Deirdre Madden: Molly Fox’s Birthday

Wie es sich für einen Dubliner Roman gehört, spielt Molly Fox’s Birthday an einem einzigen Tag, dem 21.06. Diesen einen Tag verbringt eine namenlose Erzählerin, Theaterautorin, in Molly Fox’s Haus und versucht, an ihrem neuen Stück zu arbeiten. Molly Fox selbst taucht in diesem Roman ebenso wenig auf wie ihr Geburtstag, den die Schauspielerin lieber nicht feiert und stattdessen alleine in New York verbringt. Die Erzählerin fühlt sich trotzdem ständig von ihr umgeben, denn Mollys Haus ist randvoll mit Erinnerungen an Theatererfolge, Reisen und Freundschaften. Ständig in Gedanken bei der alten Freundin kommt die Erzählerin nicht dazu, auch nur einen Satz zu Papier zu bringen. Stattdessen hängt sie Erinnerungen an die gemeinsame Zeit nach, an die erste gemeinsame Produktion und die gemeinsamen Freunde. Vor allem Andrew, den sie seit Studienzeiten kennt, spielt eine große Rolle in ihren Erinnerungen, ebenso wie ihr Bruder Tom, der Priester geworden ist.

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Dabei beschäftigt sie sich viel mit der Frage, ob und wie das ständige Darstellen anderer Personen ihre Freundin beeinflusst oder verändert hat, sinniert über das Theater an sich und die Kunst im allgemeinen. Für sie hat das Theater von früher Jugend an eine große Bedeutung gehabt, seit ihr deutlich älterer Bruder Tom sie das erste mal in eine Shakespeare-Inszenierung mitgenommen hat, hat diese Welt sie nicht mehr losgelassen. Schauspielerische Ambitionen hat sie nicht entwickelt, aber dass sie Stücke schreiben wollte, war ihr da schon klar.

„What about the theatre? Well, it exists in time – a play lasts an hour and a half, two hours, but if it’s any good at all it takes you somewhere outside time. And then you can see things – see things differently.“

Während des Tages in Dublin passiert nicht viel. Die Erzählerin zerbricht einen Krug, trifft, als sie Ersatz besorgen will, eine alte Freundin aus College-Zeiten, und empfängt drei Überraschungsgäste, die ebenso überrascht sind, sie und nicht Molly anzutreffen. Und so ist die Stärke des Romans eben auch nicht die Handlung sondern das Nachdenken über Freundschaften, Familie, Theater, Veränderungen und Blickwinkel. Es ist ein heißer Tag, den die Erzählerin vor allem im schön angelegten Garten des Dubliner Hauses verbringt, in dem sie zu Ruhe und Konzentration finden will und es doch nicht schafft. Ähnlich ist es mir in Teilen mit diesem kurzen Roman gegangen, auf den ich mich gerne einlassen wollte, mit dem ich aber nur stellenweise warm geworden bin. Die Personenkonstellationen sind zwar interessant, aber eben auch nur sehr indirekt vermittelt und werden nur bruchstückhaft freigelegt, eben so, wie es der Erzählerin gerade in den Sinn kommt. Auch wenn in der unmittelbaren Handlung des Romans beinahe nichts passiert, tut sich in und zwischen den Personen doch einiges. Unter anderem schlägt der Nordirland-Konflikt ein paar tiefe Kerben in die ein oder andere Freundschaft und religiöse Fragen führen zu einigen erhitzten Debatten beim Abendessen.

Molly Fox’s Birthday ist trotz seines einfachen Aufbaus ein vielschichtiger Roman mit stimmig charakterisiertem Personal, der seine Tiefen nach und nach offenbart. Aufgrund der sehr ruhigen Erzählweise muss man für diesen Roman aber wirklich in der richtigen Stimmung sein. Ein sehr warmer Tag in einem sehr schönen Dubliner Garten könnte zumindest der richtige Ort dafür sein. Sehr warme Tage auf einem ziemlich schönen Bremer Balkon haben nur bedingt geholfen.


Deirdre Madden: Molly Fox’s Birthday. Faber and Faber 2009. 221 Seiten. Erstausgabe beim gleichen Verlag 2008. Eine Neuauflage ist dort ebenfalls lieferbar. Eine deutsche Übersetzung gibt es nicht.

Das Zitat stammt von S. 90

Mit diesem Roman war Madden 2009 auf der Shortlist für den Orange Prize for Fiction. Dieser Beitrag ist Teil des Leseprojekts Women’s Prize for Fiction.

 

Emma Henderson: Grace William Says it Loud

Grace wird 1946 als drittes Kind der Londoner Familie Williams geboren. Schnell wird ihrer Mutter klar, dass ihre jüngste Tochter sich anders und langsamer entwickelt als ihre älteren Geschwister. Sie wächst sehr langsam, lernt spät und nur mit Mühe laufen und kommt nie über Zwei-Wort-Sätze hinaus, die sie in die Welt schreit, trotz aller Therapiebemühungen kaum in der Lage, ihre Zunge zu beherrschen. In winzigen Schritten geht es voran, doch als Grace sechs Jahre alt ist erkrankt sie an Kinderlähmung. Nur knapp überlebt sie in einer Eisernen Lunge, einer ihrer Arme aber und ein Bein werden stark in Mitleidenschaft gezogen. Nelson nennt sie den jetzt beinahe nutzlosen Arm und hinkt fortan noch schiefer durchs Leben.

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Aussichtslos, sagt er Arzt. Grace werde niemals in der Lage sein, eine Schule zu besuchen oder ein eigenständiges Leben zu führen. Er empfiehlt, sie in eine spezielle Einrichtung zu schicken und so landet Grace im Alter von zehn Jahren in „The Briar“. Dem Zeitgeist entsprechend dient diese Einrichtung fast ausschließlich der Verwahrung von Menschen mit diversen Behinderungen. Sinnvolle Therapie- oder Beschäftigungsangebote gibt es kaum für die dort lebenden, dafür sind die Schikanen und Strafen des Personals umso ausgefeilter und brutaler. Ohne genau zu wissen warum, verbringt Grace Tage in dunklen „Strafräumen“, hungert und wird gezwungen, erniedrigende Arbeiten zu verrichten. Ihre einzige Stütze ist ihr Freund Daniel, Sohn eines halbseidenen aber angebeteten Antiquitätenhändlers, ein Epileptiker, der bei einem Unfall beide Arme verloren hat. Er zeigt Grace in den ersten Tagen alles nötige und wird später ihre erste und einzige große Liebe.

„Apart from her physical handicap, which makes it extremely difficult for her to attempt anything educationally, there is a complete lack of mental alertness.“

Von ihrer Umwelt mehr als Objekt denn als Subjekt behandelt und verwaltet entwickelt Grace doch einen starken Charakter. Der Roman wird aus ihrer Perspektive erzählt, die zeigt, dass sie die Welt sehr genau beobachtet und deutlich mehr mitbekommt, als ihr Umfeld ihr zutraut. Das meiste aber was ihr widerfährt, nimmt sie einfach so hin. Die Brutalitäten, mit denen das Pflegepersonal ihr in The Briar begegnet, dokumentiert sie schnörkellos und ohne jeden Kommentar. Scheinbar ungerührt erfährt sie Schläge, psychische Gewalt und Missbrauch als unvermeidlichen und normalen Teil ihres Lebens. Es ist eben wie die Leute mit ihr umgehen. Außer natürlich Daniel, der sie wunderschön findet und ihr mit seinen fast unglaublichen Geschichten aus seinem alten Leben zur Flucht aus dem tristen Alltag verhilft. Aber es wird kein glückliches Ende nehmen mit den beiden, die Hoffnung nimmt einem die Autorin gleich auf der ersten Seite.

Grace wird das erste mal 1957 in einer Institution untergebracht und bleibt den Rest ihres Lebens in Betreuungsverhältnissen. Ihre Geschichte ist also auch die Geschichte vom Umgang mit Menschen, die mit Behinderungen oder schweren, einschränkenden Erkrankungen leben. Und das liest sich selten schön, vor allem wenn man bedenkt, wie viel Realität hinter dieser fiktiven Institution steckt. Doch für Grace bleibt The Briar trotz aller Schrecklichkeiten immer mit positiven Erinnerungen verknüpft, es ist ihre Heimat und der Ort, an dem sie Freundschaften geknüpft und prägende Erfahrungen gemacht hat. Den Roman von Grace selbst erzählen zu lassen, gibt der als Objekt behandelten Frau eine Stimme und die Chance, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Im Großen und Ganzen funktioniert das sehr gut, an manchen Stellen aber schwankt das Ausmaß, in dem Grace ihr Umfeld erfassen und verstehen kann und ist nicht vollständig glaubwürdig. Das aber passiert so selten, dass es kaum als störender Faktor gelten kann und wird außerdem ausgeglichen durch den kraft- und schwungvollen Ton der Erzählung. So wenig Grace sich nach außen hin artikulieren kann, so differenziert ist ihre Erzählstimme und der Roman gerät zu einem ungewöhnlichen Portrait, das wenig ausspart und nichts verkitscht.


Emma Henderson: Grace Williams Says it Loud. Sceptre 2011. 325 Seiten, ca. € 7,-. Erstausgabe Sceptre 2010. Eine deutsche Übersetzung gibt es nicht.

Das Zitat stammt von S. 277

Mit diesem Roman war Emma Henderson 2011 für den Orange Prize for Fiction nominiert. Dieser Beitrag ist Teil des Leseprojekts Women’s Prize for Fiction.

Joolz Denby: Billie Morgan

Billie, eine auf die fünfzig zugehende Geschenkartikelladen-Besitzerin aus Bradford, lebt zurückgezogen in einem kleinen Häuschen, hat zwei Katzen und duscht mit Teebaumöl-Duschgel. Doch nicht immer verlief ihr Leben in so geordneten Bahnen. In ihrer Jugend ist sie Teil der Hippie-Bewegung, bis sie nach einem brutalen Vorfall ihren ehemaligen Freunden den Rücken kehrt und sich auf die Suche nach loyaleren Kreisen macht. Sie findet sie bei den „Devil’s Own“, einer Rockergang, die nach ihren eigenen Gesetzen lebt, aber immerhin den Zusammenhalt groß schreibt. Dort lernt sie auch ihren späteren Mann Mickey kennen, mit dem zusammen sie eine furchtbare Gewalttat begeht. Der Mann, der dabei stirbt, ist ein kleinkrimineller Außenseiter, er ist aber auch der Freund von Jas, die von ihm schwanger ist, und die sich, nachdem sie jetzt alleine da steht, hilfesuchend an Billie klammert. Sie ahnt nicht, wen sie zur Patentante, zum Schutzengel für ihren Natty ernannt hat.

„It was just a fact, that violence was as much part of me as love, honour and pride. It had given me iron strength of will over the years, but sometimes it demanded a price for that daily control.“

Billie ist von Jas Hilflosigkeit und ihrer Drogenabhängigkeit oft genervt und überfordert, ihre Schuldgefühle erlauben es ihr aber nicht, der Freundin und ihrem Sohn den Rücken zu kehren. Manchmal wünscht sie sich, sie hätte sich damals einfach der Polizei gestellt, dann wäre ihre Strafe jetzt abgesessen und vergolten. So plagen sie auch nach Jahren noch schlimme Alpträume und auch ihre Ehe ist kurz nach der Tat in die Brüche gegangen. Zu allem Überfluss startet nun noch eine Tageszeitung eine Reihe über Vermisstenfälle die nie aufgeklärt wurden und die Mutter des Toten will noch einen letzten Versuch starten, ihren Sohn zu finden. Billie gerät in Panik. Was, wenn jetzt doch noch alles ans Licht kommt?

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T. C. Boyle: Tortilla Curtain

Delaney Mossbacher macht in seinem Leben alles richtig. Er ist naturverbunden, liberal, kümmert sich um seinen Stiefsohn Jordan, unterstützt seine Frau, fährt ein vernünftiges Auto und achtet auf ausgewogene Ernährung. Als Journalist berichtet er in schwülstigen Texten von seinen Wanderungen in Kalifornien. Doch dann läuft ihm auf dem Weg zur korrekten Müllentsorgung ein Mann vors Auto und wird in die Böschung geschleudert. Delaney will wieder alles richtig machen, Polizei und Krankenwagen rufen, doch der Mann wehrt ab: als Mexikaner ohne gültigen Aufenthaltsstatus in den USA würde ihm das nur Ärger einbringen. Delaney drückt dem Verletzten 20$ in die Hand und verschwindet. Und ab da läuft gar nichts mehr – bei keinem der beiden Männer.

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Cándido schleppt sich verletzt zurück in das ärmliche Lager, das er mit seiner Frau América am Ufer eines nahe gelegenen Flusses bewohnt. Der amerikanische Traum ist für die beiden seit ihrer Einreise über die grüne Grenze, durch den „Tortilla Curtain“, noch nicht in Erfüllung gegangen und Cándido ernährt die beiden nur mühsam mit Gelegenheitsjobs. An eine richtige Wohnung ist nicht zu denken, doch das muss sich bald ändern, denn América ist schwanger.

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Women’s Prize for Fiction für Kamila Shamsie

Der diesjährige Women’s Prize for Fiction geht an Kamila Shamsie für ihren Roman Home Fire. Nach Shortlist-Platzierungen 2009 (Burnt Shadows/Verglühte Schatten) und 2015 (A God in Every Stone/Die Straße der Geschichtenerzähler) ist es das erste mal, dass Shamsie den Preis gewinnt. In ihrem Roman erzählt sie die Geschichte von Isma und ihren Geschwistern und der Untrennbarkeit von Privatem und Politischem. In den englischsprachigen Medien wurde der Roman in den höchsten Tönen gelobt, eine sehr lesenswerte deutschsprachige Besprechung gibt es beispielsweise bei letteratura.

In deutscher Übersetzung ist der Roman unter dem Titel Hausbrand beim Berlin Verlag  für September angekündigt.

Und wer nochmal wissen will, gegen wen Shamsie sich durchgesetzt hat – und die Konkurrenz war nicht ohne – kann einen Blick auf die Longlist und die Shortlist werfen.

Essen aus Büchern: Scones aus Jasper Ffordes „Shades of Grey“

Scones sind unbestritten einer der großen Klassiker der Britischen Küche und besonders zur Tea Time beliebt. In Shades of Grey ist es die Aufgabe von Haushälterin Jane, die Scones zu servieren. Eddie Russett, Protagonist des Romans, ist gerade in die Stadt gekommen und nun kommen die wichtigsten Bürger der Stadt vorbei, um ihn und seinen Vater willkommen zu heißen.

Jane hasst jeden einzelnen von ihnen. Sie ist gegen das System der Farbherrschaft und vor allem ist sie gegen ihre Zwangsverpflichtung als Haushälterin. Immerhin scheint sie Eddie zu mögen, denn sie schiebt ihm, als der Tee gerade serviert ist, noch schnell einen Zettel zu:

Don’t eat the scones!

Und so lehnt Eddie dankend ab, während die Präfekten sich über den leicht pikanten Geschmack wundern. Jane weigert sich später, Eddie zu sagen, was genau in ihren Scones war. Aber es überleben alle.

Die Scones, die ich gebacken habe, kommen ohne eklige Geheimzutat aus und sind im wesentlichen ein Rezept von Mary Berry. Und so geht’s:

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Olivia A. Cole: Panther in the Hive

Tasha, Anfang zwanzig und mit blödem Job, lebt um ca. 2080 in Chicago. Wer es sich in den USA leisten kann, ist Mitglied bei MINK, einer Art Elite-Krankenkasse. Tasha kann es sich nicht leisten. Denn aufgenommen wird dort nur, wer eine feste Anstellung und einen tadellosen Ruf hat. Wer MINK-feindliche Organisationen unterstützt oder abgetrieben hat, ist chancenlos. Ohne MINK wird man besser nicht ernsthaft krank, denn eine private Behandlung ist nicht finanzierbar. Und ohne MINK hat man kein Recht auf den Cybranu-Chip, den alle haben wollen. Einmal implantiert sorgt der Chip dafür, dass der Träger gegen alle Verletzungen und Infektionen immun ist. Auch das Körpergewicht wird mühelos im Idealbereich gehalten. Doch plötzlich gibt es ein Problem mit den Chips. Alle „Minker“ werden von heute auf morgen willenlose, zombieartige Kannibalen, die den Ungechippten an die Kehle wollen. Hoffnung zieht Tasha aus einem Brief ihrer Schwester. Die lebt in der unabhängigen Nation California, wo die Chips verboten waren, und rät ihr dringend, den verwahrlosten Süden Chicagos aufzusuchen. Dort soll es Hilfe für sie geben. Bewaffnet nur mit einem Prada-Rucksack und einem Küchenmesser ist das ein weiter Weg.

Them has changed irreversibly. Them will always mean them, now: Minkers. The rest have been transformed into ‚us‘.“

Eine bessere Alternative hat Tasha aber auch nicht, und so bricht sie auf, verzweifelt darüber, dass sie ihre Schuh-Sammlung zurücklassen muss. Unterwegs muss Tasha nicht nur gegen fiese Mutanten kämpfen, sondern auch gegen ihre eigenen Ängste und Unsicherheiten. Niemals verlässt sie das Haus ohne Schichten von Concealer und geglätteten Haaren, nun ist sie plötzlich froh, wenn sie sich mal die Zähne putzen kann. Ihr Ziel war es immer, sexy zu sein. In einer Welt, in der sexy überhaupt keine Relevanz mehr hat, steht sie plötzlich ohne Identität und Ziel da. Seit sie vor ein paar Jahren nach Chicago gekommen ist, war es ihr nicht möglich, echt Freundschaften zu schließen. Diese Sperre muss sie nun überwinden, denn schnell erkennt sie, dass sie ganz alleine nicht lange überleben wird und sich wohl oder übel auf andere verlassen muss. Panther in the Hive ist also nicht nur ein Mutanten-Metzel-Roman, sondern auch eine Coming-of-Age-Geschichte mit einer sehr nachvollziehbaren und authentischen Protagonistin. Ihre Entwicklung stützt den Plot, der aber auch durchaus und primär durch Spannung und Gruseleffekte besticht.

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Essen aus Büchern: Chin-Chin aus Chimamanda Ngozi Adichies „Purple Hibiscus“

Chin-Chin sind in Teilen Westafrikas, darunter Nigeria, ein süßes, frittiertes Gebäck für besondere Anlässe und vor allem in der Weihnachtszeit beliebt. Man kann es natürlich selbst herstellen, man kann es aber auch wohl an jeder Ecke fertig kaufen. Ob Kambilis Mutter (bzw. ihre Köchin) in Purple Hibiscus selbst in der Küche stand, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall hat sie einen Teller voll Chin-Chin zur Hand, als ihre Schwägerin zu Besuch kommt.

Mama came in holding a tray piled high with bottles of soft and malt drinks lying on their sides. A plate of chin-chin was balanced on top of the drinks.

Chin-Chin sind in der Regel recht klein und, je nachdem wie dick der Teig ausgerollt wurde, quadratisch bis beinahe würfelförmig. Manche schneiden den Teig aber auch nur in Streifen oder stechen Formen aus.

Bei den meisten Rezepten sind die Zutaten Milch oder angerührtes Milchpulver, Mehl, Zucker, Butter und Ei, allerdings in sehr unterschiedlichen Mengenverhältnissen. Auch was die Gewürze angeht kann man sich kreativ austoben, wobei Muskatnuss in eigentlich jedem Rezept dabei ist – von einer Prise bis zu einer kompletten Nuss. Ich war da relativ zurückhaltend. Und so geht’s:

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Einige Bemerkungen über Brot und Sauerteig sowie zwei Bücher darüber

Seit ziemlich exakt zwei Jahren wohnt in meiner Küche ein Sauerteig. Er heißt Ryen und ist mir ein völliges Rätsel. Ich gebe ihm Mehl und Wasser und er macht daraus, was immer ihm in den Sinn kommt. Manchmal ist er riesig und kriecht über den Rand seines Glases, manchmal ist er pelzig, manchmal riecht er nach alten Äpfeln und manchmal wie etwas, worüber man dringend mit einem Gynäkologen sprechen sollte. Wovon das abhängt – ich weiß es nicht. Ich schätze von Temperatur und Luftfeuchtigkeit, aber die nehme ich offenbar anders wahr als Ryen. Aber egal, wie fies er gerade aussieht, er ist mir immer und zuverlässig eine große Hilfe beim Brotbacken. Auch das habe ich mit Ryens Entstehung vor zwei Jahren fast komplett selbst in die Hand genommen. Ich glaube, meine Brote sind nicht mal so besonders gut, aber wenn ich manchmal doch ein Brot kaufen muss, weil ich schlecht geplant habe, erinnert es mich immer wieder daran, wie gut es im Vergleich dann doch oft ist. (Sicher ist mein Brot schlechter als das eines Bäckers, der das seit Jahren macht und jeden Morgen im Steinofen frische Brote und so weiter – aber find das mal! Und bezahl das mal auf regelmäßiger Basis)

Es gibt ein Alltags-Standard-Brot, das ich sehr oft mache und das relativ viel zugesetzte Hefe enthält. Das macht es schnell und sicher. Manchmal, wenn ich die Zeit habe, Vorteige anzusetzen und abschätzen kann, ob ich in 14+3+2 Stunden Zeit haben werde, ein Brot zu backen, backe ich kompliziertere, die ohne zugesetzte Hefe auskommen und nur mit dem arbeiten, was ohnehin im Sauerteig-Ansatz ist. Ab da wird es dann spannend. Ich habe nämlich überhaupt keine Ahnung, wie viel Hefe Ryen gerade hat (es sieht nach viel aus, aber das kann täuschen) und deshalb auch keine Ahnung, wie das Brot werden wird. Wie aus diesem traurigen, grauen Brei aus Mehl und Wasser und Salz und sonst nichts ein unfassbar leckeres 1,5 kg-Brot wird, das mich zuverlässig eine ganze Woche ernähren kann, erstaunt mich immer wieder. Außerdem ist es eine nette Übung in „wird schon werden“. Ich kann da nichts machen. Hefe mag es warm, ich kann den Teig also wärmer lagern, wenn ich finde, dass er zu langsam geht, aber sonst… Das wird ein nicht so tolles oder ein fantastisches Brot und mein Einfluss darauf ist begrenzt, das werde ich akzeptieren müssen. Diese Laissez-faire-Haltung vertreten bei weitem nicht alle Hobby-BäckerInnen und in vielen Foren liest man von Leuten, die extra Wärmeschränke haben, in denen sie den Sauerteig bei x Grad fallend auf y Grad mit Mengenangaben, die meine Waage noch gar nicht erfasst… Mal im Ernst, wer hat denn Zeit für sowas?

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Women’s Prize for Fiction – die Shortlist 2018

Wie jedes Jahr am Welttag des Buches wurde heute die Shortlist des diesjährigen Women’s Prize for Fiction veröffentlicht – sechs weitere Titel für mein wpf-Projekt.  Die Liste der Kandidatinnen verkürzt sich auf folgende Hoffnungsträgerinnen:

Jesmyn Ward: Sing, Unburied, Sing: Der Roman, an dem in den letzten Monaten kaum ein Weg vorbei ging, erzählt von den Geschwistern Jojo und Kayla, die bei ihren Großeltern aufwachsen, da ihre Mutter nicht in der Lage ist, sich um sie zu kümmern. Die Kindheit der beiden ist von Armut und Rassismus geprägt. Als ihr Vater aus dem Gefängnis entlassen werden soll, machen Mutter und Kinder sich auf den Weg, um ihn abzuholen. Auf deutsch erschienen unter dem Titel Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt.

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