Allgemeine Sprachlosigkeit – „Ich kann dich hören“ von Katharina Mevissen

Osman Engels studiert Cello. Doch es will nicht so recht laufen im Moment, nicht nur mit der Musik. Wo sein Lehrer einen Nieselregen hören will, liefert Osman ein Gewitter, wo seine Mitbewohnerin Nähe sucht, verharrt er in unbeholfener Schreckstarre. Auch mit seiner Familie sieht es nicht rosig aus. Seine Mutter ist vor langer Zeit schon abgehauen und hat die Kinder bei Vater Suat und Tante Elide zurückgelassen. Ausgerechnet jetzt stellt Elide wieder Ansprüche an ihren Neffen: Suat, ebenfalls Musiker, hat sich das Handgelenk gebrochen, leidet an einem Tinnitus, ihm droht die Arbeitslosigkeit. Elide soll es richten und Osman ihr helfen. Von alldem völlig überfordert, zieht Osman sich von allen und allem zurück.

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Dafür fühlt er sich immer stärker einer Frau verbunden, die er überhaupt nicht kennt und die von seiner Existenz nichts weiß. Am Bahnhof findet er ein Diktiergerät, darauf Aufzeichnungen von einer Reise, die eine gewisse Ella mit ihrer gehörlosen Schwester unternommen hat. Auch hier spielt das Hören eine sehr große Rolle, vor allem in der Frage, ob die Schwester sich ein Cochlea-Implantat einsetzen lassen möchte, weil die Hörenden es ihr so schwer machen, keine von ihnen zu sein.

Mevissen lässt ihren Protagonisten in der ersten Person erzählen und noch dazu im Präsens, völlig unmittelbar. Passend dazu ist auch sein Erzählstil eher umgangssprachlich geprägt und nicht bis ins letzte Detail ausformuliert. Manchmal fehlen Wortendungen oder gleich ganze Worte, Sätze enden im Nichts und beginnen dann wieder neu. Das alles liest sich so, als würde Osman es einem selbst erzählen – oder eben auf ein Diktiergerät sprechen. Seine Offenheit dabei ist entwaffnend.

„Ich weiß nicht, wie man das macht, über Familie sprechen, über Vergangenheit, über irgendetwas wirklich sprechen.“

Zusammengehalten wird der Roman vom Leitthema des Hörens. Ein ganz deutlicher Fokus liegt natürlich auf der Musik (der Roman hat sogar seine eigene Spotify-Playlist), die für Osman Lebensinhalt und Qual zugleich ist. Andere im Roman hören gar nichts oder zu viel – im Falle von Vater Suat ein nervtötendes Fiepen, das einfach nicht verschwinden will. Und sie alle kämpfen damit, sich Gehör zu verschaffen, ihren Gefühlen eine Form zu geben, die für andere wahrnehmbar ist und vielleicht sogar verständlich.

Mevissen gelingt es, durch dieses zentrale Thema den Roman gut zusammenzuhalten. Mit dem Stil allerdings hatte ich an einigen Stellen zu kämpfen. Einige Passagen werden nicht von Osman, sondern von anderen Charakteren erzählt, ebenfalls in Ich-Form. Das ist natürlich ein verbreitetes und gut funktionierendes Stilmittel, in diesem Roman aber fand ich es ein wenig hölzern und nicht immer gut eingebunden. Auch die Idee mit dem Diktiergerät funktioniert im Kern gut, holpert allerdings an einigen Stellen, besonders die wiederholten Passagen erfüllen nicht immer ihren Zweck. Das alles ändert aber nichts daran, dass es Mevissen in ihrem Debüt gelingt, das grundlegende Thema des Romans vielfältig und interessant zu beleuchten. Vor allem MusikliebhaberInnen und erst recht begeisterte MusikerInnen dürften Freude an diesem Roman haben.


Katharina Mevissen: Ich kann dich hören. Wagenbach 2018. Gelesen in der eBook-Ausgabe (140 Seiten), lieferbar auch als Hardcover.

Das Zitat stammt von S. 113.

Dieser Roman war auf der Shortlist von „Das Debüt“ 2019.

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Diesseits der Grenze – „Drei Kilometer“ von Nadine Schneider

Drei Kilometer sind keine weite Strecke, eigentlich nur ein kurzer Spaziergang. Nur ein Maisfeld trennt Anna, Misch und Hans von der rumänisch-serbischen Grenze. Alle drei träumen davon, Rumänien zu verlassen und ins Ausland zu gehen, am liebsten nach Deutschland. Sie wollen studieren, nicht mehr in einer Fabrik arbeiten, nicht mehr im abgelegenen Dorf auf bessere Zeiten hoffen. Sie müssen schnell entscheiden. Sobald der Sommer vorbei ist, der Mais geerntet wird, die Deckung fehlt, wird die Flucht unmöglich sein. Doch im Mais verlaufen vielleicht Drähte und in ihrer Mitte ist vielleicht ein Verräter, der jeden Plan sofort an die Miliz verrät. Man muss leise treten in diesen Tagen und jedes Wort sorgfältig abwägen, immer hinterfragen, wer wirklich welche Interessen verfolgt.

„Es sind nur drei Kilometer! Drei Kilometer bis zur Freiheit. Warum machen wir es nicht heute Nacht?“

Nadine Schneider erzählt sehr ruhig von einem Sommer, in dem sich Dramatisches abspielt. Dabei hat sie ein außerordentliches Talent, Atmosphären und Stimmungen einzufangen. Man spürt die drückende Hitze, die auch nachts nicht aus den Höfen weicht und die Ungeduld und Anspannung, die den drei Hauptfiguren in den Knochen sitzt. Das ruhige Leben im rumänischen Dorf scheint gar nicht für Drama gemacht zu sein, und doch verschwinden immer wieder Leute. Nicht alle schreiben irgendwann aus Deutschland.

Große Entwicklungen machen die Charaktere in Drei Kilometer nicht durch, was sicher auch an der Kürze der Erzählung liegt, vor allem aber an ihrer völligen Bewegungsunfähigkeit. Mutige Pläne sind schnell geschmiedet, der Rucksack steht schon bereit, aber dann lassen sich die Bedenken nicht abschütteln, die Sorge um die zurückbleibende Familie, die Angst vorm Verrat. Und so fahren die Protagonisten einfach weiter vom Dorf in die Stadt, stehen weiter am Fließband und hoffen, dass das alles irgendwie enden wird.


Nadine Schneider: Drei Kilometer. Gelesen in der eBook-Ausgabe Jung und Jung 2019. 96 Seiten. Lieferbar auch als Hardcover mit 160 Seiten.

Das Zitat stammt von S. 8/96.

Dieser Roman war auf der Shortlist von „Das Debüt“ 2019.

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sondern erlöse uns von dem Bösen – „Vater unser“ von Angela Lehner

Von der Polizei wird Eva Gruber in die Psychiatrie gebracht, ins Otto Wagner Spital, gelegen am Rande von Wien. Sie behauptet, eine ganze Kindergartengruppe erschossen zu haben. Man ahnt schnell, dass das nicht der Wahrheit entspricht.

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In der Klinik trifft sie nach Jahren endlich wieder auf ihren Bruder Bernhard, der dort wegen einer Essstörung behandelt wird. Dem Psychiater Dr. Korb erzählt sie, sie habe ihn ganz alleine großgezogen nach dem Tod der Mutter. Dass ihre Mutter irgendwann höchst lebendig und besorgt in der Klinik auftaucht, ist für Eva kein Grund zur Korrektur ihrer Geschichte. Eva Gruber ist eine in höchstem Maß unzuverlässige Erzählerin. Sie lügt permanent und mit Begeisterung und das schon seit ihrer Kindheit. Auf die Therapie will sie sich nicht einlassen. Man weiß ja auch nicht, ob sie wirklich eine nötig hat. Ihrer Ansicht nach sicher nicht, sie findet, sie sei die einzig normale im ganzen Spital und nur da, um ihren Bruder zu retten. Ungeachtet der selbstdiagnostizierten geistigen Gesundheit wacht sie nachts in ihrem eigenen Blut auf, weil sie sich im Schlaf selbst verletzt.

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Die Frage nach dem woher und wohin – „Herkunft“ von Saša Stanišić

In den letzten Wochen wurde so viel über Stanišićs (mit Schmuck an den Buchstaben) Herkunft gesprochen, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob man auch noch was dazu sagen muss. Ich hätte es, um ehrlich zu sein, nicht getan, hätte es mein Buchclub nicht gewählt. Dann hätte ich allerdings den großartigen Abenteuerroman im hinteren Teil des Buches verpasst und allein das wäre eine Schande gewesen. Stanišićs Autorenruhm ist mit dem Deutschen Buchpreis ja nun ohnehin besiegelt, er ist aber auch ein fantastischer Autor von Mitmach-Abenteuerromanen, das war mir noch nicht bekannt. Zumindest das letzte Viertel sollte man also auf jeden Fall lesen.

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Aber auch sonst ist Herkunft ein lesenswertes Buch. Stanišić, der 1978 in Višegrad geboren wurde, beschreibt seine Kindheit in Jugoslawien, den Zerfall des Landes und die Flucht vor dem Krieg nach Heidelberg. Dort kam er 1992 mit seiner Mutter an und musste erfahren, dass nichts mehr selbstverständlich und sicher war. Die Eltern, die in ihrer Heimat ein gutes Auskommen hatten, schufteten in mies bezahlten Knochenjobs und über allem schwebte immer drohend die Abschiebung. Tatsächlich durften Stanišićs Eltern am Ende nicht in Deutschland bleiben, während ihr Sohn studieren und Autor werden konnte.

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Vom schweren Weg aus der Gewalt – Meena Kandasamy: „When I Hit You. Or, A Portrait of the Writer as a Young Wife“

Die namenlose Protagonistin in Kandasamys Roman heiratet sehr jung und zieht mit ihrem Mann nach Mangalore, wo er an der Universität arbeitet. Sie spricht die lokale Sprache nicht, findet zunächst keine Anstellung und noch weniger Anschluss und bleibt zunächst zu Hause. Als Autorin und Übersetzerin kann sie schließlich auch von dort aus ein wenig arbeiten.

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Nach nur wenigen Tagen Ehe beginnt schon der Terror. Beim Abendessen beginnt ihr Mann, sich mit Streichhölzern Verbrennungen zuzufügen. Er will erst aufhören, wenn sie ihren Facebook-Account deaktiviert. Also schreibt sie einen letzten schnellen Post, behauptet eine kurze Auszeit zu brauchen, um in ihrem neuen Leben anzukommen, und deaktiviert das Konto. Wenige Tage später gibt er ihr das Passwort zu seinem Mail-Konto und verlangt das ihre. Wenn sie nichts zu verbergen habe, könne sie es ihm ja geben. Er beginnt, ihre Mails zu beantworten und deaktiviert schließlich das Internet ganz, solange er nicht zu Hause ist. Sie bekommt ein neues Handy, dessen Nummer niemand kennt. Er schneidet sie von ihrem bisherigen Leben vollkommen ab, weil er Angst hat, dass sie Kontakt zu anderen Männern haben könnte, dass sie Ex-Freunde anruft. Das alles reicht aber immer noch nicht, um ihn zu beruhigen. Er wirft ihr vor, dass sie immer noch an sie denke, dass sie andere Männer in Gedanken liebe.

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Damit ihr wißt, wie’s war – Gabriele Tergits „Effingers“

Mit ihrer Geschichte zweier jüdischer Familien, ihrem gesellschaftlichen Aufstieg im 19. Jahrhundert und ihrer fast vollständigen Auslöschung im Nationalsozialismus, hatte es Tergit nicht leicht. 1931 begann sie damit und arbeitete fast zwei Jahrzehnte daran. Als der Roman 1950 fertig war, fand sich lange kein Verlag, der sich an das Thema heranwagen wollte. Die Erinnerung an die Vernichtung der deutschen jüdischen Bevölkerung war zu frisch und unbequem. Der Markt gab den Befürchtungen recht. Es fanden sich kaum Abnehmer für das in der aktuellen Ausgabe über 900 Seiten starke Werk. Dass Schöffling dem Roman nun eine neue Chance gibt, ist dankenswert.

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Effingers ist ein so vielseitiger Roman, dass man kaum weiß, wie man ihn lesen soll. Es ist ein Generationenroman, ein Gesellschaftsroman ein Berlinroman, ein Weltkriegsroman und natürlich auch ein jüdischer Roman. Die Zeitspanne, die der Roman abdeckt, ist lang und bewegter als die meisten anderen Epochen deutscher Geschichte. Zu seinem Beginn steht die sich anbahnende Krise, die durch die Industrialisierung ausgelöst wird. Maschinen gelten noch als neumodischer Trend, als die Brüder Karl und Paul Effinger nach Berlin aufbrechen um Schrauben zu produzieren. Sie legen den Grundstein für die Berliner Effingers, indem sie beide in die alteingesessene und sehr gut bürgerliche Familie Oppner einheiraten. Man legt Wert auf Garderobe, auf Empfänge und repräsentative Tischrunden, auf edles Geschirr und große Kunst. Und natürlich auf Etikette. Ein völlig harmloser Liebesbrief eines verknallten Teenagers reicht da schon, um einen großen Skandal auszulösen.

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Pioniergeist im Untergrund – Sebastian Guhrs „Die langen Arme“

Yvette ist eine äußerst begabte Synästhetin und kann Gerüche hören. Zusammen mit ihrer Schwester Antje hat sie eine Fleischblume gebaut. Dieses ganz besondere Instrument besteht unter anderem aus den Köpfen von dreißig toten Katzen und einem Akkordeon, mit dessen Hilfe den Katzenköpfen das entlockt wird, was die Schwestern als Melodie wahrnehmen. Bei den 1.-Mai-Feiern in der Kleinstadt Gangolfsömmern gibt es für die Neuinterpretation von Arbeiterliedern dann leider Ärger statt Beifall.

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Während Yvette verbissen weiter an ihrer synästhetischen Fähigkeiten arbeitet, entdeckt Antje beim Schlafwandeln einen unterirdischen Raum. Dieser Raum, so stellt sich bald heraus, führt zu einem weitverzweigten Tunnelsystem, das unter ganz Gangolfsömmern verläuft. Jedes Haus ist über Türen an dieses System angebunden und so ist es für Antje ein Leichtes, unbemerkt in fremde Häuser zu kommen und Gesprächen zu lauschen, die sie nichts angehen. Und natürlich sind die weitläufigen Räume unter der Erde auch ein hervorragender Proberaum für die Fleischblume und andere Apparate von gleicher Schönheit sowie für die ersten amourösen Versuche in Antjes Leben. Das Leben im Unterirdischen interessiert Antje weit mehr als das mit den Oberflächlichen. Dort hat sie es schwer, Anschluss zu finden und spricht fast nur mit Goran und seinem psychodynamischen Lesekreis.

Die Langen Arme ist ein ebenso kurzer wie absurder und unterhaltsamer Roman. So sehr viel will ich dazu gar nicht sagen, denn dann ist der knapp 170 Seiten lange Roman auch beinahe schon erzählt. Man muss sich einlassen können und wollen auf dieses Konstrukt, auf die Umöglichkeiten, die bestehen bleiben und mit keinem Wort als solche thematisiert oder entschärft werden. Wenn man das will und macht, findet man hier einen witzigen, klugen und überraschenden Roman.


Sebastian Guhr: Die langen Arme. Kein & Aber 2019. 172 Seiten.

Ich danke dem Verlag für das Leseexemplar (und die Tafel Schokolade).

Das Abenteuer der relativen Freiheit – Esi Edugyans „Washington Black“

1818 wird auf einer Zuckerrohrplantage in Barbados der junge Sklave George Washington Black geboren. Er weiß, dass er von seinem Leben nicht viel zu erwarten hat. Doch überraschend wird er von Titch, dem Bruder seines Besitzers ausgeliehen, der an einem fantastischen „Wolkenkutter“ arbeitet, einem Luftschiff, für dessen Fertigstellung er Hilfe benötigt. In dem jungen Washington entdeckt er ungeahnte Talente und macht ihn schließlich zu seinem Assistenten. Für Washington bedeutet das einen ungeheuren Aufstieg. Er wohnt nicht mehr in den menschenunwürdigen Baracken bei den übrigen Sklaven, sondern schläft im eigenen Bett, trägt englische Kleidung und lernt Lesen und Schreiben. Aber er traut sich nie, sich auf seinen neugewonnenen Privilegien auszuruhen. Ihm ist völlig klar, dass der Absturz jede Sekunde kommen kann, denn so viele Freiheiten er in seiner neuen Position auch haben mag, wirklich frei kann er nie sein.

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So unwahrscheinlich der Erfolg auch scheinen mag, brechen Titch und Washington doch eines Tages im Wolkenkutter auf, landen an einer fremden Küste und Washington hält es das erste mal in seinem Leben für möglich, dass er nie wieder Zuckerrohr schneiden muss. Die Hoffnung auf eine Heimat allerdings ist damit für immer verloren. Sein ganzes Leben lang wird Washington nicht nur aufgrund seiner Hautfarbe und seines sozialen Status das Gefühl haben, nicht dazuzugehören.

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Essen aus Büchern: Tamale Pie aus E. Annie Proulx‘ „Accordion Crimes“

Autor*innen setzen Essen in Büchern höchst unterschiedlich ein. Bei vielen spielt es überhaupt keine Rolle, andere zählen ins Detail alles auf, was sie ihren Romanfiguren vorsetzen. Häufig wird es eingesetzt, um eine Klassen- oder Gruppenzugehörigkeit zu verdeutlichen. E. Annie Proulx geht damit in Accordion Crimes in die Vollen. Der Roman folgt einem Akkordeon, das durch die Hände vieler Menschen, vor allem Menschen mit Einwanderungsgeschichte in den USA geht. Neben der Musik ist vor allem ihre traditionelle Küche ein heimatlicher Anker und jede Gruppe, die Proulx beschreibt hängt an ihren Küchenklassikern, die wieder und wieder aufgelistet werden, für die Polen, die Italiener, die Deutschen, die Mexikaner. Ob es ein Essen aus diesem Buch geben wird, war also gar nicht die Frage. Ich musste mich nur entscheiden. Meine Wahl ist auf Tamale Pie gefallen, zum einen, weil es ein sehr schönes Beispiel für eine Küche ist, die der neuen Heimat angepasst wird, zum anderen weil es eines der wenigen Gerichte ist, die nicht nur in einer Liste auftauchen. Der Tamale Pie hat einen ganzen eigenen Satz!

„Down the street stood a wreck of an old tamale stand, the remnant of a failed franchise from the 1920s in the shape of a giant tamale, the stucco sloughing off, faded signs drooping: HAMBURGERS AS YOU LIKE’EM. TAMALE PIE.“

Kurz nachdem er erwähnt wird, ist der Tamale-Imbiss auch schon Geschichte, ersetzt durch einen Friseur-Salon, der bald Teil einer ganzen Siedlung mexikanischer Migrant*innen wird. Darunter natürlich auch ein Akkordeonist. Auch wenn der Pie dem Imbiss am Straßenrand kein Glück gebracht hat, hab ich ihn mal ausprobiert. Und so geht’s:

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Emily St John Mandels „Station Eleven“

Georgien scheint weit weg zu sein, als die Nachrichten einer dortigen Grippe-Welle die USA erreichen. Ein besonders aggressiver Erreger der Schweinegrippe ist mutiert und befällt nun auch Menschen. Wer die ersten Krankheits-Symptome zeigt, hat noch 24 bis 48 Stunden zu leben, eine Heilung gibt es nicht, auch keine Impung. Als die erste Maschine mit Infizierten aus Moskau eintrifft, ist es schon lange zu spät. Die Seuche breitet sich rasant über den ganzen Kontinent, die ganze Welt aus und tötet fast alle, die auf ihr leben.

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Die wenigen, die es schaffen, hoffen noch einige Wochen auf Rettung und beginnen dann, in der völlig veränderten Welt ein neues Leben aufzubauen. Einige von ihnen finden sich in einer Art Wanderzirkus zusammen. Sie tingeln durch Kanada und den Norden der USA, tauschen Shakespeare-Stücke und Symphonie-Konzerte gegen Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Doch ihre Wege sind voller Gefahren. Die neue Gesellschaft ist auch zwanzig Jahre später noch im Aufbau, neue Siedlungen entstehen, andere brechen zusammen und nicht alle wollen ihren Lebensunterhalt mit ehrlichen Mitteln bestreiten.

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