Sarah Waters: Fingersmith

Susan Trinder wächst in den 1860ern in London auf. Sie lebt südlich der Themse, in der Lant Street, einer der düstersten und fiesesten Ecken der Stadt. Ihre Mutter ist als Mörderin gehängt worden, von ihrer Ziehmutter lernt sie vor allem Stehlen und Betteln.

SarahWaters_FingersmithEines Tages taucht Mr Rivers in der dunklen Behausung auf und macht Susan ein verlockendes Angebot. Er hat ein Auge auf Maud Lilly geworfen, eine junge Dame aus gutem Haus, die eine Menge Geld erbt, wenn sie heiratet. Susan soll nun Zofe und Vertraute von Maud werden, letztere von einer Heirat mit Mr Rivers überzeugen und anschließend helfen, sie schnellstmöglich ins Irrenhaus zu bringen. Für sie selbst springt dabei ein ganz ordentlicher Anteil am Erbe raus, ordentlicher auf jeden Fall als alles, was sie sich in ihrem Leben erträumt hätte.

Ohne große Gewissensbisse macht Susan sich also auf nach Buckinghamshire, wo die naive und ahnungslose Maud Lilly zusammen mit ihrem wunderlichen Onkel im trostlosen, abgelegenen Haus Briar lebt, das seinen ehemaligen Glanz schon lange verloren hat. Das schüchterne Mädchen in Mr Rivers Arme zu treiben, verspricht ein leichtes Unterfangen zu werden.

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Zadie Smith: White Teeth

White Teeth war Zadie Smiths erster Roman und verschaffte ihr quasi über Nacht einen festen Platz unter den Größen der britischen Literatur. Der Roman ist recht umfangreich, sowohl was die Seitenzahl als auch die Fülle der Themen anbelangt. Glaube, Religion, Fundamentalismus, Extremismus, Feminismus, Liebe, Coming of Age, Kolonialismus, Herkunft und Identität werden allesamt in diesem Roman behandelt, und dann habe ich sicher noch einige Themen vergessen.

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Kern der ganzen Geschichte sind die Familien Jones und Iqbal, deren Väter vor Jahrzehnten mal im gleichen Krieg zufällig im gleichen Panzer saßen. Der eine kommt aus Großbritannien, der andere aus Bangladesh. Nun leben beide, verheiratet und mit Kindern, nicht weit voneinander entfernt in London. Samad Iqbal leidet sehr unter seiner Situation als Einwanderer. Er fühlt sich nie wirklich willkommen und hofft, dass seine beiden Söhne nicht von der britischen Kultur assimiliert werden. Für ihn kann das Leben in England nie mehr als ein vorübergehender Zustand sein und seine Söhne sollen unter gar keinen Umständen ihre Wurzeln vergessen. Archie Jones heiratet nach einem Suizidversuch die deutlich jüngere Clara, Tochter jamaikanischer Einwanderer und bis vor kurzem überzeugte Zeugin Jehovas.

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Alan Bennett: The Lady in the Van

alanbennett_theladyinthevan.jpg„For the first few years of her sojourn in the garden I would try and explain to mystified callers how this situation had arisen, but after a while I ceased to care, and when I didn’t mention it nor did anyone else.“

Alan Bennetts Bücher sind so britisch, wie Bücher sein können. Die skurrile Erzählung um Miss Shepherd bildet da keine Ausnahme.

Es ist die wahre Geschichte einer Frau, die in einem Lieferwagen in Alan Bennetts Straße im Londoner Viertel Camden Town lebte. Als er sich 1969 das erste mal mit ihr unterhält, lebt sie schon fast fünf Jahre in ihrem Van, betrachtet es aber noch immer als eine vorübergehende Lösung. Bennett begegnet Miss Shepherd auch vor der Bank, wo sie katholische Traktate über den Heiligen Franziskus vertreibt, der das Geld von sich geworfen habe. Die Bewohner von Haus Nr. 63, vor dem Miss Shepherd nun schon seit einigen Monaten lebt, erwirken eine Verfügung, die das dauerhafte Campieren in dem Wohnviertel untersagt. Von nun an findet Miss Shepherd keine Ruhe mehr. Betrunkene klopfen nachts an ihren Wagen oder werfen Flaschen dagegen und obwohl sie selbst den bedauernswerten Geschöpfen, die versehentlich zu viel getrunken haben, gerne verzeiht, fürchtet Alan Bennett um ihre Sicherheit und seinen ruhigen Schlaf. Also bietet er ihr an, für ein paar Tage, bis sich ein besserer Stellplatz oder eine andere Lösung gefunden hat, den Van in seinem kleinen Garten abzustellen. Es wird bis 1989 dauern.

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