapp überlebt sie in einer Eisernen Lunge, einer ihrer Arme aber und ein Bein werden stark in Mitleidenschaft gezogen. Nelson nennt sie den jetzt beinahe nutzlosen Arm und hinkt fortan noch schiefer durchs Leben.

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Aussichtslos, sagt er Arzt. Grace werde niemals in der Lage sein, eine Schule zu besuchen oder ein eigenständiges Leben zu führen. Er empfiehlt, sie in eine spezielle Einrichtung zu schicken und so landet Grace im Alter von zehn Jahren in „The Briar“. Dem Zeitgeist entsprechend dient diese Einrichtung fast ausschließlich der Verwahrung von Menschen mit diversen Behinderungen. Sinnvolle Therapie- oder Beschäftigungsangebote gibt es kaum für die dort lebenden, dafür sind die Schikanen und Strafen des Personals umso ausgefeilter und brutaler. Ohne genau zu wissen warum, verbringt Grace Tage in dunklen „Strafräumen“, hungert und wird gezwungen, erniedrigende Arbeiten zu verrichten. Ihre einzige Stütze ist ihr Freund Daniel, Sohn eines halbseidenen aber angebeteten Antiquitätenhändlers, ein Epileptiker, der bei einem Unfall beide Arme verloren hat. Er zeigt Grace in den ersten Tagen alles nötige und wird später ihre erste und einzige große Liebe.

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Joolz Denby: Billie Morgan

Billie, eine auf die fünfzig zugehende Geschenkartikelladen-Besitzerin aus Bradford, lebt zurückgezogen in einem kleinen Häuschen, hat zwei Katzen und duscht mit Teebaumöl-Duschgel. Doch nicht immer verlief ihr Leben in so geordneten Bahnen. In ihrer Jugend ist sie Teil der Hippie-Bewegung, bis sie nach einem brutalen Vorfall ihren ehemaligen Freunden den Rücken kehrt und sich auf die Suche nach loyaleren Kreisen macht. Sie findet sie bei den „Devil’s Own“, einer Rockergang, die nach ihren eigenen Gesetzen lebt, aber immerhin den Zusammenhalt groß schreibt. Dort lernt sie auch ihren späteren Mann Mickey kennen, mit dem zusammen sie eine furchtbare Gewalttat begeht. Der Mann, der dabei stirbt, ist ein kleinkrimineller Außenseiter, er ist aber auch der Freund von Jas, die von ihm schwanger ist, und die sich, nachdem sie jetzt alleine da steht, hilfesuchend an Billie klammert. Sie ahnt nicht, wen sie zur Patentante, zum Schutzengel für ihren Natty ernannt hat.

„It was just a fact, that violence was as much part of me as love, honour and pride. It had given me iron strength of will over the years, but sometimes it demanded a price for that daily control.“

Billie ist von Jas Hilflosigkeit und ihrer Drogenabhängigkeit oft genervt und überfordert, ihre Schuldgefühle erlauben es ihr aber nicht, der Freundin und ihrem Sohn den Rücken zu kehren. Manchmal wünscht sie sich, sie hätte sich damals einfach der Polizei gestellt, dann wäre ihre Strafe jetzt abgesessen und vergolten. So plagen sie auch nach Jahren noch schlimme Alpträume und auch ihre Ehe ist kurz nach der Tat in die Brüche gegangen. Zu allem Überfluss startet nun noch eine Tageszeitung eine Reihe über Vermisstenfälle die nie aufgeklärt wurden und die Mutter des Toten will noch einen letzten Versuch starten, ihren Sohn zu finden. Billie gerät in Panik. Was, wenn jetzt doch noch alles ans Licht kommt?

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T. C. Boyle: Tortilla Curtain

Delaney Mossbacher macht in seinem Leben alles richtig. Er ist naturverbunden, liberal, kümmert sich um seinen Stiefsohn Jordan, unterstützt seine Frau, fährt ein vernünftiges Auto und achtet auf ausgewogene Ernährung. Als Journalist berichtet er in schwülstigen Texten von seinen Wanderungen in Kalifornien. Doch dann läuft ihm auf dem Weg zur korrekten Müllentsorgung ein Mann vors Auto und wird in die Böschung geschleudert. Delaney will wieder alles richtig machen, Polizei und Krankenwagen rufen, doch der Mann wehrt ab: als Mexikaner ohne gültigen Aufenthaltsstatus in den USA würde ihm das nur Ärger einbringen. Delaney drückt dem Verletzten 20$ in die Hand und verschwindet. Und ab da läuft gar nichts mehr – bei keinem der beiden Männer.

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Cándido schleppt sich verletzt zurück in das ärmliche Lager, das er mit seiner Frau América am Ufer eines nahe gelegenen Flusses bewohnt. Der amerikanische Traum ist für die beiden seit ihrer Einreise über die grüne Grenze, durch den „Tortilla Curtain“, noch nicht in Erfüllung gegangen und Cándido ernährt die beiden nur mühsam mit Gelegenheitsjobs. An eine richtige Wohnung ist nicht zu denken, doch das muss sich bald ändern, denn América ist schwanger.

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Matt Ruff: Lovecraft Country

H.P. Lovecraft ist heute vor allem als genreprägender Autor von Horroliteratur bekannt. Besonders sein Cthulhu-Mythos hat Kultstatus erlangt, aber auch die Erforschung geheimen Wissens ist ein wiederkehrendes Motiv seines Werks. Ebenso wie Rassismus – wenn Lovecrafts Verteidiger auch betonen, dass dieser eher kulturell als hardline biologisch determiniert gewesen sei, sind einige seiner Äußerungen halt schon hart. Der Begriff „Lovecraft Country“ bezeichnet ein Gebiet in Massachusetts, bestehend aus realen und fiktiven Orten, in denen Lovecraft seinen Cthulhu-Mythos ansiedelte und in dem auch die meisten darauf aufbauenden Werke anderer AutorInnen spielen.

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In dieses Gebiet verschlägt es nun Atticus, seinen Onkel George und seine Freundin Letitia. Die drei sind auf wichtiger Mission, denn sie suchen Atticus Vater Montrose, der auf der Suche nach familiären Verbindungen einem geheimnisvollen Fremden in diese Gegend gefolgt sein soll. Die Reise ist für die drei besonders gefährlich, denn sie sind schwarz und die Geschichte spielt in den 1950ern, als die Jim Crow Laws noch in voller Blüte standen. Schwarze dürfen nicht in allen Hotels übernachten, werden in kaum einem Restaurant bedient und eine simple Reifenpanne kann ein großes Problem werden, wenn weit und breit keine Werkstatt bereit ist zu helfen. Immerhin ist mit George eine gewisse Expertise an Bord. Er ist der Herausgeber eines Reiseführers mit sicheren Adressen für Schwarze, dem Safe Negro Travel Guide – erschreckenderweise musste es dieses Buch tatsächlich bis in 1960er geben, allerdings unter dem Titel The Negro Motorist Green Book. Doch trotz seines Wissens gerät die Reise zu einem höchst gefährlichen Roadtrip und nur mit Müh und Not schaffen sie es in das abgelegene Dorf, in dem sie Montrose vermuten. Doch das ist erst der Anfang. Denn kaum ausgestiegen finden sie sich in den Fängen eines rassistischen Geheimordens, der in Atticus den Hüter magischer Fähigkeiten vermutet. Plötzlich ist die ganze Familie verwickelt in eine uralte, hochkomplexe und noch dazu sehr riskante Logen-Fehde.

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Women’s Prize for Fiction für Kamila Shamsie

Der diesjährige Women’s Prize for Fiction geht an Kamila Shamsie für ihren Roman Home Fire. Nach Shortlist-Platzierungen 2009 (Burnt Shadows/Verglühte Schatten) und 2015 (A God in Every Stone/Die Straße der Geschichtenerzähler) ist es das erste mal, dass Shamsie den Preis gewinnt. In ihrem Roman erzählt sie die Geschichte von Isma und ihren Geschwistern und der Untrennbarkeit von Privatem und Politischem. In den englischsprachigen Medien wurde der Roman in den höchsten Tönen gelobt, eine sehr lesenswerte deutschsprachige Besprechung gibt es beispielsweise bei letteratura.

In deutscher Übersetzung ist der Roman unter dem Titel Hausbrand beim Berlin Verlag  für September angekündigt.

Und wer nochmal wissen will, gegen wen Shamsie sich durchgesetzt hat – und die Konkurrenz war nicht ohne – kann einen Blick auf die Longlist und die Shortlist werfen.

Sheri Holman: The Mammoth Cheese

Margaret Prickett, Farmerin in Virginia, steht vor den Trümmern ihrer Existenz. Seit Generationen hat ihre Familie eine Farm im kleinen Ort Three Chimneys, wo sie Jersey Kühe halten und ihren eigenen Käse herstellen. Der Tod ihres Vaters lässt sie mit einem Schuldenberg zurück und die Bank setzt die letzte Frist zur Begleichung ihres Kredits. Rettung sieht sie in Adam Brooke, der für das Amt des Präsidenten kandidiert und im Falle seines Sieges einen Schuldenschnitt für kleine Farmen verspricht. Seinem Wahlkampf widmet Margaret alle Zeit, die sie nicht in Kuhstall oder Käsekeller verbringt. Dabei verliert sie ihre Tochter Polly aus den Augen, die mit ihren 13 Jahren das erste mal verliebt ist, leider recht unglücklich in ihren Geschichtslehrer Mr. March. Und auch für August, der ihr auf der Farm hilft und seit Jahrzehnten in sie verliebt ist, hat sie keine Augen. Von Augusts Vater allerdings, Pfarrer Leland, kommt die Idee, einen gigantischen Käse zu produzieren, einen Mammut-Käse, der Adam Brooke als Geschenk präsentiert werden soll, als Dank der kleinen Farmer, für deren Rechte er sich einsetzt. 1.235 Pfund soll er wiegen, ganz wie sein Vorbild, der „Cheshire Mammoth Cheese“, der 1802 Thomas Jefferson zum (historisch verbrieften) Geschenk gemacht wurde.

„This homespun, heartfelt, mammoth gesture appealed to the populist spirit of most Americans.“

Der Riesenkäse ist aber nicht die einzige Sensation, die das sonst so triste Three Chimneys gerade aufweisen kann. Eine Frau aus dem Ort hat nach einer Fruchtbarkeitsbehandlung elf Kinder auf die Welt gebracht – ein neuer Weltrekord und Grund für Kamerateams aus aller Welt, den Rasen vor dem Krankenhaus zu zertrampeln. Der ganze Ort ist voll gerührter Hilfsbereitschaft. Doch die Sensation wird schnell zum Drama, als nicht alle Kinder überleben. Von der ursprünglichen Hilfsbereitschaft bleiben nur noch aussortierte Sachspenden und Mutter Manda verzweifelt an ihrer neuen Mammut-Aufgabe.

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Essen aus Büchern: Scones aus Jasper Ffordes „Shades of Grey“

Scones sind unbestritten einer der großen Klassiker der Britischen Küche und besonders zur Tea Time beliebt. In Shades of Grey ist es die Aufgabe von Haushälterin Jane, die Scones zu servieren. Eddie Russett, Protagonist des Romans, ist gerade in die Stadt gekommen und nun kommen die wichtigsten Bürger der Stadt vorbei, um ihn und seinen Vater willkommen zu heißen.

Jane hasst jeden einzelnen von ihnen. Sie ist gegen das System der Farbherrschaft und vor allem ist sie gegen ihre Zwangsverpflichtung als Haushälterin. Immerhin scheint sie Eddie zu mögen, denn sie schiebt ihm, als der Tee gerade serviert ist, noch schnell einen Zettel zu:

Don’t eat the scones!

Und so lehnt Eddie dankend ab, während die Präfekten sich über den leicht pikanten Geschmack wundern. Jane weigert sich später, Eddie zu sagen, was genau in ihren Scones war. Aber es überleben alle.

Die Scones, die ich gebacken habe, kommen ohne eklige Geheimzutat aus und sind im wesentlichen ein Rezept von Mary Berry. Und so geht’s:

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