Chimamanda Ngozi Adichie: Purple Hibiscus

Eugene ist ein angesehenes Mitglied seiner Kirchengemeinde. Er ist streng gläubig, engagiert und unterstützt als reicher Unternehmer viele Stiftungen und Familien. In seinem nigerianischen Heimatdorf können viele Kinder nur dank seiner großzügigen Hilfe in die Schule gehen. Auch seine Tochter Kambili sieht zu ihm auf und bewundert ihn. Sie platzt vor Stolz, wenn andere positiv von ihrem Vater sprechen.

Obwohl sie weiß, wie er wirklich ist. Obwohl sie die dumpfen Schläge hinter verschlossenen Türen hört und das geschwollene, verfärbte Gesicht ihrer Mutter sieht. Obwohl ihr Vater ihre Füße mit kochendem Wasser übergießt, damit sie sieht, was passiert, wenn sie in Sünde geht. Eugene ist seiner Familie gegenüber ein grausamer Despot, der niemals daran zweifelt, im Recht zu sein.

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Essen aus Büchern: Akara aus Chimamanda Ngozi Adichies „Americanah“

Akara sind, einfach gesagt, frittierte Bällchen aus pürierten Augenbohnen. Nach allem was ich in Erfahrung bringen konnte, hat dieses Gericht seinen Ursprung in Westafrika, wo es auch heute noch vor allem als Street Food verbreitet ist, populär ist es aber vor allem in Brasilien unter dem Namen Acarajé.

In Americanah kauft Ifemelu Akara bei einer Straßenhändlerin in Lagos, wo sie eigentlich nur frittierte Kochbananen kaufen wollte, aber dem Angebot nicht widerstehen konnte. Wie sie Obinze erklärt stehen diese Akara für echten und damit unterstützenswerten Unternehmergeist:

„She is selling what she makes. She is not selling a location or the source of her oil or the name of the person that ground the beans. She is simply selling what she makes.“

Und was sie macht ist eben Akara und das ist deutlich mehr Aufwand als ich gedacht hätte.

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Teju Cole: Open City

tejucole_opencity„The walks met a need: they were a release from the tightly regulated mental environment of work, and once I discovered them as therapy, they became the normal thing, and I forgot what life had been like before I started walking.“

Julius lebt als Psychiater in New York. Es ist seine erste Berufserfahrung nach dem Studium und der durchgetaktete Klinikalltag, der Umgang mit den Patienten und ihre Probleme, die ihn manchmal auch nach Feierabend noch verfolgen, machen ihm zu schaffen, ebenso die Trennung von seiner Freundin. Die Therapie, die er für sich entdeckt, ist das Laufen. Kein sportliches Laufen sondern einfach Spaziergänge. Er lässt sich durch sein Viertel treiben, durch andere Teile New Yorks, den Central Park, an den Hudson. Gelegentlich besucht er seinen alten Professor Saito, der zurückgezogen in seiner Wohnung lebt und sich über den Austausch freut. Unterwegs beobachtet er die Menschen, die ihm begegnen und die Gebäude, an denen er vorbeikommt. Er berichtet über das, was er sieht und die Erinnerungen, die diese Begegnungen in ihm auslösen, an seine Studienjahre, an seine Kindheit in Nigeria. Letzteres verleitet ihn schließlich auch dazu, nach Brüssel zu reisen, die Stadt, in der seine Oma lebt oder lebte, seine deutschstämmige Großmutter mütterlicherseits. Es ist sehr lange her, dass er sie zuletzt gesehen hat, als sie seine Familie in Nigeria besuchte. Der diffuse Wunsch, ihr vielleicht zufällig zu begegnen, bringt ihn nach Belgien, wo er seinen gesamten Jahresurlaub verbringt. Auch hier schlendert er durch die Stadt, ohne jedoch seine Großmutter zu treffen, dafür aber einen Marokkaner, der ein Internetcafé betreibt und mit dem er über islamischen Extremismus spricht.

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Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah

americanahIn America you don’t get to decide what race you are. It is decided for you.

Ifemelu sitzt in einem Haarsalon in Trenton und lässt sich die Haare flechten. Nach 15 Jahren in den USA, mit einem gut bezahlten Job an der Universität Princeton, Eigenheim und fester Beziehung will sie nach Nigeria zurückkehren. Als Americanah, wie die Rückkehrenden dort genannt werden.

Aufgewachsen ist Ifemelu als Tochter einer fast fanatisch gläubigen Christin in Lagos. Noch zu Schulzeiten lernt sie ihre große Liebe Obinze kennen, mit dem zusammen sie auch studiert und eine Zukunft plant. Doch die Militärdiktatur im Land wirkt sich zunehmend negativ auf ihr Leben und das ihrer Familie aus. Die sicher geglaubte Zukunft mit Obinze wird ein vages Hoffen und so lässt sie sich schließlich von seiner Begeisterung für die USA anstecken und bewirbt sich um ein Studienvisum, das sie dank einer bürgenden Angehörigen auch bald bekommt. Obinze will nachkommen, doch seine Anträge werden wieder und wieder abgelehnt.

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Chigozie Obioma: Der dunkle Fluss

derdunkleflussBenjamin wächst mit seinen Brüdern Ikenna, Boja und Obembe in Akure auf, einer Stadt im Süden Nigerias. Ben ist neun Jahre alt, als sein Vater 1996 verkündet, er werde von nun an im weit entfernten Yola leben. Seine Arbeit bei der Nationalbank lässt ihm keine andere Wahl, er will seine Familie aber auch nicht mit in die seiner Meinung nach gefährliche und kriminelle Stadt nehmen. Er verlässt sich darauf, dass seine Söhne weiterhin ihre Ziele verfolgen, denn er hat ehrgeizige Pläne mit ihnen, sie sollen Ärzte, Anwälte und Piloten werden.

Stattdessen werden sie Fischer. Denn sobald der Vater die Stadt verlässt, weichen die Strukturen der Familie auf. Die Mutter arbeitet fast den ganzen Tag und so bleiben die Bücher bald im Regal, stattdessen wollen die Jungen Fußball spielen. Doch ihre streberhafte Abwesenheit von den Bolzplätzen in den letzten Jahren hat sie zu Außenseitern gemacht, die von den Nachbarjungen nicht mehr akzeptiert werden. Stattdessen schleichen sie sich zum Ufer des Omi-Ala, des dunklen Flusses, der in der Nähe ihres Hauses fließt. Das ist streng verboten, denn dunkle Legenden ranken sich um den Fluss, auf dem ein Fluch zu liegen scheint. Die Jungen beginnen zu angeln um sich die Zeit zu vertreiben und in der Hoffnung auf einen großen Fang, den sie auf dem Markt zu Geld machen können. Das Anglerglück bleibt aus und schließlich überwiegt die Sorge, dass ihr Geheimnis aufgedeckt wird und die Brüder beschließen schon nach wenigen Wochen, ihre Anglerkarriere zu beenden. Doch da scheint der Fluch des dunklen Flusses sie schon ereilt zu haben. Auf ihrem letzten Heimweg vom Fluss treffen sie auf den verrückten Abulu, der in einem alten Bus lebt und die ganze Stadt ungebeten mit dunklen Prophezeiungen versorgt. An diesem Abend hat er es auf Ikenna abgesehen. Er wird ermordet werden, sagt er ihm voraus, von einem seiner Brüder.

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