Nadifa Mohamed: Black Mamba Boy

In Black Mamba Boy erzählt Nadifa Mohamed die Geschichte ihres Vaters. Jama wächst in Somaliland auf, sein Vater verlässt die Familie früh um im Sudan als Fahrer Geld zu verdienen. Als er nicht zurückkehrt, geht seine Mutter mit Jama nach Aden, um dort Arbeit zu finden.

„the place where you are born is not always the best place for you, boy.“

Sie stirbt jung und Jama, nun völlig auf sich allein gestellt, macht sich auf den beschwerlichen Weg in den Sudan, von dem er nicht genau weiß, wo er überhaupt ist, um seinen Vater zu finden. Das alles passiert in den 1930ern, als Abessinien gerade von italienischen Truppen angegriffen wurde. Jamas Weg in den Sudan führt mitten durch das umkämpfte Gebiet. Auch er arbeitet für die italienischen Besatzer und wird Teil ihrer Armee. Der Umgang der Europäer mit den Afrikanern, die für sie und an ihrer Seite kämpfen, widert ihn zunehmend an. Auch er selbst erfährt Erniedrigungen und Demütigungen durch Vorgesetzte, findet aber nicht den Mut, zu fliehen. Erst als er mit eigenen Augen das Opfer eines sinnlosen Gewaltexzesses sieht, desertiert er und gelangt nach Eritrea, wo er sesshaft zu werden scheint. Doch getreu seinem Motto „Das einzige, was ein ruhender Mann findet, ist der Tod“, findet er auch dort auf Dauer keine Ruhe und setzt seinen Weg fort.

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Margaret Atwood: Lady Oracle

Joans Mutter wünscht sich eine hübsche, grazile Tochter, die zum Ballett geht, bei den Pfadfinderinnen beliebt ist und reizende Kleider tragen kann. Joan ist dick, hat keine Freundinnen und ihr Part bei der Ballettaufführung wird in letzter Minute gestrichen. Ihr Körper ist der Hauptschauplatz der Auseinandersetzung mit ihrer Mutter, die es nicht schafft, wirkungsvoll einzugreifen, weder mit Bestechungen noch mit untergeschummelten Abführmitteln. Ihr Gewicht ist Joans Weg der Mutter zu zeigen, dass sie sie hasst und die wirkliche Machtposition innehat indem sie sich schlicht weigert, das repräsentable Töchterchen zu sein.

atwood_ladyoracleIhre einzige Freundin und Verbündete ist ihre Tante Louise, mit der sie eine Vorliebe für Liebesschnulzen und Essen teilt. Als Louise stirbt, hinterlässt sie Joan einen Großteil ihres Vermögens und eine zweite Identität – Joan unterschlägt die Geburtsurkunde und hat bald einen Pass, ein Konto und einen Autorenvertrag unter dem Namen Louise K. Delacourt. Zufällig hat Joan nämlich entdeckt, dass sie ein schriftstellerisches Talent für Kostümromanzen hat und davon ganz gut leben kann. Eher zufällig produziert sie dabei auch einen Gedichtband mit dem Namen Lady Oracle, das einzige Buch, das jemals unter ihrem richtigen Namen erscheint.

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Elena Ferrante: Meine geniale Freundin

Erzählt wird Meine geniale Freundin von Elena, genannt Lenù, die mittlerweile erwachsen ist und deren lebenslange Freundin Lila plötzlich verschwunden ist. Sie glaubt, dass sie durch das Aufschreiben der gemeinsamen Geschichte eine Spur finden kann, die sie zu Lila führt.

ferrante_meinegenialefreundin„So war unsere Welt, voller Wörter, die töteten: Krupp, Tetanus, Flecktyphus, Gas, Krieg, Drehbank, Trümmer, Arbeit, Luftangriff, Bombe, Tuberkulose, Vereiterung.“

Lenù und Lila wachsen in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in einem ärmlichen Viertel Neapels auf. Ihre Kindheit ist geprägt von Gewalt und derbem Umgang untereinander, Verletzungen und Todesfälle sind nicht erschreckend sondern Normalität. Das Leben der Kinder spielt sich ausschließlich innerhalb des Viertels, des Riones ab. Keine der beiden war jemals am Meer oder hat die anderen Gegenden Neapels gesehen. Erst als Jugendliche erleben sie die reicheren Ecken der Stadt und haben dann oft Ärger wegen der ungehobelten Umgangsformen ihrer Freunde.

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Shakespeare: The Merchant of Venice – Howard Jacobson: Shylock Is My Name

Shylock Is My Name ist der zweite Teil der Hogarth Shakespeare-Reihe und zugleich ein Zitat Shylocks aus dem Stück „The Merchant of Venice“, auf deutsch „Der Kaufmann von Venedig“. Das Stück wird oft für seinen ziemlich unverhohlenen Antisemitismus kritisiert und sehr unterschiedlich interpretiert. Einige Interpreten unterstreichen, dass auch der Jude im Stück ein gleichberechtigter Mensch sei, andere sind der Ansicht, Shylock habe einfach die Rolle des Bösewichts, des „Vice“, seine Boshaftigkeit habe also gar nichts mit dem Judentum zu tun. Wieder andere finden, Shylock sei nicht grausamer Täter sondern vielmehr das Opfer in der ganzen Angelegenheit. Aber worum geht es denn eigentlich? Grob zusammengefasst ist das hier die Story:

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Heinrich Mann: Die kleine Stadt

H. MANN betritt von rechts kommend das nach der neuesten Mode eingerichtete Bureau seines VERLEGERS. VERLEGER an seinem Schreibtisch erhebt sich leicht.

H. MANN (überschwänglich): Sehen Sie, Herr Verleger, hier ist mein neues Werk!“
VERLEGER greift nach Manuskript und blättert darin. Legt Manuskript mit resigniertem Gesichtsausdruck auf Schreibtisch.
VERLEGER: Aber Herr Mann, das ist ja ein Drama! Das geht so nicht. Das Publikum wünscht keine Dramen zu lesen sondern Romane!
H. MANN (kleinlaut): Ja, aber nun hab ich..
VERLEGER (großspurig): Mein lieber Herr Mann, das ist doch gar kein Problem. Hier haben Sie einen Stift (gibt ihm einen Stift) und immer wenn da steht… zum Beispiel „DON TADDEO:“ machen sie daraus „Don Taddeo sagte“. Oder „alle ab“, da machen Sie einfach draus „Alle verlassen den Marktplatz“ oder so. Das kriegen sie schon hin. Ist ja nicht ihr erster Roman.

H. MANN und VERLEGER verharren im Hintergrund. BLOGGERIN betritt Bureau vom rechten Bühnenrand. Sie trägt ein Heißgetränk in der Hand.

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Ali Smith: How to be both

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How to be both habe ich eigentlich nur gelesen, weil es im Umfeld jedes relevanten Literaturpreises des vergangen Jahres herumlungerte. Beim Booker Prize, beim Folio Prize, beim Costa Book of the Year, beim Bailey’s Award – überall, wo dieses Buch nominiert sein konnte, war es nominiert. Den Klappentext fand ich erst abschreckend. Eine Geschichte, erzählt von einer 16jährigen und einem Renaissance-Maler? Besten Dank. Am Ende hab ich es dann doch probiert und war entgegen jeder Erwartung begeistert.

Ein Teil des Buchs wird erzählt von Francesco del Cossa (im Buch Francescho geschrieben), einem italienischen Renaissance-Maler, der vor allem für seine Fresken im Palazzo Schifanoia in Ferrara bekannt ist – dieser Maler und diese Fresken existieren tatsächlich. Der andere Teil des Buchs wird erzählt von einem englischen Mädchen namens George, das in Cambridge aufwächst. Georges Mutter sieht Bilder aus dem Palazzo Schifanoia und ist so fasziniert von einer der Figuren, dass sie sofort ein Hotelzimmer bucht und mit ihren Kindern nach Italien reist. Dies ist eine der letzten Erinnerungen von George an ihre Mutter. Wenige Monate später stirbt die Mutter unerwartet und George bleibt zurück mit ihrem kleineren Bruder und dem Vater, der mit der Situation nicht umgehen kann. George ist von da an besessen von einem von Franceschos Bildern und fährt fast jeden Tag in ein Museum, um es zu sehen. Dort taucht eines Tages Francescho höchstpersönlich auf – körperlos, denn er ist seit Jahrhunderten tot. So kann er George aber auf Schritt und Tritt folgen und all die Kuriositäten der modernen Welt beobachten.

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Rachel Kushner: Flammenwerfer

flammenwerferFlammenwerfer ist das von mir am meisten unterschätzte Buch des Jahres. Die Verlagsvorschau sagte mir, dass es um das Mädchen Reno ginge, ein Spitzname nach ihrem Geburtsort. Ich dachte an Jersey von Coyote Ugly und hatte schon keine Lust mehr. Außerdem sei sie Motorrad-Rennfahrerin, die im „kreativ explodierenden“ SoHo lebt und mit einem stinkreichen Konzeptkünstler liiert ist. Aha. Alles langweilig, kauf ich nicht, nächstes Buch.

Dann kam ein Kunde und sagte ich müsse es lesen. Unbedingt. Weil ich wusste, dass er fragen würde, bis ich irgendwas dazu sagen könnte, hab ich mal reingeguckt. Und es ist ein unglaublich gutes Buch. Obwohl es um Motorräder und Land Art geht. Natürlich nicht nur darum.

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