Essen aus Büchern: Mince Pies aus Margaret Atwoods „Alias Grace“

Im Roman Alias Grace gibt es für die Protagonistin Grace Marks nur wenige positive Erinnerungen. Eine davon ist ein Weihnachtsfest, bei dem sie und die anderen Hausangestellten ein eigenes kleines Festmahl bekommen. Es ist ein großes und wohlhabendes Haus mit entsprechender Dienerschaft und Grace kann einen seltenen glücklichen, friedlichen Moment erleben:

„The snow had fallen heavily that day, and the people were out in their sleighs, with bells on the horses, and it sounded very pretty. And after the family had eaten their Christmas dinner the servants ate theirs, and had their own turkeys and mince pies, and we sang some carols together, and were glad.
This was the happiest Christmas that I ever spent, either before or after.“

Mincemeat ist ein sehr altes Rezept, das sich im Laufe der Zeit sehr verändert hat. Ursprünglich enthielt es tatsächlich gehacktes Fleisch, zu der Zeit in der Alias Grace spielt, allerdings schon nicht mehr. Seitdem wird es nur noch mit Trockenfrüchten, Äpfeln und Nüssen hergestellt. Traditionell sind die verwendeten Früchte Korinthen, Sultaninen und Rosinen, modernere Varianten tauschen die Trockenfrüchte mitunter auch gegen Aprikosen, Cranberries oder diverse andere aus. Geht alles.

Das Ziel dieser Reihe ist ja aber immer, das Rezept zu machen, das der Text am ehesten trägt. Aus Lebenszeit und -umständen von Grace ist zu schließen, dass ihr eher Fette wie Talg und Schmalz als Butter oder Pflanzenfette zur Verfügung standen. Rindernierenfett ist tatsächlich die traditionelle Zutat in der Füllung und dem Teig von Mince Pies. Es ist in Deutschland nur recht schwer zu bekommen und dann meistens als Zutat für Tierfutter. Metzger können es manchmal besorgen, in der Theke hat das wahrscheinlich keiner liegen. Eine etwas verarbeitungsfreundlichere Variante ist „Shredded Suet“, das z.B. von Atora hergestellt wird und zumindest online zu kriegen ist. Es ist kein reines Fett sondern mit Weizenmehl versetzt um Flocken zu erzeugen. Man muss dieses Rezept allerdings nicht mit Rindertalg machen. Eine beliebte Variante für die Füllung ist z.B. Kokosfett oder auch Butter. Auch den Teig kann man ersatzweise mit Butter herstellen. Es wird und schmeckt dann natürlich etwas anders, aber man kann auch das auf jeden Fall immer noch als Mince Pie durchwinken.

Die hier angegeben Menge Mincemeat ist recht viel. Man sollte Mincemeat mindestens zwei Wochen im Voraus herstellen, damit es durchziehen kann. Aufbewahrt wird es in sterilisierten, dicht schließenden Gläsern an einem dunklen Ort. Dort hält es sich mindestens 6 Monate. Da die Herstellung zwar einfach aber recht zeitaufwendig ist, lohnt es sich, eine größere Menge im Voraus zuzubereiten und erst nach und nach zu verbrauchen.

Die Verhältnisse der Zutaten unterscheiden sich je nach Rezept mitunter erheblich. Besonders bei der Brandy-Menge scheiden sich die Geister – die Angaben, die ich gefunden habe, schwanken zwischen 60 und 250 ml. Ich habe einen vorsichtigen Mittelweg gewählt, weil ich vorherrschenden Alkoholgeschmack in Kuchen und ähnlichem nicht sehr schätze. Aber kippt da ruhig mehr rein, wenn ihr wollt.

Doch jetzt genug geplappert, hier kommt das Rezept:

Mince Pies

MincePiesCollage.jpg

(die unten angegebene Teigmenge reicht für 12 muffingroße Pies, das Mincemeat wie schon erläutert für deutlich mehr)

Mincemeat

(für diese Menge braucht ihr Einmachgläser/Marmeladengläser im Gesamtvolumen von ca. 1,5 l)

  • 300 g Apfel (am besten Boskoop)
  • 250 g Sultaninen
  • 250 g Rosinen
  • 250 g Korinthen
  • 1 unbehandelte Zitrone
  • 250 g brauner Zucker
  • 50 g Orangeat
  • 50 g Zitronat
  • 50 g Mandelstifte
  • 1 TL Zimt, gemahlen
  • 1 TL Piment, gemahlen
  • 1/2 TL Muskat, gemahlen
  • 1/4 TL Koriander, gemahlen
  • 100 ml Brandy
  • 150 g Rindernierenfett, gerieben (oder shredded suet)

Den Apfel schälen, das Kerngehäuse entfernen, das Fruchtfleisch fein hacken. Die Zitrone heiß abwaschen, die komplette Schale abreiben und die Hälfte der Zitrone auspressen. Orangeat und Zitronat fein hacken. Je nach Größe der Mandelstifte auch diese evtl. noch feiner hacken.

Alles in eine große Schüssel geben. Sultaninen, Korinthen und Rosinen, Mandeln, Zucker und alle Gewürze zugeben. Gründlich verrühren. Die Schüssel abdecken und die Mischung an einem kühlen Ort mindestens sechs Stunden oder besser über Nacht ziehen lassen.

Anschließend die Mischung in eine ofenfeste Form umfüllen und das Fett zugeben. Mit Alufolie lose abdecken und im Ofen bei 110°C 2,5 Stunden garen. Die Form herausnehmen und die Alufolie entfernen. Während des Abkühlens die Mischung ab und zu durchrühren, damit das Fett sich gleichmäßig verteilt. Wenn das Mincemeat fast vollständig erkaltet ist, den Brandy unterrühren und ein letztes mal alles gut durchmischen.

Das Mincemeat in die vorbereiteten, sterilen Gläser abfüllen. Mit einem Löffel gut festdrücken, damit möglichst wenig Luftblasen in den Gläsern verbleiben. Gut verschlossen, an einem trockenen, dunklen Ort hält Mincemeat sich mindestens 6 Monate (manche sagen, sie hätten das bis zu drei Jahre aufgehoben. Das möchte ich nicht versprechen). Vor dem Weiterverarbeiten sollte man dem Mincemeat mindestens 14 Tage Zeit zum Durchziehen lassen. Wer also dieses Jahr zu Weihnachten Mince Pies essen will, fängt besser gleich an.

Mince Pies

(in dieser Variante mache ich 12 kleine Pies in einem Muffinblech. Jede andere runde Kuchenform tut es auch, dann verlängert sich allerdings die Backzeit um wenige Minuten)

  • 500 g Mincemeat
  • 330 g Weizenmehl + etwas mehr zum Verarbeiten
  • 1 gehäufter TL Backpulver
  • 200 g Shredded Suet
  • 150 ml kaltes Wasser
  • 25 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Ei
  • Öl für die Form
  • wenn gewünscht Puderzucker zur Dekoration

Den Zucker im Wasser auflösen. In einer Schüssel Mehl, Backpulver, Salz und Shredded Suet vermengen. Das Wasser nach und nach zugeben und untermengen. Der Teig gerät recht klebrig, und wer mit den Händen knetet, sollte diese vorher mit Mehl bestäuben. Wenn der Teig fertig ist, in Frischhaltefolie einwickeln und im Kühlschrank mindestens 30 Minuten ruhen lassen.

Den Ofen auf 180°C (Umluft) vorheizen. Die Mulden eines Muffinblechs mit Öl ausstreichen. Den Teig portionsweise ca. 2 mm dick ausrollen. Mit Hilfe einer kleinen Schüssel 12 Kreise von etwa 14 cm Durchmesser ausstechen. Mit einem Glas weitere 12 Kreise mit einem Durchmesser ausstechen, welche der Weite der Formen entspricht. Bei mir waren das 7,5 cm, die meisten Bleche dürften da ähnlich dimensioniert sein.

Mit den größeren Teigkreisen die Mulden auskleiden, so dass der Teig oben ein wenig übersteht. Den Boden mit einer Gabel einstechen. In jede Mulde etwa 2 EL Mincemeat geben. Das Ei verrühren. Mit dem Ei die überstehenden Teigränder einstreichen und die Deckelplatten auflegen. Die Schnittkanten gut zusammendrücken. Mit dem übrigen Ei die Pies bestreichen und die Deckel mit einem scharfen Messer kreuz- oder sternförmig einschneiden. Im vorgeheizten Ofen auf mittlerer Schiene 15-20 Minuten backen, bis die Oberfläche goldbraun wird.

Wer möchte, kann die Pies anschließend noch mit Puderzucker bestreuen oder auf andere Art dekorieren. Warm aus dem Ofen sind die Pies sehr lecker, sie können aber auch gut vorbereitet und evtl. später aufgebacken werden.


Das Zitat stammt von S. 170 von Margaret Atwood: Alias Grace. Anchor Books 1996.

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