Essen aus Büchern: Groundnut Stew aus Teju Coles „Open City“

Ich fand Erdnuss in Essen immer wirklich keine gute Idee. Erdnüsse an sich sind super, aber nachdem vor 15 Jahren mein erstes Saté-Gericht leider furchtbar war, habe ich das nie wieder probiert. Zum Glück gibt es Essen aus Büchern, ich hätte echt was verpasst! Groundnut Stew ist nämlich der Hammer.

Groundnut Stew, ein Erdnusseintopf, ist ein in großen Teilen Westafrikas beliebtes Gericht. Ein „richtiges“ Rezept zu finden ist damit aussichtslos und das, was ich gemacht habe, ist ein Mashup aus den kleinsten gemeinsamen Nennern verschiedener Rezepte, die ich gefunden habe. Mit Hühnchen arbeiten eigentlich alle Rezepte, dazu können kommen Rindfleisch, Lammfleisch, (getrockneter) Fisch, Okra, Koriander und so weiter und so fort. Die Standardbeilage ist anscheinend Reis.

Erwähnung findet dieses Traditionsgericht in Teju Coles Open City. Erzähler Julius besucht mit seiner (damaligen) Freundin und deren Kirchengemeinde ein Gefängnis in New York, in dem Menschen sitzen, deren Einreise als illegal eingestuft wird. Die Gemeindemitglieder fahren regelmäßig dorthin, um mit den dort inhaftierten Menschen zu sprechen. Julius gerät zufällig an Saidu, der ihm von seiner abenteuerlichen Flucht vor dem Taylor-Regime aus Liberia berichtet. Obwohl er nicht weiß, wie es weitergeht für ihn, klagt er wenig. Die anderen Insassen seien in Ordnung, aber das Essen sei nicht gut.

The food here is bad, it has no taste, but there’s a lot of it. One thing I miss is the taste of groundnut stew. You know it?“

Da dieses Gespräch eine der beeindruckendsten Szenen des ganzen Buchs war und ich Groundnut Stew mit meiner Erdnuss-Aversion natürlich noch nicht kannte, hab ich mich an die Arbeit gemacht.

GroundnutStewCol.jpg

Groundnut Stew für 4 Personen, vorausgesetzt, es gibt noch Reis:

  • 1 Pfund Hühnchenfleisch, im Idealfall mit Haut
  • 1 Pfund Süßkartoffeln
  • 1 große Zwiebel
  • 1 walnussgroßes Stück Ingwer
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 3 EL Pflanzenöl
  • 2oo ml (= 1/2 Dose) gehackte Tomaten
  • 500 ml Hühnerbrühe
  • 125 g Erdnussbutter (nicht gezuckert oder gesalzen)
  • 60 g geröstete Erdnüsse (egal ob gesalzen)
  • 3 EL gehackte Petersilie
  • Chili, gemahlen
  • Salz

In einem großen Topf das Öl erhitzen und das Hühnchen scharf anbraten bis es von allen Seiten braun ist. Je nachdem, welcher Teil verwendet wird, evtl. vorher kleinschneiden. Bei Teilen mit Knochen lässt sich das Fleisch erst ganz am Ende des Kochvorgangs richtig ablösen.

In der Zwischenzeit die Zwiebel in dünne Scheiben schneiden, den Knoblauch fein hacken, den Ingwer schälen und ebenfalls fein hacken. Die Süßkartoffel schälen und in mundgerechte Stücke schneiden.

Wenn das Hühnchen braun ist, aus dem Topf nehmen und die Hitze auf etwa halbe Stärke reduzieren. Zwiebel glasig dünsten, dann den Knoblauch dazu geben und etwa 2 Minuten weiter dünsten, Süßkartoffel und Ingwer dazu und weitere 5 Minuten garen. Anschließend mit Tomaten ablöschen, Hühnchen und Brühe dazu geben. Deckel drauf und 60 Minuten auf schwacher Temperatur köcheln lassen.

Anschließend die Erdnussbutter und Chili zugeben. Wieviel hängt sehr davon ab, was man verträgt und welche Chilis man verwendet. Ich habe ganz winzige, sauscharfe, von denen ich keinesfalls mehr als zwei nehmen kann. Groundnut Stew ist aber schon so gedacht, dass es ordentlich scharf ist. Weitere 30 Minuten köcheln lassen. Das ganze sollte eine Eintopf-Konsistenz kriegen, wenn es zu „suppig“ gerät, den Deckel während dieser Zeit weglassen, damit etwas Flüssigkeit verdampft.

Fast fertig. Gegegebenfalls Teile mit Knochen jetzt aus dem Topf nehmen, Fleisch ablösen, klein schneiden und wieder in den Eintopf geben. Die Erdnüsse und die Petersilie hacken und ebenfalls in den Topf geben und unterrühren, noch 5 Minuten auf dem Herd lassen. Anschließend mit Salz und unter Umständen mehr Chili abschmecken. Reis dazu und fertig.

Ein großartiger, wärmender Eintopf, der ein bisschen Sommer mitbringt und damit einen festen Platz in meinem Winter-Speiseplan kriegt.


Das Zitat stammt von S. 69 der Ausgabe faber and faber 2012.

 

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