Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht.

Als Simone de Beauvoir Das andere Geschlecht schrieb und veröffentlichte, war die öffentliche Debatte noch nicht bei der „Zweiten Welle“ angekommen. Entsprechend aufsehenerregend waren ihre Thesen. Den Frauen, so Beauvoir läge kein „Frausein“ inne, es seien nicht Gene oder Hormone, welche die Frau zu dem machten, was sie in der Gesellschaft sei, sondern gesellschaftliche und hierarchische Strukturen. Die Frau würde bewusst als „das Andere“ definiert und konstruiert, als Objekt, das in der subjektiven Welt der Männer seinen Platz nur über letztere definieren kann.

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Jack Urwin: Boys Don’t Cry

Jack Urwins Karriere als Experte für „toxische Männlichkeit“ begann mit dem sehr persönlichen Artikel A Stiff Upper Lip Is Killing British Men, der 2014 im Vice-Magazine erschien. In diesem Artikel (und auch in seinem Buch) berichtet er von seinem Vater, der sehr jung an einem Herzinfarkt starb. Nach seinem Tod wurde festgestellt, dass er schon mindestens einen Infarkt gehabt haben musste und auch, dass er ein rezeptfreies Medikament gegen Herzbeschwerden gekauft hatte, seine Probleme ihm also durchaus bewusst waren. Urwin glaubt, dass sein Vater bedeutend älter hätte werden können, wenn er die berühmte „Stiff Upper Lip“ hätte ablegen können und sich mit seinen Sorgen und Beschwerden jemandem anvertraut hätte. Sein Vater, glaubt Urwin, sei dazu aber nicht in der Lage gewesen, weil ihm von Kindesbeinen an eingetrichtert wurde, dass Männer keine Schmerzen und keine Schwäche kennen oder doch zumindest nicht zeigen. Dieses Bild von Männlichkeit ist ein sehr schädliches – für Urwin sen. aus sehr offensichtlichen Gründen, aber auch für seine Frau, seine Kinder und viele andere Menschen, die ihn gerne noch ein paar Jahre länger um sich gehabt hätten.

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Gisela Notz: Kritik des Familismus

wpid-20151013_171646-1.jpg„Die familistische Ideologie unterstellt, dass alle Menschen Teil einer familialen Ordnung sein wollen.“

Wir leben in einer familistischen Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der die Familie, insbesondere die Vater-Mutter-Kind-Kleinfamilie als zu lebendes Ideal gilt, als Keimzelle gesellschaftlicher Ordnung und Rettungsanker für alle.

Doch Ideal und Realität liegen häufig weit auseinander. Laut dem Mikrozensus 2011 sind 37,2% der deutschen Haushalte Singlehaushalte, was bedeutet, dass 17,1% der Menschen alleine leben (cf 194). Neben den Singles gibt es natürlich auch zusammenlebende (Ehe)Paare, die keine Kinder haben, Menschen, die ohne ihre erwachsenen Kinder leben, alleinerziehende Elternteile und verschiedenste andere Formen des Zusammenlebens wie Wohngemeinschaften.

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