Women’s Prize for Fiction – die Shortlist 2018

Wie jedes Jahr am Welttag des Buches wurde heute die Shortlist des diesjährigen Women’s Prize for Fiction veröffentlicht – sechs weitere Titel für mein wpf-Projekt.  Die Liste der Kandidatinnen verkürzt sich auf folgende Hoffnungsträgerinnen:

Jesmyn Ward: Sing, Unburied, Sing: Der Roman, an dem in den letzten Monaten kaum ein Weg vorbei ging, erzählt von den Geschwistern Jojo und Kayla, die bei ihren Großeltern aufwachsen, da ihre Mutter nicht in der Lage ist, sich um sie zu kümmern. Die Kindheit der beiden ist von Armut und Rassismus geprägt. Als ihr Vater aus dem Gefängnis entlassen werden soll, machen Mutter und Kinder sich auf den Weg, um ihn abzuholen. Auf deutsch erschienen unter dem Titel Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt.

Elif Batuman: The Idiot: Die junge Selin beginnt ihr Studium in Harvard – Linguistik und Literatur – und ist hochgradig beeindruckt von den Welten, die sich ihr in diesen Fächern, aber auch in der großen Welt des Erwachsenseins eröffnen. Um einen ungarischen Mathematiker zu beeindrucken, unterrichtet sie im Sommer Englisch in einem ungarischen Dorf. Auf deutsch übersetzt unter dem Titel Die Idiotin.

Imogen Hermes Gowar: The Mermaid and Mrs Hancock: 1785 widerfährt dem Schiffseigner John Hancock ein Wunder: einer seiner Kapitäne hat eine waschechte Meerjungfrau mit nach Hause gebracht. Schnell spricht sich die Geschichte herum und Hancock ist plötzlich ein gefragter Mann in der sensationslüsternen Gesellschaft. Nur seine Angebetete Angelica kann er damit nicht überzeugen. Sie will eine eigene Meerjungfrau. Auf deutsch erschienen unter dem Titel Die letzte Reise der Meerjungfrau.

Meena Kandasamy: When I Hit You: Or, A Portrait of the Writer as a Young Wife: Eine junge Frau heiratet einen deutlich älteren Universitäts-Dozenten und zieht mit ihm in eine trostlose Küstenstadt. Schnell erkennt sie, dass er Ehe vor allem als Machtgefüge versteht und nicht bereit ist, auch nur den geringsten Widerstand zu dulden.

Kamila Shamsie: Home Fire: Isma hat es endlich geschafft. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter musste sie ihre Geschwister Aneeka und Parvaiz aufziehen, doch nun kann sie endlich ihr Studium in den USA beginnen. Die Sorge um die eigensinnige Aneeka aber bleibt, ebenso wie die Angst um Parvaiz, der zusehendes radikaler wird und dem Beispiel seines Vaters folgen will, einem Jihadisten, den er nie kennengelernt hat. Home Fire ist Shamsies dritte Platzierung auf der Shortlist, gewonnen hat sie bisher noch nicht.

Jessie Greengrass: Sight: eine junge Frau, zum zweiten Mal schwanger, denkt nach über das Verhältnis zu ihrer Mutter und das zu ihrer Großmutter, was der Tod dieser Frauen bedeutet hat und welche medizinischen Fortschritte es gegeben hat, die helfen sollen, das Innerste des Menschen zu entdecken, das dabei doch immer verschlossen bleibt.

Meine Meinung zu diesen sechs Titeln hört ihr früher oder später, die Meinung der Jury gibt es 06. Juni, dann wird die Siegerin bekanntgegeben.

Women’s Prize for Fiction – die Longlist 2018

Pünktlich um Mitternacht am Internationalen Frauentag gibt es traditionell die Longlist des Preises, der nach einigen Jahren als „Baileys Prize“ jetzt wieder ohne Sponsoren-Namen ist. Die Finanzierung übernimmt jetzt eine „Sponsoren-Familie“, bestehend aus Baileys, dem Finanzdienstleister Deloitte und der National Westminster Bank.

Über eine Platzierung auf der Longlist freuen sich dieses Jahr:

Nicola Barker: H(A)PPY. Der hochgelobte Roman, der als „postapokalyptisches Alice im Wunderland“ bezeichnet wird, spielt in einer Welt, in der es keine Angst, keinen Tod und keinen Hass gibt und wirft die Frage auf, ob und wie so eine Gesellschaft funktionieren kann.

Elif Batuman: The Idiot. deutsche Übersetzung unter dem Titel Die Idiotin. Begleitet Selin, Literaturstudierende in Harvard, auf ihren ersten Schritten ins Leben als Erwachsene.

Joanna Cannon: Three Things About Elsie. Über Elsie muss man erstens wissen, dass sie eine sehr gute Freundin ist, die zweitens immer dafür sorgt, dass man sich besser fühlt und drittens etwas kompliziertes, was dieser Roman erklärt. Ein gefeierter Roman über Alter und Demenz.

Charmaine Craig: Miss Burma. Angelehnt an die Geschichte ihrer eigenen Familie erzählt die Autorin eine Geschichte der Kang, einer ethnischen Gruppe, die in Myanmar seit Jahrzehnten verfolgt wird.

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Über gute Texte und mühsame Wege – Longlist-Autorin Sabine Huttel im Interview

Wie ich in der letzten Woche schon bekanntgegeben habe, ist „mein“ Beitrag für den Blogbuster der Roman „Ein Anderer“ von Sabine Huttel. Seitdem ist noch eine sehr schöne Rezension von Constanze Matthes bei Zeichen&Zeiten erschienen, Sabine bereitet eine erste Lesung vor, und wir beide (alle?) warten sehnsüchtig auf den Frühling. Damit die Zeit nicht so lang wird, hat Sabine mir ein paar Fragen über ihren Roman, das Schreiben an sich und ihr Verhältnis zu Literaturblogs beantwortet:

BlogBusterLogo

Du hast deinen Roman Ein Anderer beim diesjährigen Blogbuster-Preis eingereicht und der Roman steht nun auf der Longlist. Seit wann gibt es Ein Anderer?

Ich glaube, die aktuelle Textfassung war im Frühjahr 2016 fertig. Unter dem Titel „Ein Anderer“ erschien der Roman dann Ende September 2017.

Wie lange hast du an dem Roman gearbeitet?

Wenn ich die Zeit mitrechne, in der ich recherchiert habe, dauerte es drei Jahre, bis die erste Fassung stand. Dann habe ich den Text mehrfach überarbeitet, das dauerte noch mal ein knappes Jahr. Kurz vor der Veröffentlichung musste ich alles ein weiteres Mal ganz gründlich durchsehen. Alles in allem würde ich sagen: gut vier Jahre Arbeit stecken drin.

Der Roman deckt eine große Zeitspanne ab, in der sich gesellschaftlich und politisch viel getan hat. Musstest du dafür noch viel recherchieren?

Ja, eine ganze Menge. Zum Beispiel den Alltag in Thüringen während des 1. Weltkriegs. Ich habe dafür einige Zeit im Staatsarchiv auf der Heidecksburg in Rudolstadt zugebracht und die Lokal-Zeitungen aus den Jahren 1917 und 1918 durchforstet. Außerdem die Geschichte der Therapie von Schilddrüsen-Erkrankungen, die Entwicklung der Sozialdemokratie in der Weimarer Republik, besonders intensiv natürlich das „Euthanasie“-Programm und die Rolle der Medizin im Nationalsozialismus, auch die Kollektivierung der Landwirtschaft in den Anfängen der DDR. Und, mit besonderem Vergnügen, das Innenleben eines Glockenturms und die Funktionsweise einer Orgel.

Der Protagonist des Romans, Ernst Kroll, ist ein Junge mit einer Schilddrüsenerkrankung, die großen Einfluss auf seine Entwicklung und sein Leben hat. Wie kam es zu dieser Thematik?

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Blogbuster – Mein Kandidat für die Longlist

In diesem Jahr mache ich beim Blogbuster-Preis mit. Das ist bisher ein bisschen untergegangen, zumindest hier auf dem Blog, denn bisher hatte ich noch nicht sehr viel darüber zu erzählen. Bis Ende 2017 durften AutorInnen bei diesem Preis ihre unveröffentlichten Romane einreichen, seitdem lesen ich und die anderen BloggerInnen uns durch mehr oder weniger vielversprechende Manuskripte und müssen bis Ende des Monats die Entscheidung getroffen haben, mit welchem Roman wir ins Rennen gehen wollen. Ab da übernimmt dann eine Fachjury, in der unter anderem Denis Scheck, Literaturagentin Elisabeth Ruge und Lektorin Sara Schindler vertreten sind. Zu Gewinnen gibt es Ruhm und Ehre in Form einer Veröffentlichung beim (von mir sehr geschätzten) Verlag Kein & Aber.

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182 Manuskripte wurden insgesamt für den Wettbewerb eingereicht, immerhin 70 weniger als im vergangen Durchlauf. Ob unter dem Rückgang in der Quantität auch die Qualität leidet, ist sicher eine andere Frage, aber einige der BloggerInnen hatten schon ein wenig zu kämpfen bei ihrer Suche nach einem passenden Text. Sophie von Literatourismus musste Mitte Februar sogar ganz die Segel streichen, nachdem sie nichts finden konnte, was sie begeistert hätte. Frank Rudkoffsky hingegen ist sehr begeistert von Die Federn meiner Mutter, dem Roman, mit dem er weitermachen will.

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Women’s Prize for Fiction – der Stand nach einem Jahr

Vor einem Jahr habe ich voller Enthusiasmus ein Leseprojekt gestartet, das zumindest ehrgeizig ist, möglicherweise aber auch nur wahnsinnig. Wer es damals nicht mitbekommen hat – seit Januar 2017 lese ich mich durch alle Shortlists des Preises, der seit 1996 verliehen wird, erst Orange Prize for Fiction hieß, dann Bailey’s Prize for Fiction und jetzt, nach dem Wegfall des Großsponsors, unter Women’s Prize for Fiction firmiert. Der Preis wird, wie der aktuelle Name auch verrät, für ein fiktives Werk verliehen, das von einer Frau und auf englisch verfasst wurde. Als das Projekt im Januar gestartet ist, standen 126 Bücher auf der Liste, mit den Nominierten aus 2017 sind es nun also 132.

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Man Booker Prize 2017 für Saunders

LincolnInTheBardoGestern abend ist der diesjährige Man Booker Prize an George Saunders verliehen worden für Lincoln in the Bardo. Das Buch ist Saunders erster Roman. Ausgangspunkt der Erzählung ist der frühe Tod von Lincolns Sohn William Wallace Lincoln, der mit 11 Jahren starb. Woran, ist nicht ganz klar, man vermutet heute Typhus. Sowohl Abraham Lincoln als auch seine Frau waren vom Tod ihres Sohnes sehr getroffen und es gibt Berichte, nach denen Lincoln mehrfach zu seinem aufgebahrten Sohn zurückkehrte, um ihn in den Armen zu halten.

Dies nahm Saunders als Inspiration für seinen Roman. Der zweite Teil des Titels, bardo, bezeichnet ein tibetisch-buddhistisches spirituelles Konzept, das verschiedene Zwischenzustände des Geistes zwischen Diesseits und Jenseits bezeichnet. Saunders gibt an, sich nicht streng an dieses Konzept gehalten zu haben, sondern auch Elemente anderer Religionen und Lehren einbezogen zu haben.

In diesem Zwischenzustand also befindet sich Lincoln während er versucht, den Tod seines Sohnes zu begreifen und zu verarbeiten. Die komplette Handlung des Romans passiert während nur einer Nacht.

Update: In den Kommentaren weißt Thomas hilfreich daraufhin, dass eine deutsche Übersetzung durchaus angekündigt ist. Lincoln im Bardo soll im Mai 2018 bei Luchterhand erscheinen.

National Book Award Finalists 2017

Bevor morgen alle ganz aufgeregt werden wegen des Nobelpreises, kommen hier noch schnell die Finalisten des diesjährigen National Book Awards:

In der Kategorie Fiction noch dabei sind:

  • Elliot Ackerman: Dark at the Crossing 
  • Lisa Ko: The Leavers
  • Min Jin Lee: Pachinko
  • Carmen Maria Machado: Her Body and Other Parties: Stories
  • Jesmyn Ward: Sing, Unburied, Sing

und bei den Sachbüchern:

  • Erica Armstrong Dunbar: Never Caught: The Washingtons’ Relentless Pursuit of Their Runaway Slave, Ona Judge
  • Frances FitzGerald: The Evangelicals: The Struggle to Shape America
  • Masha Gessen: The Future Is History: How Totalitarianism Reclaimed Russia
  • David Grann: Killers of the Flower Moon: The Osage Murders and the Birth of the FBI
  • Nancy MacLean: Democracy in Chains: The Deep History of the Radical Right’s Stealth Plan for America

Wenig überraschend hat sich in puncto Übersetzung noch nichts getan. Bei den Sachbuch-Titeln würde ich auch eigentlich nicht damit rechnen, die sind alle schon sehr USA-spezifisch. Bei der Belletristik sind aber ein paar Titel da, denen ich internationalen Erfolg zutrauen würde, auf jeden Fall Elliot Ackerman und Jesmyn Ward. Vielleicht hat ja bei der Messe jemand Bock, ein paar Lizenzen zu kaufen. Ich möchte auch nochmal auf den durchaus bemerkenswerten Frauenanteil aufmerksam machen.

Die Preisverleihung folgt am 15.11., dann kann man die Gala auch live auf der Seite des National Book Award verfolgen.

 

National Book Award Longlists 2017

Ein ganzer Tag ist vergangen, ohne dass ich etwas über einen Literaturpreis gesagt hätte. Das liegt aber nur daran, dass ich lieber einen längeren als zwei kurze Posts schreiben wollte, außerdem war ich gestern spät zu Hause. In den letzten Tagen wurden die Longlists für den National Book Award veröffentlicht. Für diesen Preis gibt es immer vier Listen, von denen ich hier nur zwei vorstelle – die anderen beiden sind Poetry und Young People’s Literature, deren Bedeutung ich nicht kleinreden will, von denen ich aber auch einfach keine Ahnung habe.

Schon im letzten Jahr standen auf der Longlist sehr viele Titel, die sich mit Rassismus in den USA befassten. Wenig überraschend scheint das Problem seitdem nicht kleiner geworden zu sein:

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Preis der Stiftung Buchkunst 2017

RitesDePassage
Copyright: Christopher Puttins

Im Herbst regnet es Preise für Bücher und das nicht nur für den Inhalt. Auch in diesem Jahr zeichnet die Stiftung Buchkunst das schönste Buch aus. Gewinner des Hauptpreises ist in diesem Jahr Rites de Passage, erschienen bei Walther König. Der Katalog sammelt Werke des Künstlers A.R. Penck, der im Mai verstorben ist. Gezeigt werden unter anderem Auszüge aus seinen Skizzenbüchern und Fotografien seiner Skulpturen.

Unter den nominierten 25 schönsten Büchern waren auch weitaus bekanntere Titel wie Tilmann Ramstedts Morgen mehr und Austers 4 3 2 1. Ich finde die Jury-Begründungen übrigens immer sehr lesenswert, da kommen Aspekte zur Sprache, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt, von Relevanz mal ganz zu schweigen. „Doppelt lackiert – einmal Glanz auf Fleisch, das zweite Mal Relieflack auf Kern, Schale und Strahlen“, heißt es beispielsweise über ein Kochbuch mit einer Avocado auf dem Titel.

Viele der schönen Bücher dürften nur in den wenigsten Buchhandlungen ausliegen, wer sie aber mal in Gänze sehen will, kann sich entweder noch die Vorjahres-Nominierten oder bald die neuen Schönen angucken. Wo und wann steht im Tourneeplan der Stiftung Buchkunst. In Frankfurt im Haus des Buches sind sie ganzjährig zu sehen.

Mehr Bilder und weitere Infos, auch über den internationalen und den Nachwuchspreis, findet ihr auf der Seite der Stiftung Buchkunst.

Man Booker Shortlist 2017

Die Aufregung um die Shortlist des Deutschen Buchpreises ist noch nicht vorbei, da kommt schon die für den diesjährigen Man Booker Prize. Da einzelne Leserinnen immer sehr an deutschen Titeln interessiert sind, habe ich die nach Möglichkeit auch rausgesucht. Überproportional viele haben ihren englischen Titel einfach behalten.

Noch im Rennen sind:

  • Auster, Paul: 4 3 2 1 (4 3 2 1 bei Rowohlt)
  • Fridlund, Emily: History of Wolves (Die Geschichte der Wölfe im Berlin Verlag)
  • Hamid, Mohsin: Exit West (Exit West bei DuMont)
  • Mozley, Fiona: Elmet
  • Saunders, George: Lincoln in the Bardo
  • Smith, Ali: Autumn

außerdem Teil des Man Booker Dozen waren:

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