Ann Patchett: The Magician’s Assistant

 Sabine ist die Assistentin und Ehefrau des berühmten Magiers Parsifal. Und sie liebt ihn von ganzem Herzen. Obwohl Parsifal nur Männer liebt, bleibt sie ihm über lange Jahre treu ergeben, lebt mit ihm und seinem Lebensgefährten Phan in einer luxuriösen Villa in Los Angeles. Als Phan stirbt und Parsifal kurz darauf schwer erkrankt, heiratet er Sabine endlich, vor allem, um ihr die Erbschaftssteuer zu ersparen. Nach seinem dann doch unerwartet schnellen Tod hat Parsifals Anwalt eine überraschende Neuigkeit für Sabine. Im Testament des Magiers wird nicht nur sie selbst großzügig bedacht, sondern auch eine Familie Fetters aus Alliance, Nebraska – Parsifals Familie. Die ist nämlich nicht, wie Parsifal immer erzählte, bei einem tragischen Unfall komplett ausgelöscht worden. Seine Mutter Dot und die beiden Schwestern Bertie und Kitty erfreuen sich bester Gesundheit und kündigen nun ihren Besuch in LA an.

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Der Start ist holprig. Sabine hält wenig von den Hinterwäldlern aus dem Fly-over State mitten im nirgendwo, die darauf bestehen, dass Parsifal Guy Fetters heißt. Als Dot dann noch erzählt, dass der Sohn gebrochenen Herzens den Kontakt abgebrochen habe, weil sie seine Homosexualität nicht akzeptieren konnte, scheint es endgültig vorbei zu sein mit den gerade geknüpften Familienbanden. Doch über ein paar Drinks in der Hotelbar kommt man sich dann doch näher und auf einmal scheint ein Besuch Sabines in Nebraska kein abwegiger Gedanke mehr zu sein.

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Ali Smith: Im Hotel

imhotel„& weil ich immer auswendig wissen & niemals vergessen werde wie es klang wenn du im dunkeln geatmet hast“

Ali Smith habe ich erst letztes Jahr mit How to be Both kennengelernt und fand sie großartig. Im Hotel spielt 1999 in einem Luxushotel in einer nicht näher benannten schottischen Stadt, in dem vor einiger Zeit ein junges Zimmermädchen tragisch verunglückt ist. Um einen Kollegen zu beeindrucken, wollte sie beweisen, dass sie sich in den Speiseaufzug quetschen kann, doch dessen Seile konnten ihr Gewicht nicht halten und sie stürzte in den Tod. Ihren Geist, der versucht, die letzten Tage im Leben der nicht mehr existenten Sara Wilby zu rekonstruieren, lernt man im ersten Kapitel kennen.

Weiter geht es mit der Obdachlosen Else, die vor dem Hotel bettelt. Sie ist schwer krank, wenn sie sich bewegen muss, um an das hingeworfene Kleingeld zu kommen, schmerzt ihr ganzer Körper. Mit ihrem mitleiderregenden Auftritt erregt sie das Interesse der Hotelangestellten Lise, die ihren Husten bis zur Rezeption hört. Der Rezeption, an der vor einigen Stunden die junge Journalistin Penny eingecheckt hat, die große Stücke auf sich und ihre Abenteuerlust hält. Nur um etwas zu erleben, wird sie am Ende Clare helfen, die ins Hotel gekommen ist, um den Ort zu sehen, an dem ihre Schwester gestorben ist.

Um diese fünf Frauen und ihre Berührungspunkte dreht sich das Buch. Wie auch bei How to be Both geht es dabei weniger um die unmittelbaren Ereignisse die, bis auf Saras Tod, recht unspektakulär sind. Das Besondere an diesem Buch ist die Art des Erzählens. Der Stil der Erzählung wechselt mit jeder Frau – das oben angegebene Zitat stammt aus Clares Kapitel, in dem sie in einer Art innerem Monolog über ihre Schwestern nachdenkt und sich teilweise direkt an sie wendet. Tod, Trauer und der Umgang damit sind ein wichtiges Thema in diesem Buch. Aber auch soziale Gefälle, die sich in einem Luxushotel zwangsläufig ergeben, werden thematisiert, sowie die Wahrnehmung von Menschen durch andere – Penny erkennt Else erst nicht als Obdachlose sondern glaubt, da sie sich in einem Hotel kennenlernen, einen alternden Rockstar mit ausgefallenem Stil vor sich zu haben.

Aufgrund des Klappentexts hatte ich eher eine Hotelgeschichte wie in Pension Grillparzer oder Hotel Alpha erwartet. Das liefert Ali Smith nicht, dafür aber einen sehr atmosphärischen Roman, der ohne große Worte und ohne jeden Pathos viel sagt. Vor allem der Umgang mit dem schwierigen Thema der Trauer und deren Bewältigung ist beeindruckend. Uneingeschränkte Empfehlung!


Ali Smith: Im Hotel. Übersetzt von Silvia Morawetz. btb 2015. 251 Seiten, € 9,99. Deutsche Erstausgabe Luchterhand 2007. Originalausgabe: Hotel World. Hamish Hamilton 2001.

Das Zitat stammt von S. 236 der deutschen Taschenbuch-Ausgabe.