Essen aus Büchern: Pear Belle Hélène aus Ali Smiths „The Accidental“

„Ich esse es ja! Aber nicht unter falschem Namen.“ Birne Helene ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das berüchtigste Dessert deutscher Popkultur. Und da Pappa ante Portas nun wirklich einer meiner ganz großen Lieblinge ist, ist es mir eine besondere Freude, euch heute Birne Helene zeigen zu können. Das Gericht stammt dieses mal aus The Accidental, einem Roman von Ali Smith. In diesem Roman verlebt die Familie Smart einen grauenhaften Urlaub, der von der Ankunft Ambers durcheinander gebracht wird. Amber, die niemand kennt, die aber trotzdem bleibt.

„Unsere Birne Helene ist mit Vanillesoße und wird immer gerne genommen.“ Birne Helene wurde um 1870 von niemand geringerem als Auguste Escoffier entwickelt, anlässlich der Aufführung von „Die schöne Helena“, einer Oper von Offenbach. Damals wurden die Birnen in Läuterzucker pochiert, mit kandierten Veilchen bestreut und mit Vanilleeis und Schokoladensauce serviert. Heute nimmt man, zumindest zu Hause, wahrscheinlich eher Birnen aus der Dose und Schokoladensauce aus der Flasche, vermutlich auch im Haushalt der Familie Smart:

„I thought Pears Belle Hélène, he told Eve. I just need to heat it. I’ll do it in a minute.“

Vater Michael schlägt diesen ungeplanten Impro-Nachtisch vor. Ich glaube nicht, dass er zufällig gerade Birnen pochiert hat, aber wir machen das jetzt mal richtig. Und zwar so:

BelleHeleneCollage.jpg

für 4 Portionen Birne Helene:

  • 4 Tafelbirnen (z.B. Abate Fetel)
  • 500 g Zucker
  • 1 Zitrone (mit essbarer Schale)
  • 1 Vanillestange
  • 150 g Schokolade, Kakaoanteil mind. 70%
  • 120 ml Sahne (oder auch mehr, wenn ihr später mit Sahne servieren wollt)
  • 4 Kugeln Vanilleeis

Einen weiten Topf zu etwa 3/4 mit Wasser füllen. Der Topf muss so groß sein, dass alle Birnen nebeneinander darin schwimmen können.

Die Schale der Zitrone abreiben oder -schälen, den Saft auspressen. Zucker, Zitronensaft und -schale und die Vanillestange ins Wasser geben und die Mischung zum Kochen bringen. Gut rühren, damit der Zucker sich vollständig auflöst.

In der Zwischenzeit die Birnen aushöhlen. Dazu am unteren Ende eine schmale Scheibe abschneiden, damit die Birne später steht. Mit einem Messer oder, wenn vorhanden, einem Melonenbällchenformer den Blütenansatz und das Kerngehäuse entfernen. Die Birnen mit dem Sparschäler schälen. Sobald das Wasser kocht, die vorbereiteten Birnen mit einem Schaumlöffel hineingeben. Etwa 15 Minuten sieden lassen.

Wenn die Birnen weich sind und sich mit einem Messer leicht einschneiden lassen, den Topf vom Herd nehmen. Die Birnen in der Kochflüssigkeit auskühlen lassen.

Kurz vor dem Servieren die Schokolade im Wasserbad schmelzen und mit der Sahne zu einer glatten Soße verrühren. Auf jeden Teller eine Birne und eine Kugel Vanilleeis setzen, evtl. noch Sahne dazu geben und das ganze mit der warmen Soße übergießen.

In Ermangelung an Veilchen habe ich mir Kornblumen als Deko gepflückt, von denen der Samenkugelhersteller verspricht, sie seien essbar. Das sind sie wohl, sie schmecken aber halt auch nach nichts.

Bis die Birne abgekühlt ist, dauert es ein bisschen, was die Zubereitung in die Länge zieht, im Grunde aber ist dieses Dessert sehr einfach zu machen und es ist eben einer der großen Klassiker. Kann man für Gäste tatsächlich gut mal machen.

Und wenn wir jetzt auch noch mal über Bedeutung von Essen in der Literatur sprechen wollen, dann hat dieses Dessert etwas ziemlich phallisches. Ob Ali Smith das so intendiert hat weiß ich nicht, aber es ist ja nicht so, als wäre Michael nicht an Amber (oder jeder anderen Frau unter 35) interessiert. Erschwerend hinzu kommt natürlich die ganzeGeschichte der schönen Helena an sich, die sowieso schon und als Opern-Inszenierung erst recht für viel Aufregung gesorgt hat. Vielleicht hasst Ali Smith aber auch einfach Birne Helene und wollte diesem Unsympathen ein möglichst blödes Dessert in die Rolle schreiben. Man weiß es nicht. Wenn Schokosauce drüber kommt, stell ich sowieso keine Fragen mehr.


Das Zitat stammt von S. 62 von Ali Smith: The Accidental. Penguin 2006.

 

5 Gedanken zu “Essen aus Büchern: Pear Belle Hélène aus Ali Smiths „The Accidental“

  1. letteratura 2. November 2018 / 10:46

    Dein Loriot-Eingangszitat werfe ich auch gern bei jeder Gelegenheit in den Raum! Pappa Ante Portas ist großartig. „Guten Tag, mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein.“ 😀

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    • Marion 4. November 2018 / 19:37

      Das ist ein wirklich großartiger Film. Früher hatte ich die Tonspur als Kassette im Auto und kann den Film notfalls auch rückwärts mitsprechen.

      Gefällt 1 Person

      • letteratura 5. November 2018 / 19:38

        Großartig! Ich könnte noch so viele Sätze einwerfen aber lassen wir das, wir sind uns ja eh einig 🙂

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