Essen aus Büchern: Buljol aus Monique Roffeys „The White Woman on the Green Bicycle“

In Monique Roffeys The White Woman on the Green Bicycle verschlägt es das Ehepaar George und Sabine Harwood von England nach Tobago. Nur ein paar Jahre soll der Auslandsaufenthalt dauern. Sabine hasst die Insel von Anfang an. Sie kann nichts anfangen mit der fremden Kultur, der unbarmherzigen Hitze und der Expat-Community, in der sich ihr gesamtes Sozialleben abspielt. George, ganz verliebt in die Insel, gibt sich dennoch größte Mühe, sie von ihrem neuen Leben auf Zeit zu überzeugen und zeigt ihr die schönsten Ecken. An einem Abend besuchen sie Freunde in Toco wo sie hoch über der malerischen Bucht zu Abend essen:

We dined at the house on the cliff-top, drank rum and ate buljol with Crix.“

Buljol ist ein Salat auf Stockfisch-Basis, der in Trinidad und Tobago verbreitet und beliebt ist. Ursprünglich ein simples „Arme-Leute-Essen“, hat es sich inzwischen zu einem beliebten Klassiker entwickelt. Kein Wunder – die Zubereitung ist schnell und einfach, die Zutaten sind leicht zu variieren und lecker ist es auch noch.

(Der Ausflug nach Toco wird trotz Buljol und Rum übrigens kein Erfolg, weil der Strand von einer Quallenplage heimgesucht wird und Sabine jetzt auch noch überzeugt ist, dass große Teile der lokalen Fauna eine ständige Gefahr darstellen.)

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Monique Roffey: The White Woman on the Green Bicycle

1956 kommen Sabine und George Harwood als jungvermähltes Ehepaar aus England nach Trinidad. Drei Jahre soll George in der dortigen Zweigstelle seines Unternehmens arbeiten, danach wollen sie wieder zurück nach England gehen. George ist begeistert von der neuen Heimat auf Zeit, liest alles über die Insel, liebt ihre Geräusche und Gerüche. Sabine ist verzweifelt. Als sie Trinidad das erste Mal sieht, noch bevor das Schiff überhaupt anlegt, hasst sie die Hitze und die wuselige Geschäftigkeit im Hafen. Während die Leinen festgemacht werden, versteckt sie sich in der Kabine und fleht die Jungfrau Maria um Hilfe an. Doch sie will sich tapferer zeigen als die anderen verhätschelten Expat-Gattinnen und nicht nur jammern. Die drei Jahre werden wohl auszuhalten sein. Dass sie weit länger bleiben wird, ahnt sie da noch nicht.

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Die Zeit, in der die Harwoods nach Trinidad kommen, ist denkbar ungünstig. Große Teile der Inselbevölkerung haben nun nicht gerade auf noch mehr Briten gewartet. Eric Williams ist der neue Stern am politischen Himmel, seinen Reden auf dem zentralen Woodford Square lauschen tausende begeisterte Anhänger. Mit den Worten „Massa day done“ fordert er den Abzug der weißen Ausländer, die erst mit Sklavenhaltung und nun mit einseitigen Machtstrukturen schon viel zu lange die Bevölkerung Trinidads unterdrücken. Sabine sieht sich mehr und mehr offenen Anfeindungen ausgesetzt, sie traut sich kaum noch in die Öffentlichkeit und erlebt ihr Dasein auf Trinidad als Zustand permanenter Bedrohung. Ihre wiederholte Bitte, die Insel endlich zu verlassen, nimmt George nicht ernst. Alleine traut Sabine sich aber auch nicht zurück nach England.

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