Essen aus Büchern: Rogan Josh aus Arundathi Roys „The Ministry of Utmost Happiness“

Arundathi Roys zweiter Roman The Ministry of Utmost Happiness wurde fast 20 Jahre lang sehnsüchtig erwartet. Als er endlich erschien, merkte man ihm deutlich an, womit die Autorin sich in den beiden Jahrzehnten beschäftigt hatte: Der Roman ist sehr politisch geworden und besonders der Kampf um Kaschmir spielt eine ganz zentrale Rolle. Dieser Kampf ist eines der großen Themen im Roman, an ihm zerbrechen Freundschaften und Menschen opfern ihm ihre Leben, sowohl metaphorisch, als auch ganz real. Bei so viel Kaschmir darf natürlich Rogan Josh nicht fehlen, eines der klassischen Gerichte Kaschmirs, das einigen sogar als Nationalgericht gilt.

Im Roman ist es sowohl Teil eines großen Festessens, das die legendäre Anjum ausrichtet, als auch eine Art Versöhnung zwischen zwei ehemaligen Freunden, die sich über den Kaschmir-Konflikt zerstritten haben. Es sind Biplab und Musa, die an der Universität gute Freunde waren. Doch als Biplab eine Laufbahn in der Regierung einschlägt und Musa sich dem bewaffneten Untergrund anschließt, ist das Geschichte. Als bindendes Glied bleibt Tilo, Mieterin einer von Biplabs Wohnungen und Freundin Musas. Für Musa versteckt sie Papiere und Waffen im Tiefkühler, die er eines Tages dort abholen will. Zu seiner Überraschung trifft er aber nicht auf Mieterin Tilo, sondern auf Vermieter Biplab. Um irgendwie an den Tiefkühler zu kommen, schlägt er großmütig vor, ein Abendessen zu kochen. Zu seiner Enttäuschung findet er aber nur ein Kilo Hammel und keinen der ersehnten Gegenstände. Aber immerhin lässt sich daraus Rogan Josh machen. Doch selbst beim Kochen können die beiden den Konflikt nicht ruhen lassen:

„We circled the subject of Kashmir, but only in abstract ways.
‚You may be right after all,‘ I said to him in the kitchen. ‚You may be right, but you’ll never win.‘
‚ I think the opposite,‘ he smiled, stirring the pot from which a wonderful aroma of rogan josh arose.“

Auch, wenn Rogan Josh so typisch für Kaschmir ist, muss Biplab zugeben, dass Musa ein hervorragender Koch ist und es wird doch noch alles ganz nett. Und überhaupt findet Biplab Kaschmir schon lange nicht mehr so schlimm.

Wie schon oben erwähnt, wird das Gericht im Roman mit Hammel gemacht, zumindest in dieser Szene. Lamm und Ziegenfleisch sind weitere beliebte Varianten und ich habe mich an dieser Stelle für Lamm entschieden, schon allein weil ich Hammel wirklich, wirklich nicht runterkriege. Mein Egoismus geht hier also über die getreue Interpretation der literarischen Vorlage. Wer möchte, kann alles, was jetzt kommt, auch einfach mit Hammel machen, es ändert nichts an der übrigen Zubereitung. Und die geht so:

Rogan Josh

für vier Personen oder zwei politische Positionen

  • 600 g Lammfleisch, in mundgerechten Würfeln
  • Ingwer, ein etwa walnussgroßes Stück
  • 150 g Joghurt
  • 2 TL Kashmiri Red Chili
  • 4 TL Öl
  • Safran, einige Fäden
  • 4 EL Ghee
  • 1 TL Salz
  • 1 Stange Zimt
  • 5 – 6 Nelken
  • 1 TL Kardamom, gemahlen
  • 2 TL Fenchelsamen, gemahlen
  • 1/2 TL Kurkuma, gemahlen
  • 1 TL Kreuzkümmel, gemahlen

Den Ingwer sehr fein hacken oder reiben.

Kurkuma, Salz und Kashmiri Red Chili mischen und beiseite stellen.

In einem weiten Topf Ghee und Öl erhitzen. Zimtstange, 1/2 TL Kardamom, 1/2 TL Kreuzkümmel und Nelken einige Minuten auf hoher Temperatur erhitzen. Die Aromen sollen deutlich an Intensität gewinnen, verbrennen soll natürlich aber nichts. Das Fleisch zugeben und von allen Seiten scharf anbraten.

Die Hitze auf mittlere Temperatur reduzieren. Die eben gemischten Gewürze zugeben und alles gut vermengen. Bedeckt etwa 10 Minuten garen.

In der Zwischenzeit Ingwer, Fenchelsamen und Joghurt mischen. Diese Mischung ebenfalls unter das Fleisch mengen und alles mit so viel Wasser aufgießen, dass das Fleisch im Topf bedeckt ist. Je nach Fleisch etwa 60 – 90 Minuten bedeckt garen – Hammel kann länger dauern! Das Fleisch sollte zart werden. Gegen Ende der Kochzeit prüfen, wie dick- oder dünnflüssig die Sauce ist. Wenn sie noch sehr dünn ist, mit geöffnetem Deckel ein wenig Flüssigkeit verdampfen lassen.

Einige Safranfäden fein mörsern und in ein wenig Wasser auflösen. Safran, restlichen Kreuzkümmel und Kardamom unter das Fleisch ziehen. Alles gut vermischen. Nicht mehr kochen, ggf. noch mit Salz abschmecken.

Was es zum Rogan Josh gibt, wird in der Szene nicht erwähnt. Bei Anjums Festessen zu Ehren mehrerer Lebender und diverser Toter gibt es unter anderem verschiedene Brotsorten: Nan, Tandoori Roti und Sheermal. Da kann man sich also austoben. Weniger Arbeit und auch satt macht natürlich auch Reis.


Das Rezept ist von Classic Masala Hut.

Das benutzte Zitat ist von S. 431 von Arundathi Roy: The Ministry of Utmost Happiness. Penguin 2018. Die geschilderte Szene spielt sich ab in Kapitel 11, „The Landlord“. Das ebenfalls geschilderte Festmahl, in dem Rogan Josh eine Rolle spielt, ist am Ende von Kapitel 8, „The Tenant“ zu finden.

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