Will Gompertz: Was gibt’s zu sehen?

gompertz150 Jahre Moderne Kunst auf einen Blick verspricht Gompertz seinen Lesern. Bevor er dieses Buch geschrieben hat, leitete er die Tate Gallery in London und entwickelte eine Comedy-Show, in der er Kunst erklärte. Und die kam so gut an, dass er der erste Kunstkorrespondent der BBC wurde und seine Kunstgeschichte es endlich auch auf den deutschen Markt geschafft hat.

Gompertz weiß sehr genau, wovon er redet, das merkt man in jedem Kapitel. Er fängt an bei den Prä-Impressionisten, geht über Primitivismus, Neoplastizimus, Bauhaus und Pop-Art und landet schließlich bei „Kunst heute“, für die auch er noch keinen Sammelbegriff hat. Er erklärt die Zusammenhänge, erzählt kurze Anekdoten, porträtiert einzelne Künstler und erläutert verschiedene Werke. Letztere sind zumindest zum Teil abgebildet, ein guter Teil sogar in Farbdruck auf den Bildtafeln in der Mitte des Buchs.

Gompertz Sicht der Dinge ist angenehm bodenständig. Er beharrt nicht auf der Großartigkeit einzelner Werke oder einzelner Künstler, er erklärt einfach nur, was woher kommt und wohin es geht. Man kann Fauvismus blöd und Pop-Art belanglos finden, es schadet aber nichts, wenn man weiß, wie das alles zusammenhängt. Man muss auch nicht jedes Werk verstehen oder einen Zugang dazu finden, nur die Chance sollte man ihm geben, indem man sich immer wieder die Frage stellt „was gibt’s zu sehen“?  Ganz vorne im Buch gibt es einen sehr hübsch gemachten Zeitstrahl, der optisch an das Londoner U-Bahn-Netz erinnert und nochmal alle Zusammenhänge, Knotenpunkte und Verbindungen illustriert.

Dass Gompertz ziemlich an der Oberfläche bleiben muss und viele Themen nur anreißen kann, ist bei diesem Projekt eigentlich klar, aber das Buch macht Lust auf mehr. Auf mehr Bücher über Kunst und mehr Besuche in Museen und generell einfach mehr Kunst. Weil es vermittelt, dass Kunst nicht schwierig zu verstehen ist, sondern in erster Linie Spaß machen kann und es Wert ist, entdeckt zu werden.


Will Gompertz: Was gibt’s zu sehen? DuMont 2014. € 14,-, 447 Seiten. Deutsche Erstausgabe DuMont 2013. Übersetzt von Sofia Blind. Originalausgabe: What are You Looking at? Penguin Books 2012.

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