Mein Freund der Baum ist tot – ruinieren Bücher den Planeten?

Sind nun nach Plastiktüte, Inlandsflug und Dieselmotoren auch Bücher eine Gefahr für den Planeten? Sterben für unseren Lesegenuss mehrere Fußballfelder Regenwald pro Jahr?

So schlimm ist es nicht, das nehme ich mal vorweg. Aber als ich vor Jahren im Herstellungsunterricht mal gelernt habe, wie viele Rohstoffe es braucht, bis ein Buch fertig ist, habe ich schon ein bisschen an der Umweltfreundlichkeit meines Hobbies (und damals auch Berufs) gezweifelt. Klar schneidet Lesen besser ab als Stock Car Racing, Großwildjagd oder Kreuzfahrten. Aber Ressourcen braucht es halt schon und an denen lässt sich auch noch vergleichsweise einfach sparen. Also habe ich jetzt endlich mal einen Artikel von Anja auf ihrem Bücherblog zum Anlass genommen, mich genauer mit dem Thema auseinander zu setzen.

How much wood…

…would a woodchuck chuck if a woodchuck was actually a publisher?

(In diesem Absatz wird viel gerechnet, aber danach geht es ohne Zahlen weiter.)

Um Papier herzustellen, braucht es neben Energie vor allem Wasser und Holz. Und von letzterem eine ganze Menge, denn nicht alle Fasern im Baum eignen sich für die Papierherstellung. Auch das Rohgewicht von Bäumen schwankt erheblich, das heißt Bäume gleichen Volumens haben, abhängig von der Art, sehr unterschiedliche Gewichte. Nadelbäume beispielsweise sind oft leichter als ein gleich großer Laubbaum. Der Einfachheit halber nehme ich im Folgenden für die Papierausbeute einen Durchschnittswert an, nachdem der Faktor 2,2 ist – um 1 kg Papier zu produzieren, braucht man 2,2 kg Holz. Die komplette weitere Rechnung ist beispielhaft und bezieht sich auf Durchschnittswerte, die im Einzelfall natürlich erheblich abweichen können.

Sagen wir, ein Buch wiegt im Schnitt 400 g und wir lesen davon 50 pro Jahr, dann werden für die 20 kg Buch 44 kg Holz und 1130 Liter Wasser gebraucht. Das ist jetzt keine krasse Menge für jede_n von uns, aber wenn man sich die Buchproduktion an sich mal anguckt, kommt da schon einiges zusammen. Nehmen wir an, ein Buch verkauft sich 2.000.000 mal. Das ist eine Menge, aber Jojo Moyes hat das mit Ein ganzes halbes Jahr zum Beispiel schon geschafft. Ein Buch dieser Dicke wiegt ca. 470 g, macht also ca. 940.000 kg Papier, 2.068.000 kg Holz und ca. 53.110.000 Liter Wasser. Das alles auf der Grundlage, dass unser Beispiel-Bestseller nur aus neu gewonnenen Fasern entsteht.

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Nadelbäume sind besonders beliebte Rohstofflieferanten für die Papierindustrie. (Bild: Manfred Antranias Zimmer / pixabay)

Rechnen wir mit Fichte weiter. Alle unsere Fichten sind 25 Meter hoch und haben einen Durchmesser von 40 cm, was 3,14 m³ entspricht. Desweiteren haben die Fichten eine Rohdichte von 470 kg/m³. Aus jedem Baum dieser Größe ließen sich also 1.475,8 kg Holz bzw. 670,82 kg Papier gewinnen. Für unseren Bestseller brauchen wir demnach 1.402 Fichten. Um die genannte Größe erreichen zu können, brauchen diese Fichten einen Pflanzabstand von ca. 5 Metern, jeder Baum hat also einen Platzbedarf von 25 m². Macht einen Flächenbedarf von 35.050 m² bzw. 3,51 ha, bzw. beide Etagen der Halle 3 der Frankfurter Messe, um hier mal ne anständige Maßeinheit reinzubringen.

Das Problem mit den Wäldern

Die Holzproduktion an sich hat an den meisten Stellen leider nichts mit friedlichen Wäldern, zwitschernden Vögeln und Männern in Flanellhemden zu tun. Die Monokultur ist bei Holz ebenso problematisch wie bei allen anderen Nutzpflanzen und führt an verschiedenen Orten der Welt zu ganz massiven Umweltproblemen. Auch, wenn für das Holz kein Regenwald abgeholzt wird, schadet der massenhafte Anbau von gleichartigen Bäumen der Umwelt. Die so entstehenden „Wälder“ sind kein wertvolles Biotop sondern eine rein wirtschaftlich genutzte Fläche, auf deren nachhaltige Bewirtschaftung oft wenig Wert gelegt wird. Denn nachhaltig heißt oft auch teurer, mühsamer und weniger effizient.

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Die Welt hat viel Romantik verloren, seit Holzvollernter keine Karo-Hemden mehr tragen. (Bild:  G J Whitby/pixabay)

Es gibt einige Siegel, die Papiere kennzeichnen, die aus nachhaltiger Produktion stammen. Viele davon zielen allerdings auf Papiere ab, die zumindest teilweise aus recycelten Rohstoffen bestehen. Diese nicht immer für die Produktion von Büchern geeignet. Ein Siegel, das man gelegentlich in Büchern finden kann, und das für Papier aus neu gewonnenen Rohstoffen vergeben wird, ist das FSC-Siegel der Organisation Forest Stewardship Council. Das Siegel erhalten Forstwirtschaftsbetriebe, deren Produktionsleitlinien bestimmte Anforderungen an Nachhaltigkeit erfüllen. Das Siegel ist nicht unumstritten, aber es ist zumindest ein Anhaltspunkt.

Eine sicher nicht repräsentative Studie an meinem Bücherregal brachte folgendes zu Tage: Sämtliche Random House-Bücher jüngeren Datums haben das FSC-Siegel, ältere haben einen Hinweis, dass das Papier chlorfrei und umweltschonend hergestellt wurde. Außerdem habe ich das FSC-Siegel in Büchern von Kiepenheuer & Witsch, Fischer (beide Holtzbrinck-Gruppe) und dtv gefunden. Und sonst bei keinem. Wie gesagt – repräsentativ ist das sicher nicht, aber es gibt offenbar noch einiges zu tun.

Geteilte Freude – geteilte Rohstoffe

Der beste Baum steht natürlich im naturbelassenen Wald und nicht im Bücherregal. Gerade bei Büchern, die man einmal liest und dann nie wieder in die Hand nimmt (außer um zu gucken, wer alles ein FSC-Siegel hat), kann man sich überlegen, ob man sie unbedingt neu kaufen und behalten muss. Zumindest in Ballungsräumen ist es mittlerweile ziemlich einfach, an gebrauchte Bücher zu kommen oder sie wieder loszuwerden, sei es in Gebrauchtwarenläden wie Oxfam oder Sozialkaufhäusern, bei Bücherflohmärkten oder im öffentlichen Bücherschrank. Die Bücher kosten dort in der Regel einen Bruchteil des Neupreises oder werden sogar verschenkt. Oft unterstützt man mit dem Kauf auch noch eine wohltätige Organisation. Außerdem verfügen sehr viele Städte über hervorragend ausgestattete Büchereien. Und wenn vor Ort schon alles abgegrast ist, kann man gebrauchte Bücher auch online tauschen oder bei verschiedenen Plattformen bestellen. Wobei bestellen wieder ein anderes und sehr großes Problem ist – ich weiß.

Das Holz ist natürlich nur ein Faktor bei der Papier- bzw. Druckerzeugnisherstellung. Mitunter wird Papier gebleicht, alte Tinte muss aus Altpapier ausgewaschen werden, neue Druckfarben müssen hergestellt und aufgetragen werden, und so weiter und so fort. Nicht immer werden Bücher bzw. die Rohstoffe dafür in Deutschland oder Europa produziert. China ist beispielsweise ein beliebtes Land für die Herstellung, gerade bei Büchern im unteren Preissegment, aber auch bei aufwendigeren Druckerzeugnissen wie viel bebilderten Kinderbüchern. Dass die Umweltschutzgesetze dort ein bisschen laxer als in Deutschland sind, ist ja hinlänglich bekannt. Somit ist leider nicht auszuschließen, dass giftige Hilfsstoffe für die Produktion mehr oder weniger ungefiltert abgeleitet werden. Außerdem kommt in China verarbeitetes Holz oft aus Indonesien und der Zustand der dortigen Wälder ist wirklich miserabel.

Die Welt retten mit elektronischen Büchern?

Im Gegensatz zum klassischen Buch scheinen elektronische Bücher ohne Papier, Tinte und Transportweg ganz umweltschonend zu sein. Allerdings muss man die ja auch auf irgendeinem Gerät lesen. Wer viel liest, kauft sich dafür am besten einen E-Reader.

Die werden allerdings genau da problematisch, wo Smartphones es auch sind: bei den Mineralien, die für ihre Herstellung benötigt werden. Und die werden oft unter Bedingungen abgebaut, die für Mensch wie Natur eine einzige Katastrophe sind. Außerdem werden natürlich auch für die Herstellung von Readern große Mengen Wasser gebraucht, sie müssen mit hohem Energieaufwand hergestellt werden und verbrauchen auf ihrem Weg in den Laden noch mehr Energie. Im Gegensatz zum Buch brauchen sie auch bei der Benutzung Energie. Zumindest bei E-Ink-Readern aber nur sehr wenig. Dafür ist dann der Erwerb neuer Bücher ressourcenschonend. Natürlich braucht man auch für die elektronische Übermittlung Energie, aber es ist sehr wenig im Vergleich zu einem herkömmlichen Versandweg und, in Abhängigkeit vom gewählten Transportmittel, auch im Vergleich zum Weg in die Buchhandlung.

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Print vs. Elektro – können elektronische Geräte ökologischer sein als Papier? (Bild: Gerd Altmann/Pixabay)

Ulrike Wilke hat in ihrer sehr interessanten Arbeit „Grüner Lesen“ einen aufschlussreichen und genauen Vergleich aufgestellt. Während bei Gelegenheitsleser_innen (bis 10 Bücher/Jahr) das Buch die beste Öko-Bilanz hat, ändern sich die Verhältnisse mit zunehmender Buchzahl pro Jahr. Wer 50 Bücher pro Jahr liest, liest nach ihrer Berechnung am „grünsten“ mit dem E-Reader. Und das schon bei einer angenommenen Nutzungsdauer des Readers von drei Jahren, also insgesamt 150 Büchern, wenn dadurch konsequent gedruckte Bücher ersetzt werden. Tablets lohnen sich schneller als E-Reader, allerdings nur, wenn man davon ausgeht, dass das Tablet auch für andere Sachen genutzt wird und die Nutzung als Lesegerät nur einen Teil ausmacht.

Aber ich möchte die Verlage doch unterstützen!

Ich weiß, ich weiß. Für mich ist das eine ziemliche Zwickmühle. Ich kann hier niemandem raten, keine neuen Bücher mehr zu kaufen. Ich mag den Buchhandel und ich mag die Verlage und ich finde, dass sie Geld bekommen sollen. Besonders die kleinen mit den coolen Programmen. Und die Autor_innen, die das alles schreiben, die sollen auch Geld kriegen. Gerne auch mein Geld, ich bin da nicht so. Dennoch widerstrebt es mir, mir eine dicke Büchertapete an die Wand zu klatschen, wenn man mit dem, was da steht, Sinnvolleres machen könnte. Ohne Mari Kondo-mäßigen Verzicht predigen zu wollen – ich muss hier keine Privatbibliothek im Wohnzimmer stehen haben. Platz dafür hätte ich ohnehin nicht.

Obwohl ich seit Anfang des Jahres endlich einen Ausweis für die Stadtbücherei habe und außerdem viele Bücher gebraucht kaufe, ist bisher jedes vierte Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe, neu. Entweder neu gekauft oder neu geschenkt bekommen. Bücher, die ich verschenke, kaufe ich auch neu. Und bei Sachen wie Reise- oder Wanderführern möchte ich auch gerne die neuste Ausgabe haben und die sehen hinterher auch noch aus wie Sau. Damit kann man dann niemand mehr glücklich machen.

Allerdings sind die Verlage eben auch in der Pflicht, ihre Produktionsschritte zu hinterfragen. Ein erster Schritt ist sicher, dass viele Verlage ihre Bücher nicht mehr einschweißen wollen. Aus meiner Buchhandelserfahrung kann ich sagen, dass diese Entscheidung sicher nicht bei allen Kund_innen gut ankommen wird. Cool, wenn das trotzdem durchgezogen wird. Ebenso könnte es sicher nicht schaden, wenn das ein oder andere Verlagshaus sich bei Gelegenheit mal Gedanken über die Herkunft seiner Rohstoffe machen würde. Einige Verlage, wie beispielsweise der oekom Verlag, zeigen, dass das durchaus machbar ist.

Wie seht ihr das? Versucht ihr, Bücher gebraucht zu kaufen oder sie weiterzugeben? Oder zieht es euch doch immer wieder in Buchhandlung?

17 Gedanken zu “Mein Freund der Baum ist tot – ruinieren Bücher den Planeten?

  1. thursdaynext 11. Mai 2019 / 9:45

    Ich ahbe deiner Studie vor allem eines entnommen, der Planet ist überbevölkert und die Menschheit verbraucht zuviele Ressourcen. Löst man das eine Problem, tut sich gleich ein neues auf, da alles miteinander verbunden ist. Der Vergleich mit Stock-Car-Rennen kann deutlich ausgeweitet werden, Formel-Eins-Rennen, Haustierhaltung, Fleischkonsum, Klamotten …
    Wie ich es auch drehe, Fußball und die ganze Industrie drumherum scheint mir eines der größeren Probleme zu sein. Es kostet Ressourcen amn die Bücherleser sicher nicht mal ansatzweise herankommen, beginnend mit den Dorffußballvereinen deren Spieler Unmengen Wäsche verschmutzen, wochenends zu durch Gegend gekarrt werden zu Auswärtsspielen, bis hin zu Polizeieinsätzen bei Riesenveranstaltungen die Ressourcen verbrauchen, an die vermutlich der gesamte deutsche Buchhandel nicht rankommt. Das ist Äpfel mit Birnen verglichen, und abgesichert schon gar nicht, ich weiß, und es beantwortet die Frage nicht, aber ich halte sie für nicht beantwortbar, außer man verzichtet konsequent auf alles und lebt als moderner Diogenes.
    Ich erwerbe sowohl neue, wie auch gebrauchte Bücher und behalte die Exemplare, von denen ich glaube, dass ich die Zeit habe sie nochmals zu lesen oder die so großartig waren, dass ich sie zumindest in der Bibliothek stehen aheb möchte, weniger mitreissendes spende ich, wenn neuwertig der Stadbibliothek oder verschenke es anderweitig an Menschen die es zu schätzen wissen, zum weiterverkaufen ist mir Zeit und Aufwand zu schade und hoch.
    Trotz Vielleserei kann ich mich mit E-Books nicht anfreunden. Absolut nicht.
    Du hast eine spannende, aber deprimierende Untersuchung dieses Hobbys geliefert
    und dennoch wünschte ich ich hätte sie nicht gelesen. Bisher, muss ich zu meiner Schande gestehen, habe ich mir über dieses meiner Hobbys, hinsichtlich der Umweltbelastung überhaupt keine Gedanken gemacht, das hätte ruhig so bleiben können 😉 Andererseits ist deine Unetersuchung zu hoch loben, macht sie doch deutlich, dass Betroffene sehr schnell fähig sind, etwas zu finden, das noch viel schädlicher ist, als das was ihnen genehm ist. Daher bin ich dafür die FußballI-Industrie abzubauen die nicht nur Unmengen physischer Art Ressourcen verbraucht, sondern auch die geistige Ressourcenkapazität der Fans derart beeinflusst, dass ihnen weniger Zeit übrigbleibt sich mit für den Planeten wichtigeren Dingen wie Politik und Information zu beschäftigen.
    Schönes Wochenende

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    • Marion 11. Mai 2019 / 10:19

      Als Einwohnerin einer Bundesliga-Stadt bin ich, was Fußball angeht, voll auf deiner Seite. Man kann ja auch noch einrechnen, was die Anreise auswärtiger Fans kostet, der ungeheure Verbrauch von Plastik-Bierbechern, wie viel es kostet, wenn Spieler und Fans bei WMs und EMs um die halbe Welt fliegen, die Fähnchen an den Autos, die Plastikblumenketten in Nationalfarben, der Strom für ungezählte Public-Viewing-Veranstaltungen, noch mehr Plastik-Bierbecher…. Da schneidet Fußball ganz sicher deutlich schlechter ab als Lesen und vieles andere.
      Wie ich im letzten Absatz kurz angedeutet habe, liegt es ja aber auch nicht nur an uns als Leser*innen. Wenn Kinderbücher auf indonesischem Holz in China gedruckt werden, ist das eine Entscheidung der Verlage. Klar kann man vorne ins Buch gucken, da steht, wo es gedruckt werde. Aber das sagt oft fast nichts über die Herkunft der Rohstoffe an sich aus. Und dem Kind zu erklären, dass es jetzt das Buch nicht haben kann, weil es in China gedruckt wurde, funktioniert ja auch nicht so gut. Man kann nicht jede Entscheidung auf die Konsument*innen abwälzen. Das ist für die Hersteller bequem, aber ich finde, dass viele es sich da auch zu einfach machen. Nicht nur Verlage.
      Man kann nicht jede Entscheidung richtig treffen, zumindest nicht, ohne sich deutlich einzuschränken. Ich fliege auch in Urlaub, obwohl ich mit dem Zug nach Rügen fahren könnte. Oder mich zu Hause um den heimischen Balkon kümmern könnte. Den ich ausschließlich mit heimischen, bienenfreundlichen Pflanzen bestücke, versteht sich. Ich kaufe neue Bücher, neue Klamotten und der Unverpackt-Laden ist mir auch zu weit weg. Da fahr ich lieber zu Rewe. Das aber immerhin mit dem Rad.
      Auch, wenn man wahrscheinlich nie „perfekt“ lebt, ist jede gute Entscheidung eben eine gute Entscheidung 🙂

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      • thursdaynext 11. Mai 2019 / 16:53

        „Auch, wenn man wahrscheinlich nie „perfekt“ lebt, ist jede gute Entscheidung eben eine gute Entscheidung „Da stimme ich dir aus ganzem Herzen zu und beim Fußball ebenfalls, allein schon die WM in Katar … Heute beim ersten Morgenkaffee (bio und fair und in der Frenchpress, aber ich weiß *verzweifeltaugenverdrehe*) hast du mich bös von der Seite erwischt. Ich hatte mir noch nie Gedanken über die ökologischen Auswirkungen des Lesens gemacht. Noch gar nie. Verlage die das tun hätten aber höchste Anerkennung und Unterstützung, so sie die „richtigen“ Bücher veröffentlichen. Und es ist definitiv Sache der Politik eine Lenkung zu veranlassen – heute kam in der Zeitung, dass es weniger Lebensmittelkontrollen gibt – mir scheint es lenkt derzeit ganz bescheiden und die falsche Seite bekommt auch noch Aufwind.
        Love & Peace und eine bessere neue Welt

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        • Marion 11. Mai 2019 / 17:50

          Oh nein! Deinen Morgenkaffee wollte ich dir nicht ruinieren! Und ja – der Wasserverbrauch bei der Kaffeeproduktion… Aber den trinke ich auch jeden Morgen. Grüntee am Morgen macht mich echt nicht glücklich.

          Und ansonsten kann ich mich nur noch deinen Wünschen für eine bessere Welt anschließen!

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  2. Mikka Liest 11. Mai 2019 / 12:03

    Hallo,

    wenn man sich das mal so konkret ausrechnet, wirkt das wirklich sehr bestürzend!

    Ich kaufe relativ viele Bücher gebraucht – aber auch ganz bewusst welche neu, um den örtlichen Buchhandel zu unterstützen. Andererseits könnte ich den genauso gut unterstützen, indem ich diese Bücher als eBooks kaufe statt als Print, was ich jetzt wieder vermehrt machen will… Ja, die machen sich dann nicht so schick im Regal, aber ich habe es jetzt zum Teil so gemacht, dass ich Bücher als eBooks kaufe, und wenn sie mich wirklich begeistern, irgendwann noch mal günstig gebraucht als Printbuch. Meist dauert es ja nicht so lange, bis man Bücher bei Rebuy und Konsorten für ein Appel und ein Ei bekommt.

    Ich habe vor geraumer Zeit mal einen Artikel gelesen, in dem es hieß, ein Reader würde sich ökonomisch gesehen erst ab 75 Büchern lohnen, aber das kann sich seitdem ja durchaus verbessert haben! Allerdings muss ich gestehen, dass ich im Laufe der Jahre leider mehrere eBook-Reader angeschafft habe… Zwei davon haben sozusagen am Tag nach Ablauf der Garantie den Geist aufgegeben, aber ich denke, 50 Bücher habe ich davor damit geschafft. Dann bin ich von Kindle auf einen Reader gewechselt, bei dem ich nicht von Amazon abhängig bin, das hat mich dann wieder 50 Bücher in meiner Öko-Bilanz gekostet…

    Im Moment nutze ich mein Tablet auch als Reader, wobei ich mich da natürlich fragen muss: brauche ich dieses Tablet wirklich? Also, wirklich wirklich? Immerhin habe ich auch einen Laptop. Allerdings ist so ein Tablet für mich unheimlich praktisch, weil ich relativ viel Zeit beim Arzt und im Krankenhaus verbringe, und da ist ein Laptop eher unpraktisch. (Im Krankenhaus gibt es meist ím Zimmer kein Schließfach, in den ein Laptop passen würde.)

    Ein sehr interessanter Artikel!

    LG,
    Mikka

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    • Marion 11. Mai 2019 / 17:58

      Hallo Mikka,

      danke für deinen ausführlichen Beitrag!
      Bei der Berechnung, wann ein Reader ökologisch wird, hat die Autorin der Studie verschiedene Faktoren unterschiedlich gewichtet. Das begründet sie zwar und meiner Ansicht nach auch schlüssig, aber das kann man sicher auch noch mal anders sehen. Und dann eben auch zu einem anderen Ergebnis kommen.
      Meinen ersten Reader hat ich richtig, richtig lange. Das war sogar noch ein altes Vorführmodell, der hatte echt was hinter sich. Genutzt habe ich ihn aber wenig. Irgendwie kriegen eBooks mich noch nicht so lang. Ruiniert hat den Reader dann übrigens meine eigene Unachtsamkeit – ich habe einen dicken Kratzer ins Display gehauen.
      Was brauchen und wollen angeht, da bin ich auch sicher nicht vorne mit dabei. Ob wir in einem Zweipersonenhaushalt zwei Laptops, zwei Smartphones, zwei E-Reader und einen PC brauchen? Natürlich nicht. Haben wir aber. Und würde eines der Geräte kaputt gehen, würden wir es ersetzen. Außer dem zweiten Reader vielleicht – der ist eigentlich wirklich, wirklich überflüssig.
      Ansonsten warte ich bei Büchern auch oft, bis ich sie günstig gebraucht kriege. Aber den wirklich netten Besitzer der Buchhandlung hier will ich natürlich auch gerne unterstützen. Es ist alles nicht so einfach 🙂

      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
      Marion

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  3. jongleurin 11. Mai 2019 / 22:21

    Ich bin ja Team Bücherei, auch bei e-Books nutze ich fast ausschließlich die onleihe. Finde ich aus Kostengründen super, da ich wirklich viel lese, und jetzt finde ich es wegen deines Artikels sogar noch sinnvoller. Wobei ich mich schon oft gefragt habe: schade ich mit meiner Büchereinutzung den Verlagen? Anderes Thema, ich weiß 🙂

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    • Marion 11. Mai 2019 / 22:41

      Das ist eine sehr gute Frage. Autor*innen werden werden über die VG Wort vergütet, also über den einmaligen Kauf des Buchs hinaus. Ob die Verlage auch noch was kriegen? Gute Frage.
      Hier lesen mehrere Bibliotheksmitarbeiterinnen mit – unter anderem meine Mutter. Vielleicht sagt sie was dazu. Wenn nicht, frage ich beim nächsten Telefonat.

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  4. Anton Goldberg 11. Mai 2019 / 23:05

    Ich kaufe eigentlich kaum noch neue Bücher. Die mehr oder weniger aktuelle Gegenwartsliteratur bekomme ich ja normalerweise auf Anfrage von den Verlagen als Rezensions- bzw. Leseexemplar zugeschickt (was die Sache natürlich eigentlich auch nicht besser macht). Andere Bücher, die mich interessieren, kaufe ich in der Regel gebraucht – schon allein aus Kostengründen.

    Der apebook Verlag, in dem meine beiden Erzählbände veröffentlicht wurden, spendet übrigens 10% des Netto-Erlöses, der durch Direktkauf im Verlagsshop erzielt wird, an die Umweltorganisation „Rettet den Regenwald e.V.“. Das finde ich eine ganz gute Sache. So wird zumindest ein kleiner Ausgleich geschaffen.

    Viele Grüße
    A. Goldberg

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  5. Tinka Lukenda 19. Mai 2019 / 11:51

    Huhu
    zu diesem Thema hab ich in letzter Zeit auch viel gelesen und recherchiert. Ich kaufe gern gebrauchte Bücher, am liebsten in 2nd-Shops. Meine Bücher sind eigentlich bis auf ein paar Ausnahmen alle gebraucht. Und ich find das gut, wenn man sich über solche Themen Gedanken macht. LG
    Tinka

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  6. unsereundanderewelten 19. Mai 2019 / 23:03

    Also wenn ich neue Bücher anschaffe, müssen sie wirklich neu sein. Ich habe sehr schlechte Erfahrungen mit dem Zweitkauf oder Bücherschränken gemacht (wo dann Taschentücher in den oft versifften Büchern liegen…). Aber wenn ich sie wieder loswerden möchte, versuche ich sie zu verkaufen oder wenn das nicht klappt in einen Bücherschrank zu stellen.

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    • Marion 20. Mai 2019 / 16:02

      Ein Freund von mir hat immer in Antiquariaten nach Büchern mit interessanten Einlagen gesucht. Sein ganzer Stolz war ein total ödes Buch über Religion in den Niederlanden mit Kotztüten dreier afrikanischer Fluglinien darin.
      Ich sammel interessante Funde in einem extra Album, aber sowas schönes hatte ich noch nicht.

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  7. jacquysthoughts 21. Mai 2019 / 11:01

    Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, das auszurechnen! Ich habe mir da früher nie Gedanken drum gemacht, habe aber auch schon immer wenige Bücher neu gekauft, sondern greife meist auf die gebrauchte Version zurück. Ich möchte bald auch Büchereien mehr nutzen, auch wenn ich dabei schade finde, dass Verlag und Autor dabei auch wenig abbekommen. Ebooks werden wohl die beste Lösung sein um beides zu vereinbaren. Gerade habe ich noch überlegt, gleich Bücher zu bestellen, aber nach diesem Beitrag werde ich vermutlich eher die digitale Version nehmen.

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    • Marion 21. Mai 2019 / 22:36

      Danke für deinen Beitrag! Ausgerechnet haben das zum Glück schon andere, ich hab nur andere Zahlen eingesetzt 🙂
      Die Bib ist auch (wieder) neu in meinem Leseverhalten und ich frage mich ernsthaft, warum ich das nicht viel früher gemacht habe.

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  8. gerlintpetrazamonesh 20. Juli 2019 / 8:28

    Jede menschliche Handlung hat immer Auswirkungen, die per se umweltschädlich sind und sich auch direkt auf die Mitlebewesen auswirken. Und ja, wir sind einfach zu viele und jede objektive Beurteilung würde abgehoben von allen anderen einen Schädling auf dieser Erde benennen, Homo sapiens. Jeder Atemzug produziert mehr CO2 als es ein Mammutbaum schafft – denn der verstoffwechselt im Gegenzug das Zeug wieder. Und damit begnügt sich der gemeine Mitteleuropäer ja nicht. Ich auch. Jetzt können wir nur versuchen, das einzuschränken, und um beim Ausgangspunkt zu bleiben, ja, z.B. Leihbüchereien zu nutzen (in denen man dann Bücher bekommt, in die andere hineingekritzelt haben oder auch schon mal eine Seite herausgerissen haben, denn es sind ja eben diese oben beschriebenen Lebewesen, die sich auch dort herumtreiben). Oder Bücher untereinander ausleihen (und nie wiederbekommen, siehe Anmerkung vorher). Und all das mache ich, d.h., nicht in fremde Bücher kritzeln oder sie zerstören, aber nicht zurückgegeben hab ich auch schon, ja. Aber ich schätze meinen eigenen Buchbestand sehr. Und – günstige Ausrede, wohne auf dem Land – das Automobil (auch wenn ich die letzten Wochen jeweils gleich viel oder mehr mit dem Fahrrad unterwegs war! Dickes Eigenlob! (Fahrrad ist ebenfalls ein umweltschädliches Industrieprodukt. Ja, auch die Schuhe aus Chromleder oder, schlimmer noch, Kunststoffen!)) Wir entkommen dem nicht, nein. Auch der indigene, von allen guten Amerikanern, d.h. Conquistadorennachkömmlingen verfolgte Urwaldbewohner, der sein Hüttchen baut, sein Mais- oder Manikfeldchen durch Abbrennen von ein bißchen Urwald vorbereitet, sein Giftpfeilchen auf’s Faultierchen verschießt. Ist am Ende der minimalistische Pygmäe, der in gebrauchten Europäerklamotten aus frommer Luxusspende betrunken am Straßenrand hockt und als Bettler vegetiert, seit man seinen Stamm aus dem ursprünglichen Leben gelockt hat, der Mensch, der am wenigsten Ressourcen verbraucht? Wir Menschen sind, nicht nur im kalten Norden, halt planende, vorausschauende (ja, ich weiß um die bittere Ironie) Wesen, die sich ihre Vorräte hamsterhaft anhäufen. Bis es dem Milliardär, und nicht nur ihm, oben wieder rauskommt. Eine Lösung? Nein, nur Bastelvorschläge: tatsächlich ein bißchen sparen, an Straßenkilometern (oder gar überflüssigen in der Luft oder zur See), an überheizten oder gar, völliger Widersinn, herabgekühlten Räumen und allem was man wegwerfen würde, also auch Papier.

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    • Marion 21. Juli 2019 / 18:08

      Vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag! Und Recht hast du natürlich – alles, was man macht, und sei es nur essen und atmen hat natürlich eine Auswirkung. Darauf zu verzichten ist ja nun tatsächlich nicht möglich. Und sonst ist Verzicht natürlich immer eine sehr subjektive Angelegenheit. Als ich noch weniger urban gewohnt habe, wäre es ein großer Verzicht gewesen, kein Auto zu haben. Ich hab dann auch nicht drauf verzichtet. Jetzt fände ich es lästig, eins zu haben, insofern ist es auch überhaupt kein Verzicht, stattdessen Fahrrad zu fahren. Mit Stahlrahmen. Sicher auch nicht umweltschonend abgebaut.

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