Garry Disher: Bitter Wash Road

Es ist einsam im australischen Tiverton. Ein Kaff, so klein, dass die Polizeidienststelle von nur einem Beamten besetzt ist, der im angrenzenden Haus auch gleich wohnt. Im Moment ist es Constable Hirsch, der dort seinen Dienst versieht. Freiwillig kommt niemand an diesen Ort, auch Hirsch hat den Aufenthalt einer Strafversetzung zu verdanken. In seiner Heimatstadt Adelaide hat er korrupte Kollegen ans Messer geliefert, während man ihm selbst nichts hat nachweisen können. Dass er sich wirklich nichts hat zu Schulden kommen lassen, können nicht mal seine Eltern glauben.

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fbm18 Mini-Series IV: Literatur

Vor lauter Politik und Menschen hätte ich es fast vergessen: zur Frankfurter Buchmesse fährt man ja eigentlich wegen der Bücher. Sehr schön fand ich in diesem Jahr die Präsentation der Gastland-Titel inmitten hölzerner Buchstaben. Gemäß dem Motto „made by characters“ war das georgische Alphabet in riesigen Buchstaben nachgebaut, allesamt verziert mit Zitaten und Geschichten zur Literatur des Landes. Außerdem gab es Buchstaben-Klebe-Tattoos, was auch ziemlich cool ist. Und nicht zuletzt konnte man natürlich überall auf der Messe georgische AutorInnen treffen, deren Werke es dank Ehrengast-Auftritt nun auch auf den deutschen Markt schaffen.

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Eher zufällig bin ich auf dem Weg zu einer Kommissar-Kugelblitz-Lesung bei Heinz Strunk vorbei gekommen und geblieben. Er erzählte von seinem neuen Buch Das Teemännchen und beklagte sich, dass man ihn immer noch als ausschließlich humoristischen Autor wahrnehme und beispielsweise Junge rettet Freund aus Teich fast gar nicht wahrgenommen wurde, obwohl es ihm selbst so gut gefällt. Na gut, ich hatte sowieso mal vor das zu lesen. Der goldene Handschuh habe ich nie gelesen, weil Freundinnen mir sagen, ich würde das zu eklig finden. Die Kugelblitz-Lesung habe ich übrigens nicht gefunden oder sie hat nie stattgefunden, das habe ich nicht abschließend herausgefunden. Aber so gut wie früher wird der eh nie mehr.

Eine sehr interessante Veranstaltung zu Literaturkritik unter digitalen Bedingungen gab es am Freitag.  Bei der Gesprächsrunde redeten Katharina Herrmann, Berit Glanz, Philipp Theisohn und Ekkehard Knörer über die Besonderheiten von Literaturempfehlung im Internet und was sie vom klassischen Feuilleton unterscheiden muss. Ich erwarte bei sowas immer ein bisschen Gelaber und blabla und war sehr positiv überrascht von der wirklich interessanten Runde. Vielleicht nehme ich was mit von dem Hinweis, dass Rezensionen online offener sein müssen, um eine Diskussion zu erlauben. Mal sehen. Ihr werdet es schon merken. Oder viel mehr ich werde es merken, wenn hier endlich mal jemand kommentiert.

Meine letzte Veranstaltung war der LitProm-Bestenliste gewidmet. Zoë Beck (Verlegerin und Übersetzerin), Andreas Fanizadeh (Leiter Kulturresort der taz) und Dani Landolf (Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband) stellten die Liste vor, auf der seit 35 Jahren Literatur jenseits des Eurozentrismus präsentiert wird. Mit der Liste soll AutorInnen aus Lateinamerika, Afrika und Asien zu größerer Bekanntheit und Präsenz im deutschsprachigen Raum verholfen werden. Außerdem soll die Übersetzung dieser Literatur ins Deutsche gefördert werden. Besonders im Buchhandel ist die Bekanntheit und Akzeptanz aber immer noch nicht überall gegeben. Vor allem in Buchhandelsketten wird den Titeln kaum oder gar kein Raum gegeben. Auch in klassischen Medien können Besprechungen dieser Titel nicht immer platziert werden, da schon zu viel Raum für bekanntere AutorInnen vorgesehen ist.

Neben diesen „größeren“ Veranstaltungen habe ich mich natürlich auch mit sehr vielen Leuten unterhalten, die sehr hinter den Titeln stehen, die sie produzieren. Das ist immer wieder schön zu sehen, gerade bei den kleineren und kleinen Verlagen. Ich versuche immer, von der Messe so wenig Papier wie möglich nach Hause zu schleppen, habe aber zumindest meine mentale Wunschliste um etliche Posten verlängert.

Im nächsten Jahr werde ich eine Pause brauchen. So interessant und spannend auch ist, jedes Jahr kann ich mir das nicht geben. Aber irgendwann komme ich wieder und freue mich dann doch auf so viele Menschen, Meinungen, Begegnungen und nicht zuletzt: Bücher.

fbm18 Mini-Series III: Menschen

Es wirft kein gutes Licht auf mich, aber ich finde Menschen oft und schnell anstrengend. Vor allem, wenn sie sich in Gruppen durch Messehallen schieben. Ach, wenn sie nur schöben! Meistens stehen sie an unmöglichen Plätzen herum und mir im Weg. Aber das gute an der Messe ist ja, dass es dort auch ein paar ganz wunderbare Menschen gibt und man immer einige davon trifft, wenn auch leider niemals alle.

CavalloEine wunderbare Frau, die ich dieses Jahr erleben durfte, war Francesca Cavallo, die stellvertretend für das Projekt „Good Night Stories for Rebel Girls“ auf der Messe war. Eigentlich wollte ich nur ganz kurz stehen bleiben, aber Cavallo hat mich mit ihrer wahnsinnig enthusiastischen und charismatischen Art viel länger als geplant bei der Bühne gehalten. Aus ihrem Projekt sind inzwischen zwei Bücher entstanden, in denen in sehr kurzen kurzen Texten Frauen und Mädchen vorgestellt werden, die Besonderes getan haben, auf welchem Gebiet auch immer. Die Geschichten sollen Mädchen Mut machen, für sich selbst einzustehen und ihren Weg zu gehen. Die Texte sind zum Teil wie Märchen erzählt und jeweils mit einem Bild einer Künstlerin illustriert.  Ich kannte die Bücher zwar schon, habe mich aber nie näher mit ihnen beschäftigt, was sich dank Cavallos umwerfender Art ändern wird.

Auch die vier Verlegerinnen aus Georgien, die auf der Leseinsel der unabhängigen Verlage über „Female Perspectives – Publishing in Georgia“ redeten, waren sehr beeindruckend. Sie berichteten vom schwierigen Aufbau der Verlagswelt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und davon, wie schwierig es für Frauen in Georgien oft ist, im Berufsleben ernst genommen zu werden. Während Führungskräfte im Verlagswesen keine Seltenheit sind, sieht das in anderen Branchen ganz anders aus. Auch Gewalt im häuslichen Umfeld wurde als großes Problem angesprochen.

BloggerInnen habe ich nur wenige gesehen und noch weniger gesprochen. Dabei war ich sogar bei der Buchblog-Award-Verleihung, zumindest am Anfang. An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch an die GewinnerInnen! Leider musste ich nach einer halben Stunde gehen, weil ich mit einer alten Seckbach-Mitschülerin zum Kaffee verabredet war. Weil die Schlange dort sehr lang war und weil wir zusammen in Seckbach waren, wurde es dann doch ein Wein. Danach war ich zwar in Sekt- und Plauderlaune, habe aber auch keinen mehr getroffen. Blödes Timing.

Dafür habe ich vor allem am Donnerstag ein paar bezaubernde Verlagsmenschen getroffen, die ich zum Teil nur aus Mails kannte und zum Teil seit Jahren nicht gesehen hatte. Das allein war den Reiseaufwand schon fast wert. Und nächstes Mal bin ich sicher auch besser beim Blogger erkennen – hoffe ich.

fbm18 Mini-Series II: Nun sag, wie hast du’s mit der Politik?

Nachdem die letzte Buchmesse politisch ja ordentlich aus dem Ruder gelaufen ist, war die Messeleitung in diesem Jahr zumindest um klügere Standpositionierung bemüht.  Außerdem gab es eine Menge Veranstaltungen zu politischen Themen. Mir kam es sogar sehr viel vor, allerdings war ich auch extrem lange nicht mehr auf der Messe und mag eine Entwicklung verpasst haben.

Dass ich überhaupt in der Nähe der Stände von Junge Welt und Co war, habe ich nur der Tour „Die politische Landschaft der Buchmesse“ zu verdanken. Einige Verlage des sehr rechten Spektrums waren in einer Art „Sackgasse“ am Rande der Halle platziert. „Sie verlassen jetzt die politisch korrekte Zone“ war der Hinweis, den man passieren musste, um zu den Ausstellern zu gelangen. Zumindest Kubtischek hatte es aber wieder mitten ins Getümmel geschafft. Zwar war sein Verlag Antaios in diesem Jahr nicht für die Messe angemeldet, wohl aber ein Loci-Verlag, der bisher null eigene Publikationen hat. Wenige Tage vor der Messe verkaufte Kubitschek für einen symbolischen Betrag an Loci, wo das Antaios-Programm jetzt als Imprint geführt wird. Kubtischeks Frau bleibt Programmleiterin. Die Tour an sich war ziemlich anstrengend, was vor allem an den irrsinnig unkomfortablen Headsets lag. Ich bin da auch echt empfindlich, aber nach einer halben Stunde taten meine Ohren so weh, dass ich einfach keinen Spaß mehr hatte. Was sehr schade ist – eigentlich finde ich diese Touren (die es auch zu vielen anderen Themen gibt) eine gute Möglichkeit, um in kurzer Zeit einen bestimmten Aspekt gut kennenzulernen. Aber oh Gott, meine Ohren!

Außerdem war ich am Stand der Bundeszentrale für politische Bildung bpb. Die bpb kenne ich vor allem wegen ihrer Themenhefte, die es früher in der Schulbib gab und die damals, als wir noch ohne Internet Referate schreiben mussten, Gold wert waren. Außerdem konnte man sie bestellen und musste nichts bezahlen und das Fluter-Abo gab es obendrauf. Erst am Donnerstag habe ich allerdings erfahren, dass es bei der bpb auch Lizenzausgaben aktueller politischer Titel gibt, die immer 7,- € kosten und damit oft sehr deutlich günstiger sind als die Originale. Die Ausstattung ist natürlich weniger schick, aber wer sich dafür interessiert und gerade nicht sehr viel Kohle übrig hat, ist damit extrem gut beraten, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die Originalausgaben nicht selten um die 30 € kosten. Da verzichtet man schonmal gerne auf das Lesebändchen.

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Jagoda Marinić und Manja Präkels

Sehr interessant war auch die Diskussion „Starke Stimmen gegen rechts“, die im Rahmen der FR-Reihe „Streiterinnen“ stattfand. Im Lesezelt (das schön war aber halt auch total nach dem Sponsor Yogi-Tee gerochen hat) diskutierten Manja Präkel und Jagoda Marinić über die aktuelle politische Situation und ihre Aufgaben und Möglichkeiten als Autorinnen. Manja Präkels ist vor allem Musikerin, stammt aus Zehdenick in Brandenburg und hat in diesem Jahr für ihren Roman Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß den Jugendbuchpreis bekommen. Sie berichtet darin von einer Jugend im Osten Deutschlands, in einer Zeit des doppelten Zusammenbruchs von Staat und kindlicher Identität. Bei Lesungen im Osten Deutschlands ist sie heute schockiert von der Resignation gegenüber rechten Strukturen, gerade unter Jugendlichen. Jagoda Marinić, die mit ihr auf der Bühne war, lebt als Autorin in Heidelberg und zweifelt an, dass Literatur überhaupt unpolitisch sein kann. Ihre Stimme gegen rechts zu erheben sieht sie aber weniger als Autorenpflicht denn als Bürgerpflicht.

Mit der Weltempfänger-Bühne gab es einen zentralen Platz, der fast ausschließlich politischen Themen gewidmet gab, es gab eine (kleine) Ausstellung zum Frauenwahlrecht und nicht zu vergessen die Kampagne On the Same Page, die sich für Menschenrechte einsetzt. Und trotzdem war Höcke da, was für viele MessebesucherInnen zu nicht unerheblichen Einschränkungen geführt hat. Von einer besonders unangenehmen Situation berichtet etwa Sophie Sumburane. Ich selbst war zu der Zeit nicht mehr da und habe nur im Rausgehen mitbekommen, wie der Bereich vor Halle 4 sich mehr und mehr mit PolizistInnen füllte. Der Verlauf war auch in diesem Jahr weit suboptimal, immerhin scheint die Messeleitung aber irgendwas gelernt zu haben. Dennoch finde ich es unverhältnismäßig, eine Verlagsveranstaltung zu erlauben, die große Teile der Messe lahmlegt und sowohl BesucherInnen einschränkt, als auch Ausstellern schadet, deren Stände zumindest vorübergehend nicht besucht werden können, die u. U. geplante Veranstaltungen und Termine absagen müssen und so weiter. Dabei ist es mir auch egal, für wen eine komplette Halle gesperrt wird. Ich sehe da absolut keine Verhältnismäßigkeit.

 

fbm18 Mini-Series I: Die Reise

Das erste mal seit vielen Jahren war ich letzte Woche auf der Buchmesse und das erste mal war ich als Bloggerin und nicht als Buchhändlerin da. Als ich noch in Worms gewohnt habe, war Frankfurt ein kurzer Weg, aber seit es mich in den Norden verschlagen hat, ist der Messebesuch mit deutlich mehr Aufwand verbunden und ich bin auch einfach ein sehr fauler Mensch.

Dieses Jahr aber ich mich aufgerafft und bin nach Mainz gegondelt, wo mein kleiner Bruder mir mit großer Begeisterung sein Schlafsofa zu Verfügung gestellt hat (er hat Fön und Bügeleisen, alle Sorgen waren umsonst, aber danke für die Anteilnahme bei twitter). In der Messe-App hatte ich ungefähr jede zweite Veranstaltung markiert und es war sehr schnell klar, dass ich das nicht alles schaffen kann und will. Außerdem wurde es irgendwann übersichtlich. Wie sehr ist mir erst klar geworden, als ich angefangen habe, diesen Text zu schreiben. Also gibt es jetzt eine Mini-Serie nach Themenfeldern.

Die Reise

Ich bin am Mittwoch schon angereist, allerdings erst nur bis Mainz, wo ich im Bahnhof an meinem Bruder vorbei gerannt bin, weil ich ihn seit seiner Konfirmation nicht mehr im Anzug gesehen habe und er aussah, als wolle er mit mir über die Bibel sprechen.

Die Fahrt war wenig aufregend, wenn man mal davon absieht, dass der Rhein spektakulär niedrig war und ich immer wieder sagen musste, dass ich den Rhein noch nie so niedrig gesehen habe. Mittlerweile weiß ich: er war noch nie so niedrig. War auch auf eine Art sehenswert.

Am nächsten Morgen stellte ich fest was man auf jeder Reise feststellt, nämlich dass ich die Hälfte vergessen hatte. Ich musste mich im Bahnhofs-Rossmann schminken, während ich allen Mitarbeiterinnen fortwährend versichert habe, dass ich das alles auch kaufe, was ich auch getan habe. Im Selbst-Check-Out!

Bei der Abreise am übernächsten Morgen stellte ich fest, dass der Frankfurter Bahnhof eine Katastrophe in puncto Gepäckaufbewahrung ist. Ich wollte gerne mein gesamtes Gepäck am Bahnhof lassen, leider musste ich erst weit mehr als 20 Schließfächer in drei Schließfach-Anlagen durchtesten, bis eines funktionierte. Großer Spaß. Als die Tür glücklich zu war, fiel mir auf, dass mein geliebtes Pastrami-Sandwich mit im Fach war. Mega Start in den Tag.

Die Rückfahrt war auch eine ziemliche Katastrophe, weil wir überall auf Personal warten mussten. Ich will nicht klagen, die Kölner Strecke hatte es weit schlimmer erwischt. Außerdem saß ich bequem in der ersten Klasse und hatte mich noch dazu für den Komfort Check-in entschieden. Das tolle am Komfort Check-in ist, dass niemand mehr kommt und sagte „Entschuldigen Sie, Ihre Fahrkarte bitte“ sondern „Entschuldigen Sie, ach, Sie haben ja schon eingecheckt. Tolle Sache, ne?“. Das stört viel weniger beim Lesen. Nun, es gab Strom und Internet und ich habe eine 90er-Playlist gefunden, die mich bis Bremen bestens unterhalten hat. Schade nur, dass niemand sehen wollte, wie ich wirklich noch die ganze Choreo von „Stop!“ von den Spice Girls kann. Sie ist sehr simpel und illustrativ, zugegeben. Wer nicht mehr schrittsicher ist, darf nochmal nachgucken in diesem Video aus Zeiten, als Victoria noch Adams hieß:

Am Ende hab ich es auch noch ganz knapp zu den Öffnungszeiten meines Lieblingsinders nach Bremen geschafft, womit alles ein gutes Ende hatte.

Daphne du Maurier: Rebecca

Achtung: Spoiler ab dem dritten Absatz! Ich weiß, dass alle sowieso nur immer den letzten Absatz lesen, aber das funktioniert hier nicht, Freunde.

Daphne du Mauriers Roman Rebecca gilt 80 Jahre nach seinem Erscheinen als großer Klassiker, auch wenn er immer noch verdächtig ist, eine eher seichte Romanze mit Spannungselementen zu sein. Bemerkenswert ist, dass die namensgebende Rebecca de Winter in Person überhaupt nicht auftaucht und das auch gar nicht mehr kann, weil sie schon vor Einsetzen der Handlung tot ist. Allgegenwärtig ist sie trotzdem.

„He would never love me beause of Rebecca. She was in the house still as Mrs. Danvers had said, she was in that room in the west wing, she was in the library, in the morning-room, in the gallery above the hall. Even in the little flower-room, where her mackintosh still hung.“

Die sehr junge namenlose Protagonistin und Erzählerin des Romans lernt den reichen und weit älteren Maxim de Winter in Monte Carlo kennen, wo sie als Gesellschafterin einer reichen und anstrengenden Amerikanerin arbeitet. Sie verliebt sich schnell in den geheimnisvollen Mann, der vor nicht ganz einem Jahr seine wundervolle Frau Rebecca verloren hat. Die Heirat geht schnell und ohne großes Zeremoniell über die Bühne und nach wunderbaren Flitterwochen in Italien kehrt das junge Glück zurück nach Manderley, dem großzügigen Landsitz der Familie de Winter in Cornwall. Trotz aller Verliebtheit kann die Erzählerin dort nicht glücklich werden. Die geheimnisvolle Haushälterin Mrs. Danvers steht ihr feindselig gegenüber, bei gesellschaftlichen Anlässen ist sie unsicher und schüchtern und sie ist sich ziemlich sicher, dass Maxim immer noch Rebecca hinterhertrauert, deren Schönheit und Perfektion sie selbst nie erreichen kann. Noch nicht einmal den Namen „Mrs. de Winter“ hat sie für sich. Rebecca hängt als dunkler Schatten über allem, was sie in Manderley sieht und berührt und sie ist sich sicher, dass sie in allen Situationen mit Rebecca verglichen wird und nur verlieren kann. Dass die Wahrheit ganz anders und noch viel dunkler ist, findet sie erst nach und nach heraus.

Und nach diesem superguten Cliffhanger kommt jetzt: DER SPOILER! Ich gehe mal davon aus, dass extrem viele Leute Rebecca kennen, sei es nun als Buch oder als Film und nicht überrascht sein werden von dem, was jetzt kommt. 

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Elif Shafak: Ehre

In Ehre befasst sich Elif Shafak mit einem Mord, der in einer kurdisch-türkischen Familie verübt wird, nachdem der älteste Sohn die Ehre seiner Familie in Gefahr sieht. Die Geschichte beginnt friedlich in einem entlegenen Dorf in der Türkei, in dem die Zwillingsschwestern Pembe und Jamila aufwachsen, beide eine weitere Enttäuschung in einer Reihe von Kindern, die alle einfach kein Junge werden wollten. Viele Jahre später lebt Pembe mit ihrem Mann, der eigentlich Jamila heiraten wollte, in London und hat drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Jamila ist in der Heimat geblieben und lebt zurückgezogen als „jungfräuliche Hebamme“ und Heilerin in einer bescheidenen Hütte in den Bergen.

„Wir Topraks waren doch in dieser Stadt nur Statisten – eine halb türkische, halb kurdische Familie am falschen Ende von London.“

Das Leben in London ist für Pembe grau und freudlos, an den ewig grauen Himmel kann sie sich nie gewöhnen. Auch ihr Mann Adem kämpft mit seiner trostlosen und monotonen Arbeit in einer Fabrik, während er zusehends der Spielsucht verfällt. Der älteste Sohn Iskender, von seiner Mutter als Stammhalter und „Sultan“ verwöhnt und verzogen, verfällt immer mehr in patriarchale Rollenbilder und Vorstellungen. Jamila bleibt währenddessen in einer archaischen Umgebung, in der sich seit Jahrhunderten nichts verändert hat. Sie sammelt Kräuter, hilft bei riskanten Geburten und heilt Kranke, für die es in den kargen Bergen keine andere Hilfe mehr gibt.

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Georgia 9941 – ein paar Fakten zum Ehrengast der Frankfurter Buchmesse

Georgien ist, das wissen mittlerweile sicher alle, dieses Jahr der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Nino Haratischwili, das ist so ziemlich der einzige Name, den ich bisher mit der Literatur dieses Landes verbinde, und damit weiß ich mit Sicherheit zu wenig. Hier also ein wenig Weiterbildung:

Georgien liegt am Schwarzen Meer, grenzt an Russland, die Türkei, Armenien und Aserbaidschan. 978-9941 ist die ISBN-Gruppennummer, unter der seit 1997 rund 100 Verlage publizieren, und die man im Rest der Welt eher selten zu Gesicht bekommt. Die in den vergangenen Jahren höchste Zahl publizierter Titel gab es 2015 mit 4.173 Büchern, im Schnitt sind es nur etwa 1.500 (zum Vergleich: in Deutschland waren es im gleichen Jahr 76.547). Jedes dieser Bücher muss in einer Mindestauflage von 100 Stück erscheinen, im Durchschnitt bringen die Titel es auf 1.000 Exemplare – gemessen an anderen Buchmärkten sind das sehr kleine Zahlen. Gemessen an anderen Märkten ist Georgien mit ca. 3,7 Mio. EinwohnerInnen aber auch ein sehr kleines Land. 40% der jährlichen Neuerscheinungen sind Romane und andere fiktive Werke. 45% der veröffentlichten Bücher sind Übersetzung aus anderen Sprachen, kaufen kann man sie in etwa 50 Buchläden landesweit, die größtenteils unabhängig sind. Das Georgian National Book Center bemüht sich um die internationale Verbreitung georgischer Bücher. Seit 2010 haben es 65 Titel auf den deutschen Buchmarkt geschafft, rund 90 weitere sind für das Jahr 2018 geplant. Das Book Center hilft mit Zuschüssen bei Übersetzung und Druck.

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Essen aus Büchern: Bratwurst mit Pfeffernußsauce aus Thomas Manns „Buddenbrooks“

Dieses Gericht war wirklich nicht ganz leicht. Denn Bratwurst mit Pfeffernußsauce bzw. Lebkuchensauce konnte ich nur als schlesisches Weihnachtsessen finden, inkl. der entsprechenden Gewürze. Schwer vorzustellen, dass Demoiselle Buddenbrook, bei allen fixen Ideen, die sie sonst so hat, in der Sommerfrische ausgerechnet nach einem Weihnachtsessen verlangt. Die Sommerfrische verbringt sie in Travemünde, es ist eine schöne und unbeschwerte Zeit und ihr letzter glücklicher Sommer. Das weiß sie da aber noch nicht.

„Tony sonnte sich, sie badete, aß Bratwurst mit Pfeffernußsauce und machte weite Spaziergänge mit Morten“

Ich habe auch mehrere Menschen gefragt, die aus der Gegend um Lübeck/Travemünde kommen und keiner von denen kannte Pfeffernußsauce zu Bratwurst und die meisten machten auch nicht den Eindruck, daran etwas ändern zu wollen. Rettung kam von Seiten eines Biofleischproduzenten, der auf seiner Seite ein Rezept für eine Biersauce vorstellt und darauf hinweist, dass in Norddeutschland oft auch Lebkuchen dafür verwendet wird. Auf der Grundlage habe ich weiter gemacht und am Ende ein Rezept zusammengebastelt.

Die Sauce klingt ja reichlich absurd, das liegt allerdings wohl daran, dass man Pfeffernüsse oder Lebkuchen ja in der Regel als süßes Gebäck kennt. Für diese Sauce allerdings braucht man Speisepfeffernüsse bzw. Soßenlebkuchen, die keine Glasur haben und mit nur wenig Zucker gebacken werden. Vom Geschmack her ähneln die holländischem Frühstückskuchen (Ontbijtkoek), falls jemand das zweifelhafte Vergnügen mal hatte.

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Olivia A. Cole: The Rooster’s Garden

When the roosters crows, the hive will burn, so das Motto dieses Romans, dem zweiten Teil der Tasha-Trilogy. Im ersten Teil der Reihe, Panther in the Hive, ging es um Fashion-Victim Tasha, die sich plötzlich mit einer Zombie-Apokalypse konfrontiert sah und Schuhsammlung, Glätteisen und Concealer aufgeben musste, um ihre Haut zu retten. Im zweiten Teil nun sind sie und einige ihrer neu gewonnen Freunde auf dem Weg nach Kalifornien, das von der Apokalypse verschont geblieben sein soll.

Auf ihrem Weg gilt es aber nicht mehr nur Minker zu bekämpfen, jene Mutanten, die durch einen implantierten Chip von Menschen in geifernde Bestien verwandelt wurden. Die fiese Organisation Cybranu die hinter all dem steckt, hat es ausgerechnet auf Tasha abgesehen, die ihnen als Terroristin gilt. Nun ist auf sie ein Kopfgeld ausgesetzt und auch die wenigen Überlebenden der Katastrophe machen nun Jagd auf sie. Richtig schwierig wird es für die junge Frau, als sie durch einen Unfall von ihrer Gruppe getrennt wird und nur noch ein albern frisierter Pudel an ihrer Seite bleibt.

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