National Book Award Longlists 2017

Ein ganzer Tag ist vergangen, ohne dass ich etwas über einen Literaturpreis gesagt hätte. Das liegt aber nur daran, dass ich lieber einen längeren als zwei kurze Posts schreiben wollte, außerdem war ich gestern spät zu Hause. In den letzten Tagen wurden die Longlists für den National Book Award veröffentlicht. Für diesen Preis gibt es immer vier Listen, von denen ich hier nur zwei vorstelle – die anderen beiden sind Poetry und Young People’s Literature, deren Bedeutung ich nicht kleinreden will, von denen ich aber auch einfach keine Ahnung habe.

Schon im letzten Jahr standen auf der Longlist sehr viele Titel, die sich mit Rassismus in den USA befassten. Wenig überraschend scheint das Problem seitdem nicht kleiner geworden zu sein:

  • Erica Armstrong Dunbar: Never Caught: The Washingtons’ Relentless Pursuit of Their Runaway Slave, Ona Judge
  • Frances FitzGeraldThe Evangelicals: The Struggle to Shape America
  • James Forman, Jr.Locking Up Our Own: Crime and Punishment in Black America
  • Masha Gessen: The Future Is History: How Totalitarianism Reclaimed Russia
  • David GrannKillers of the Flower Moon: The Osage Murders and the Birth of the FBI
  • Naomi KleinNo Is Not Enough: Resisting Trump’s Shock Politics and Winning the World We Need
  • Nancy MacLean: Democracy in Chains: The Deep History of the Radical Right’s Stealth Plan for America
  • Richard RothsteinThe Color of Law: A Forgotten History of How Our Government Segregated America
  • Timothy B. TysonThe Blood of Emmett Till
  • Kevin YoungBunk: The Rise of Hoaxes, Humbug, Plagiarists, Phonies, Post-Facts, and Fake News

In der Regel finden die wenigsten Bücher der Longlist Non-Fiction einen deutschen Verlag, weil die Themen einfach oft sehr USA-spezifisch sind. Die einzige mir bekannte Ausnahme in diesem Jahr ist bisher Naomi Klein, deren Buch unter dem Titel Gegen Trump bei Fischer erschienen ist.

Überraschenderweise sieht es aber mit der Longlist Fiction dieses Jahr noch ein kleines bisschen schlechter aus, da ist nämlich bisher überhaupt nichts übersetzt worden:

Bis auf Jennifer Egan (Black Box, Der größere Teil der Welt) ist mir auch tatsächlich kein Name vom deutschen Markt bekannt. [Update]: In den Kommentaren weisen Lisa und Ruth dankenswerterweise daraufhin, dass auch von Jesmyn Ward ein Roman auf deutsch erschienen ist, nämlich Vor dem Sturm.

Aber jetzt kommt, lo and behold, das wirklich überraschende: Könnt ihr euch bitte mal die Frauenquote angucken? Beim Sachbuch steht es 50/50, bei Fiction 2:8. 2:8! Als wär’s der Baileys Prize. Auch die Quote der nicht-weißen Autoren und Autorinnen ist gar nicht mal so schlecht, zumindest in der Belletristik. Vielleicht ist es Zufall, vielleicht ist es ein Gegenentwurf zu Trump’s Murica.

In etwa drei Wochen, am 4. Oktober, werden die Finalisten bekanntgegeben.

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Preis der Stiftung Buchkunst 2017

RitesDePassage
Copyright: Christopher Puttins

Im Herbst regnet es Preise für Bücher und das nicht nur für den Inhalt. Auch in diesem Jahr zeichnet die Stiftung Buchkunst das schönste Buch aus. Gewinner des Hauptpreises ist in diesem Jahr Rites de Passage, erschienen bei Walther König. Der Katalog sammelt Werke des Künstlers A.R. Penck, der im Mai verstorben ist. Gezeigt werden unter anderem Auszüge aus seinen Skizzenbüchern und Fotografien seiner Skulpturen.

Unter den nominierten 25 schönsten Büchern waren auch weitaus bekanntere Titel wie Tilmann Ramstedts Morgen mehr und Austers 4 3 2 1. Ich finde die Jury-Begründungen übrigens immer sehr lesenswert, da kommen Aspekte zur Sprache, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt, von Relevanz mal ganz zu schweigen. „Doppelt lackiert – einmal Glanz auf Fleisch, das zweite Mal Relieflack auf Kern, Schale und Strahlen“, heißt es beispielsweise über ein Kochbuch mit einer Avocado auf dem Titel.

Viele der schönen Bücher dürften nur in den wenigsten Buchhandlungen ausliegen, wer sie aber mal in Gänze sehen will, kann sich entweder noch die Vorjahres-Nominierten oder bald die neuen Schönen angucken. Wo und wann steht im Tourneeplan der Stiftung Buchkunst. In Frankfurt im Haus des Buches sind sie ganzjährig zu sehen.

Mehr Bilder und weitere Infos, auch über den internationalen und den Nachwuchspreis, findet ihr auf der Seite der Stiftung Buchkunst.

Man Booker Shortlist 2017

Die Aufregung um die Shortlist des Deutschen Buchpreises ist noch nicht vorbei, da kommt schon die für den diesjährigen Man Booker Prize. Da einzelne Leserinnen immer sehr an deutschen Titeln interessiert sind, habe ich die nach Möglichkeit auch rausgesucht. Überproportional viele haben ihren englischen Titel einfach behalten.

Noch im Rennen sind:

  • Auster, Paul: 4 3 2 1 (4 3 2 1 bei Rowohlt)
  • Fridlund, Emily: History of Wolves (Die Geschichte der Wölfe im Berlin Verlag)
  • Hamid, Mohsin: Exit West (Exit West bei DuMont)
  • Mozley, Fiona: Elmet
  • Saunders, George: Lincoln in the Bardo
  • Smith, Ali: Autumn

außerdem Teil des Man Booker Dozen waren:

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Baileys Women’s Prize for Fiction geht an Naomi Alderman

Zum letzten Mal ist in diesem Jahr der Baileys Women’s Prize for Fiction verliehen worden, ab nächstem Jahr wird die Sponsoren-Last auf mehrere Schultern verteilt und der Preis heißt dann (wieder) nur Women’s Prize for Fiction. Ich hätte mir was blöderes gewünscht, aber nun gut.

Auf jeden Fall geht er an Naomi Alderman für ihren Roman The Power, der im März 2018 bei Heyne unter dem Titel Die Gabe angekündigt ist. In diesem Roman haben einige Frauen plötzlich eine ganz besondere Gabe – sie können mit ihren Händen starke Stromstöße aussenden. Empowerment mal anders. Es wird eine Zeit dauern, bis ich zu diesem Roman kommen werde, ich bin aber sehr gespannt. Es klingt so gar nicht nach einem Titel, den ich normalerweise lesen würde.

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Baileys Prize for Women’s Fiction – Shortlist 2017

Heute wurde die Shortlist für den diesjährigen Baileys Prize veröffentlicht. Noch im Rennen sind:

Adebayo, Ayobami: Stay with me

Alderman, Naomi: The Power

Grant, Linda: The Dark Circle

Morgan, C.E.: The Sport of Kings

Riley, Gwendoline: First Love

Thien, Madeleine: Do Not Say We Have Nothing

Das ist tatsächlich eine völlig andere Liste als die, die ich mir gewünscht hätte und ich verstehe auch immer noch nicht, warum Ali Smith nicht auf der Liste ist, obwohl sie im relevanten Zeitraum was veröffentlicht hat.

Aber wir wollen nicht so sein, die Titel kommen natürlich trotzdem alle auf die Liste für das Leseprojekt. Verliehen wird der Preis in diesem Jahr am 07.06., zum letzten Mal übrigens unter Baileys-Sponsorship. Mal sehen, wie es danach mit dem Preis weitergeht. Nachdem die bisherigen Sponsoren anscheinend frauenaffine Produkte wie Telefonverträge und Sahnelikörchen vertrieben haben, fände ich ja jetzt mal nen Baumarkt gut, B&Q oder sowas. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Baileys Women’s Prize for Fiction – die Longlist 2017

Am Frauentag verkündet der Prize formerly known as the Orange die diesjährige Longlist. Das letzte mal übrigens als Baileys, der Sponsorenvertrag endet in diesem Jahr. Für mich ist es dieses mal natürlich besonders spannend, weil sechs davon Teil meines WPF-Leseprojekts werden.

Die Nominierten sind:

Adebayo, Ayombami: Stay with me

Alderman, Naomi: The Power

Atwood, Margaret: Hag-Seed
als Neuerzählung von „The Tempest“ Teil der Hogarth-Shakespeare Reihe. Möglicherweise ihre 4. Shortlist-Platzierung. Erscheint im April als Hexensaat auf deutsch bei KNAUS.

Flint, Emma: Little Deaths

Gaitskill, Mary: The Mare
auf deutsch als Die Stute bei Klett-Cotta

Grant, Linda: The Dark Circle
2000 Siegerin mit When I lived in Modern Times

Eimear McBride: The Lesser Bohemians
mit The Girl is a Half-Formed Thing Siegerin 2014

Melrose, Fiona: Midwinter

Morgan, C.E.: The Sport of Kings

Omotos, Yewande: The Woman Next Door
die Protagonistin hat meinen Namen, sollte mindestens auf die Shortlist; in deutscher Übersetzung unter dem Titel Die Frau nebenan bei Paul List

O’Neill, Heather: The Lonely Hearts Hotel
war auch schon mal auf der Shortlist

Perry, Sarah: The Essex Serpent

Proulx, Annie: Barksins
Chance auf die zweite Shortlist-Platzierung, das letzte Mal war allerdings 1997; auf deutsch als Aus hartem Holz beim Luchterhand Verlag

Riley, Gwendoline: First Love

Thien, Madeleine: Do Not Say We Have Nothing

Tremain, Rose: The Gustav Sonata
war schon zwei mal auf der Shortlist, auf deutsch unter dem Titel Und damit fing es an bei Insel erschienen.

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National Book Award 2016

Gestern gegen 21:00 Uhr EST, als ich also schon lange geschlafen habe, wurden die National Book Awards vergeben.

In der Kategorie Fiction hat Colson Whitehead den Preis bekommen für The Underground Railroad. Der Roman spielt in den Südstaaten und handelt von der jungen Sklavin Cora, die unter ihren Lebensbedinungen so sehr leidet, dass sie versucht über die illegalen Fluchtwege, die sogenannte „Underground Railroad“ in den Norden zu fliehen. Aber auch in den vermeintlich sicheren Staaten findet sie keine Ruhe und ein Sklavenjäger ist ihr auf den Fersen.

Von der Shortlist habe ich nur The Association of Small Bombs gelesen und war sehr wenig überzeugt.

Das beste Sachbuch des Jahres kommt nach Ansicht der Jury von Ibram X. Kendi und handelt ebenfalls von Rassismus. In Stamped from the Beginning: The Definitive History of Racist Ideas in America legt er dar, warum die USA den Rassismus mitnichten hinter sich gelassen haben. Er konzentriert sich dabei auf fünf einflussreiche amerikanische Aktivisten und Theoretiker: den Priester Cotton Mather, Thomas Jefferson, William Lloyd Garrison, W.E.B. Du Bois und Angela Davis. Anhand ihrer Thesen und Argumente zeichnet er eine Geschichte des Rassimus in den USA und deckt die zu Grunde liegenden Mechanismen und Entwicklungen auf.

In der Kategorie Poetry hat Daniel Borzutzky mit The Performance of Becoming Human gewonnen, im Jugendbuch das Buch March: Book Three von John Lewis, Andrew Aydin und Nate Powell, das vom Civil Rights Movement in den 1960ern erzählt.

Nachdem ja erst vor kurzer Zeit Paul Beatty den Man Booker Prize für The Sellout bekommen hat, das sich auch mit Rassismus in den USA auseinander setzt, scheint es da gerade einen gewaltigen Gesprächsbedarf zu geben. Wollen wir hoffen, dass es was bringt.

Man Booker Prize für Paul Beatty

Paul Beatty hat für The Sellout den diesjährigen Man Booker Prize bekommen und ist damit der erste US-Amerikaner, der diese Auszeichnung erhält. Fairerweise sei gesagt, dass die nicht immer schlechte Bücher schreiben, sondern erst seit 2014 mitspielen dürfen.

Der Roman ist eine Parodie auf das multiethnische Zusammenleben in den USA, erzählt aus der Sicht eines Manns, der in der Gegend von Los Angeles lebt, in einem Ort, der dem Staat so peinlich ist, dass er nicht mehr auf Landkarte verzeichnet wird. In einem irrwitzigen Experiment führt er in dieser Stadt die Sklaverei wieder ein und setzt an der örtlichen Schule die Rassentrennung durch.

Im Interview sagt Beatty, dass er die These gehört habe, dass sich die Situation für die schwarze Bevölkerung seit dem Ende der Rassentrennung eher verschlechtert habe. Denn im Grunde sei die Gesellschaft ohnehin noch immer getrennt, wenn auch nicht offiziell. Diese Überlegung treibt er in seinem Roman auf die Spitze.

Mehr dazu in diesem sehr sympathischen Interview:

Auf Deutsch ist der Titel bisher meines Wissens nicht angekündigt.

Literaturpreishysterie

Bob Dylan hat den Nobelpreis für Literatur bekommen, das wissen ja mittlerweile wirklich alle. Dazu habe ich keine dezidierte Meinung, weil mich der Nobelpreis an sich nicht besonders interessiert. In den letzten Jahren habe ich nur Mo Yan gelesen und fand es gut. Modiano habe ich nach dreißig Seiten aus Langeweile und Desinteresse abgebrochen.

Ein kleines bisschen hat es mich erleichtert, dass es ein Musiker war, das erspart mir Leute, die im Laden stehen und völlig entsetzt fragen „und von dem haben sie überhaupt nichts da?!“ Nein, habe ich nicht. Würde es irgendwann mal Murakami, hätte ich natürlich was da, würde es Thiong’o hätte ich natürlich nichts da, weil ich genau einen Kunden habe, der den kauft. Dem bestelle ich alle neuen Titel, er freut sich und gut ist. Würde Thiong’o den Nobelpreis bekommen, würde dieser eine Mann sich freuen und vielleicht eines der Bücher nochmal lesen, die er ohnehin schon zu Hause hat. Dafür hätte ich auch dreißig Leute im Laden, die entsetzt sind, dass ich nichts von einem Autor am Lager habe, von dem sie gestern in der Tagesschau das erste Mal gehört haben und den sie vielleicht für einen Koreaner halten. Die Anzahl der Menschen, die entsetzt waren, weil ich nichts von [pet-rik] [mou-di-ai-nou] am Lager habe, war wirklich zu hoch. Gute Frau, nachdem Sie ohne einen Roman dieses Mannes offenbar keinen Tag mehr leben können, sollten Sie vielleicht wenigstens wissen, dass er Franzose ist.

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National Book Awards 2016 – Die Finalisten

Fast hätte ich es verpasst – heute wurden die Finalisten des National Book Awards bekanntgegeben! Eines davon hab ich immerhin schon gekauft… Die Listen wurden jeweils von zehn auf fünf Titel gekürzt.

Im Bereich Non-Fiction ziehen ins Finale:

Und im Bereich Fiction sind es:

 

Wer sich zudem für Poetry und Young People’s Literatur interessiert, bitte hier entlang.