Essen aus Büchern: Jam Roly-Poly and Custard aus Kate Atkinsons „Life After Life“

Kate Atkinsons Life After Life ist, wie ich angelegentlich schon bemerkt habe, randvoll mit Essen. Einer der englischen Klassiker, die Erwähnung finden, ist jam roly-poly, eine Teigrolle mit Marmeladenfüllung. In englischen Schulküchen war das zur Zeit des Romans ein beliebtes Gericht, und auch im Haus der Protagonistin Ursula ist es ein gerne gesehener Nachtisch. Ursula kann Nachtisch an dieser Stelle auch gut gebrauchen, denn zum Mittagessen gab es Henrietta, ihr Lieblingshuhn.

„For pudding they had jam roly-poly and custard, the jam from the summer’s raspberries. The summer was a dream now, Sylvie said.“

Der Nachtisch wiederum wird davon überschattet, dass der Bruder der Protagonistin erzählt, in der Schule würden sie dieses Gericht „Dead Baby“ nennen. Weiterhin erzählt er, dass die Deutschen Babys essen, aber nur belgische.  Tatsächlich wird roly-poly oft „Dead Baby“ genannt oder auch „Dead Man’s Arm“, weil es früher in alten zugebundenen Hemdärmeln gebacken wurde und die rote Marmelade an Blut erinnert.

Hier übrigens habe ich einen entscheidenden Fehler gemacht: ich habe versehentlich Brombeer- und nicht Himbeerkonfitüre genommen, obwohl der Text ausdrücklich nach letzterem verlangt. Tja. Nun ist es zu spät und das roly-poly gegessen. Denkt euch die Bilder einfach ein bisschen pinker.

roly-poly_collage.jpg

Jam Roly-Poly mit Custard

für etwa 10 kleine oder 5 größere Portionen

Jam Roly-Poly:

  • 30 g Butter
  • 170 g Mehl + etwas mehr zum Ausrollen
  • 1 gehäufter TL Backpulver
  • 25 g Zucker
  • 100 g Shredded Suet (Rindernierenfett) *
  • 75 ml kalte Milch
  • ca. 100 g Himbeer-Konfitüre (oder andere)
  • außerdem Wasser, Backpapier, Alufolie und eine Fettpfanne

* man muss das nicht zwingend mit Rindernierenfett machen. Wenn man ein bisschen googlet, findet man gute Alternativen.

Etwa 1,5 l Wasser zum Kochen bringen. Eine Fettpfanne in den Ofen schieben und direkt darüber ein Backrost, auf dem später die Teigrolle gebacken wird. Den Ofen auf 160°C Umluft heizen. Das kochende Wasser in die Fettpfanne gießen und die Ofentür schließen.

In einer Rührschüssel Mehl, Backpulver, Zucker und Shredded Suet mit einem Messer vermengen, bis das Fett gleichmäßig verteilt ist. Dann die kalte Milch zugeben und alles zu einem glatten Teig verarbeiten.

In einem kleinen Topf (oder der Mikrowelle) bei niedriger Temperatur die Butter schmelzen.

Die Arbeitsplatte mit Mehl bestäuben. Den Teig gleichmäßig ausrollen, bis er etwa die Größe eines A4-Blatts hat. Wer es gerne ordentlich hat, kann die Ränder glatt abschneiden. Ein Stück Alufolie auf der Arbeitsfläche ausbreiten, das etwas größer ist als der Teig. Dann ein Stück Backpapier darauf legen, das ebenfalls größer sein muss als der Teig. Das Backpapier mit der zerlassenen Butter bestreichen und die Teigplatte darauf legen. Die Marmelade gleichmäßig darauf verteilen. Dabei an den Längsseiten einen Rand von etwa 1 cm frei lassen, an den kurzen Seiten von etwa 0,5 cm. Anschließend muss der Teig von den langen Seiten her aufgerollt werden. Am leichtesten geht das, wenn man die erste „Umdrehung“ fest von Hand wickelt und dann das Backpapier langsam anhebt. Dadurch rollt der Teig sich fast von selbst auf. Die Nahtstelle etwas andrücken und die Enden zusammendrücken, damit keine Marmelade herauslaufen kann. Mit der Nahtstelle nach unten auf das Backpapier legen.

Alufolie und Backpapier oben und an den Seiten zusammendrücken, so dass die Hülle fest verschlossen ist. Allerdings sollte man das Paket nicht zu eng packen, da die Teigrolle beim Backen noch etwas aufgeht. Anschließend das eingepackte roly-poly auf den Rost im Ofen legen und etwa 90 Minuten backen.

In der Zwischenzeit ist Zeit für Custard. Custard ist weniger aufwändig als man befürchtet, wenn ihr trotzdem keine Lust darauf habt, kauft einfach Vanillesoße, da kann man auch mal schummeln. Die Menge hier reicht locker um das komplette roly-poly darin zu ertränken, ihr könnt also auch weniger machen.

Custard:

  • 200 ml Sahne
  • 50 ml Milch
  • 3 Eigelb
  • 25 g Zucker
  • 1/2 TL Vanilleextrakt
  • 1 TL Speisestärke (Maisstärke)

In einem Topf Sahne und Milch erhitzen, bis sie kurz vorm Kochen sind. Den Herd auf niedrige Temperatur reduzieren. In einer Schüssel die Eigelbe mit Zucker, Vanileextrakt und Speisestärke aufschlagen. Das heiße Sahne-Milch-Gemisch langsam und unter ständigem Rühren in die Eimasse geben. Die fertige Mischung wieder in den Topf schütten und zurück auf den Herd stellen. Auf kleiner Hitze vorsichtig eindicken lassen, bis die Masse nicht mehr schaumig und deutlich dickflüssiger ist. Dabei unbedingt rühren, der Custard setzt schnell an und neigt auch dazu, klumpig zu werden.

Die fertige Sauce könnt ihr warm oder kalt servieren. Zum Abkühlen am besten in eine Schüssel umfüllen und die Oberfläche direkt mit Frischhaltefolie bedecken, damit sich keine Haut bildet. Die Sauce kann jederzeit wieder aufgewärmt werden, hält sich aufgrund der Eier aber nicht sehr lange.

Wieder zurück zum roly-poly: nach Ende der Backzeit aus dem Ofen nehmen. Dabei ein bisschen vorsichtig sein, die fertig gebackene Rolle ist nicht sehr stabil. Vor dem Anschneiden noch etwa 10 Minuten ruhen lassen. Dann in etwa 2 cm dicke Scheiben schneiden und mit dem Custard servieren.

Bei der Recherche zu diesem Rezept bin ich darauf gestoßen, dass roly-poly ein klassisches Schul-Dessert ist, was mich sehr, sehr skeptisch gemacht hat. Ohne jemals in den Genuss von Schulessen gekommen zu sein, habe ich da fundierte Vorurteile. Zu Unrecht. Denn roly-poly ist wirklich ziemlich gut und mit meiner ersten selbstgemachten Vanillesauce war ich auch sehr zufrieden.


Das Zitat stammt von S. 93 der Ausgabe Black Swan 2014.

Mehr Essen aus Büchern gibt es auf schiefgegessen.

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