Essen aus Büchern: Lamington-Kuchenwürfel aus Carrie Tiffanys „Fortschrittlich leben für jedermann“

In Fortschrittlich leben für jedermann geht es um ein Ehepaar, beide Angestellte des australischen Landwirtschaftsministeriums. Die beiden sind so beflügelt von der Idee des technischen Fortschritts, dass sie unter streng wissenschaftlichen Kriterien eine prosperierende Farm im unwirtlichen Outback aufbauen wollen. Bald müssen sie erkennen, dass Theorie und Praxis weit auseinander liegen und führen ein äußerst entbehrungsreiches Leben. Umso größer die Freude wenn es anlässlich einer Feier doch mal was besonderes gibt:

„Es gibt Vanilleteilchen mit so dicker Puddingfüllung, dass der Deckel fast abrutscht und Lamington-Kuchenwürfel mächtig wie Backsteine.“

Um die Lamington-Würfel rankt sich übrigens eine Legende, die garantiert falsch ist und besagt, dass die Haushälterin von Lord Lamington, Governor of Queensland, einen Kuchenwürfel versehentlich in Schokoladensoße hat fallen lassen und ihn daraufhin, damit man ihn wenigstens anfassen konnte, in ebenfalls herumstehende Kokosraspeln geworfen hat. Der just in diesem Moment eintretende Lord Lamington war entzückt von der Idee. Und so sind der Legende nach die Lamingtons entstanden. Möglich ist es allerdings, dass der Kuchen tatsächlich aus seinem Umfeld stammt. Europäische Gäste waren zu dieser Zeit noch sehr leicht mit Kokos zu begeistern.

Wer den angeblichen Küchenunfall nachbauen will, so geht’s:

Lamington_Collage.jpg

für ca. 20 – 25 Lamington-Würfel:

Oft wird der Kuchen mit Sponge Cake als Grundlage gebacken, ich habe hier einen festeren Kuchen gewählt, schließlich muss der ja noch in Schokolade baden und dabei gerne seine Form bewahren.

für den Teig:

  • 240 Mehl
  • 2 TL Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • 120 g weiche Butter
  • 120 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 2 Eier
  • 250 ml Milch

für die Glasur:

  • 325 g Puderzucker
  • 65 g ungesüßtes Kakaopulver
  • 75 g Butter
  • 250 ml Milch
  • 200 g Kokosraspeln

Achtung: Der Kuchen muss einen Tag früher gebacken werden!

Für den Teig  braucht ihr in der Theorie einen 20 x 20 cm Backrahmen. Da man aber nach dem Backen ungerade Ränder auch wegschneiden kann, kann man notfalls auch mit einer rechteckigen Auflaufform und einer Barriere aus Alufolie arbeiten (das ist was ich getan habe).

Den Ofen auf 180°C (Umluft) vorheizen. Die Kuchenform sorgfältig fetten.

Mehl, Backpulver und Salz in einer Schüssel vermengen. Die Butter in kleine Stücke schneiden und in einer Rührschüssel schaumig schlagen. Anschließend Zucker und Vanillezucker unterrühren. Das erste Ei in die Schüssel schlagen und, wenn es komplett untergearbeitet ist, auch das zweite Ei dazugeben. Den Teig weiter rühren und abwechselnd Milch und Mehlmischung untermischen. Alles zu einem glatten Teig verarbeiten.

Den Teig in die Kuchenform gießen und etwa 25 Minuten lang bei 180°C backen. Im Zweifel mit einem Holzstäbchen prüfen, ob noch Teig haften bleibt. Den Kuchen aus dem Ofen nehmen und auskühlen lassen. Dann in ein luftdichtes Behältnis legen und über Nacht stehen lassen. Der Teig wird dadurch deutlich fester und die Gefahr sinkt, dass die Würfel später beim Glasieren zu stark krümeln oder zerbrechen.

Am nächsten Tag den Kuchen in Würfel von etwa 4 cm Kantenlänge schneiden. Oder kleinere, je nachdem wie hoch euer Kuchen geworden ist. Krumme Ränder bei Bedarf abschneiden und zum Trost aufessen. In einer Pfanne auf geringer Hitze die Butter schmelzen. Puderzucker und Kakao dazugeben, dann vorsichtig nach und nach die Milch angießen. Dabei ständig mit einem Schneebesen verrühren, damit sich keine Klumpen bilden. Die Soße sollte am Ende eine etwas dickere Konsistenz haben als normale Schokoladensoße. Möglicherweise braucht ihr weniger Milch als angegeben. Die Flüssigkeit soll nicht kochen.

Für das Glasieren solltet ihr gut vorbereitet sein. Ihr braucht ein Kuchengitter, unter dem ein Stück Backpapier/Küchenpapier liegt, eine tiefe Schüssel für die Glasur und einen großen Teller mit Kokosraspeln und vier Gabeln. Kippt nicht gleich alle Kokosraspeln auf den Teller, möglicherweise müsst ihr das zwischendrin mal auswechseln, weil die Raspeln mit der Schokolade verklumpen.

Die Würfel werden jetzt in die Glasur geworfen und mit zwei Gabeln so gewendet, dass sie rundum bedeckt sind. Mit den Gabeln aus der Glasur heben, kurz abtropfen lassen und dann den Würfel auf den Teller mit den Raspeln transportieren. Auch hier mit zwei Gabeln wenden, bis alle Seiten bedeckt sind. Den fertig glasierten Würfel zum Trocknen auf das Kuchengitter legen. Mindestens eine Stunde stehen lassen, dann sollte man die Würfel gefahrlos anfassen können.

Ich muss ja zugeben, dass ich anfangs sehr skeptisch war, vor allem was die Glasur  aber auch die Zubereitung angeht. Jede Sorge war unbegründet, die Lamingtons waren großartig! Und auch das Schokobad war leichter zu bewerkstelligen als gedacht. Die etwas ungewohnte Glasur zieht in die oberste Schicht des Kuchens ein und macht die Würfel total saftig. Luftdicht aufbewahrt machen die Würfel auch am dritten Tag noch glücklich. Vielleicht auch am vierten, aber da waren schon alle gegessen.


Das Zitat stammt aus: Carrie Tiffany: Fortschrittlich leben für jedermann. Übersetzt von Barbara Ostrop. dtv 2008. S. 207.

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Essen aus Büchern. Dieses und andere Rezepte aus Romanen erscheinen auch auf schiefgegessen.

4 Gedanken zu “Essen aus Büchern: Lamington-Kuchenwürfel aus Carrie Tiffanys „Fortschrittlich leben für jedermann“

    • Marion 1. Februar 2019 / 20:18

      Den Kuchen einen Tag lang unangetastet stehen zu lassen ist wahrscheinlich der schwerste Schritt in diesem Rezept. Ich war an diesem Tag zum Glück viel unterwegs.

      Gefällt 1 Person

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