Man Booker International Prize für „The Vegetarian“ von Han Kang

thevegetarianHeute ist der Man Booker International Prize verliehen worden, mit dem seit diesem Jahr jährlich ein Werk ausgezeichnet wird, das in englischer Übersetzung erschienen ist. Dieses Jahr hat den Preis die Koreanerin Han Kang für ihren Roman The Vegetarian bekommen. Sie teilt sich den Preis mit Deborah Smith, die den Roman übersetzt hat. Smith hat erst vor sieben Jahren begonnen, Koreanisch zu lernen, dann aber auch gleich in Südkorea.

Der Roman handelt von der Koreanerin Yeong-hye, einer Frau, die ein friedliches Leben mit ihrem Ehemann führt, bis sie plötzlich beschließt, fortan Vegetarierin zu sein. Ihr Umfeld nimmt dies als Akt der Rebellion wahr. Yeong-hye wird immer radikaler, entfernt alles tierische aus dem Haushalt und träumt vom Leben als Pflanze. Ihre Familie steht dieser Entwicklung sehr kritisch gegenüber und wendet sich schließlich gegen sie.

In deutscher Übersetzung erscheint das Buch unter dem Titel Die Vegetarierin im August bei aufbau.

 

László Krasznahorkai: Melancholie des Widerstands

widerstandBis zur Verleihung des diesjährigen Man Booker International hatte ich, wie ich zugeben muss, László Krasznahorkai überhaupt nicht auf dem Schirm. Macht nichts, kann man nachholen. Das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe, ist also Melancholie des Widerstands.

Die eigentliche Handlung ist schnell erzählt – in einer ungarischen Kleinstadt steht die Welt am Rande des Untergangs. Schon Anfang November sind die Temperaturen ungewöhnlich niedrig, der Unrat gefriert auf den Straßen, die Züge fahren nicht mehr regelmäßig und die Straßenlaternen leuchten nicht mehr. Wer sich nach Einbruch der Dunkelheit draußen herumtreibt, spielt mit seinem Leben, über der ganzen Stadt hängt eine Glocke der Angst. Dann kommt ein Zirkus in die Stadt, der nicht nur einen ausgestopften riesigen Wal mitbringt, sondern auch einen winzigen Herzog mit fiepsiger Stimme. Dem Zirkus folgt eine Schar bedrohlicher Gestalten, die sich schweigend und düster auf dem Marktplatz versammeln und auf den Befehl des mysteriösen Herzogs warten, der scheinbar nichts will als Zerstörung.

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