Essen aus Büchern: Brioche aus Jean-Paul Sartres „Der Ekel“

Es ist ein deprimierendes Café, in dem Antoine Roquentin, Erzähler von Sartres Der Ekel an einem nebligen Morgen landet. Der Kellner im Café Mably weist ihm missmutig einen Tisch in einer dunklen Ecke zu, die einzigen anderen Gäste sind ein merkwürdiges Paar, zwei Künstler, die ihr Engagement in der Stadt beendet haben. Die Künstlerin ist ausgesprochen nervös, ihr Begleiter so schweigsam, dass es dem Erzähler unangenehm ist, in der Stille auch nur ein Streichholz anzureißen:

„Sie war mit einem großen Blonden zusammen, der eine Brioche aß, ohne einen Ton von sich zu geben.“

Roquentin selbst hätte gerne ein Hörnchen zu seinem Kaffee gegessen, der Kellner stellt ihm aber nur schweigend den Korb mit den Resten der Künstler auf den Tisch. Bald darauf löscht er auch die Lampe im Gastraum, denn zwei Lampen für einen einzigen Gast, das sieht der Chef nicht gerne. Der Chef, Herr Fasquelle, ist um diese Zeit sonst schon im Café und Roquentin vertreibt sich die Zeit damit, sich vorzustellen, wie er tot in seiner Wohnung über dem Café liegt. Ein Herzschlag, mutmaßt er. Ob es so ist, erfährt man aber nicht mehr, der Erzähler verlässt das Café auf der Suche nach Licht.

Brioche

für 12 Stück

  • 500 g Weizenmehl 405
  • 75 g Zucker
  • 75 ml + 1 EL Milch
  • 5 Eier
  • 10 g Frischhefe
  • 10 g Salz
  • 200 g Butter, Raumtemperatur
  • Hagelzucker zur Dekoration
  • Fett für Schüssel und Formen

Dieses Rezept enthält relativ wenig Hefe, weil es auf eine lange Gehdauer (über Nacht) ausgelegt ist. Wer weniger Zeit hat, kann die Hefemenge verdoppeln und die Gehzeiten alle halbieren. Der Teig kommt dann zwischendrin auch nicht in den Kühlschrank.
Da im Roman offenbar kleine Brioche gegessen werden, ist auch dieses Rezept auf Brötchen ausgelegt. Allerdings nicht in der ganz klassischen Brioche-Form, sondern im Muffin-Blech, da ich keine entsprechenden Formen besitze und ihr wahrscheinlich auch nicht. Man kann mit diesem Teig alternativ auch ein Brioche-Brot backen.

Die Hefe in 75 ml Milch auflösen und mit Mehl, Zucker und 4 Eiern in eine Schüssel geben. 5 Minuten auf kleinster Stufe kneten.

Salz zugeben und weitere 10 Minuten kneten.

In der Zwischenzeit die Butter in kleine Stücke schneiden. Anschließend die Butter langsam zum Teig geben, dabei immer weiter kneten, mindestens noch 10, besser 15 Minuten lang. Bei einer Küchenmaschine kann es dabei passieren, dass sich Butterstücke am Rand festsetzen, diese dann hin und wieder lösen. Der Teig ist fertig, wenn es keine sichtbaren Butterstück mehr gibt. 

Eine Schüssel leicht fetten, den Teig zu einer Kugel formen und in die Schüssel geben. Mit einem feuchten Tuch und einer Abdeckung an einem warmen, zugluftfreien Ort ca. 2 Stunden gehen.

Anschließend wird der Teig entgast, was am einfachsten geht, indem man ihn ein paar Mal fest auf die Arbeitsplatte wirft. Dann wieder zu einer Kugel formen, in eine Schüssel legen und in einer Plastiktüte verpackt in den Kühlschrank stellen, damit der Teig nicht antrocknet. 

Am nächsten Morgen den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und in 12 möglichst gleich große Portionen teilen. Diese wiederum in drei Portionen teilen, so dass ihr 36 kleine Teig-Kugeln habt. Die Mulden des Muffin-Blechs mit Butter oder Öl fetten. Die Teig-Kugeln etwas wurstförmig ausrollen und je drei davon aufrecht in eine Muffin-Mulde stellen. Sie sollten sich unten berühren. Den Teig an einem warmen Ort und vor Zugluft geschützt (z. B. in eine große Plastiktüte stellen) 2 weitere Stunden gehen lassen. In der Zwischenzeit das verbliebene Ei trennen und das Eigelb mit etwas Milch verrühren. Die Mischung nicht mehr in den Kühlschrank stellen; sie sollte im Idealfall Raumtemperatur erreichen. 

Vor Ablauf der Stückgare den Ofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die fertig gegangenen Brötchen mit der Ei-Milch-Mischung vorsichtig einstreichen und – falls gewollt – mit Hagelzucker bestreuen. In den Ofen schieben und ca. 20 Minuten lang backen, bis die Brioche goldbraun werden. 

Am besten schmecken die Brioche lauwarm und frisch aus dem Ofen. Aber auch am nächsten Tag sind sie getoastet oder als French Toast noch ein super Frühstück. 


Das Rezept ist von Sandra Kavital, ich habe leichte Änderungen vorgenommen.

Zitat: Jean-Paul Sartre: Der Ekel. Rowohlt 2016. S. 116.

Mehr Essen aus Büchern gibt es auf schiefgegessen.

2 Gedanken zu “Essen aus Büchern: Brioche aus Jean-Paul Sartres „Der Ekel“

  1. Stephanie Jaeckel 5. Februar 2021 / 23:33

    Vor dem Backen sehen die ja super süß aus, war mir gar nicht klar, dass es 3 Bällchen sind. Muss ich unbedingt auch probieren: Danke für das Rezept!

    Gefällt 1 Person

    • Marion 5. Februar 2021 / 23:48

      Sehr gerne! Es gibt natürlich 100 Möglichkeiten, Brioche zu formen und sie reichen von sehr einfach bis absurd kompliziert. Diese Variante ist sehr einfach und funktioniert hervorragend. Und der Teig macht echt Spaß. Viel Erfolg beim Ausprobieren!

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