Essen aus Büchern: Weihnachtsholzscheit aus Anne Webers „Annette, ein Heldinnenepos“

In Annette, ein Heldinnenepos erzählt Weber die außergewöhnliche Lebensgeschichte von  Anne Beaumanoir, einer französischen Neurologin und Aktivistin. In jungen Jahren war sie bei der Résistance aktiv und verhalf jüdischen Menschen zur Flucht, später schloss sie sich dem Kampf um die Befreiung Algeriens an. Rücksicht auf sich selbst und ihre Familie nahm sie dabei kaum und kam mehrfach mit den Gesetzen in Konflikt. Schließlich wurde sie zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt, bei der ihr aber aufgrund einer Schwangerschaft erleichterte Bedingungen zugestanden wurden. Diese nutzte sie letzlich zur Flucht.

Immerhin ein Weihnachtsfest aber verbrachte sie in Haft und mit dem Versuch, es ihr und ihren Mitinsassinnen ein bisschen nett zu machen:

„Die Politischen dürfen gemeinsam abendessen. Aus ihrem heimischen Ofen, worin Elise ihn gebraten hat, zaubert Annette den herkömmlichen Truthahn mit Maronenfüllung und irgendwoher auch den „Weihnachtsholzscheit“, was eine astrunde, ungemein fette Torte ist.“

Das Essen ist nicht der erhoffte Erfolg. Mitinsassin Djamila, inoffizielle Führerin der algerischen Insassinnen, ist zwar zunächst zufrieden mit dem Truthahn aus der Halal-Schlachterei, moniert dann aber Sauce und Ofen. Beides genügt muslimischen Anforderungen nicht, stellt sie fest, und in der stillen Nacht liegt Annette wach und grämt sich, dass sie in einem muslimisch geprägten Umfeld unbedingt ein christliches Fest feiern wollte.

Der Kuchen aber, die „ungemein fette Torte“ findet Gnade in Djamilas strengen Augen. Und wer am Ende der Adventszeit noch nicht genug hat von Zucker und Fett, kann sich in diesem Jahr auch daran versuchen:

Weihnachtsholzscheit

Teig:

  • 6 Eier
  • 100 g Zucker + etwas mehr zum Rollen
  • 1 Prise Salz
  • 100 g Mehl

Creme:

  • 200 g weiche Butter
  • 150 g Zucker
  • 100 g Zartbitterschokolade
  • 2 TL Kakaopulver
  • 4 Eigelb
  • 1 Ei

Den Ofen auf 180°C Umluft vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen.

Die 6 Eier trennen. Die Eiweiße mit dem Salz zu einem festen Schaum schlagen. Dann 30 g des Zuckers unterrühren.

Die Eigelbe mit den übrigen 70 g schaumig schlagen.

Das Eiweiß zum Eigelb geben, das Mehl darüber sieben und vorsichtig unterheben, bis die Masse gleichmäßig ist.

Den Teig gleichmäßig auf dem Backblech verteilen und glattstreichen. 12 Minuten bei 180°C backen.

In der Zwischenzeit ein sauberes Geschirrtuch leicht anfeuchten. Ausbreiten und etwas Zucker darauf verstreuen. Sobald die Teigplatte fertig ist, diese auf das Handtuch stürzen. Das Backpapier abziehen und den Teig mit Hilfe des Handtuchs von den langen Seiten aus zu einer möglichst festen Rolle formen. In dieser Form auskühlen lassen.

Anschließend die Creme herstellen. Dazu erst die weiche Butter mit dem Zucker schaumig rühren. Im Wasserbad die Schokolade schmelzen und sie anschließend zusammen mit dem Kakao unter die Buttermasse rühren. Dann die Eigelbe nach und nach unterrühren und ganz zum Schluss das ganze Ei. Die Creme 20 Minuten kalt stellen.

Die Biskuit-Platte wieder vorsichtig ausbreiten und die Hälfte der Creme darauf verteilen. Dabei an den langen Seiten 2 cm Rand freilassen. Wieder zusammenrollen und am Rand etwas andrücken. Die restliche Creme darauf streichen und die ganze Rolle gleichmäßig damit bedecken. Mit einer Gabel ein Muster in die Creme ziehen, das an Baumrinde erinnert. Einige Stunden kaltstellen, bis die Creme ganz fest ist.

In Scheiben geschnitten ist der Holzscheit eine wirklich leckere Sache – aber Annette übertreibt sicher nicht, wenn sie sagt, es sei eine „ungemein fette“ Angelegenheit.


Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos. Matthes & Seitz 2020.

Das Zitat stammt von S. 134.

Mehr Essen aus Büchern gibt es schiefgegessen.

5 Gedanken zu “Essen aus Büchern: Weihnachtsholzscheit aus Anne Webers „Annette, ein Heldinnenepos“

  1. nettebuecherkiste 3. Dezember 2022 / 15:11

    Einen ähnlichen Kuchen hat meine Oma für besondere Anlässe gebacken, wir nannten den allerdings „Baumstamm“.

    Gefällt 1 Person

    • schiefgelesen 4. Dezember 2022 / 14:11

      Ich hatte so einen Kuchen vorher nie gesehen, habe es nach deinem Kommentar aber gegoogelt und dieser „Baumstamm“ scheint gar nicht so unpopulär zu sein. Vielleicht bin ich mit ihm nie in Berührung gekommen, weil meine Mutter so eine unfassbare Abneigung gegen Biskuit-Rollen hat, dass uns sowas nie ins Haus gekommen wäre.
      Als Baumstamm kannte ich nur diese Rollen aus Marzipan und Nougat, die es um Weihnachten rum immer gibt. Gut, dass wir davon sprechen, ich muss mir noch dringend einen kaufen.

      Gefällt 1 Person

      • nettebuecherkiste 7. Dezember 2022 / 15:32

        Ich komme ja aus dem Saarland, vielleicht ist da der französische/elsässische Einfluss doch größer als wir das in der Regel zugeben 😉 Marzipan und Nougat sind immer gut.

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