Essen aus Büchern: Kugel aus Ann Patchetts „The Magician’s Assistant“

Kugel ist ein Auflauf aus der jüdisch-aschkenasischen Küche und teilt seine etymologischen Wurzeln wahrscheinlich mit dem Gugelhupf. Es gibt eine süße Variante, die vor allem aus Eiernudeln und verschiedenen Milchprodukten besteht und eine herzhafte, die vor allem aus Kartoffeln besteht. In The Magician’s Assistant allerdings ist recht eindeutig die süße Variante gemeint, ausgestellt in der Süßwarenvitrine des traditionellen jüdischen Restaurants Canter’s Deli, in dem Protagonistin Sabine der Versuchung kaum widerstehen kann:

„She couldn’t remember the last time she had eaten, and she put her hand on the overflowing pastry case and leaned towards the glass, suddenly mesmerized by kugel.“

Die süße Variante ist auch bekannt als Lokshen Kugel, wobei ‚Lokshen‘ die Nudeln bezeichnet, oder als Noodle Kugel, was mühelos den phonetischen Sieg davon trägt. Über die Jahrhunderte haben sich natürlich sehr viele Varianten entwickelt. Fast in allen süßen Kugel-Rezepten findet man Rosinen, manchmal auch andere (Trocken)früchte, Zitronenzesten oder Apfelmus. Oft werden nur Zucker und Zimt über die Masse gestreut, manchmal aber auch Toppings wie zerbröselte Kekse, Streusel oder Cornflakes. Es war mir nicht möglich, herauszufinden, was Canter’s Deli sein Kugel nun genau macht, deswegen habe ich mich einfach für eine möglichst traditionelle Variante entschieden. Es ist einfach, es ist sehr lecker, es ist super variabel, aber ich warne euch – es ist auch eine riesige Milchprodukte-Schlacht.

Kugel_Col.jpg

eine große Auflaufform bzw. 10 Portionen Kugel:

  • 200 g Rosinen
  • 350 g breite Eiernudeln
  • 6 Eier Größe M
  • 450 g Saure Sahne
  • 250 g Frischkäse
  • 200 g körniger Frischkäse
  • 200 g Zucker
  • 60 g sehr weiche oder geschmolzene Butter
  • 1/4 TL Salz
  • außerdem ca. 4-6 EL Zucker-Zimt-Mischung zum Bestreuen und etwas Fett für die Auflaufform

Den Ofen auf 180°C vorheizen. Die Rosinen in einer Schüssel mit warmem Wasser übergießen und einweichen lassen. Ungesalzenes Wasser für die Nudeln aufstellen.

In einer Schüssel die Frischkäse-Sorten, Saure Sahne, Eier, Butter, Zucker und Salz mit einem Rührlöffel oder einem Schneebesen zu einer glatten Masse verrühren. In einer weiteren Schüssel je nach Geschmack 4-6 EL Zucker mit gemahlenem Zimt vermischen.

Wenn das Wasser kocht, die Nudeln in den Topf geben und nach Packungsanweisung sehr al dente kochen. Die fertig gegarten Nudeln abgießen und zurück in den Topf geben (nicht mehr auf die Platte stellen!). Die Rosinen ebenfalls abgießen und etwas trocken tupfen. Nudeln, Käse-Eier-Mischung und Rosinen im Topf vermengen. Die Auflaufform gut fetten und die Masse hineingeben. Die Zucker-Zimt-Mischung gleichmäßig auf der Oberfläche verteilen und die Form in den Ofen schieben.

Die Backzeit beträgt etwa 60 Minuten. Der Kugel ist fertig, wenn er nur noch schwach nachgibt und die Oberfläche braun ist. Dann aus dem Ofen nehmen und noch etwa 20 Minuten ruhen lassen, bevor man ihn anschneidet.

Vom Ergebnis war ich im ersten Anlauf so gar nicht angetan. Frisch aus dem Ofen schmeckte der Kugel wie eine missglückte Mischung aus Lasagne und Käsekuchen. Ein paar Stunden später hat mir das schon deutlich besser gefallen. Mesmerized war ich nun aber trotzdem nicht.


Das Zitat stammt von S. 27 von Ann Patchett: The Magician’s Assistant. Fourth Estate 2002.

Mehr Essen aus Büchern gibt es auf schiefgegessen.

 

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