Brian Conaghan: Jetzt spricht Dylan Mint und Mr Dog hält die Klappe

mrdogbitesDylan ist sechzehn Jahre alt, lebt allein mit seiner Mutter und besucht die Drumhill-Förderschule. Sein Vater ist bei der Armee und nur über Briefe erreichbar, auf die er aber nie antwortet. Natürlich nicht, denkt Dylan, er muss ja kämpfen und hat keine Zeit für Briefe in die Heimat. Dylan hat Tourette. Wenn er angespannt ist, überfordert ist, sich in die Enge getrieben fühlt, flucht er, bellt und heult er. Für sein Tourette hat er einen eigenen Namen: Mr Dog. Und den muss er unter Kontrolle halten, soweit es eben geht. Am besten geht das mit Denksportaufgaben: Welche Fußballmannschaft hat den kürzesten Namen? Und welche den längsten? Welche Mannschaften haben die Buchstaben F-O-T-B-A-L nicht in ihrem Namen?  Bis dahin erinnert das alles ziemlich an Supergute Tage.

Bei einer Routinekontrolle im Krankenhaus schnappt Dylan auf, „dass sich im März alles ändern wird“ und seine Mutter ihn „behutsam darauf vorbereiten muss“. Er hat nur noch bis März zu leben, schließt Dylan aus den kryptischen Andeutungen der Erwachsenen und macht eine Liste der Dinge, die er unbedingt noch erledigen muss, bevor es soweit ist:

  1. mit einem Mädchen, am besten Michelle Malloy, schlafen
  2. einen neuen besten Freund für seinen besten Freund Amir finden
  3. seinen Vater aus dem Krieg nach Hause holen

Dafür hat er nur noch etwas mehr als ein halbes Jahr Zeit und muss in der Zeit auch noch Tony aus dem Haus ekeln, den Taxifahrer, der ständig bei seiner Mutter in der Küche sitzt, ungefragt hereinplatzt, wenn gerade „Wer wird Millionär“ läuft und zu allem Überfluss sein dämliches Taxi auf dem Stellplatz von Dylans Vater parkt.

Die Geschichte ist ganz charmant, eben ein bisschen wie Supergute Tage. Aber ich hatte ein ernsthaftes Problem mit der Sprache. Auf der englischen Ausgabe steht als lobendes Zitat „Made me laugh out loud“ von Stephen Kelman, Autor von Pigeon English, das ich aus sprachlichen Gründen nach fünf Seiten abbrechen musste – das hätte mich misstrauisch machen müssen. Die englische Fassung ist voll von Rhyming Slang (that’s Ronan Keating = that’s cheating, Richard Gere = beer etc.) und eigenen Wortkreationen (a-mayonnais-ing), was auf Dauer wirklich, wirklich nervt. Dem verzweifelten „speak English, Dylan!“ seiner Mutter konnte ich mich aus ganzem Herzen anschließen. Die deutsche Übersetzung hab ich nur kurz durchgeblättert, aber es sieht aus, als wäre es dort weniger gehäuft, einige Sachen haben es eben nicht durch die Übersetzung geschafft. Was beide Fassungen gemeinsam haben: Es wird geflucht und das nicht zu knapp. Oft gewinnt nämlich Mr Dog die Oberhand – UGLY PIG FILTH FUCK. Wer da zart besaitet ist, sollte einfach die Finger von dem Buch lassen.

Insgesamt ist das Buch ganz nett. Dadurch, dass man alles aus Dylans Perspektive sieht, hat man nur einen eingeschränkten Blick auf die skurrile und oft unverständliche Welt der Erwachsenen und muss vieles erraten, was mir gut gefallen hat. Dennoch ist die Geschichte an einigen Punkten vorhersehbar und wenig überraschend. Und wie schon gesagt – sprachlich ist der Roman eine Nervenprobe.


Brian Conaghan: When Mr Dog Bites. Bloomsbury 2014. 371 Seiten. Deutsche Übersetzung: Jetzt spricht Dylan Mint und Mr Dog hält die Klappe. Übersetzt von Michael Kellner. Arche 2014. 320 Seiten, € 19,99.

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