Essen aus Büchern: Panthay Khowse aus John Irvings „Gottes Werk und Teufels Beitrag“

Panthay Khowse ist nach Nga Sak Kin das zweite Gericht aus Gottes Werk und Teufels Beitrag, dass ich hier vorstelle und auch in diesem Fall hat die Irving’sche Schreibweise es mir nicht leichter gemacht, überhaupt was zu finden.

„Die Familien aßen draußen auf einer Veranda. Sie gaben ihm Reis, Tee und jede Menge Sachen mit Curry. Als sein Fieber fiel, aß Wally Panthay Khowse (Nudeln mit Huhn), und Nga Sak Kin, Fischbällchen mit Curry. Dies waren die ersten Wörter, die seine burmesischen Retter ihm beizubringen versuchten.“

Die Panthay sind eine aus China stammende muslimische Bevölkerungsgruppe in Myanmar und Panthay Khowse ist eine Variation eines beliebten Gerichts mit Nudeln und Huhn. Die häufigste Transkriptionsform ist Panthay Khauk-Swe, Kauk-Swe oder Kaukswe, das k wird allerdings nicht gesprochen, daher wohl auch die Transkription Khowse im Roman. Das Gericht ist relativ kleinteilig in der Zubereitung, und es erscheint mir unwahrscheinlich, dass Wallys Retter ihn in erster Linie damit versorgen. Ich habe den leisen Verdacht, dass Irving einfach die beiden Gerichte genommen hat, die er zufällig aus einem burmesischen Restaurant kannte, aber das ist eine Unterstellung. Auf jeden Fall gibt es andere Nudelgerichte mit Huhn in Myanmar, die weit weniger kompliziert sind und mir wahrscheinlicher erscheinen würden, wäre das ganze nicht ohnehin rein fiktiv. Ich kann mir aber die Klugscheißerei nicht verkneifen, anzumerken, dass keines der benannten Gerichte mit dem zubereitet wird, was man in Europa unter Curry versteht. Genug gemotzt, es gibt Essen.

Panthay Kaukswe besteht aus Huhn in einer Soße, die vor allem aus Kokosmilch hergestellt wird, und Nudeln. Außerdem, und da wird es kleinteilig, gibt es dazu eine Reihe Toppings, die nach Belieben von den Gästen hinzugefügt werden können.

PanthayKhowse

Für 4 Personen:

  • 600 g Hühnchenfleisch
  • 2 gehackte Knoblauchzehen
  • 2 gehackte Zwiebeln
  • 1 TL fein gehackter Ingwer
  • 3 EL Fischsauce*
  • 2 TL Erdnussöl
  • 1 TL Sesamöl
  • 1 TL Chilipulver
  • 1 Prise Salz
  • 150 ml Kokosmilch
  • 200 g Kokoscreme
  • 250 g Glasnudeln oder dünne Eiernudeln

*noch ein Wort zur Fischsauce: die kommt aus einem anderen Kaukswe-Rezept. In diesem hier wird eigentlich 1 TL Paste aus getrockneten Shrimps verwendet. Das ist möglicherweise sehr lecker, aber der Geruch stößt mich leider so ab, dass ich das nicht in meinem Essen haben wollte. Experimentierfreudigere finden die Paste im Asia-Laden.

serviert wird das Gericht mit verschiedenen Toppings, die alle einen unterschiedlichen Geschmack in das Essen bringen. Man kann nach Geschmack alle oder auch nur einige verwenden:

  • in Ringe geschnittene Frühlingszwiebeln
  • gehacktes Koriander-Grün
  • dünn geschnittene Zwiebel
  • frittierte Nudeln, in kleine Stücke gebrochen
  • geröstete Knoblauch-Scheiben
  • geröstete Zwiebel-Ringe
  • Zitronenspalten
  • gehackte getrocknete Chilis

Knoblauch, Zwiebeln, Ingwer und 1 TL des Erdnussöls mit dem Mixer zu einer glatten Paste verarbeiten. Das Fleisch in mundgerechte Stücke schneiden.

In einem Wok oder einer großen Pfanne das übrige Öl auf niedriger Temperatur erhitzen. Die Paste zugeben und 5 Minuten garen. Anschließend das Fleisch zugeben und von allen Seiten anbraten. Chilipulver, Salz, Fischsauce und Kokosmilch zugeben und das Fleisch ca. 40 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen. Sollte die Soße in der Zeit zu sehr andicken, kann etwas Wasser angegossen werden.

Während der Kochzeit die gewünschten Toppings vorbereiten.

Die Kokoscreme mit ca. 80 ml heißem Wasser glatt verrühren. Das Wasser für die Nudeln aufsetzen.

Nach Ende der Kochzeit des Fleischs die angerührte Kokoscreme zugeben und aufkochen lassen, dabei gut rühren. Etwa 5 Minuten köcheln lassen. In dieser Zeit auch die Nudeln nach Packungsanweisung kochen.

Die Nudeln, Soße und Toppings werden getrennt serviert. Erst auf dem Teller wird die Soße über die Nudeln gegossen und jeder nimmt sich Toppings nach Belieben.

Auch wenn die Toppings die meiste Arbeit sind – an denen sollte man wirklich nicht sparen, weil sie dem Essen den letzten Schliff verleihen. Die Soße alleine hat außer Kokos eben nicht viel zu bieten. Aber in der Kombination ist das ein großartiges Gericht und sollte ich irgendwann  aufgrund unglücklicher Umstände in Myanmar abgeschossen werden, hätte ich das auch gerne.


Das Zitat stammt aus Teil 3, Kapitel 19 der audible-Fassung des Hörbuchs von John Irving: Gottes Werk und Teufels Beitrag. Random House Audio 2015.

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Essen aus Büchern: Nga Sak Kin aus John Irvings „Gottes Werk und Teufels Beitrag“

Wenn man “Nga Sak Kin” googled, findet man zwei Dinge. Zum einen Treffer mit Bezug auf Gottes Werk und Teufels Beitrag, zum anderen Artikel über verschiedene Feiertage in Myanmar, an denen angeblich besonders oft Nga Sak Kin gegessen wird. Offenkundig beziehen die Autoren dieser Texte ihr Wissen über die burmesische Küche von Irving. Ein Rezept zu finden war außergewöhnlich schwierig, vor allem weil die Schreibweise “Nga Sak Kin” selten bis gar nicht vorhanden zu sein scheint.

Die Familien aßen draußen auf einer Veranda. Sie gaben ihm Reis, Tee und jede Menge Sachen mit Curry. Als sein Fieber fiel, aß Wally Panthay Khowse (Nudeln mit Huhn), und Nga Sak Kin, Fischbällchen mit Curry. Dies waren die ersten Wörter, die seine burmesischen Retter ihm beizubringen versuchten.

Auf die richtige Spur in Form der phonetisch ähnlichen aber anders umgesetzten Schreibweise “Nga Soke” brachte mich ausgerechnet ein Buch über Surimi. Dass das Zeug sich in meinem Leben nochmal als hilfreich erweisen würde!

Auch im Roman führt der ungewohnte Name des Gerichts zu Missverständnissen. Wally nimmt zuerst an, es seien die Namen seines burmesischen Retters und seiner Frau, später wird es zu einem exotischen Segenswunsch, mit dem der jüngst aus den ehemaligen Kolonien zurückgekehrte Dr. Stone das Komitee des Waisenhauses beeindruckt.

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