Essen aus Büchern: Toffee Apples aus Nadifa Mohameds „Black Mamba Boy“

Der Protagonist von Black Mamba Boy, Jama, führt in seinen ersten Jahren ein entbehrungsreiches Leben. Der Vater ist von seiner Suche nach Arbeit nie zurückgekehrt, die Mutter stirbt früh und Jama hält sich vor allem mit Betteln und kleinen Diebstählen über Wasser. Essen ist mehr Glücksfall als Genuss. Er sammelt aus Mülltonnen und stiehlt von Restaurantterrassen, kann so aber immerhin überleben.

Seine Situation ändert sich schlagartig, als er als Matrose in einer walisischen Hafenstadt einläuft:

He was prised from Glenys’ grip and taken away by a troop of Welsh Sirens who wanted toffee apples, bumper car tickets, goldfish, all the things they knew Jama could afford.

Nach Monaten auf See hat er viel Geld verdient, das er nie ausgeben konnte und ist nun plötzlich im Paradies. Es ist gerade Kirmes in der Stadt, wo Liebesäpfel ja der Klassiker schlechthin sind.

Ich muss ja ehrlich zugeben, nie auf einer Kirmes einen Liebesapfel gegessen zu haben, weil mir Obst im Vergleich Marshmallow-Schlangen mit Ring drum recht langweilig erschien und mein Budget auf 5 DM begrenzt war. Aber einen Versuch ist es ja wert.

ToffeeApples

für 8 Toffee Apples:

  • 8 kleine bis mittelgroße Äpfel
  • 400 g Rohrohrzucker*
  • 100 ml Wasser + ca. 1 l Wasser zum Reinigen der Äpfel
  • 1 TL Apfelessig
  • 4 TL Sirup**

außerdem 8 stabile Holz- oder Kunststoffspieße für die Äpfel

*Im Originalrezept wird Golden Caster Sugar verwendet. Den gibt es in Deutschland nur sehr selten und dann zu oft recht ambitionierten Preisen. Ich habe Rohrohrzucker genommen. Der ist Golden Caster Sugar wohl nicht unähnlich und man bekommt ihn recht günstig von verschiedenen Bio-Marken, u.a. bei alnatura und dm.

**Im Original wird hier Golden Syrup verwendet. Ich habe den Hellen Sirup von Grafschafter genommen.

Die Äpfel in eine Schale legen und mit kochendem Wasser übergießen. Damit wird die Wachsschicht, die nahezu alle gekauften Äpfel haben, entfernt. Diese Wachsschicht verhindert, dass die Zuckerschicht später am Apfel haftet. Aus dem Wasser nehmen und mit einem Tuch sorgfältig abreiben. Stiele und evtl. Blätter entfernen. In jeden Apfel einen Spieß stecken.

Die Äpfel sowie ein ausreichend großes Backpapier in der Nähe des Herdes zurechtlegen.

Den Zucker mit 100 ml Wasser in einem Topf vermischen und langsam erhitzen. Dabei ständig rühren, bis der Zucker sich vollständig aufgelöst hat. Anschließend Sirup und Essig zugeben. Die Temperatur erhöhen, bis die Masse kocht. Die Mischung sollte eine Temperatur von 150°C haben. Wer kein Küchenthermometer hat, kann alternativ zur Probe eine kleine Menge der Masse in kaltes Wasser tropfen lassen. Sie sollte sofort erhärten und sich leicht brechen lassen.

Wenn die Temperatur erreicht ist, die Äpfel durch die Masse ziehen, so dass sie komplett bedeckt sind. Auf dem Backpapier vollständig abkühlen und aushärten lassen.

Wer möchte, kann die Äpfel natürlich noch zusätzlich in Streuseln u.ä. wälzen.

Ich finde die Toffee Apples ganz nett. Aber am Ende – seien wir mal ehrlich – sind das Äpfel mit Zucker drum. Ohne den nostalgischen Charme, den man ihnen zweifelsohne zugestehen muss, wäre da echt nichts besonderes dran. Ich kauf mir auf jeden Fall weiter Marshmallowschlangen.


Das Zitat stammt von Seite 265 von Nadifa Mohamed: Black Mamba Boy. Harper Collins 2010.

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Essen aus Büchern: Welsh Rarebits aus Jasper Ffordes „First Among Sequels“

Eigentlich mache ich bei „Essen aus Büchern“ ja nur Sachen, die ich noch nicht kenne. Aber für Rarebits mache ich eine Ausnahme, dieser glorreiche Berg Käse auf Toast darf ich euch nämlich nicht entgehen. Das Rezept ist seit dem 18. Jahrhundert bekannt, erst noch unter der Schreibweise Rabbit. Woher der Hase im Namen kommt, weiß scheinbar niemand.

Originale Rezepte von Nationalgerichten zu finden ist ein Weg voller Gefahren und Fallstricke. Jedes Rezept ist natürlich the original recipe. Wenn es eine Kommentarfunktion unter dem Rezept gibt, kommen weitere 400 Varianten dazu, die irgendjemandes Großmutter immer gemacht hat und die auf jeden Fall der einzig richtige Weg sind.

Der kleinste gemeinsame Nenner ist: Welsh Rarebits enthalten immer Brot (meistens Toast) und Käse (meistens Cheddar + X). Darüber hinaus können folgende Zutaten in stark variierenden Mengen enthalten sein: Worcestershire Sauce, Eigelb, Butter, Milch, Buttermilch, Stout (i.d.R. Guiness), Ale, Paprikapulver, Senf oder Senfsaat, Salz, Pfeffer, Mehl, Chilipulver, Tabasco, Lauchzwiebeln, Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie. Desweiteren kann man Tomatenscheiben, Gurkenscheiben, Schinken, Bacon oder ein Spiegelei hinzufügen. Es ist also ein Essen für Leute, die vergessen haben, dass schon wieder Sonntag ist.

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Jasper Fforde: First Among Sequels (Thursday Next V)

„Reading, I had learned, was as creative a process as writing, sometimes more so.“

Der hier besprochene Roman ist Teil V der Thursday Next-Reihe. Wer noch überhaupt nichts über die Reihe weiß, findet einen knappen Einstieg bei wikipedia oder eine absurde Menge Material auf der Homepage des Autors.

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Jetzt aber zum Buch: 14 Jahre sind seit Thursdays letztem Fall vergangen. Sie ist nun etwas gesetzter, verheiratet und hat drei Kinder und betreibt, statt in der Buchwelt für Recht und Ordnung zu sorgen, eine Teppichfirma. Natürlich nicht. Die Firma ist nur eine mehr oder weniger raffinierte Deckung dafür, dass sie, Ex-LitAgs-Partner Bowden und Dämonen-Experte Spike noch lange nicht mit ihrer SpecOp-Tätigkeit abgeschlossen haben. Um eine Firma zu finanzieren, die eigentlich nie Aufträge hat, verkauft Thursday illegal eingeführten walisischen Käse an englische „Cheeseheads“ , die bereit sind horrende Summen für stinkigen Käse zu zahlen.

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Jane Gardam: Ein untadeliger Mann

Gardam_24924_mit_BS_MR1.inddEduard Feathers ist sehr alt, sehr reich und immer noch sehr attraktiv. Als Kronanwalt in Hongkong hat er sich einen Namen gemacht und ein Vermögen angehäuft. Old Filth, so der Name unter seinen Kollegen, ist eine Legende. Auch im hohen Alter achtet er auf sich, ist tadellos und elegant gekleidet und weiß, wie man sich benimmt. Er ist genau das, was man sich unter einem wahren britischen Gentleman vorstellt.

Angefangen hat sein Leben in Malaysia, als es noch Malaya hieß und Teil des Britischen Empires war. Sein Vater, Colonel Feathers, hat sich vom Ersten Weltkrieg nie ganz erholt und als Eddies Mutter direkt nach der Geburt stirbt, ist er so überfordert, dass er seinen Sohn bei einer Amme aufwachsen lässt, mit deren Kindern er spielt und deren Sprache er spricht. Eddie sieht seinen Vater nur selten und zufällig auf dem Marktplatz. Eddie stört das nicht – er hat ohnehin keinen Bezug zu dem steifen, fremden Mann und ist glücklich bei seiner Ziehmutter Ada. Erst als er vier Jahre alt ist, beschließt Auntie May, die in der nahegelegenen Baptistenmission tätig ist, dass ein britischer Junge so nicht aufwachsen kann. Erst soll er in der nächstgrößeren Stadt Englisch lernen und dann in Wales bei einer Gastfamilie aufwachsen und eine richtige, britische Ausbildung bekommen.

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