David Sedaris: Let’s Explore Diabetes with Owls

owlsdiabetes

„Der Wein ist zu teuer und sie sprechen zu schnell!“

David Sedaris ist eine späte Liebe von mir. Vor mindestens zehn Jahren hat eine Freundin mir Naked geschenkt, ich fand die ersten drei Seiten blöd und das Buch verschwand auf lange Zeit in meinem Bücherregal, wo ich es erst fünf Umzüge später zufällig wiederentdeckte. Was für eine Verschwendung!

David Sedaris ist einer der lustigsten Menschen der Welt. Die Geschichten die er erzählt, sind eigentlich nur Alltags-Episoden. Bei einer Australien-Reise füttert er einen Kookaburra, er versucht verzweifelt, eine ausgestopfte Eule als Geburtstaggeschenk für seinen Freund aufzutreiben, er muss zum Zahnarzt. Insgesamt sind 26 Erzählungen in diesem Buch versammelt, von der ich am meisten die liebe, in der Sedaris erzählt, wie er mit einem Sprachlernprogramm immer versucht, wenigstens ein paar Brocken der Sprache des Landes zu lernen, in das er reist („Easy, Tiger“), am meisten beeindruckt ihn offenbar oben genannter Satz aus dem Kapitel über Restaurantbesuche.

Kurzgeschichten im klassischen Sinn sollte man besser nicht erwarten, die kommen in diesem Buch auch vor, sind aber nicht der Schwerpunkt. Es geht, wie schon erwähnt, einfach nur um Episoden aus Sedaris Leben, oft Situationen, die jeder kennt. Aber er kann davon eben besser erzählen als jeder. Wenn ich in einer unsinnig langen Schlange auf Kaffee warte und darüber nachdenken kann, was Sedaris über unnötig lange Kaffee-Schlangen geschrieben hat („Now Hiring Friendly People“), macht es das ein bisschen besser.

Das Buch ist übersetzt worden, allerdings habe ich es nicht in der Übersetzung gelesen und kann deswegen nichts darüber sagen, wieviel Humor möglicherweise auf dem Weg verloren gegangen ist. Ich bin mir aber relativ sicher, dass Sedaris in jedweder Sprache lesenswert ist.


David Sedaris: Let’s Explore Diabetes with Owls. Abacus 2014, ca. 13,-. Originalausgabe Abacus 2013. Deutsche Taschenbuch-Ausgabe: Sprechen wir über Eulen und Diabetes. Heyne 2014. 288 Seiten, € 9,99. Übersetzt von Georg Deggerich. Deutsche Erstausgabe Blessing 2013.

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5 Gedanken zu “David Sedaris: Let’s Explore Diabetes with Owls

  1. dj7o9 1. März 2016 / 13:56

    Ich liebe David Sedaris. Kennst Du „Naked“ von ihm. Ich hab teilweise Tränen gelacht und ich hab es normalerweise Ü-BER-HAUPT nicht mit lustig 😉 Sedaris is different in any way 🙂

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    • March Hare 1. März 2016 / 14:13

      Naked ist brillant! Ich habe einen zweiten Anlauf gebraucht, war dann aber völlig begeistert.

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  2. thursdaynext 1. März 2016 / 15:18

    Übersetzt auf Deutsch ist noch solide Humor zum Erfreuen vorhanden

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  3. letusreadsomebooks 1. März 2016 / 21:11

    Ich bin echt kein Fan von humorvollen Büchern, da sie meistens extrem bemüht wirken – aber bei Sedaris muss ich dir recht geben! Mir hat es auch wirklich gut gefallen (sogar die deutsche Übersetzung). Danach hatte ich mir auch vorgenommen, Naked zu lesen…bin ich aber irgendwie noch nicht zu gekommen 😀

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    • March Hare 1. März 2016 / 22:12

      Ich finde „lustige“ Bücher auch nur selten lustig. Den ersten Känguru-Teil von Kling fand ich noch gut, das hat dann aber mit den nächsten beiden Bänden auch rapide abgebaut. Aber wie oben schon gesagt wurde: Sedaris ist eben anders und vor allem konstant gut und wirkt nicht bemüht.

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