Essen aus Büchern: Bohnenmus-Brötchen aus Haruki Murakamis „Kafka am Strand“

Das japanische Bohnemus-Brötchen Anpan erfreut sich landesweit großer Beliebtheit und ist vor allem als Zwischenmahlzeit beliebt. Das Wort setzt sich zusammen aus dem Wort Anko für Bohnenpaste und Pan, was über das portugiesische pão seinen Weg ins Land gefunden hat. Es soll das erste Brot sein, das jemals in Japan gebacken worden ist. Inzwischen haben sich sowohl bei Teig als auch Füllung zahlreiche Varianten entwickelt. Die traditionelle Füllung ist eine glatte oder pürierte Masse aus Adzuki-Bohnen, inzwischen gibt es aber auch sehr viele innovativere Füllungen.

Auch Nakata aus Murakamis Kafka am Strand gehört zu den Fans des süßen Brötchens. Als er Nakano das erste mal verlassen muss, landet er, völlig überfordert von den Zugverbindungen und nicht in der Lage, Schilder zu lesen, am Bahnhof Shinjuku. Ratlos setzt er sich vor dem Gebäude auf eine Bank. Bald füllt sich der Platz mit Menschen, die dort ihre Mittagspause verbringen.

„Auch Nakata aß sein mitgebrachtes Bohnenmus-Brötchen und trank braunen Tee aus der Thermosflasche.“

Auf dem Platz findet er dann auch zwei Frauen die bereit sind, ihm zu helfen und er kann seine Reise fortsetzen. Und damit ihm der Reiseproviant nicht ausgeht, ist hier ein Rezept für Bohnenmus-Brötchen:

Anpan_Collage

Rezept für 8 Bohnenmus-Brötchen / Anpan

Für das Anko:

  • 125 g Adzukibohnen
  • 90 g Zucker (weiß oder braun oder gemischt)
  • 1 Prise Salz

(es lohnt sich, die zwei- oder dreifache Menge zu machen. Der Arbeitsaufwand bleibt dadurch fast der gleiche und man kann die Paste hervorragend einfrieren. Für die weniger kochfreudigen unter euch: Anko kann man unter dem Namen Rote Bohnenpaste / Red Bean Paste auch im Asia-Laden kaufen)

Für den Teig:

  • 300 g Weizenmehl
  • 40 g weiche Butter
  • 25 g Zucker
  • 1/2 TL Salz
  • 160 ml Milch
  • 2 Eier
  • 20 g frische Hefe
  • Sesamsaat für die Dekoration wenn gewünscht

Das Anko kann am besten einen oder mehrere Tage im Voraus zubereitet werden. Es hält sich im Kühlschrank bis zu einer Woche. Am Vorabend die Bohnen in ausreichend Wasser legen und über Nacht einweichen.

Am nächsten Tag das Einweichwasser abgießen, die Bohnen in einen Topf geben und so viel Wasser zugeben, dass die Bohnen gerade bedeckt sind. Bei niedriger Temperatur köcheln lassen, bis die Bohnen gar und so weich sind, dass sie sich zwischen den Fingern zerdrücken lassen. Das dauert in etwa 1 – 1,5 Stunden, bei älteren Bohnen aber auch länger. Evtl. während der Kochzeit Wasser nachgießen.

Die Bohnen abgießen, dabei etwa 1/3 des Kochwasser auffangen und beiseite stellen. Die Bohnen wieder in den Topf geben und die Hälfte des Zucker zugeben. Auf niedriger Temperatur ca. 5 Minuten köcheln lassen, bis der Zucker sich gelöst hat. Dann die Bohnenmasse mit dem Pürierstab zerkleinern bis eine glatte Masse entsteht. Wenn die Masse dabei zu fest wird und sich nicht gut zerkleinern lässt, etwas von dem aufgefangenen Kochwasser angießen. Den restlichen Zucker nach und nach zugeben, dabei ständig rühren. Auf niedriger Temperatur weiter köcheln lassen, bis die Masse bordeauxrot wird und leicht glänzt. Das dauert etwa 10 Minuten. Die Masse sollte deutlich eindicken, wird aber nochmal um einiges fester, wenn sie kalt wird. Zum Ende der Kochzeit noch das Salz unterrühren.

Das fertige Anko in eine Schüssel füllen und abkühlen lassen.

Für den Teig Milch, Zucker und Hefe verrühren und etwa 15 Minuten stehen lassen. Dann eines der Eier unterrühren. Mehl in eine Schüssel geben und die Flüssigmischung unterrühren, dann das Salz zugeben. Die warme Butter in kleinen Stücken zugeben und alles kneten, bis ein glatter, glänzender Teig entsteht. Den Teig abgedeckt an einem warmen Ort gehen lassen, bis sein Volumen sich verdoppelt hat. Das dauert etwa 30 bis 60 Minuten.

Anschließend den Teig in acht gleich große Portionen teilen und diese zu Kugeln formen. Die Kugeln, mit denen man gerade nicht arbeitet, mit einem Tuch abdecken, damit sie nicht austrocknen. Jede Kugel platt drücken und dabei die Ränder etwas nach oben ziehen. In die Mitte der so entstandenen Kreise jeweils etwa 40 g Anko geben und die Ränder zusammenführen, so dass eine geschlossene Kugel ensteht. Falls euch das Prozedere nicht ganz klar ist, gibt es hier ein Video, in dem eine Frau mit Fascinator auf dem Kopf ab Minute 11 erklärt, wie es geht.

Ein Backblech mit Backpapier auslegen und die Brötchen mit der Nahtstelle nach unten auf das Blech legen, mit einem feuchten Tuch bedecken und weitere 45 Minuten gehen lassen. Den Ofen auf 180°C (Ober-/ Unterhitze) vorheizen. Das zweite Ei trennen, das Eigelb aufschlagen und die Oberseite der Anpan damit einstreichen. Wenn gewünscht mit Sesamsaat dekorieren. 15 – 20 Minuten auf mittlerer Schiene backen.

Ich muss zugeben, dass ich die Idee von süßen Bohnen merkwürdig fand und finde. Die Masse ist zwar süß, schmeckt aber immer noch relativ deutlich nach Bohnen und ich bin wohl leider zu deutsch, um das als Geschmack für Süßspeisen zu akzeptieren. Mein ebenso deutscher Freund ist allerdings völlig begeistert. Ganz lecker sind die Brötchen aber trotzdem, ein bisschen erinnern sie mich an Berliner. Ich bin aber ein sehr großer Fan dieses Hefeteigs, weil er wirklich mega-fluffig ist. Und ein bisschen klebrig, aber das will ich ihm gerne verzeihen. Das Prinzip finde ich auf jeden Fall super und vielleicht probiere ich die Brötchen auch mal mit anderer Füllung aus.


Das Zitat stammt von S. 256 von Haruki Murakami: Kafka am Strand. btb 2006.

Das Teigrezept ist aus dem Blog Chopstick Chronicles.

 

9 Gedanken zu “Essen aus Büchern: Bohnenmus-Brötchen aus Haruki Murakamis „Kafka am Strand“

  1. dj7o9 4. Mai 2019 / 12:05

    Die habe ich so so so gerne gegessen in Japan. Das Rezept probiere ich aus – juhuuuu. DANKE 🙂

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  2. andrea 6. Mai 2019 / 15:10

    Ich liebe diese ganzen süßen Bohnendinger. Gibt’s ja auch in China. Da gibt es sogar leckeres Grüne-Bohnen-Eis! 😀

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    • Marion 6. Mai 2019 / 18:01

      Ich finde es total spannend, dass man sowas aus Bohnen machen kann. Also was man überhaupt alles aus Bohnen machen kann. Mein Bohnen-Horizont war immer so von Schnippelbohnen bis Chili und Ende 🙂

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      • andrea 7. Mai 2019 / 12:58

        In China werden Tomaten mit Zucker serviert. Ist ja eigentlich auch Obst. Aber auch bei mir zu Hause gab’s früher manchmal Nudeln mit Sahne und Zucker… Man kann ja fast alles süß oder herzhaft essen. Und es gibt so viele tolle Dinge zu essen, die wir gar nicht kennen! Ich probiere immer gerne aus.

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        • Marion 7. Mai 2019 / 18:03

          Als ich noch in der Grundschule war, war ich mal bei einer Freundin und da gab es Nudeln mit Zimt. Ich fand die Idee so krass eklig, aber konnte nicht nein sagen.
          Und dann war es erstaunlich lecker. Ich hab das danach nie wieder gemacht, aber eigentlich war es total gut. Manchmal ist es halt schwer, an den eigenen Essgewohnheiten vorbei zu denken.

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  3. stephanie jaeckel 21. Mai 2019 / 9:28

    Ja, die Bohnen. Stecken wieder im Blumentopf bei mir im Hof und wenn es Zeit wird, gehen sie ab wie Raketen in den Himmel. Danke für das Rezept und ein gedachtes dickes Sternchen (ich kann leider nicht mehr „liken“, weiß der Kuckuck warum…

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    • Marion 21. Mai 2019 / 9:34

      Das konnte ich mal eine Zeit nicht. Jetzt geht es wieder. Verändert habe ich bewusst nichts.
      Ich bin sehr gespannt, wie hoch meine Bohnen sind, wenn ich aus dem Urlaub wiederkomme. Bisher waren sie eher zurückhaltend, aber wenn sie erstmal loslegen, dann sind sie wirklich wie Raketen. Das erstaunt mich jedes Jahr wieder.

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