Essen aus Büchern: Avgolemono aus Margaret Atwoods „Lady Oracle“

Avgolemono ist eine Suppe, die als ‚Lemon Soup‘ ihren Auftritt in Lady Oracle hat:

‘I am pleased I have discovered you,’ Paul said, as we sipped our lemon soup. ‘Now we will have to think what to do, as I see you have married.’

Paul ist ein ehemaliger Liebhaber der Protagonistin Joan, der sie nun nach vielen Jahren in Toronto wieder aufgespürt hat und sie zum Essen einlädt, in der falschen Annahme, Joan sei ebenfalls sehr an einer Wiederbelebung der Beziehung interessiert.

Die Szene spielt in einem griechischen Restaurant, deswegen habe ich mich auch um ein griechisches Rezept bemüht. Grundsätzlich besteht diese Form von Suppe aus einer Brühe, in die Eier und Zitrone gerührt werden. Die Eier verleihen der Suppe die Cremigkeit, für die sie so geschätzt wird. Man findet Rezepte dafür in vielen Länderküchen des Mittelmeerraums. Am häufigsten wird für dieses Gericht in der griechischen Variante eine Hühnerbrühe verwendet, oft auch das Fleisch und verschiedene Gemüse. Auch Varianten mit Fleischbällchen, Fisch und vegetarische Suppen mit Bohnen sind verbreitet. Als Einlage werden außerdem oft Nudeln wie Kritharaki oder Reis verwendet. Diese werden direkt in der Brühe gekocht, was ebenfalls zu Bindung verhilft.

Entschieden habe ich mich dieses mal für Huhn, Kritharaki und ein wenig Gemüse und dann geht das so:

lemonsoupcollage

Das hier ist die absolut grundständige Variante, in der eine Brühe mit Suppenhuhn gekocht wird, was geschmacklich natürlich unschlagbar ist. Wenn es schneller und einfacher sein soll, kann man aber auch jederzeit auf Instant-Suppe oder fertigen Fond ausweichen. Das Gemüse kann man natürlich beliebig erweitern und ersetzen, ich habe unter anderem auch Rezepte mit grünem Spargel, verschiedenen Bohnen, Erbsen und Sellerie gefunden. Als Einlage verwende ich hier Kritharaki. Suppennudeln oder Reis gehen natürlich auch. Dadurch verändert sich möglicherweise die Garzeit ganz am Ende, die von Kritharaki liegt bei ca. 15 Minuten.

4 Portionen Avgolemono:

  • 1 Suppenhuhn, ca. 1 kg
  • 2 Zwiebeln
  • 1 Stange Lauch
  • 2 Karotten
  • 150 g Kritharaki
  • 3 Eier
  • Saft von 2 Zitronen
  • 1 EL gehackte Petersilie
  • Salz und Pfeffer

Das Suppenhuhn (ohne Innereien, sollten noch welche drin sein) in einen großen Topf geben und mit Wasser bedecken. Zum Kochen bringen und 1,5 Stunden auf niedriger Stufe köcheln lassen.

Die Karotten schälen  und in große Stücke schneiden. Die Wurzeln vom Lauch entfernen und die Stange unter den grünen ‚Blättern‘ zerteilen. Beide Teile halbiere und evtl. Erd- und Sandanhaftungen abwaschen. Die Zwiebeln schälen und halbieren. Das Gemüse zum Huhn in den Topf geben und eine weitere Stunde kochen lassen.

Anschließend den Topf von der Platte ziehen, das Huhn herausnehmen und etwas abkühlen lassen. Das Gemüse mit einem Schaumlöffel aus dem Topf nehmen. Das Fleisch von den Knochen lösen und in löffelgerechte Stücke schneiden. Wer will, kann auch Teile des Gemüses als Einlage verwenden.

Den Fond erneut erhitzen und auf ca. 2 l einreduzieren lassen. Mit Salz abschmecken und etwas abkühlen lassen. Wer die Suppe glatter haben möchte, kann den Fond noch durch ein Seihtuch passieren, das ist nun aber mehr Kür als Pflicht und einfach Geschmackssache.

In einer großen Schüssel Eier und Zitronensaft gründlich verquirlen. Langsam eine kleine Menge des heißen Fonds unterrühren. Der Fond darf an dieser Stelle auf gar keinen Fall mehr kochen! Am besten mit einer Suppenkelle kleine Mengen dazu geben, so dass die Masse langsam bindet, das Ei aber nicht stockt. Insgesamt ca. 300 ml der Brühe unterrühren, dabei mit einem Schneebesen verrühren. Mischung beiseite stellen.

Den verbliebenen Fond erneut aufkochen. Die Kritharaki dazu geben und 8 Minuten kochen lassen. Dann das Fleisch und das Gemüse zugeben und weitere 4 Minuten garen lassen. Zum Schluss für weitere 3 Minuten die Zitronen-Eier-Mischung und die gehackte Petersilie unterrühren. Nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Und das wars. Für meine Avgolemono habe ich noch Brot mit Zitronenzesten und Knoblauch in der Pfanne gebräunt. Alternativ kann man die Suppe natürlich auch mit einer Zitronenscheibe garnieren oder einfach so servieren. Die Zitrone klingt zwar sehr nach Sommer, tatsächlich ist das aber eine sehr wärmende Suppe für die ersten drohenden Herbsttage und alle, die danach noch folgen.

Grundsätzlich bin ich ja ein großer Suppen-Fan, vor allem von so gebundenen Sachen. Aber die Geschichte hier war mir dann doch ein kleines bisschen zu sauer, muss ich zugeben. Wer da ähnlich empfindlich ist, könnte also von vornherein über eine Reduzierung der Zitrone nachdenken.


Das Zitat stammt von S. 305 von Margaret Atwood: Lady Oracle. Little, Brown Book Group 2009.

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