Women’s Prize for Fiction für Tayari Jones

Gestern wurde der diesjährige Women’s Prize for Fiction an Tayari Jones für ihren Roman An American Marriage verliehen. Die Jury begründet ihre Wahl wie folgt: “This is an exquisitely intimate portrait of a marriage shattered by racial injustice. It is a story of love, loss and loyalty, the resilience of the human spirit painted on a big political canvas – that shines a light on today’s America. We all loved this brilliant book.”

Jones erzählt in ihrem Roman die Geschichte eines Paares, Roy und Celestial, die in den Südstaaten leben, und als Schwarze rassistischer Diskriminierung ausgesetzt sind. Dies gipfelt in der unrechtmäßigen Festnahme Roys. Wo vorher große Liebe war, sind nun große Zweifel und noch größere Hindernisse. Denn die Justiz von der Unschuld eines Schwarzen zu überzeugen, ist in den Südstaaten alles andere als leicht.

In deutscher Übersetzung ist der Roman unter dem Titel In guten wie in schlechten Tagen bei arche erschienen.

Women’s Prize for Fiction – die Shortlist 2019

Gute 6 Wochen nach der Bekanntgabe alle Nominierten für den diesjährigen Women’s Prize for Fiction ist seit heute auch die Shortlist da. Überraschenderweise hat es mit Anna Burns immerhin eine meiner Favoritinnen auf die Liste geschafft. So also sieht es in diesem Jahr aus:

Barker, Pat: The Silence of the Girls.

Wer Das Lied des Achill gelesen hat oder ziemlich fit in griechischen Sagen ist, wird Briseis kennen. Achilles raubt sie von den Trojanern und hält sie fortan als Sklavin. Um in einem Streit seinen Argumenten Nachdruck zu verleihen, lässt Agamememnon sie rauben. Während sie in dieser Geschichte vor allem passiver Spielball ist, lässt Barker sie in ihrem Roman zu Wort kommen und ihre Version der Dinge erzählen.

Eine deutsche Übersetzung ist bisher nicht angekündigt.

Braithwaite, Oyinkan: My Sister, the Serial Killer.

Koredes Schwester ist eine Serienmörderin. Die Opfer sind Männer, mit denen sie eine Affäre hat. Korede hilft ihr immer, die Spuren zu vertuschen, schließlich ist es ihre Schwester. Doch dann verliebt sich ein Mann in ihre Schwester, den sie selber heimlich liebt und den sie nicht sehenden Auges in sein Unglück laufen lassen kann.

Klingt wie eine makabere Privatsender-Eigenproduktion, ich höre aber viel Gutes.

Eine deutsche Übersetzung ist bisher nicht angekündigt.

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Women’s Prize for Fiction – die Longlist 2019

Am sehr frühen 04. März wurde die diesjährige Longlist des Women’s Prize for Fiction veröffentlicht. Wie immer waren meine Tipps rar und dann auch noch falsch. Einzig bei Madeline Miller und Sally Rooney hatte ich auf’s richtige Pferd gesetzte. Letztere aber auch nicht, weil ich wüsste, was sie so macht, sondern weil dieses Jahr kein Preisweg der englischsprachigen Welt an ihr vorbei führt. Erst am 29.04. wird die Shortlist bekannt gegeben. Bis dahin ist das Rennen zwischen diesen Titeln unentschieden:

Barker, Pat: The Silence of the Girls.
Nachdem nun schon Madeline Miller wieder auf der Liste steht, darf Achilles nicht fehlen. In diesem Roman erzählt Barker die Geschichte von der Belagerung Trojas aus der Sicht von Briseis, die alle Miller-Leserinnen natürlich schon kennen. Für alle anderen: Briseis wurde von Achilles geraubt, lebte als seine Sklavin und wurde zum Pfand in einem Streit von Achilles und Agamemnon. In diesem Roman darf sie auch mal was sagen.
Eine deutsche Übersetzung ist bisher nicht angekündigt.

Battle-Felton, Yvonne: Remembered.
Spring sitzt im Krankenhaus am Totenbett ihres Sohnes – der letzte Ort an dem sie sein will, heimgesucht von ihren und fremden Geistern. Ihr Sohn hatte einen schweren Unfall, einige vermuten, dass es sogar ein Attentat war. So oder so bleibt ihr nicht mehr viel Zeit, um ihrem Sohn ihre Geschichte zu erzählen und ihm zu erklären, warum sie wurde, wer sie ist.
Eine deutsche Übersetzung ist bisher nicht angekündigt.

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Women’s Prize for Fiction für Kamila Shamsie

Der diesjährige Women’s Prize for Fiction geht an Kamila Shamsie für ihren Roman Home Fire. Nach Shortlist-Platzierungen 2009 (Burnt Shadows/Verglühte Schatten) und 2015 (A God in Every Stone/Die Straße der Geschichtenerzähler) ist es das erste mal, dass Shamsie den Preis gewinnt. In ihrem Roman erzählt sie die Geschichte von Isma und ihren Geschwistern und der Untrennbarkeit von Privatem und Politischem. In den englischsprachigen Medien wurde der Roman in den höchsten Tönen gelobt, eine sehr lesenswerte deutschsprachige Besprechung gibt es beispielsweise bei letteratura.

In deutscher Übersetzung ist der Roman unter dem Titel Hausbrand beim Berlin Verlag  für September angekündigt.

Und wer nochmal wissen will, gegen wen Shamsie sich durchgesetzt hat – und die Konkurrenz war nicht ohne – kann einen Blick auf die Longlist und die Shortlist werfen.

Die Shortlist des Blogbuster 2018

Seit Wochen warten alle Beteiligten gespannt darauf und nun ist sie da – die Shortlist des Blogbuster 2018. Von den 15 beteiligten BloggerInnen konnten Anfang des Jahres vier keinen Text finden, mit dem sie weiter machen wollten, also umfasste die Longlist dieses Jahr nur elf Titel und nun ist die Zahl der KandidatInnen auf magere drei geschrumpft. Ich freue mich sehr, dass „meine“ Autorin Sabine Huttel mit ihrem Roman Ein Anderer darunter ist. Wenn ich jetzt sage, dass ich das nicht gewusst habe, als ich am Sonntag die Rezension über ihren Roman geschrieben und für Dienstag geplant habe, glaubt mir das ja doch keiner, war aber so.

Anders als ursprünglich geplant, ist die Preisverleihung nun aber nicht schon im Mai. Eigentlich sollte bis dahin ein Sieger gekürt sein, damit der Roman bis Oktober bei kein & aber erscheinen kann und bei der Buchmesse dann präsentiert wird. Das ist sehr,  sehr wenig Zeit für Lektorat, Herstellung, Marketing und alles, was noch dazu gehört. Deshalb wird bei der Buchmesse erst der Sieger bekanntgegeben, der Roman ist dann im Frühjahrsprogramm des Verlags. Geduld ist nun wirklich keine meiner Tugenden und ich wäre froh gewesen, hätte es im Mai eine Entscheidung gegeben, ich verstehe diese Argumentation aber völlig und halte sie sogar für vernünftig. Die Daumen müssen also noch ein bisschen gedrückt bleiben.

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Women’s Prize for Fiction – die Shortlist 2018

Wie jedes Jahr am Welttag des Buches wurde heute die Shortlist des diesjährigen Women’s Prize for Fiction veröffentlicht – sechs weitere Titel für mein wpf-Projekt.  Die Liste der Kandidatinnen verkürzt sich auf folgende Hoffnungsträgerinnen:

Jesmyn Ward: Sing, Unburied, Sing: Der Roman, an dem in den letzten Monaten kaum ein Weg vorbei ging, erzählt von den Geschwistern Jojo und Kayla, die bei ihren Großeltern aufwachsen, da ihre Mutter nicht in der Lage ist, sich um sie zu kümmern. Die Kindheit der beiden ist von Armut und Rassismus geprägt. Als ihr Vater aus dem Gefängnis entlassen werden soll, machen Mutter und Kinder sich auf den Weg, um ihn abzuholen. Auf deutsch erschienen unter dem Titel Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt.

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Women’s Prize for Fiction – die Longlist 2018

Pünktlich um Mitternacht am Internationalen Frauentag gibt es traditionell die Longlist des Preises, der nach einigen Jahren als „Baileys Prize“ jetzt wieder ohne Sponsoren-Namen ist. Die Finanzierung übernimmt jetzt eine „Sponsoren-Familie“, bestehend aus Baileys, dem Finanzdienstleister Deloitte und der National Westminster Bank.

Über eine Platzierung auf der Longlist freuen sich dieses Jahr:

Nicola Barker: H(A)PPY. Der hochgelobte Roman, der als „postapokalyptisches Alice im Wunderland“ bezeichnet wird, spielt in einer Welt, in der es keine Angst, keinen Tod und keinen Hass gibt und wirft die Frage auf, ob und wie so eine Gesellschaft funktionieren kann.

Elif Batuman: The Idiot. deutsche Übersetzung unter dem Titel Die Idiotin. Begleitet Selin, Literaturstudierende in Harvard, auf ihren ersten Schritten ins Leben als Erwachsene.

Joanna Cannon: Three Things About Elsie. Über Elsie muss man erstens wissen, dass sie eine sehr gute Freundin ist, die zweitens immer dafür sorgt, dass man sich besser fühlt und drittens etwas kompliziertes, was dieser Roman erklärt. Ein gefeierter Roman über Alter und Demenz.

Charmaine Craig: Miss Burma. Angelehnt an die Geschichte ihrer eigenen Familie erzählt die Autorin eine Geschichte der Kang, einer ethnischen Gruppe, die in Myanmar seit Jahrzehnten verfolgt wird.

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Über gute Texte und mühsame Wege – Longlist-Autorin Sabine Huttel im Interview

Wie ich in der letzten Woche schon bekanntgegeben habe, ist „mein“ Beitrag für den Blogbuster der Roman „Ein Anderer“ von Sabine Huttel. Seitdem ist noch eine sehr schöne Rezension von Constanze Matthes bei Zeichen&Zeiten erschienen, Sabine bereitet eine erste Lesung vor, und wir beide (alle?) warten sehnsüchtig auf den Frühling. Damit die Zeit nicht so lang wird, hat Sabine mir ein paar Fragen über ihren Roman, das Schreiben an sich und ihr Verhältnis zu Literaturblogs beantwortet:

BlogBusterLogo

Du hast deinen Roman Ein Anderer beim diesjährigen Blogbuster-Preis eingereicht und der Roman steht nun auf der Longlist. Seit wann gibt es Ein Anderer?

Ich glaube, die aktuelle Textfassung war im Frühjahr 2016 fertig. Unter dem Titel „Ein Anderer“ erschien der Roman dann Ende September 2017.

Wie lange hast du an dem Roman gearbeitet?

Wenn ich die Zeit mitrechne, in der ich recherchiert habe, dauerte es drei Jahre, bis die erste Fassung stand. Dann habe ich den Text mehrfach überarbeitet, das dauerte noch mal ein knappes Jahr. Kurz vor der Veröffentlichung musste ich alles ein weiteres Mal ganz gründlich durchsehen. Alles in allem würde ich sagen: gut vier Jahre Arbeit stecken drin.

Der Roman deckt eine große Zeitspanne ab, in der sich gesellschaftlich und politisch viel getan hat. Musstest du dafür noch viel recherchieren?

Ja, eine ganze Menge. Zum Beispiel den Alltag in Thüringen während des 1. Weltkriegs. Ich habe dafür einige Zeit im Staatsarchiv auf der Heidecksburg in Rudolstadt zugebracht und die Lokal-Zeitungen aus den Jahren 1917 und 1918 durchforstet. Außerdem die Geschichte der Therapie von Schilddrüsen-Erkrankungen, die Entwicklung der Sozialdemokratie in der Weimarer Republik, besonders intensiv natürlich das „Euthanasie“-Programm und die Rolle der Medizin im Nationalsozialismus, auch die Kollektivierung der Landwirtschaft in den Anfängen der DDR. Und, mit besonderem Vergnügen, das Innenleben eines Glockenturms und die Funktionsweise einer Orgel.

Der Protagonist des Romans, Ernst Kroll, ist ein Junge mit einer Schilddrüsenerkrankung, die großen Einfluss auf seine Entwicklung und sein Leben hat. Wie kam es zu dieser Thematik?

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Blogbuster – Mein Kandidat für die Longlist

In diesem Jahr mache ich beim Blogbuster-Preis mit. Das ist bisher ein bisschen untergegangen, zumindest hier auf dem Blog, denn bisher hatte ich noch nicht sehr viel darüber zu erzählen. Bis Ende 2017 durften AutorInnen bei diesem Preis ihre unveröffentlichten Romane einreichen, seitdem lesen ich und die anderen BloggerInnen uns durch mehr oder weniger vielversprechende Manuskripte und müssen bis Ende des Monats die Entscheidung getroffen haben, mit welchem Roman wir ins Rennen gehen wollen. Ab da übernimmt dann eine Fachjury, in der unter anderem Denis Scheck, Literaturagentin Elisabeth Ruge und Lektorin Sara Schindler vertreten sind. Zu Gewinnen gibt es Ruhm und Ehre in Form einer Veröffentlichung beim (von mir sehr geschätzten) Verlag Kein & Aber.

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182 Manuskripte wurden insgesamt für den Wettbewerb eingereicht, immerhin 70 weniger als im vergangen Durchlauf. Ob unter dem Rückgang in der Quantität auch die Qualität leidet, ist sicher eine andere Frage, aber einige der BloggerInnen hatten schon ein wenig zu kämpfen bei ihrer Suche nach einem passenden Text. Sophie von Literatourismus musste Mitte Februar sogar ganz die Segel streichen, nachdem sie nichts finden konnte, was sie begeistert hätte. Frank Rudkoffsky hingegen ist sehr begeistert von Die Federn meiner Mutter, dem Roman, mit dem er weitermachen will.

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Women’s Prize for Fiction – der Stand nach einem Jahr

Vor einem Jahr habe ich voller Enthusiasmus ein Leseprojekt gestartet, das zumindest ehrgeizig ist, möglicherweise aber auch nur wahnsinnig. Wer es damals nicht mitbekommen hat – seit Januar 2017 lese ich mich durch alle Shortlists des Preises, der seit 1996 verliehen wird, erst Orange Prize for Fiction hieß, dann Bailey’s Prize for Fiction und jetzt, nach dem Wegfall des Großsponsors, unter Women’s Prize for Fiction firmiert. Der Preis wird, wie der aktuelle Name auch verrät, für ein fiktives Werk verliehen, das von einer Frau und auf englisch verfasst wurde. Als das Projekt im Januar gestartet ist, standen 126 Bücher auf der Liste, mit den Nominierten aus 2017 sind es nun also 132.

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