Man Booker International Prize für „The Vegetarian“ von Han Kang

thevegetarianHeute ist der Man Booker International Prize verliehen worden, mit dem seit diesem Jahr jährlich ein Werk ausgezeichnet wird, das in englischer Übersetzung erschienen ist. Dieses Jahr hat den Preis die Koreanerin Han Kang für ihren Roman The Vegetarian bekommen. Sie teilt sich den Preis mit Deborah Smith, die den Roman übersetzt hat. Smith hat erst vor sieben Jahren begonnen, Koreanisch zu lernen, dann aber auch gleich in Südkorea.

Der Roman handelt von der Koreanerin Yeong-hye, einer Frau, die ein friedliches Leben mit ihrem Ehemann führt, bis sie plötzlich beschließt, fortan Vegetarierin zu sein. Ihr Umfeld nimmt dies als Akt der Rebellion wahr. Yeong-hye wird immer radikaler, entfernt alles tierische aus dem Haushalt und träumt vom Leben als Pflanze. Ihre Familie steht dieser Entwicklung sehr kritisch gegenüber und wendet sich schließlich gegen sie.

In deutscher Übersetzung erscheint das Buch unter dem Titel Die Vegetarierin im August bei aufbau.

 

Man Booker International Prize – Longlist 2016

Letztes Jahr hatte ich endlich und abschließend die Regeln des Man Booker International Prize verstanden, da wurden sie geändert.

Seit diesem Jahr gilt: Der Preis wird jedes Jahr verliehen, außerdem nicht mehr für das Gesamtwerk eines Autors oder einer Autorin, sondern für einen einzelnen Roman oder eine Sammlung von Kurzgeschichten. Das Werk muss in einer anderen Sprache als Englisch verfasst worden sein, aber in englischer Übersetzung in Großbritannien verlegt worden sein. Erstmal gibt es eine Longlist, die das klassische Man Booker Dozen von 13 Büchern umfasst und im April auf eine Shortlist von sechs Titeln verkürzt werden wird.

Alles klar? Hier ist die Liste inkl. ÜbersetzerInnen (Links führen zu den Autoren- bzw. Buchvorstellungen auf der Seite des Man Booker Prize):

José Eduardo Agualusa (Angola) Daniel Hahn, A General Theory of Oblivion (Harvill Secker)

Elena Ferrante (Italien) Ann Goldstein, The Story of the Lost Child (Europa Editions)

Han Kang (Südkorea) Deborah Smith, The Vegetarian (Portobello Books)

Maylis de Kerangal (Frankreich) Jessica Moore, Mend the Living (Maclehose Press); dt.: Die Lebenden reparieren, Suhrkamp

Eka Kurniawan (Indonesien) Labodalih Sembiring, Man Tiger (Verso Books); dt.: Tigermann, Ostasien Verlag

Yan Lianke (China) Carlos Rojas, The Four Books (Chatto & Windus)

Fiston Mwanza Mujila (Demokratische Republik Kongo/Österreich) Roland Glasser, Tram 83 (Jacaranda)

Raduan Nassar (Brasilien) Stefan Tobler, A Cup of Rage (Penguin Modern Classics); dt.: Ein Glas Wut, Suhrkamp

Marie NDiaye (Frankreich) Jordan Stump, Ladivine (Maclehose Press); dt.: Ladivine, Suhrkamp

Kenzaburō Ōe (Japan) Deborah Boliner Boem, Death by Water (Atlantic Books)

Aki Ollikainen (Finnland) Emily & Fleur Jeremiah, White Hunger (Peirene Press); dt.: Das Hungerjahr, Transit Verlag

Orhan Pamuk (Türkei) Ekin Oklap, A Strangeness in My Mind (Faber & Faber); dt.: Diese Fremdheit in mir, Hanser

Robert Seethaler (Österreich) Charlotte Collins, A Whole Life (Picador); dt.: Ein ganzes Leben, Hanser

Soweit mir bekannt, habe ich den Titel der deutschen Übersetzungen angegeben.

Mehr Infos wie immer auf der Seite des Man Booker International Prize 2016.

László Krasznahorkai: Melancholie des Widerstands

widerstandBis zur Verleihung des diesjährigen Man Booker International hatte ich, wie ich zugeben muss, László Krasznahorkai überhaupt nicht auf dem Schirm. Macht nichts, kann man nachholen. Das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe, ist also Melancholie des Widerstands.

Die eigentliche Handlung ist schnell erzählt – in einer ungarischen Kleinstadt steht die Welt am Rande des Untergangs. Schon Anfang November sind die Temperaturen ungewöhnlich niedrig, der Unrat gefriert auf den Straßen, die Züge fahren nicht mehr regelmäßig und die Straßenlaternen leuchten nicht mehr. Wer sich nach Einbruch der Dunkelheit draußen herumtreibt, spielt mit seinem Leben, über der ganzen Stadt hängt eine Glocke der Angst. Dann kommt ein Zirkus in die Stadt, der nicht nur einen ausgestopften riesigen Wal mitbringt, sondern auch einen winzigen Herzog mit fiepsiger Stimme. Dem Zirkus folgt eine Schar bedrohlicher Gestalten, die sich schweigend und düster auf dem Marktplatz versammeln und auf den Befehl des mysteriösen Herzogs warten, der scheinbar nichts will als Zerstörung.

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Man Booker International Prize 2015

Am 19.05. wurde der diesjährige Man Booker International Prize verliehen.

Zusätzlich zum „normalen“ Man Booker Prize for Fiction gibt es seit 2005 noch den internationalen, der auch an AutorInnen verliehen wird, die nicht zwingend auf Englisch schreiben (aber in englischer Übersetzung vorliegen) und nicht aus Großbritannien, Nordirland oder einem Commonwealth-Staat kommen. Außerdem gibt es den Preis nicht für ein Werk sondern für’s Gesamtwerk und nur alle zwei Jahre. Die Booker Preise überzeugen also nicht gerade durch ein einfaches Regelwerk, dafür aber durch Auswahl. Vom Booker Prize halte ich sehr, sehr viel, den kriegen eigentlich immer gute Leute.

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