fbm18 Mini-Series IV: Literatur

Vor lauter Politik und Menschen hätte ich es fast vergessen: zur Frankfurter Buchmesse fährt man ja eigentlich wegen der Bücher. Sehr schön fand ich in diesem Jahr die Präsentation der Gastland-Titel inmitten hölzerner Buchstaben. Gemäß dem Motto „made by characters“ war das georgische Alphabet in riesigen Buchstaben nachgebaut, allesamt verziert mit Zitaten und Geschichten zur Literatur des Landes. Außerdem gab es Buchstaben-Klebe-Tattoos, was auch ziemlich cool ist. Und nicht zuletzt konnte man natürlich überall auf der Messe georgische AutorInnen treffen, deren Werke es dank Ehrengast-Auftritt nun auch auf den deutschen Markt schaffen.

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Eher zufällig bin ich auf dem Weg zu einer Kommissar-Kugelblitz-Lesung bei Heinz Strunk vorbei gekommen und geblieben. Er erzählte von seinem neuen Buch Das Teemännchen und beklagte sich, dass man ihn immer noch als ausschließlich humoristischen Autor wahrnehme und beispielsweise Junge rettet Freund aus Teich fast gar nicht wahrgenommen wurde, obwohl es ihm selbst so gut gefällt. Na gut, ich hatte sowieso mal vor das zu lesen. Der goldene Handschuh habe ich nie gelesen, weil Freundinnen mir sagen, ich würde das zu eklig finden. Die Kugelblitz-Lesung habe ich übrigens nicht gefunden oder sie hat nie stattgefunden, das habe ich nicht abschließend herausgefunden. Aber so gut wie früher wird der eh nie mehr.

Eine sehr interessante Veranstaltung zu Literaturkritik unter digitalen Bedingungen gab es am Freitag.  Bei der Gesprächsrunde redeten Katharina Herrmann, Berit Glanz, Philipp Theisohn und Ekkehard Knörer über die Besonderheiten von Literaturempfehlung im Internet und was sie vom klassischen Feuilleton unterscheiden muss. Ich erwarte bei sowas immer ein bisschen Gelaber und blabla und war sehr positiv überrascht von der wirklich interessanten Runde. Vielleicht nehme ich was mit von dem Hinweis, dass Rezensionen online offener sein müssen, um eine Diskussion zu erlauben. Mal sehen. Ihr werdet es schon merken. Oder viel mehr ich werde es merken, wenn hier endlich mal jemand kommentiert.

Meine letzte Veranstaltung war der LitProm-Bestenliste gewidmet. Zoë Beck (Verlegerin und Übersetzerin), Andreas Fanizadeh (Leiter Kulturresort der taz) und Dani Landolf (Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband) stellten die Liste vor, auf der seit 35 Jahren Literatur jenseits des Eurozentrismus präsentiert wird. Mit der Liste soll AutorInnen aus Lateinamerika, Afrika und Asien zu größerer Bekanntheit und Präsenz im deutschsprachigen Raum verholfen werden. Außerdem soll die Übersetzung dieser Literatur ins Deutsche gefördert werden. Besonders im Buchhandel ist die Bekanntheit und Akzeptanz aber immer noch nicht überall gegeben. Vor allem in Buchhandelsketten wird den Titeln kaum oder gar kein Raum gegeben. Auch in klassischen Medien können Besprechungen dieser Titel nicht immer platziert werden, da schon zu viel Raum für bekanntere AutorInnen vorgesehen ist.

Neben diesen „größeren“ Veranstaltungen habe ich mich natürlich auch mit sehr vielen Leuten unterhalten, die sehr hinter den Titeln stehen, die sie produzieren. Das ist immer wieder schön zu sehen, gerade bei den kleineren und kleinen Verlagen. Ich versuche immer, von der Messe so wenig Papier wie möglich nach Hause zu schleppen, habe aber zumindest meine mentale Wunschliste um etliche Posten verlängert.

Im nächsten Jahr werde ich eine Pause brauchen. So interessant und spannend auch ist, jedes Jahr kann ich mir das nicht geben. Aber irgendwann komme ich wieder und freue mich dann doch auf so viele Menschen, Meinungen, Begegnungen und nicht zuletzt: Bücher.

fbm18 Mini-Series III: Menschen

Es wirft kein gutes Licht auf mich, aber ich finde Menschen oft und schnell anstrengend. Vor allem, wenn sie sich in Gruppen durch Messehallen schieben. Ach, wenn sie nur schöben! Meistens stehen sie an unmöglichen Plätzen herum und mir im Weg. Aber das gute an der Messe ist ja, dass es dort auch ein paar ganz wunderbare Menschen gibt und man immer einige davon trifft, wenn auch leider niemals alle.

CavalloEine wunderbare Frau, die ich dieses Jahr erleben durfte, war Francesca Cavallo, die stellvertretend für das Projekt „Good Night Stories for Rebel Girls“ auf der Messe war. Eigentlich wollte ich nur ganz kurz stehen bleiben, aber Cavallo hat mich mit ihrer wahnsinnig enthusiastischen und charismatischen Art viel länger als geplant bei der Bühne gehalten. Aus ihrem Projekt sind inzwischen zwei Bücher entstanden, in denen in sehr kurzen kurzen Texten Frauen und Mädchen vorgestellt werden, die Besonderes getan haben, auf welchem Gebiet auch immer. Die Geschichten sollen Mädchen Mut machen, für sich selbst einzustehen und ihren Weg zu gehen. Die Texte sind zum Teil wie Märchen erzählt und jeweils mit einem Bild einer Künstlerin illustriert.  Ich kannte die Bücher zwar schon, habe mich aber nie näher mit ihnen beschäftigt, was sich dank Cavallos umwerfender Art ändern wird.

Auch die vier Verlegerinnen aus Georgien, die auf der Leseinsel der unabhängigen Verlage über „Female Perspectives – Publishing in Georgia“ redeten, waren sehr beeindruckend. Sie berichteten vom schwierigen Aufbau der Verlagswelt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und davon, wie schwierig es für Frauen in Georgien oft ist, im Berufsleben ernst genommen zu werden. Während Führungskräfte im Verlagswesen keine Seltenheit sind, sieht das in anderen Branchen ganz anders aus. Auch Gewalt im häuslichen Umfeld wurde als großes Problem angesprochen.

BloggerInnen habe ich nur wenige gesehen und noch weniger gesprochen. Dabei war ich sogar bei der Buchblog-Award-Verleihung, zumindest am Anfang. An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch an die GewinnerInnen! Leider musste ich nach einer halben Stunde gehen, weil ich mit einer alten Seckbach-Mitschülerin zum Kaffee verabredet war. Weil die Schlange dort sehr lang war und weil wir zusammen in Seckbach waren, wurde es dann doch ein Wein. Danach war ich zwar in Sekt- und Plauderlaune, habe aber auch keinen mehr getroffen. Blödes Timing.

Dafür habe ich vor allem am Donnerstag ein paar bezaubernde Verlagsmenschen getroffen, die ich zum Teil nur aus Mails kannte und zum Teil seit Jahren nicht gesehen hatte. Das allein war den Reiseaufwand schon fast wert. Und nächstes Mal bin ich sicher auch besser beim Blogger erkennen – hoffe ich.

fbm18 Mini-Series II: Nun sag, wie hast du’s mit der Politik?

Nachdem die letzte Buchmesse politisch ja ordentlich aus dem Ruder gelaufen ist, war die Messeleitung in diesem Jahr zumindest um klügere Standpositionierung bemüht.  Außerdem gab es eine Menge Veranstaltungen zu politischen Themen. Mir kam es sogar sehr viel vor, allerdings war ich auch extrem lange nicht mehr auf der Messe und mag eine Entwicklung verpasst haben.

Dass ich überhaupt in der Nähe der Stände von Junge Welt und Co war, habe ich nur der Tour „Die politische Landschaft der Buchmesse“ zu verdanken. Einige Verlage des sehr rechten Spektrums waren in einer Art „Sackgasse“ am Rande der Halle platziert. „Sie verlassen jetzt die politisch korrekte Zone“ war der Hinweis, den man passieren musste, um zu den Ausstellern zu gelangen. Zumindest Kubtischek hatte es aber wieder mitten ins Getümmel geschafft. Zwar war sein Verlag Antaios in diesem Jahr nicht für die Messe angemeldet, wohl aber ein Loci-Verlag, der bisher null eigene Publikationen hat. Wenige Tage vor der Messe verkaufte Kubitschek für einen symbolischen Betrag an Loci, wo das Antaios-Programm jetzt als Imprint geführt wird. Kubtischeks Frau bleibt Programmleiterin. Die Tour an sich war ziemlich anstrengend, was vor allem an den irrsinnig unkomfortablen Headsets lag. Ich bin da auch echt empfindlich, aber nach einer halben Stunde taten meine Ohren so weh, dass ich einfach keinen Spaß mehr hatte. Was sehr schade ist – eigentlich finde ich diese Touren (die es auch zu vielen anderen Themen gibt) eine gute Möglichkeit, um in kurzer Zeit einen bestimmten Aspekt gut kennenzulernen. Aber oh Gott, meine Ohren!

Außerdem war ich am Stand der Bundeszentrale für politische Bildung bpb. Die bpb kenne ich vor allem wegen ihrer Themenhefte, die es früher in der Schulbib gab und die damals, als wir noch ohne Internet Referate schreiben mussten, Gold wert waren. Außerdem konnte man sie bestellen und musste nichts bezahlen und das Fluter-Abo gab es obendrauf. Erst am Donnerstag habe ich allerdings erfahren, dass es bei der bpb auch Lizenzausgaben aktueller politischer Titel gibt, die immer 7,- € kosten und damit oft sehr deutlich günstiger sind als die Originale. Die Ausstattung ist natürlich weniger schick, aber wer sich dafür interessiert und gerade nicht sehr viel Kohle übrig hat, ist damit extrem gut beraten, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die Originalausgaben nicht selten um die 30 € kosten. Da verzichtet man schonmal gerne auf das Lesebändchen.

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Jagoda Marinić und Manja Präkels

Sehr interessant war auch die Diskussion „Starke Stimmen gegen rechts“, die im Rahmen der FR-Reihe „Streiterinnen“ stattfand. Im Lesezelt (das schön war aber halt auch total nach dem Sponsor Yogi-Tee gerochen hat) diskutierten Manja Präkel und Jagoda Marinić über die aktuelle politische Situation und ihre Aufgaben und Möglichkeiten als Autorinnen. Manja Präkels ist vor allem Musikerin, stammt aus Zehdenick in Brandenburg und hat in diesem Jahr für ihren Roman Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß den Jugendbuchpreis bekommen. Sie berichtet darin von einer Jugend im Osten Deutschlands, in einer Zeit des doppelten Zusammenbruchs von Staat und kindlicher Identität. Bei Lesungen im Osten Deutschlands ist sie heute schockiert von der Resignation gegenüber rechten Strukturen, gerade unter Jugendlichen. Jagoda Marinić, die mit ihr auf der Bühne war, lebt als Autorin in Heidelberg und zweifelt an, dass Literatur überhaupt unpolitisch sein kann. Ihre Stimme gegen rechts zu erheben sieht sie aber weniger als Autorenpflicht denn als Bürgerpflicht.

Mit der Weltempfänger-Bühne gab es einen zentralen Platz, der fast ausschließlich politischen Themen gewidmet gab, es gab eine (kleine) Ausstellung zum Frauenwahlrecht und nicht zu vergessen die Kampagne On the Same Page, die sich für Menschenrechte einsetzt. Und trotzdem war Höcke da, was für viele MessebesucherInnen zu nicht unerheblichen Einschränkungen geführt hat. Von einer besonders unangenehmen Situation berichtet etwa Sophie Sumburane. Ich selbst war zu der Zeit nicht mehr da und habe nur im Rausgehen mitbekommen, wie der Bereich vor Halle 4 sich mehr und mehr mit PolizistInnen füllte. Der Verlauf war auch in diesem Jahr weit suboptimal, immerhin scheint die Messeleitung aber irgendwas gelernt zu haben. Dennoch finde ich es unverhältnismäßig, eine Verlagsveranstaltung zu erlauben, die große Teile der Messe lahmlegt und sowohl BesucherInnen einschränkt, als auch Ausstellern schadet, deren Stände zumindest vorübergehend nicht besucht werden können, die u. U. geplante Veranstaltungen und Termine absagen müssen und so weiter. Dabei ist es mir auch egal, für wen eine komplette Halle gesperrt wird. Ich sehe da absolut keine Verhältnismäßigkeit.

 

fbm18 Mini-Series I: Die Reise

Das erste mal seit vielen Jahren war ich letzte Woche auf der Buchmesse und das erste mal war ich als Bloggerin und nicht als Buchhändlerin da. Als ich noch in Worms gewohnt habe, war Frankfurt ein kurzer Weg, aber seit es mich in den Norden verschlagen hat, ist der Messebesuch mit deutlich mehr Aufwand verbunden und ich bin auch einfach ein sehr fauler Mensch.

Dieses Jahr aber ich mich aufgerafft und bin nach Mainz gegondelt, wo mein kleiner Bruder mir mit großer Begeisterung sein Schlafsofa zu Verfügung gestellt hat (er hat Fön und Bügeleisen, alle Sorgen waren umsonst, aber danke für die Anteilnahme bei twitter). In der Messe-App hatte ich ungefähr jede zweite Veranstaltung markiert und es war sehr schnell klar, dass ich das nicht alles schaffen kann und will. Außerdem wurde es irgendwann übersichtlich. Wie sehr ist mir erst klar geworden, als ich angefangen habe, diesen Text zu schreiben. Also gibt es jetzt eine Mini-Serie nach Themenfeldern.

Die Reise

Ich bin am Mittwoch schon angereist, allerdings erst nur bis Mainz, wo ich im Bahnhof an meinem Bruder vorbei gerannt bin, weil ich ihn seit seiner Konfirmation nicht mehr im Anzug gesehen habe und er aussah, als wolle er mit mir über die Bibel sprechen.

Die Fahrt war wenig aufregend, wenn man mal davon absieht, dass der Rhein spektakulär niedrig war und ich immer wieder sagen musste, dass ich den Rhein noch nie so niedrig gesehen habe. Mittlerweile weiß ich: er war noch nie so niedrig. War auch auf eine Art sehenswert.

Am nächsten Morgen stellte ich fest was man auf jeder Reise feststellt, nämlich dass ich die Hälfte vergessen hatte. Ich musste mich im Bahnhofs-Rossmann schminken, während ich allen Mitarbeiterinnen fortwährend versichert habe, dass ich das alles auch kaufe, was ich auch getan habe. Im Selbst-Check-Out!

Bei der Abreise am übernächsten Morgen stellte ich fest, dass der Frankfurter Bahnhof eine Katastrophe in puncto Gepäckaufbewahrung ist. Ich wollte gerne mein gesamtes Gepäck am Bahnhof lassen, leider musste ich erst weit mehr als 20 Schließfächer in drei Schließfach-Anlagen durchtesten, bis eines funktionierte. Großer Spaß. Als die Tür glücklich zu war, fiel mir auf, dass mein geliebtes Pastrami-Sandwich mit im Fach war. Mega Start in den Tag.

Die Rückfahrt war auch eine ziemliche Katastrophe, weil wir überall auf Personal warten mussten. Ich will nicht klagen, die Kölner Strecke hatte es weit schlimmer erwischt. Außerdem saß ich bequem in der ersten Klasse und hatte mich noch dazu für den Komfort Check-in entschieden. Das tolle am Komfort Check-in ist, dass niemand mehr kommt und sagte „Entschuldigen Sie, Ihre Fahrkarte bitte“ sondern „Entschuldigen Sie, ach, Sie haben ja schon eingecheckt. Tolle Sache, ne?“. Das stört viel weniger beim Lesen. Nun, es gab Strom und Internet und ich habe eine 90er-Playlist gefunden, die mich bis Bremen bestens unterhalten hat. Schade nur, dass niemand sehen wollte, wie ich wirklich noch die ganze Choreo von „Stop!“ von den Spice Girls kann. Sie ist sehr simpel und illustrativ, zugegeben. Wer nicht mehr schrittsicher ist, darf nochmal nachgucken in diesem Video aus Zeiten, als Victoria noch Adams hieß:

Am Ende hab ich es auch noch ganz knapp zu den Öffnungszeiten meines Lieblingsinders nach Bremen geschafft, womit alles ein gutes Ende hatte.

Georgia 9941 – ein paar Fakten zum Ehrengast der Frankfurter Buchmesse

Georgien ist, das wissen mittlerweile sicher alle, dieses Jahr der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Nino Haratischwili, das ist so ziemlich der einzige Name, den ich bisher mit der Literatur dieses Landes verbinde, und damit weiß ich mit Sicherheit zu wenig. Hier also ein wenig Weiterbildung:

Georgien liegt am Schwarzen Meer, grenzt an Russland, die Türkei, Armenien und Aserbaidschan. 978-9941 ist die ISBN-Gruppennummer, unter der seit 1997 rund 100 Verlage publizieren, und die man im Rest der Welt eher selten zu Gesicht bekommt. Die in den vergangenen Jahren höchste Zahl publizierter Titel gab es 2015 mit 4.173 Büchern, im Schnitt sind es nur etwa 1.500 (zum Vergleich: in Deutschland waren es im gleichen Jahr 76.547). Jedes dieser Bücher muss in einer Mindestauflage von 100 Stück erscheinen, im Durchschnitt bringen die Titel es auf 1.000 Exemplare – gemessen an anderen Buchmärkten sind das sehr kleine Zahlen. Gemessen an anderen Märkten ist Georgien mit ca. 3,7 Mio. EinwohnerInnen aber auch ein sehr kleines Land. 40% der jährlichen Neuerscheinungen sind Romane und andere fiktive Werke. 45% der veröffentlichten Bücher sind Übersetzung aus anderen Sprachen, kaufen kann man sie in etwa 50 Buchläden landesweit, die größtenteils unabhängig sind. Das Georgian National Book Center bemüht sich um die internationale Verbreitung georgischer Bücher. Seit 2010 haben es 65 Titel auf den deutschen Buchmarkt geschafft, rund 90 weitere sind für das Jahr 2018 geplant. Das Book Center hilft mit Zuschüssen bei Übersetzung und Druck.

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„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ – zur Session beim Literaturcamp Hamburg

Am Samstag habe ich auf dem Literaturcamp in Hamburg eine Session über rechte Verlage gehalten. Exemplarisch habe ich an den Beispielen Antaios, Kopp und Manuscriptum gezeigt, wie Verlage vom rechten Rand es schaffen, in die Mitte des Buchmarkts zu drängen und den Diskurs über einige politische Themen stark zu beeinflussen. Ich dachte zwar, dass das nach der letztjährigen Buchmesse eigentlich schon ein alter Hut ist, ein vollbesetzter Raum hat aber das Gegenteil gesagt. Die 20 Minuten Diskussionszeit am Ende haben auch dann nicht gereicht, als wir sie um zehn Minuten überzogen haben. Offenbar gibt es da eine Menge Rede- und Informationsbedarf. Weil von so vielen Seiten wirklich konstruktiver und guter Input kam, habe ich hier nochmal ein paar Punkte und Argumentationen ausgeführt, die in der Session einfach zu kurz kamen oder nicht zu Ende ausformuliert werden konnten. Danke, dass ihr da wart, ihr wart großartig und ich hätte mich sehr gerne noch länger mit euch unterhalten! (Wer hier seinen Input wiedererkennt und genannt/verlinkt werden möchte, meldet sich bitte unbedingt! Ich war so geflashed von der Riesendiskussion, dass ich am Ende nicht mehr sicher sagen konnte, wer was gesagt hat)

Wie gehen Buchhandlungen mit Titeln rechter Verlage um?

Einige Buchhandlungen haben für sich entschieden, Titel bestimmter Verlage oder AutorInnen nicht auf ihren Flächen zu präsentieren, wenn sie den moralischen Werten der Belegschaft massiv widersprechen. Vor allem bei Titeln, die auf der Bestsellerliste stehen, haben viele Buchhandlungen Bedenken, weil diese Listen von vielen Leuten als Empfehlung wahrgenommen werden.

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Grauenhafte Dinge aus Büchern: Tinned Pie aus Deirdre Maddens „Molly Fox’s Birthday“

In Molly Fox’s Birthday geht die namenlose Protagonistin für ein einfaches Mittagessen einkaufen. Sie hat sich vorher keinen Plan gemacht, der Laden ist klein, die Auswahl beschränkt:

„Battered and fried things being kept under warm glass, tinned pies – how far gone did you have to be to eat a tinned pie? – exhausted fruit and cart-load of lurid magazines.“

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mal Pie in der Dose gekauft habe. Es sah aus wie etwas, das einen glücklich machen könnte, wenn man Samstag zu viel getrunken hat und Sonntag auf dem Sofa liegt. Fett, Salz, Soße. Dieser Sonntag kam nie, oder er kam und dann habe ich doch Rollo bestellt, und langsam näherte der Pie sich seinem Verfallsdatum, das, als ich ihn kaufte, noch in ferner Zukunft lag.

Also Deckel runter und ab in den Ofen. Was sich unter dem Deckel befindet ist tatsächlich Fett, Salz, Soße. Aber in keiner Kombi, die irgendeinen Menschen glücklich machen könnte. Ich weiß nicht, wie viele von euch mit Mockturtle aus der Dose vertraut sind. Wer es kennt, stellt sich jetzt mal Mockturtle unter ambitionslosem Blätterteig vor. Alle anderen denken ersatzweise an die mieseste Gulaschsuppe, die sie je gegessen haben. Und alle freuen sich mit mir, dass der Pizzaladen in meiner Straße heute keinen Ruhetag hat.

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Steht noch die Frage im Raum „how far gone did you have to be to eat a tinned pie?“. Ich weiß es nicht. Außerhalb von akut lebensbedrohlichen Situationen kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendjemand sowas essen möchte. Wirklich nicht. Und auch dann würde ich es vielleicht nicht essen, weil ich fürchten würde, von dieser unglaublichen Menge Fett Durchfall zu kriegen und meinen ohnehin lebensbedrohlichen Zustand durch Dehydrierung noch zu verschlimmern.

DON’T TRY THIS AT HOME!


Das Zitat stammt von S. 68 von Deirdre Madden: Molly Fox’s Birthday. Faber and Faber 2009.

Bremen liest – die erste Bremer Literaturnacht

Bremen ist jetzt sicher nicht der erste Ort, der einem als literarische Hochburg einfallen würde. Tatsächlich hat die Stadt weder berühmte Autoren noch große Verlage aufzuweisen, wenn man mal von Sven Regener absieht. Das hält die vorhandene literarische Szene aber nicht davon ab, immer wieder spannende Projekte auf die Beine zu stellen.

Nun haben das Literaturkontor Bremen das Verlagskontors Wellenschlag die erste Literaturnacht veranstaltet. In 14 zumeist innenstadtnahen Buchhandlungen und Verlagshäusern traten 40 verschiedene AutorInnen aus der Region auf, die in Lesungen ihre Texte vorstellten. Die einzelnen Veranstaltungen waren dabei jeweils so kurz gehalten, dass man zwischendrin den Ort wechseln konnte, um möglichst viele interessante AutorInnen erleben zu können. Bleiben war natürlich auch erlaubt und der Eintritt zu allem kostenlos. Umso netter, dass es noch dazu Getränke aufs Haus gab. Zumindest in den beiden Häusern die ich besucht habe, weiter kamen wir nämlich gar nicht.

Unser Abend begann in der Buchhandlung Sieglin, wo Béatrice Hecht-El Minshawi Auszüge aus ihrem bei Springer erschienen Buch Muslime in Beruf und Alltag las. Sie folgte dabei dem Leitgedanken, dass Menschen muslimischen Glaubens schon lange fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft sind und versucht, Unwissen und Missverständnisse im alltäglichen Umgang abzubauen. Wären wir bei Sieglin geblieben, hätten wir noch Gedichte über das Meer von Sabine van Lessen hören können und eine satirische Lesung des Liedermachers Hans-Martin Sänger. Uns zog es aber ein paar Straßen weiter zum Text- und Verlagskontor Wellenschlag, dessen Mitarbeiterinnen ja auch maßgeblich an der Organisation des Abends beteiligt waren.

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3. Blog-Geburtstag – was ich mir wünsche

Die DSGVO hat in den letzten Wochen hohe Wellen in der Buchblog-Welt geschlagen. Viele hohe Wellen. Einige haben sie gar als Grund genommen, ihren Blog zu löschen. Andere beklagen, dass hier den kleinen BloggerInnen unverhältnismäßig große Steine in den Weg gelegt werden und dass es nun wirklich fiesere Datenkraken gäbe. Klar gibt es die, aber relativieren kann man immer alles. Es gibt (fast) immer jemanden, der noch fieser und noch schlechter ist und dann ist das ja auch noch eine Frage der persönlichen Moral. Darauf kann man sich halt nicht ausruhen.

BuchbloggerInnen wollen ernst genommen werden. Ihr Blog soll nicht als niedliches Hobby abgestempelt werden. Das ist auch eine legitime Forderung – viele BloggerInnen investieren extrem viel Zeit und manchmal auch Geld, wenn auch nur indirekt, z.B. für Messebesuche oder Foto-Equipment. Da könnte man ja auch mal über Kooperationen nachdenken, die vielleicht ein paar Euro bringen. Vielleicht könnte ja der Blog eines schönen Tages sogar eine Art Nebenjob werden. Aber Verantwortung?! Um Gottes Willen, woher soll ich denn Verantwortung nehmen? Ich hab ja noch nicht mal ein Impressum!

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schiefgegessen. Ein Spin Off-Blog für „Essen aus Büchern“

Im Mai 2016 ist der erste Beitrag in der Reihe „Essen aus Büchern“ erschienen, 25 Gerichte habe ich seitdem gebacken und gekocht und mit euch geteilt. Das werde ich auch weiterhin so machen, die Liste zu entdeckender Rezepte wird mit jedem Buch länger und länger.

Allerdings wird die Sammlung langsam ein bisschen unübersichtlich. Ich will den Rezepten hier aber auch nicht übermäßig viel Raum geben, weil schiefgelesen in erster Linie ein Literaturblog ist und bleiben soll. Koch-Tags wie „vegetarisch“, „Hülsenfrüchte“ oder „Eintopf“ haben da meiner Meinung nach nicht viel verloren, auch wenn letzteres auf einige Bücher durchaus zutrifft. Um eine Rezeptsammlung aber sinnvoll und hilfreich zu verschlagworten, sind sie unumgänglich.

Lange Rede, kurzer Sinn: Essen aus Büchern ist groß genug um so langsam auf eigenen Beinen zu stehen. Heute geht schiefgegessen an den Start, ein weiterer Blog, an dem ich schon eine ganze Weile feile. Dort findet ihr ab sofort alle Rezepte aus der Reihe. Allerdings werden die Beiträge nach wie vor zuerst hier erscheinen, auf schiefgegessen erfolgt „nur“ die zweite Veröffentlichung und Katalogisierung.

Hier wie dort freue ich mich auf euren Besuch!

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