Dörte Hansen: Altes Land

altesland„Dit Huus is mien un doch nich mien, de no mi kummt, nennt’t ook noch sien“ ist der erste plattdeutsche Satz, den Vera lernt, als sie zusammen mit ihrer Mutter aus Ostpreußen ins Alte Land flüchtet. Er steht über der Tür von Ida Eckhoffs Haus, die die beiden geflüchteten Frauen aufnehmen soll und sie lieber vom Hof jagen würde. Doch Veras Mutter Hildegard lässt sich nicht vertreiben. Stattdessen heiratet sie Idas Sohn Karl, der schwer traumatisiert aus dem Krieg zurückgekehrt ist und dessen Bettwäsche jeden Morgen gewechselt werden muss.

Viele Jahre später gehört das Haus dann Vera allein. Sie ist Zahnärztin geworden, ist im Dorf geblieben und hat sich dort den Ruf einer etwas seltsamen, unnötig wilden und zurückgezogenen Frau erarbeitet, die auf zu schnellen Pferden reitet und zu große Hunde hält. Dann steht eines Tages Anne vor der Tür, die Tochter von Veras Halbschwester Marlene. Sie hat die Schnauze voll von ihrem untreuen Freund Christoph, den perfekten Müttern auf den Spielplätzen von Hamburg Ottensen und den kleinen Wunderkindern, die sie in der Musikschule unterrichtet. Sie hofft, in der abgeschiedenen Landidylle ein wenig zur Ruhe zu kommen.

Zugegeben – die Story klingt ziemlich lahm und nach ZDF-Sonntagsfilm. Dabei ist das Buch gar nicht schlecht. Dörte Hansen baut ein wirklich nettes Personal in dem Dorf auf. Der pedantische Nachbar Heinrich, der sich ewig über Veras ungepflegtes Grundstück ärgern kann. Der neu zugezogene Journalist Burkhard, der mit seinem Liegerad über die Straßen brettert und Reportagen über das ursprüngliche Idyll schreiben will, aber den Raum verlassen muss, wenn er beim Wursten zusieht. Und der Apfelbauer Jochen, der keine Lust mehr hat auf Städter, die ihm erklären, womit er seine Äpfel spritzen soll – am besten nämlich gar nicht.

Leider verliert das ganze in der zweiten Hälfte massiv an Fahrt und ist am Ende doch ein wenig zu viel Landklischee. Auf der einen Seite bodenständige Frauen, die das bisschen Dreck in der Küche nicht stört und die immer noch einen Platz am Esstisch haben, auf der anderen Seite die gescheiterten Städter, die einsehen müssen, dass die Realität kein Landlust-Abo ist. Alles in allem kein Must-read aber ein gut lesbares Sommer- und Urlaubsbuch, das besser ist als viele Bücher dieser Art.


Dörte Hansen: Altes Land. Knaus 2015. €19,99, 288 Seiten.

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