Essen aus Büchern: Chicken Pot Pie aus Anne Tylers „Vinegar Girl“

Tyler scheint ein große Fan von Chicken Pot Pie zu sein. Er taucht auf in Ladder of Years (S. 106, als eines der Gerichte, das sich die Protagonistin im Diner leisten kann), in Vinegar Girl (dazu gleich mehr) und, soweit ich mich erinnere, auch in A Spool of Blue Thread, aber da kann ich die Seite nicht mehr finden. Ich bin auf Anne Tyler seit Ladder of Years nicht mehr sehr gut zu sprechen, weil das ein so unverzeihlich blödes Buch war, und das Ideal der immer zurücksteckenden und verzeihenden Mutter und Hausfrau so ekelhaft hochgehalten hat. In Vinegar Girl gibt es keine Mutter mehr und stattdessen muss die Haushältern Mrs Larkin das mütterliche Ideal vertreten und in der Küche für Begeisterung sorgen. 

Mrs Larkin used to make a wonderful chicken pot pie.“

Was genau so wonderful an Mrs Larkins Pie war, wird nicht ausgeführt. Grundsätzlich sei gesagt, dass es unzählige Varianten von Chicken Pot Pie gibt – mit Mürbeteig und Blätterteig, einfach als gedeckter Auflauf oder als „richtiger“ Pie. Letzteres scheint eher in Großbritannien verbreitet zu sein und da dieser Roman in den USA spielt, habe ich mich für die einfache gedeckte Variante entschieden. Dann habe ich mir ausgedacht, dass Mrs Larkin sicher gerne die Sendung von Julia Child gesehen hat und habe deshalb einen Chicken Pot Pie nach ihrem Rezept gemacht. Haltlose Mutmaßung. Mrs Larkins Pie könnte ein völlig anderer sein. Dieses Rezept hier reicht auf jeden Fall für eine mittelgroße Auflaufform und macht 4-6 Personen satt:

ChickenPotPie

Chicken Pot Pie

für den Teig:

  • 240 g Weizenmehl + mehr für die Arbeitsplatte
  • 140 g Butter (kalt)
  • 1 Prise Salz
  • 1-2 EL kaltes Wasser
  • 1 Ei

für die Füllung:

  • 1 EL Butter
  • 200 g Karotten
  • 200 g Lauch
  • 200 g Sellerie
  • 250 g Hühnchenfleisch, gegart
  • 150 g Erbsen, TK
  • Salz und Pfeffer

für die Sauce:

  • 40 g Butter
  • 40 g Weizenmehl
  • 400 ml Hühnerbrühe
  • 250 ml Konditorsahne (oder normale Schlagsahne wenn keine zu kriegen ist)
  • 1 TL getrockneter Estragon
  • Salz und Pfeffer

Für den Teig das Mehl in eine Schüssel geben und die Butter in kleinen Stückchen dazugeben. Zu einem glatten Teig verarbeiten. Wenn die Bindung nicht ausreicht, vorsichtig Wasser mit einarbeiten. Den fertigen Teig zu einer dicken Platte formen und in Frischhaltefolie mindestens eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Für die Füllung die Karotten schälen und würfeln, den Lauch in dünne Ringe schneiden. Den Sellerie ebenfalls schälen und würfeln. Das Hühnchenfleisch ggf. in mundgerechte Stücke schneiden. In einer Pfanne 1 EL Butter zerlassen und das Gemüse auf mittlerer Temperatur dünsten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das Hühnchenfleisch und die TK-Erbsen untermischen und alles beiseite stellen.

Für die Sauce in einem Topf 40 g Butter auf mittlerer Hitze zerlassen. 40 g Mehl dazugeben und mit einem Schneebesen verrühren, bis sich kleine Brösel bilden. Die Brühe dazu gießen und unter ständigem Rühren aufkochen. 2 -3 Minuten köcheln lassen. Dann die Sahne angießen und die Sauce erneut aufkochen lassen und weitere 2 -3 Minuten köcheln lassen. Den Estragon unterrühren und die Sauce vom Herd nehmen.

Den Ofen auf 180°C (Umluft) vorheizen.

Die Gemüse-Fleisch-Mischung in eine Auflaufform geben und die Sauce darüber gießen. Alles gut vermischen. Auf einer bemehlten Arbeitsplatte den Teig zu einem Rechteck ausrollen, das an jeder Seite etwa 1,5 cm breiter ist als die Form. (Das gilt natürlich nur für eine rechteckige Form. Ansonsten müsst ihr eben ein Oval oder einen Kreis oder was immer ihr habt ausrollen). Aus Mürbeteig eine nicht reißende und nicht brechende Platte dieser Größe herzustellen, erfordert leicht fortgeschrittene Kenntnisse im Teig-Handling. Ich werfe mal in den Raum, dass man sowas auch ausgerollt kaufen kann. Wenn man die Platte dann also glücklich ausgerollt hat, damit die Form abdecken. Dabei die Platte so auflegen, dass an jeder Seite etwa 1,5 cm überstehen, evtl. darüberhinaus gehenden Überstand abschneiden. Die Oberfläche an mehreren Punkten mit einem scharfen Messer kreuzförmig einschneiden, damit die sich unter dem Teig bildende heiße Luft entweichen kann. Das Ei in einer Schüssel verrühren und damit die Oberfläche bestreichen. Etwa 35 Minuten backen oder bis der Teig die gewünschte Bräunung erreicht hat.

Ich war, muss ich ehrlich sagen, positiv überrascht von diesem Gericht. Es ist nicht besonders viel Arbeit und schmeckt ziemlich gut. Im Grunde ist es eine super-einfache Hühnerfrikassee-Abwandlung. Und auch wenn ich sonst kein sehr großer Estragon-Fan bin, passt er hier sehr gut rein und macht das ganze ein bisschen spannender. Über die  sicher bezaubernde Mrs. Larkin werde ich mich auch nie wieder abschätzig äußern.


Zitat aus: Anne Tyler: Vinegar Girl. Vintage 2017. S. 83.

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