Essen aus Büchern: Millefeuille aus Christopher Eckers „Fahlmann“

In Eckers Fahlmann passieren einige eklige Dinge, es wird aber auch gelegentlich gegessen. Unter anderem Fischstäbchen und Käfer. Mindestens zwei mal aber auch Millefeuille, ein französisches Gebäck aus „tausend Schichten“ von Blätterteig und crème pâtissière. Obendrauf kommt noch eine Schicht Zuckerguss. Das ist die gängigste Variante, grundsätzlich kann man aber auch mit Sahne, Marmelade, Fondant, gemahlenen Nüssen oder Puderzucker arbeiten.

Ihr seid sicher enttäuscht, dass es nicht die Käfer geworden sind, aber ohnehin kann niemand mit so viel Genuss und Erotik in eine Made beißen wie Fahlmanns Protagonist Bahlow.

Also ab nach Paris!

„‚Fangen wir an!‘, wiederholte Janensch und schnippte einen Krümel der Cremeschnitte vom Revers, die er vor wenigen Minuten am Rande der Rue Nicolas Flamel in dieser vorzüglichen Konditorei erstanden hatte, wo einem der Bäcker keine dummen Fragen stellte, wenn man fröstelnd und in gebrochenem Französisch ein millefeuille verlangte.“

Wo wir bei gebrochenem Französisch sind – das Ding heißt  [mil fœj]. Und so wird es gemacht:

millefeuillecol

Für 3-4 Millefeuilles:

  • 250 g Blätterteig

für die crème pâtissière:

  • 500 ml Milch
  • 1 Vanilleschote
  • 3 Eier
  • 60 g Mehl
  • 125 g Zucker

für den Zuckerguss:

  • 150 g Puderzucker
  • 1 Eiweiß
  • 1 Spritzer Zitronensaft
  • 1 TL Kakaopulver

Das Mark der Vanilleschote auskratzen und mit der Milch kurz aufkochen. Vom Herd nehmen und noch etwa zehn Minuten ziehen lassen.

In einer Schüssel die Eier mit dem Zucker verrühren, bis sie eine homogene Masse bilden. Anschließend das Mehl in die Masse sieben und sorgfältig rühren, damit sich keine Klumpen bilden. Die etwas abgekühlte Vanillemilch zu der Eimasse geben und nochmals gut verrühren.

Die Masse in einen Topf geben. Bei mittlerer Temperatur auf dem Herd vorsichtig erhitzen und dabei mit dem Schneebesen ständig rühren. Sobald die Mischung sich dem Siedepunkt nähert, dickt sie sehr schnell an, dann muss man aufpassen, dass nichts ansetzt.

Wenn die Creme deutlich fester geworden ist, vom Herd nehmen und in eine große Schüssel umfüllen. Wenn ihr euch nicht sicher seid, gebt erst einen Esslöffel voll auf einen kleinen Teller. Dort kühlt die Creme schnell aus und ihr könnt zumindest erahnen, wie sie später aussehen wird. Die Creme in der Schüssel mit Frischhaltefolie bedecken. Dabei die Folie direkt auf die Oberfläche legen, damit sich keine Haut bilden kann. Im Kühlschrank vollständig auskühlen lassen. Das dauert ca. 2 Stunden.

Den Blätterteig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Eine weitere Schicht Papier und ein weiteres Blech darauf legen, damit der Teig beim Backen nicht hoch geht. Im Ofen bei 200°C etwa 15 Minuten backen bis der Teig leicht braun wird. Ich habe fertigen Blätterteig benutzt. Wenn ihr das auch macht, guckt im Zweifel nochmal auf die Verpackung, möglicherweise hat euer Blätterteig leicht abweichende Temperaturen/Zeiten. Auch den Blätterteig anschließend komplett abkühlen lassen.

So. Jetzt müsst ihr kurz rechnen. Ein Millefeuille besteht aus drei Schichten Teig und zwei Schichten Creme. Ihr braucht also eine durch drei teilbare Menge Blätterteigplatten. Ich hatte vier Platten und habe geschummelt – aus drei kompletten Platten habe ich ein großes Millefeuille gemacht und die vierte Platte habe ich gedrittelt für ein sehr schlankes. Auf die unterste Platte eine dicke Schicht Creme geben, die nächste Platte darauf legen, eine weitere Schicht Creme darauf verteilen und schließlich mit der dritten Platte abschließen.

Für den Guss den Puderzucker mit dem Eiweiß vermengen. Evtl. mehr Puderzucker zugeben, wenn die Masse zu dünnflüssig wird. Wenn alles ist, wie es soll, habt ihr sehr, sehr dickflüssigen Zuckerguss. Ein Viertel der Masse abnehmen und in einer Schüssel mit dem Kakaopulver glatt verrühren. Den weißen Guss großzügig auf den Millefeuille verteilen. Mit einer Spritztülle mit dünnem Aufsatz den dunklen Guss in Linien quer darauf setzen und mit einer Messerspitze längs ein Muster reinziehen. Wenn der dunkle Guss dafür zu fest ist, evtl. tropfenweise Wasser zugeben. Ich bin so mittelgut darin…

Das Ergebnis ist trotz optischer Defizite sehr, sehr lecker. Ich hatte erwartet, dass das ganze ein Süße-Overkill wird, es war aber geschmacklich sehr ausgewogen. Allerdings hatte ich ein paar Probleme mit der Creme, die in der warmen Küche schnell anfing zu verlaufen. Unter Umständen muss man sie zwischendurch nochmal kalt stellen. Wenn man größere Stücke später teilen will, geht das am besten mit einem scharfen Messer, das man vorher unter heißes Wasser gehalten hat. Anders als im Roman hätte man meine Millefeuilles aber auf gar keinen Fall im Gehen essen können.


Mein Dank geht an Elodie, deren Blog Leckereien aus Frankreich sich bei diesem Rezept als sehr hilfreich erwiesen hat. Wer dieses Rezept nachmachen möchte, findet dort eine bebilderte Anleitung.

Das Zitat stammt von S. 621 des Romans Fahlmann von Christopher Ecker. Mitteldeutscher Verlag 2012.

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3 Gedanken zu “Essen aus Büchern: Millefeuille aus Christopher Eckers „Fahlmann“

  1. thursdaynext 2. Juni 2017 / 16:17

    Mmmmmhhhhhh…wird ausprobiert. Schön, dass es kein süßer Overkill ist, sah so aus. Freu mich drauf.

    Gefällt 1 Person

    • Marion 5. Juni 2017 / 9:54

      Es sieht fies aus, ne? Die Creme alleine ist auch wirklich massig, aber so zusammen funktioniert es dann doch gut. Lass mich wissen, wie deine werden!

      Gefällt 1 Person

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