Essen aus Büchern: Bridge Rolls aus Naomi Aldermans „The Power“

In The Power erzählt Naomi Alderman von einer Gruppe Mädchen, die eine neue, elektrische Kraft in sich entdecken, die das Machtverhältnis auf dieser Welt von heute auf morgen umkehrt. Eine von ihnen ist Roxy. Sie stammt aus klein- bis groß-kriminellen Verhältnissen und schreckt auch selbst nicht vor Gewalttaten zurück. Ihre Mutter wurde umgebracht, als sie noch klein war. Es war eine Rache am Vater, der sich mit den falschen Leuten eingelassen hatte. Jahre später erwischt es auch ihren Halbbruder Terry. Da ist es schon lange beschlossene Sache, dass Roxy die Familie verlassen soll, weil es für sie zu gefährlich wird. Terrys Beerdigung ist für sie der letzte Anlass, nochmal die ganze Familie zu sehen.

„They let her come to Terry’s funeral; it was a bit like Christmas. There was aunties and uncles, and booze and bridge rolls and hard-boiled eggs.“

Bridge Rolls sind kleine, längliche Brötchen und es scheint ein völlig absurder Gedanke zu sein, sie selbst zu machen. Ich habe exakt ein Rezept dafür gefunden, das auf verschiedenen Blogs wiederholt wird. Woher sie ihren Namen haben, ist nicht ganz klar. Sie tauchen das erste mal in den 1920ern auf und waren möglicherweise für hungrige Bridge-Runden gedacht. Vielleicht haben sie ihren Namen aber auch daher, dass sie beim Backen „Brücken“ bilden sollen, die man später wieder auseinander reißen muss. Gegessen werden sie offenbar bevorzugt mit Eiersalat. Aber erstmal muss man sie backen. Und zwar so:

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Essen aus Büchern: Mandel-Orangenkuchen aus Charlotte Mendelsons „When We Were Bad“

Heute gibt es einen Kuchen aus der Küche von Rabbi Claudia Rubin aus Charlotte Mendelsons Roman When We Were Bad. Dieser Kuchen ist Teil der Pessach-Tradition des sephardischen Judentums und im Roman Teil eines grandiosen Seder-Essens, was ein komplizierter Vorgang ist, dessen Erklärung zu viel Raum einnehmen würde, weshalb ich Interessierte an die Weiten des Internets verweise. Claudia will sich bei dieser Einladung selber übertreffen und halst sich eine Menge Arbeit auf. Ihre Liste noch zu erledigender Dinge hat einen Tag vor dem Essen noch mehr als zwei Seiten im Buch. Und da ist sie schon am sechsten Tag der Vorbereitungen.

„On Thursday, thankfully her day off from shul, Claudia:

[….] boils eight oranges for two hours and, when they are cool and soft as death, mixes them with ground almonds, cocoa, sugar and eggs, pours the speckled goo into cake tins and bakes them until the house smells as it should. Blessed art thou, O Lord our God, King of the Universe, who has kept us in life and preserved us and enabled us to reach this season, she thinks, and then she stops, and then she carries on.“

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Essen aus Büchern: Kassavakuchen aus Jean Rhys „Die weite Sargassosee“

Direkt nach dem Rezept für Seed Cake aus Jane Eyre kommt hier eines aus dem postkolonialen Antwortschreiben Die weite Sargassosee. Ein nicht benannter Mann, der sich recht einfach als Rochester erkennen lässt, trifft und heiratet darin eine Frau, die sich recht einfach als Bertha erkennen lässt. Schon in den Flitterwochen beginnt die Ehe zu kriseln. Der frisch gebackene Ehemann kann mit dem Leben seiner Frau auf den karibischen Inseln nichts anfangen, die Menschen dort stoßen ihn ab, er verträgt weder Wetter noch Essen. Bertha endet als „mad woman in the attic“. Am ersten Morgen aber ist noch alles in Ordnung, als die ihm schon kurz darauf verhasste Bedienstete Christophine das Frühstück serviert:

„Sie wünschte uns lächelnd einen guten Morgen und stellte das Tablett mit Kaffee, Kassavakuchen und Guavengelee auf den runden Tisch.“

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass es auch bei diesem Rezept ungezählte Varianten gibt, die auch im gesamten karibischen Raum variieren. Bei diesem Rezept musste ich zudem leider Abstriche bei der Authentizität machen. Es war mir nicht möglich, ein Rezept zu finden, das ohne Vanille- und Mandelaroma bzw. -extrakt arbeitet. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das im Roman gegessene Gericht das nicht beinhaltet. Da das hier aber meine erste Maniok-Erfahrung überhaupt ist, wollte ich auch keine großen Experimente starten. So also geht’s:

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Essen aus Büchern: Kümmelkuchen aus Charlotte Brontës „Jane Eyre“

Der englische Name dieses Kuchens, „seed-cake“, weckte in mir die Hoffnung, es könnte sich um einen Kuchen mit verschiedenen Saaten darin handeln, sagen wir Mohn oder Sesam. Aber nein, die Samen sind ausschließlich die des Kümmels. Und ich hasse Kümmel. Ich finde, es passt ganz gut zum Bild von Jane, dass sie vom Leben so wenig erwartet und erhofft, dass sie sich selbst über Kümmelkuchen freut.

„Having invited Helen and me to approach the table, and placed before each of us a cup of tea with one delicious but thin morsel of toast, she got up, unlocked a drawer, and taking from it a parcel wrapped in paper, disclosed presently to our eyes a good-sized seed-cake.“

Die Szene ist übrigens relativ früh im Buch, als Jane noch in Lowood lebt. Die freigiebige Dame in dieser Szene ist die Schulleiterin Miss Temple, zu der Jane vertrauen gefasst hat. Spät am Abend sucht Jane sie mit ihrer Freundin Helen auf und bekommt noch eine Kleinigkeit serviert, die im Vergleich zu dem, was man sonst auf Lowood bekommt, beinahe eine Festmahl ist. Und damit wir alle was anzubieten haben, wenn mal zwei verarmte Waisenmädchen vor der Tür steht, kommt hier das Rezept für Kümmelkuchen:

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Essen aus Büchern: Bohnenmus-Brötchen aus Haruki Murakamis „Kafka am Strand“

Das japanische Bohnemus-Brötchen Anpan erfreut sich landesweit großer Beliebtheit und ist vor allem als Zwischenmahlzeit beliebt. Das Wort setzt sich zusammen aus dem Wort Anko für Bohnenpaste und Pan, was über das portugiesische pão seinen Weg ins Land gefunden hat. Es soll das erste Brot sein, das jemals in Japan gebacken worden ist. Inzwischen haben sich sowohl bei Teig als auch Füllung zahlreiche Varianten entwickelt. Die traditionelle Füllung ist eine glatte oder pürierte Masse aus Adzuki-Bohnen, inzwischen gibt es aber auch sehr viele innovativere Füllungen.

Auch Nakata aus Murakamis Kafka am Strand gehört zu den Fans des süßen Brötchens. Als er Nakano das erste mal verlassen muss, landet er, völlig überfordert von den Zugverbindungen und nicht in der Lage, Schilder zu lesen, am Bahnhof Shinjuku. Ratlos setzt er sich vor dem Gebäude auf eine Bank. Bald füllt sich der Platz mit Menschen, die dort ihre Mittagspause verbringen.

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Essen aus Büchern: Lamington-Kuchenwürfel aus Carrie Tiffanys „Fortschrittlich leben für jedermann“

In Fortschrittlich leben für jedermann geht es um ein Ehepaar, beide Angestellte des australischen Landwirtschaftsministeriums. Die beiden sind so beflügelt von der Idee des technischen Fortschritts, dass sie unter streng wissenschaftlichen Kriterien eine prosperierende Farm im unwirtlichen Outback aufbauen wollen. Bald müssen sie erkennen, dass Theorie und Praxis weit auseinander liegen und führen ein äußerst entbehrungsreiches Leben. Umso größer die Freude wenn es anlässlich einer Feier doch mal was besonderes gibt:

„Es gibt Vanilleteilchen mit so dicker Puddingfüllung, dass der Deckel fast abrutscht und Lamington-Kuchenwürfel mächtig wie Backsteine.“

Um die Lamington-Würfel rankt sich übrigens eine Legende, die garantiert falsch ist und besagt, dass die Haushälterin von Lord Lamington, Governor of Queensland, einen Kuchenwürfel versehentlich in Schokoladensoße hat fallen lassen und ihn daraufhin, damit man ihn wenigstens anfassen konnte, in ebenfalls herumstehende Kokosraspeln geworfen hat. Der just in diesem Moment eintretende Lord Lamington war entzückt von der Idee. Und so sind der Legende nach die Lamingtons entstanden. Möglich ist es allerdings, dass der Kuchen tatsächlich aus seinem Umfeld stammt. Europäische Gäste waren zu dieser Zeit noch sehr leicht mit Kokos zu begeistern.

Wer den angeblichen Küchenunfall nachbauen will, so geht’s:

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Essen aus Büchern: Gougères aus Hanya Yanagiharas „Ein wenig Leben“

Das neue Jahr in dieser Reihe beginnt, wie es für Jude St Francis in Hanya Yanagiharas Ein wenig Leben endet. Nicht mit Drama, sondern mit Gougères. Das ist eines der Gerichte, die er für eine Silvesterfeier mit Freunden vorbereitet. Jude ist der engagierteste Koch im Freundeskreis und gibt keine Ruhe, ehe er nicht ein perfektes Abendessen serviert hat, auch wenn er als einziger ernsthaften Wert darauf legt. Völlig unnötig, finden seine Freunde, eine Pizza hätte es auch getan:

„Ich habe dir doch gesagt, du sollst die verschissenen Gougères weglassen“, hörte er JB fröhlich sagen.“

In letzter Sekunde fällt ihm also am Vorabend ein, er müsse mehr Gougères machen und verliert plötzlich alle Nerven. Vielleicht liegt das daran, dass die Autorin ihn zwingt, eine Ausstechform zu benutzen. Eine Ausstechform, Hanya? Du kannst den armen Jude nicht mit einer Ausstechform und Brandteig arbeiten lassen, da ist es überhaupt kein Wunder, dass er die Nerven verliert. Nimm einen Spritzbeutel, Jude, nehmt einen Spritzbeutel liebe Lesende. Wenn ihr keinen habt und niemand euch einen leihen will, nehmt zwei Löffel, aber nehmt keine Ausstechform. Und los geht’s:

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Essen aus Büchern: Mince Pies aus Margaret Atwoods „Alias Grace“

Im Roman Alias Grace gibt es für die Protagonistin Grace Marks nur wenige positive Erinnerungen. Eine davon ist ein Weihnachtsfest, bei dem sie und die anderen Hausangestellten ein eigenes kleines Festmahl bekommen. Es ist ein großes und wohlhabendes Haus mit entsprechender Dienerschaft und Grace kann einen seltenen glücklichen, friedlichen Moment erleben:

„The snow had fallen heavily that day, and the people were out in their sleighs, with bells on the horses, and it sounded very pretty. And after the family had eaten their Christmas dinner the servants ate theirs, and had their own turkeys and mince pies, and we sang some carols together, and were glad.
This was the happiest Christmas that I ever spent, either before or after.“

Mincemeat ist ein sehr altes Rezept, das sich im Laufe der Zeit sehr verändert hat. Ursprünglich enthielt es tatsächlich gehacktes Fleisch, zu der Zeit in der Alias Grace spielt, allerdings schon nicht mehr. Seitdem wird es nur noch mit Trockenfrüchten, Äpfeln und Nüssen hergestellt. Traditionell sind die verwendeten Früchte Korinthen, Sultaninen und Rosinen, modernere Varianten tauschen die Trockenfrüchte mitunter auch gegen Aprikosen, Cranberries oder diverse andere aus. Geht alles.

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Essen aus Büchern: Taralli aus Elena Ferrantes „Meine geniale Freundin“

Neapel liegt direkt am Meer, doch für Lila und Elena, die beiden Protagonistinnen der „neapolitanischen Saga“ von Elena Ferrante, ist das bunte Strandleben unvorstellbar weit entfernt. Die beiden wachsen in ärmlichen Verhältnissen im Rione auf und kennen das Meer nur vom Hörensagen.

Für die reicheren, mächtigeren Familien im Viertel hingegen ist der Strand nur ein einfacher Tagesausflug, wie in dieser Episode aus Meine geniale Freundin:

„Einmal hatten Nino Sarratore und seine Schwester darüber gesprochen, in einem Tonfall von Leuten, die es normal finden, dass man dort manchmal hinging und Taralli knabberte oder Frutti di Mare aß.“

Taralli bezeichnen im allergrößten Teil Italiens ein Gebäck aus einem Brotteig, das zu Kränzen gelegt und, ähnlich wie Bagels, vor dem Backen in siedendes Wasser gegeben wird. Neapel allerdings dreht da sein eigenes Ding. Dort sind vor allem Taralli sugna e mandola verbreitet, Taralli mit Schweineschmalz und Mandel. Diese werden vor dem Backen nicht gekocht und enthalten eine recht hohe Menge Pfeffer, was sie deutlich würziger macht als die regulären Taralli. Auch die Form ist etwas anders, bei den neapolitanischen Taralli werden die Teigstränge nicht einzeln zu Kränzen gedreht sondern umeinander gedreht wie bei diesem Rezept hier.

TaralliCol

Für ca. 12-16 Taralli:

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Essen aus Büchern: Scones aus Jasper Ffordes „Shades of Grey“

Scones sind unbestritten einer der großen Klassiker der Britischen Küche und besonders zur Tea Time beliebt. In Shades of Grey ist es die Aufgabe von Haushälterin Jane, die Scones zu servieren. Eddie Russett, Protagonist des Romans, ist gerade in die Stadt gekommen und nun kommen die wichtigsten Bürger der Stadt vorbei, um ihn und seinen Vater willkommen zu heißen.

Jane hasst jeden einzelnen von ihnen. Sie ist gegen das System der Farbherrschaft und vor allem ist sie gegen ihre Zwangsverpflichtung als Haushälterin. Immerhin scheint sie Eddie zu mögen, denn sie schiebt ihm, als der Tee gerade serviert ist, noch schnell einen Zettel zu:

Don’t eat the scones!

Und so lehnt Eddie dankend ab, während die Präfekten sich über den leicht pikanten Geschmack wundern. Jane weigert sich später, Eddie zu sagen, was genau in ihren Scones war. Aber es überleben alle.

Die Scones, die ich gebacken habe, kommen ohne eklige Geheimzutat aus und sind im wesentlichen ein Rezept von Mary Berry. Und so geht’s:

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