Variationen von Selbsthass – „Damenbart“ von Sarah Pines

In ihrem Debüt-Band Damenbart erzählt Pines Geschichten von unglücklichen, einsamen Menschen. Sie leben in Los Angeles und Buffalo, urlauben in Bacharach und verlieben sich in Griechenland. Die meisten von ihnen sind Frauen, alle sind verzweifelt. Die Texte lesen sich dabei ganz unterschiedlich. Nüchtern erzählt Pines von einer Frau, der Trägerin des titelgebenden Damenbarts, die an ihrem Geburtstag versetzt wird und sich aus lauter Verzweiflung die Nase bricht. Sachlich und ein wenig wehmütig wird die Geschichte der Schauspielerin Peg erzählt, ein schwarz-weißer Filmstar, der den Übergang in den Farbfilm nicht schafft – zu rot ist ihr Gesicht, zu hell ihre Augen – und sich vom Hollywood-Schriftzug stürzt. Gewalttätig und tragisch enden fast alle Geschichten. Gemeinsam haben sie einen Stil, der mit perfekt abgestimmten und teilweise sehr überraschenden aber überzeugenden Bildern überzeugt.

So werden die Texte auch nicht langweilig, obwohl sie doch einiges gemeinsam haben. Viele der Figuren sind mehr oder weniger abgehalfterte Schauspielerinnen, viele hassen ihre Ehemänner und trösten sich mit Liebhabern. Mit denen sind sie aber auch nicht zufrieden. Ein wenig fragt man sich, warum keine einzige von ihnen versucht, eine andere Erfüllung in ihrem Leben zu finden. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten von ihnen auch mit sich selbst nicht zufrieden sind und unter ihrem Selbsthass noch mehr leider als unter ihrer Einsamkeit. Sie stehen vor dem Spiegel und hassen sich dafür, dass alle ihre Kleider kneifen und ihre Haut nie wieder rosig und jung sein wird. Sie sind abgehängt von der Welt, von Farbfilm oder Netflix, verhöhnt von den Affären ihrer Männer, gescheiterte Figuren, die doch nur träge auf dem Sofa liegen. Wenn sie einkaufen fahren, ziehen sie sich nicht mehr richtig an, sondern stopfen nur schnell den Saum des Nachthemds in die Jogginghose. Unter dem Mantel sieht das keiner und für mehr ist keine Energie mehr da.

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Das grausame Ende einer ganzen Welt – „So war’s eben“ von Gabriele Tergit

Tergit nimmt sich in ihrem dritten großen Gesellschaftsroman einiges vor. Sie portraitiert die jüdische Berliner Gesellschaft in Ost- und Westberlin, ihre Glanzzeit, ihre Verfolgung, das Elend und das Exil. Mehr als 70 Personen sind in den Dramatis Personae I und II aufgelistet: Die Familien Stern und Kollmann, Mayers und Jacobys, der deutsche General von Rumke und ein buntes Gemisch aus „Figuren am Rande“. Aufstrebende Journalistinnen tummeln sich in ihren Reihen neben etablierten Regisseuren, feinen Damen und angehenden Revolutionären, Internationalisten und Erzkonservativen.

Der Roman beginnt noch während des Kaiserreichs mit dem Kapitel „Damentee in den neunziger Jahren“. Wie auch bei den Effingers besteht Tergits Romanpersonal zunächst vor allem aus der „feinen Gesellschaft“, die von der Autorin mit einem deutlichen Augenzwinkern charakterisiert wird. Die familiären und gesellschaftlichen Verflechtungen sind das wichtigste in diesen Kreisen und das ganze Streben der Frauen gilt dem guten Eindruck. Während die Männer Karriere machen, ist der gesellschaftliche Teil ihr Beitrag zum Erfolg der Familie. Ein verpatzter Damentee ist da schon höchst blamabel. Dass einige von ihnen in absehbarer Zeit Teile der mondänen Wohnungen vermieten müssen, um sich auch nur über Wasser halten zu können, ahnt da noch niemand. Doch längst nicht alle schweben durch diese erlauchten Kreise. Tergit schildert nicht nur das Leben der reichen, sondern auch der ganz bescheiden und ganz durchschnittlich lebenden Familien der Zeit, mit all ihren Brüchen, Hoffnungen und Sorgen.

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Zornige Jugend – „Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron“ von Yade Yasemin Önder

Ein Jahr und einen Tag nach der Katastrophe von Tschernobyl wird die Erzählerin dieses Romans in einer unbedeutenden Stadt in Westdeutschland geboren. Ihren Eintritt in die Welt verortet sie gleich zum Einstieg mit Hilfe einer Katastrophe und nicht weniger katastrophal geht die Geschichte weiter.

Als sie gerade acht Jahre alt ist, stirbt ihr Vater. Sie erinnert ihn als einen wahren Koloss von fast vierhundert Kilo, an dessen Tod sie glaubt, Schuld zu tragen. Immerhin habe er sich, so erzählt sie, an einer Kreissäge tödlich verletzt, als er der Tochter eine Schaukel bauen wollte. Ob das so stimmt – man weiß es nicht. Önders Erzählerin ist ausgesprochen unzuverlässig und oft genug weiß man nicht, ob das Erzählte der kindlichen Erinnerung entspringt, reine Phantasie ist oder als reine Metapher gelesen werden muss: ein Haus, das mitten auf einer Wiese steht mit einem Boden aus Gras, Hannelore Kohl und ihr dicker Mann als joviale Nachbarn, eine Hochzeitsnacht unterm Esstisch. Önders Roman besteht aus Sequenzen, die mal verzweifelt und mal zornig sind, und in die man sich immer wieder einfinden muss. Erzählt wird vor allem aus Kindheit und Jugend der Erzählerin die nun wirklich nicht leicht war, soviel kann man sich aus den Splittern zusammensetzen.

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Der ewige Traum vom Falken – „Die Nibelungen: Ein deutscher Stummfilm“ von Felicitas Hoppe

Ze Wormez bî dem Rîne gibt es nicht so besonders viel, womit man überregional von sich reden machen könnte. Was es allerdings gibt, und was dann auch kulturell ausgeschlachtet wird, sind die Nibelungen, die dort einst gelebt haben sollen. Seit beinahe zwanzig Jahren gedenkt man dieser Tatsache mit den im Sommer stattfindenden Nibelungenfestspielen. Auf deren Bühne, gelegen direkt vor der Kulisse des Wormser Doms, lässt Felicitas Hoppe die sagenumwobenen Gestalten der politisch vorbelasteten Dichtung ihre Intrigen spinnen.

Sie bringt alle auf die Bühne, die in den Nibelungen Rang und Namen haben: Kriemhild und Brunhild, Siegfried, Gernot, Gunter und Giselher, Ute und Hagen. Und sie ergänzt das Personal um einige zusätzliche Rollen, unter anderem um einen Laien aus Worms, der den Tod geben muss, einen kommentierenden Zeugen im Ruderboot und um den Schatz, der es sonst nie auf die Bühne bringt, obwohl er ein so tragendes Element ist. Ähnlich einer beleidigten Fee darf er nun als Goldene Dreizehn auf einen Platz an der Festtafel hoffen, statt am Grunde des Rheins als Konfliktstoff vor sich hin zu rosten. Hoppe belässt es nicht bei einer Nacherzählung des Stoffes, sondern setzt ihn im Grunde schon voraus, geht darüber hinaus und spielt mit den Charakteren und den ideologischen Schatten, die ihnen folgen. Wer nicht zumindest in Grundzügen mit der Handlung vertraut ist, wird Schwierigkeiten haben, zu folgen, den stringent erzählt wird nicht. Hoppe erzählt viel mehr in szenischen Schilderungen, orientiert an einer modernen Inszenierung des Stoffs und eingeleitet jeweils durch eine an Stummfilme erinnernde Texttafel.

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Menschliche Makel – „Fault Lines“ von Nancy Huston

Vier Generationen verbindet Nancy Huston in Fault Lines durch ein gemeinsames Merkmal: Sie alle tragen das gleiche Muttermal, wenn auch an unterschiedlichen Stellen ihres Körpers. Der letzte in der Reihe, der sechsjährige Sol, trägt es an der Schläfe. Für seine Mutter ist das ein nicht akzeptabler Makel an ihrem sonst makellosen Sohn. Sie will es entfernen lassen, vorgeblich wegen der erhöhten Krebsgefahr. Doch so leicht lassen sich die verbindenden Elemente einer Familie nicht wegschneiden. Kurz nach der OP entwickelt Sol eine gefährliche Entzündung.

Sol ist eines von vier etwa sechsjährigen Kindern, deren Geschichten in diesem Roman erzählt werden. Von ihm aus geht Huston immer eine Generation zurück, über seinen Vater Randall, seine Großmutter Sadie und schließlich zu seiner Urgroßmutter Erra, deren Leben im Terrorregime des Nationalsozialismus begann. Sol lebt nun als überbehütetes Kind in den USA. Seine Eltern, besonders seine Mutter, erlauben ihm alles und feiern auch die kleinsten Erfolge. Dafür ist Sol nicht etwa dankbar, sondern wird zutiefst bösartig. Den Computer seiner Mutter nutzt er, um sich im Internet Videos von Enthauptungen und anderen Gräueltaten anzusehen.

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Neue Wege gehen – „Gilgi, eine von uns“ von Irmgard Keun

Gisela Kron hat einen festen Plan für ihr Leben: Sie will arbeiten, es zu etwas bringen, sich bilden und reisen. Vorerst macht sie das alles unter dem Namen Gilgi, der passt viel besser zu ihr. Später, wenn sie gesetzter ist, will sie Gisela heißen. Sie arbeitet als „Maschinenmädchen“ in einem Unternehmen und tippt den ganzen Tag Briefe über Strumpfwaren und Trikotagen en gros. Abends lernt sie in der Berlitz School Fremdsprachen, denn wer vorwärts kommen will, darf sich nicht ausruhen. Das hat Gilgi mit ihren 20 Jahren schon gut verstanden. An ihrem 21. Geburtstag jedoch erfährt sie vom grundsoliden Ehepaar Kron, dass sie nicht ihre Tochter ist, sondern adoptiert wurde. Gilgi zweifelt an der Beziehung zu ihren Eltern, erst recht, als sie herausfindet, dass auch Frau Täschner, eine bitterarme Schneiderin, die sie zur Adoption freigegeben hat, nicht ihre biologische Mutter ist.

Halt findet sie bei Martin, einem in den Tag lebenden Bohemien, der plötzlich ihre ganze Welt auf den Kopf stellt. Bisher hat Gilgi sich immer geweigert, dieses ganze Verliebtsein so ernst zu nehmen. Anderes war ihr wichtiger, ihre Freiheit, ihr eigenes Auskommen, Freundschaften. Nun wünscht Martin sich, dass sie weniger Zeit bei der Arbeit und mehr mit ihm verbringt und so nach und nach fällt es Gilgi immer leichter, morgens einfach liegen zu bleiben. Man kommt auch so ganz gut über die Runden. Doch ein kleiner Zweifel bleibt und nagt hartnäckig an Gilgi. Was ist nur aus ihren Idealen geworden? Will man die für einen dahergelaufenen Schriftsteller über Bord werfen?

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Wohin die Magnete uns führen – „Visible Worlds“ von Marilyn Bowering

Albrecht und Gerhard, Söhne einer deutschen Mutter und eines kanadischen Vaters, wachsen in Kanada auf, bis die Familie beschließt, dass Gerhard nach Deutschland gehen soll, um die musikalische Ausbildung des begabten Sohnes auszubauen. Die Zeit ist denkbar schlecht gewählt – Gerhard kommt in den späten 30er-Jahren nach Deutschland, der für ihn vorgesehene Lehrer wird als Kommunist verhaftet und Gerhard landet in der Hitlerjugend. Währenddessen bleibt Albrecht zu Hause beim Vater und hadert mit seinem Schicksal, der weniger geliebte und begabte Sohn zu sein. Der Vater ist Mitglied des Ordens der Odd Fellows und widmet gesamte Zeit der Erforschung des „persönlichen Magnetismus“. Er ist überzeugt, dass Menschen stark vom Magnetismus beeinflusst sind und dass dies der wahre Grund ist, warum man sich zu Menschen und Orten angezogen fühlt oder eben nicht.

We are all part of magnetism’s great net, says my father, attracted and repelled to and from each other according to our inborn polarities.

S. 210

Auch sonst ist der Roman, der von Albrecht erzählt wird, reich an skurrilen Charakteren: die Nachbarin der Familie ist ein Medium, Freund Nathan hört die Stimme seiner toten Schwester als unsichtbare Ratgeberin, Nathans Vater tourt als Bärendompteur durch die Welt und verliert dabei seinen Arm. Außerdem gibt es eine vergessene Tochter, ein ausgesetztes Kind und eine Frau auf großer Polar-Expedition. Diese ganzen Erzählstränge versucht Bowering in ihrem Roman zu verweben. Sie wählt dafür eine ganz interessante, aber auch leicht verwirrende Erzählart mit großen und abrupten Zeitsprüngen. Eben war man noch im Kriegsgefangenenlager, jetzt auf einer Hochzeit und alles, was dazwischen passiert ist, wird in drei Sätzen skizziert und den Rest muss man sich dann eben denken. Menschen verschwinden und tauchen wieder auf, es gibt Trennungen, Versöhnungen und Todesfälle und vieles davon zwischen den Kapiteln, off-stage gewissermaßen. Das, was man von den Visible Worlds bei Bowering zu sehen kriegt ist also viel weniger als das, was man eben nicht zu sehen kriegt und schemenhaft unter der Oberfläche liegt.

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Kurze Runde

Heute gibt es eine kurze Runde durch drei Bücher: in Dismatria schildert die Autorin Igiaba Scego ihre Rassismus-Erfahrungen in Italien, Jonathan Lethem erzählt in Alan, der Glückspilz von Alltäglichem wie Absurdem und Dilek Güngör befasst sich in Ich bin Özlem mit den Identitäts-Fragen einer Tochter türkischer Eltern.

Entwurzelt

Dismatria und weitere Texte von Igiaba Scego

Die Autorin Igiaba Scego ist in Italien als Journalistin, Schriftstellerin und Rednerin bekannt. Dabei  gilt ihr Interesse vor allem dem Kolonialismus und dem Rassismus. Scego wurde in Italien geboren, ihre Eltern stammen allerdings aus Somalia. Somalia ist für sie vor allem das Land ihrer Mutter, das ihr ewig verschlossen bleibt, ausgedrückt in dem von ihr geprägten Begriff „Dismatria“. Für Scego selbst ist ein Leben in Somalia keine Option, zugleich aber fällt es ihr schwer, in Italien Heimat zu finden. Im Freiburger nonsolo Verlag sind nun drei ihrer Texte in deutscher Übersetzung erschienen, ergänzt durch ein ausführliches Vorwort der Romanistin Martha Kleinhans. Einen wenig beachteten Blickwinkel bietet dabei vor allem der Text „Als die Italiener keine Weißen waren“, der sich mit Ressentiments gegenüber italienischen Einwander*innen in den USA befasst und erneut verdeutlicht, wie subjektiv und bar jeder objektiven Grundlage rassistische Konstrukte sind.

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Auf die Füße kommen – „Hawaii“ von Cihan Acar

Hawaii ist in Cihan Acars Debütroman kein Urlaubsparadies, sondern eine Siedlung am Rande Heilbronns, die lange als Problemviertel galt und noch immer alles andere als eine bevorzugte Wohngegend ist. Es sind vor allem Migrant*innen und ihre Familien, viele türkischer Herkunft, die hier leben und ihre Cafés, Läden und Spielhallen betreiben. Auch Kemal ist hier aufgewachsen, konnte den tristen Wohnblocks aber dank seines Sporttalents entkommen. Noch vor seinem zwanzigsten Geburtstag ist er in der Türkei zum hochbezahlten Fußball-Star aufgestiegen, Promi-Status und dicker Porsche inklusive. Doch ein Unfall hat seiner Karriere ein plötzliches Ende gesetzt. Nun ist Kemal wieder in Heilbronn, lebt im Haus eines Onkels und trauert seiner Jugendliebe Sina hinterher, die er leichtfertig in den Wind geschossen hat, als die Welt ihm noch zu Füßen lag.

Hawaii folgt dem Orientierungslosen drei Tage und Nächte lang durch die Stadt. Kemal besucht seine Eltern in Hawaii, trifft alte Freunde zum Poker und verliert sein letztes Geld bei einer angeblich todsicheren Sportwette. Die ganze Zeit bleibt er so rat- wie rastlos. Ohne Ausbildung weiß er nichts mit sich anzufangen, seine Ex-Freundin ist inzwischen neu verliebt und das Girokonto bewegt sich immer weiter ins Minus. Um ihn herum radikalisiert sich derweil seine Heimatstadt. In den drückend heißen Tagen des Sommers stehen sich die rechtsgerichtete HWA (Heilbronn wach auf) und die Mitglieder der vor allem türkischstämmigen Kankas gegenüber. Kemal interessiert sich für keine der beiden Gruppierungen besonders, schließlich hat er genug mit sich selber zu tun. Aber auch er kann nicht umhin zu bemerken, wie um ihn herum immer mehr Shirts und Kutten der einen oder anderen Gruppierung im Stadtbild zu sehen sind. Der Konflikt entlädt sich schließlich in einer brutalen Straßenschlacht.

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Die Unzertrennlichen – „Als hätten sie Land betreten“ von Claudia Sammer

In ihrer Kindheit und Jugend sind Veza und Lotti unzertrennlich. Sie verbringen jeden Tag miteinander, schreiben sich lange Briefe und es ist beiden klar, dass ihre Freundschaft ewig dauern wird. Doch mit dem Erstarken der Nationalsozialisten in den 1930er Jahren muss die jüdische Veza bald erkennen, dass ihr Leben anders verlaufen wird, als erhofft. Sie versucht sich mit einer Konvertierung zum Christentum zu retten und tritt sogar in ein Kloster der Karmeliterinnen ein, sehr zum Ärger ihrer Familie und dem Unverständnis ihrer Freundin Lotti. Die Flucht gelingt Veza nicht. Lotti aber vergisst die Freundin ihr Leben lang nicht. 

„Im unmittelbaren Spüren war die innere Ordnung intakt, sie hatten festen Boden unter den Füßen, es war, als hätten sie Land betreten. Sie würden im Gleichschritt gehen, sie würde studieren, lesen und lernen, sie würden arbeiten und ihr eigenes Geld verdienen.“

Diese Freundschaft nimmt Claudia Sammer in ihrem Roman als Ausgangspunkt um über das Leben von sechs Frauen zu schreiben, die meisten davon aus Lottis Familie und Vertreterinnen ganz unterschiedlicher Generationen. Ihre Leben werden nicht strikt chronologisch behandelt, sondern episodenhaft beleuchtet, wobei bei allen die Frage von Abhängigkeiten und Selbstbestimmung zentral ist. 

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