3. Blog-Geburtstag – was ich mir wünsche

Die DSGVO hat in den letzten Wochen hohe Wellen in der Buchblog-Welt geschlagen. Viele hohe Wellen. Einige haben sie gar als Grund genommen, ihren Blog zu löschen. Andere beklagen, dass hier den kleinen BloggerInnen unverhältnismäßig große Steine in den Weg gelegt werden und dass es nun wirklich fiesere Datenkraken gäbe. Klar gibt es die, aber relativieren kann man immer alles. Es gibt (fast) immer jemanden, der noch fieser und noch schlechter ist und dann ist das ja auch noch eine Frage der persönlichen Moral. Darauf kann man sich halt nicht ausruhen.

BuchbloggerInnen wollen ernst genommen werden. Ihr Blog soll nicht als niedliches Hobby abgestempelt werden. Das ist auch eine legitime Forderung – viele BloggerInnen investieren extrem viel Zeit und manchmal auch Geld, wenn auch nur indirekt, z.B. für Messebesuche oder Foto-Equipment. Da könnte man ja auch mal über Kooperationen nachdenken, die vielleicht ein paar Euro bringen. Vielleicht könnte ja der Blog eines schönen Tages sogar eine Art Nebenjob werden. Aber Verantwortung?! Um Gottes Willen, woher soll ich denn Verantwortung nehmen? Ich hab ja noch nicht mal ein Impressum!

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schiefgegessen. Ein Spin Off-Blog für „Essen aus Büchern“

Im Mai 2016 ist der erste Beitrag in der Reihe „Essen aus Büchern“ erschienen, 25 Gerichte habe ich seitdem gebacken und gekocht und mit euch geteilt. Das werde ich auch weiterhin so machen, die Liste zu entdeckender Rezepte wird mit jedem Buch länger und länger.

Allerdings wird die Sammlung langsam ein bisschen unübersichtlich. Ich will den Rezepten hier aber auch nicht übermäßig viel Raum geben, weil schiefgelesen in erster Linie ein Literaturblog ist und bleiben soll. Koch-Tags wie „vegetarisch“, „Hülsenfrüchte“ oder „Eintopf“ haben da meiner Meinung nach nicht viel verloren, auch wenn letzteres auf einige Bücher durchaus zutrifft. Um eine Rezeptsammlung aber sinnvoll und hilfreich zu verschlagworten, sind sie unumgänglich.

Lange Rede, kurzer Sinn: Essen aus Büchern ist groß genug um so langsam auf eigenen Beinen zu stehen. Heute geht schiefgegessen an den Start, ein weiterer Blog, an dem ich schon eine ganze Weile feile. Dort findet ihr ab sofort alle Rezepte aus der Reihe. Allerdings werden die Beiträge nach wie vor zuerst hier erscheinen, auf schiefgegessen erfolgt „nur“ die zweite Veröffentlichung und Katalogisierung.

Hier wie dort freue ich mich auf euren Besuch!

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Spread the Love – Ein Plädoyer (und eine Selbstmotivation) für mehr Bookcrossing

Heute, nur knapp vor dem Welttag des Buches, ist Bookcrossing Day, der Geburtstag dieses wunderbaren Projekts. Einige von euch werden es kennen, einige erinnern sich vielleicht auch an meine Bookcrossing-Tour durch Ostfriesland, die ich vor zwei Jahren gemacht habe. Es besteht ja aber auch die Möglichkeit, dass hier Menschen mitlesen, die Bookcrossing immer noch nicht kennen. Was ein Versäumnis wäre. Hier also nochmal eine kurze Erklärung:

Die Idee von Bookcrossing ist sehr einfach und dabei sehr gut: ich habe ein Buch zu Hause rumstehen, ich habe es gelesen und will es nicht mehr haben. Weil es blöd war, weil es okay war, ich es aber nie mehr lesen werde, weil mein Regal jetzt dann halt wirklich endgültig voll ist. Ihr kennt das. Bücher sind ja aber zum Lesen da und nicht zum Rumstehen und Staub fangen. Also schicke ich das Buch raus in die Welt, platziere es an einem frequentierten Ort und hoffe, dass jemand anders es findet, mitnimmt, liest und dann wieder irgendwo aussetzt. Dort findet es dann jemand anders und die Reise geht weiter.

 

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Fünf. Zwei. Vier. Neun.

Im letzten Jahr plante Jörg Mielczarek die Herausgabe einer Literaturzeitschrift, die Texte aus der 5249 Tage dauernden Zeit der der Weimarer Republik abdrucken sollte. Das Ziel der zugehörigen Crowdfunding-Kampagne konnte leider nicht erreicht werden, aber da die erste Ausgabe da schon fast fertig war, ist sie jetzt als Ausgabe 0 doch erschienen.

Mielczarek befasst sich seit Jahren mit Texten aus der Zeit der Weimarer Republik. Unter dem Titel Von Untertanen, Zauberbergen, Menschen ohne Eigenschaften hat er auch ein Buch über diese Epoche veröffentlicht. Bei seinen Recherchen stieß er auf zahlreiche Texte, die heute interessierten LeserInnen nicht mehr so ohne weiteres zugänglich sind, bzw. mühsam zusammengesucht werden müssen. Zur Zeit der Weimarer Republik wurden beispielsweise viele Texte, durchaus auch längere, nur in Zeitschriften veröffentlicht. Darunter findet sich vieles, das heute auch noch lesenswert ist, wenn man denn weiß, wo man es findet.

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sag mal, fbm…

Zu den Eskalationen auf der Messe am Wochenende wurde schon viel und vielleicht sogar schon alles gesagt, aber ich will jetzt auch nochmal, weil ich so mega abgenervt bin. Ich weiß, dass die Messe für viele ein sehr positiver Ort der Begegnung und des Austauschs ist. Zumindest am Samstag war sie das aber nicht. Über die Tumulte selbst kann ich nicht viel sagen, ich war nicht da und weiß nicht, ob nun wirklich jemand ‚Sieg Heil‘ gerufen hat und wer wen zuerst angebrüllt hat. Ich war zu dieser Zeit auf Sizilien, bin in einer Lavahöhle rumgestolpert und in knöcheltiefe Fledermausscheiße getreten – der Frankfurter Buchmesse ist, spätestens mit ihrer Stellungnahme zu den Ausschreitungen, etwas ganz ähnliches passiert.

Die Frage, ob Verlage aus dem rechtsradikalen Spektrum auf der Buchmesse etwas zu suchen haben oder nicht, ist nun wirklich keine neue. Die Diskussion gibt es jedes Jahr und jedes Jahr sagt die Messe, Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut (Standgebühren auch), man habe keinen Grund Verlage nicht zuzulassen, die als Organisation nicht verboten sind, und deren Schriften auch bisher nicht indiziert wurden. Rechtlich ist das so sicher richtig. Moralisch und politisch beantwortet das nichts, aber Boos will die Messe ja auch als wirtschaftliche und nicht als politische Veranstaltung verstanden wissen.

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By a lady – Anmerkungen zu Austens Romanen anlässlich ihres 200. Todestages

200 Jahre sind seit dem Tod Austens vergangen. Viele betrachten sie heute vor allem als Autorin von romantischen Liebesschnulzen, in denen viel getanzt wird und der Höhepunkt der Spannung erreicht ist, wenn eine Dame in einem plötzlich einsetzenden Platzregen nass wird.

„It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune must be in want of a wife“ – der erste Satz aus Pride and Prejudice ist wohl ihr bekanntestes Zitat und gibt scheinbar den Ton ihres gesamten Werkes vor. Mr. Darcy, dieses Sinnbild ritterlicher Brautwerbung und romantischer Liebe, ist ihr beliebtester Charakter. Bälle, Landpartien, Liebe, das ist der Stoff, aus dem ihre Romane gemacht sind, bei denen vor allem junge Frauen seufzend dahinschmelzen und deren Verfilmungen sich nur mit mehreren Packungen Taschentüchern ansehen lassen. Das stimmt so natürlich nicht ganz.

Besonders wer nur die Filme kennt, wird möglicherweise ein völlig falsches Bild von Austens Romanen haben, auch wenn ich Keira Knightley als Elizabeth Bennet ebenso mochte wie Gwyneth Paltrow als Emma. Von Clueless wollen wir hier gar nicht anfangen! In den Romanen wird zwar mindestens so viel geseufzt wie in den Filmen, es stehen aber weitaus seltener Frauen pittoresk in Landschaften herum und auch wenn Bälle gesellschaftliche Anlässe von großer Bedeutung sind, nehmen sie nicht so viel Raum ein, wie in vielen Verfilmungen.

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Romantischer Austen-Kitsch im Jahr 2017, hier käuflich zu erwerben bei etsy. You’re better than this, Jane!

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Zwei Jahre schiefgelesen – Wie das Bloggen mein Lesen verändert

Seit zwei Jahren gibt es schiefgelesen nun schon, auf den Tag genau. Es ist inzwischen so sehr zur Selbstverständlichkeit geworden, dass es mir viel länger vorkommt. Das Bloggen über  Bücher hat in dieser Zeit einiges an meinem Leseverhalten geändert.

Es zwingt mich dazu, mich mehr mit den Büchern auseinanderzusetzen während ich sie lese. Ich mache keine umfangreichen Notizen, aber ich notiere mir Zitate, die ich passend finde und manchmal Details, die ich in der Rezension verwenden will. Seit ich vor einem Jahr mit Essen aus Büchern angefangen habe, schreibe ich jetzt auch Passagen dafür auf.

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Die Wiese ist zum Lesen da – die ersten Bücher für den Sommer

Wie befürchtet bin ich in den ersten Monaten des Jahres nur sehr wenig zu Lesen gekommen. Job- und Stadtwechsel verbunden mit den üblichen Ärgernissen haben mich zu sehr gefordert. Umso mehr freue ich mich, in der nun langsam einkehrenden Ruhe endlich einen neuen Bücherstapel bauen zu können.

Weitere fünf WPF-Titel stehen auf der Liste, dieses mal zusammengesucht unter der Überschrift „Live Life“.

Eines davon ist Kirsten Bakis Lives of the Monster Dogs von 1998. Hat das von euch schon jemand gelesen? Ich weiß so gar nicht, was ich davon halten soll. Im frühen 21. Jahrhundert tauchen in New York Hunde auf, die sprechen, auf ihren Hinterläufen gehen und sich kleiden wie im 19. Jahrhundert. Unter ihnen grassiert eine furchtbare Krankheit, die ihre gesamte Population bedroht. Eine junge Frau lebt mit ihnen und berichtet in diesem Buch von ihren Erlebnissen.

Der Roman Fortschrittlich leben für jedermann (2006, Originaltitel Everyman’s Rules for Scientific Living) spielt in Australien zwischen den Weltkriegen und handelt von Robert und Jean, die unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten versuchen, ödes Land in eine fruchtbare Farm zu verwandeln.

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Essen aus Büchern: Huevos Rancheros aus Carlos Fuentes „Happy Families“

Happy Families ist eine Kurzgeschichtensammlung des mexikanischen Autors Carlos Fuentes, die ich mal wegen des Covers gekauft habe. Es kommt nicht eine glückliche Familie darin vor, dafür aber Huevos Rancheros, was übersetzt ‚Eier nach Rancher-Art‘ bedeutet. Es handelt sich um Spiegeleier mit einer scharfen Tomaten-Chili-Sauce, die auf Mais-Tortillas zum Frühstück serviert werden. Dazu gibt es häufig Bohnen, meist in Form von frijoles refritos und Reis. Weniger traditionell aber vor allem in anderen Ländern beliebt sind auch Avocados bzw. Guacamole, Sour Cream, Feta, Petersilie, Koriander, Grünkohl (!) und geriebener Käse.

Außerdem gibt es offenbar zwei Lager in der Zubereitung: Team A, international repräsentiert durch Jamie Oliver, kocht die Tomatensoße, macht dann Vertiefungen in die Soße und lässt darin die Eier garen, wie Shakshuka im Grunde. Team B, zahlenmäßig weit überlegen, macht die Spiegeleier extra und gießt dann die Soße darüber. Ich bin in Team B.

In der Erzählung „The Discomfiting Brother“ bekommt Don Luis Albarrán Besuch von seinem aufsässigen Bruder, der es im Leben zu nicht viel gebracht hat. Er bleibt ein paar Tage, was Don Luis überhaupt nicht in den Kram passt. Der aufdringliche Gast bringt ihn fast um den Schlaf:

„Don Luis awoke in the morning convinced that his bad mood was the usual upon opening his eyes and that a good Mexican breakfast of spicy huevos rancheros and steaming coffee from Coatepec would be enough to return him to reality.“

Coatepec ist in Mexiko bekannt für den Kaffeeanbau und gilt als die „Kaffeehauptstadt“ des Landes. Kaffee gehört bei mir zwingend zum Frühstück, Chilis sonst nicht. Aber man kann es ja mal probieren.

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#verlagebesuchen beim Bremer KellnerVerlag

Anlässlich des diesjährigen Welttag des Buches haben Verlage in ganz Deutschland Buchfans eingeladen, mal bei ihnen vorbei zu schauen. Mit dabei waren natürlich die großen Häuser, aber auch viele kleine Verlage, die sich mit unterschiedlichsten Aktionen beteiligt haben. Auch zwei Bremer Verlage haben teilgenommen. Beim Franzius-Verlag war gestern Tag der offenen Tür, da musste ich arbeiten, heute aber konnte ich den KellnerVerlag besuchen. Mit dabei war Eva, die den Blog The Lost Art of Keeping Secrets betreibt und die ich dank der Booknerd-Bloggerlandkarte als um die Ecke wohnend entdeckt habe.

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