Baileys Prize for Women’s Fiction – Shortlist 2017

Heute wurde die Shortlist für den diesjährigen Baileys Prize veröffentlicht. Noch im Rennen sind:

Adebayo, Ayobami: Stay with me

Alderman, Naomi: The Power

Grant, Linda: The Dark Circle

Morgan, C.E.: The Sport of Kings

Riley, Gwendoline: First Love

Thien, Madeleine: Do Not Say We Have Nothing

Das ist tatsächlich eine völlig andere Liste als die, die ich mir gewünscht hätte und ich verstehe auch immer noch nicht, warum Ali Smith nicht auf der Liste ist, obwohl sie im relevanten Zeitraum was veröffentlicht hat.

Aber wir wollen nicht so sein, die Titel kommen natürlich trotzdem alle auf die Liste für das Leseprojekt. Verliehen wird der Preis in diesem Jahr am 07.06., zum letzten Mal übrigens unter Baileys-Sponsorship. Mal sehen, wie es danach mit dem Preis weitergeht. Nachdem die bisherigen Sponsoren anscheinend frauenaffine Produkte wie Telefonverträge und Sahnelikörchen vertrieben haben, fände ich ja jetzt mal nen Baumarkt gut, B&Q oder sowas. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Baileys Women’s Prize for Fiction – die Longlist 2017

Am Frauentag verkündet der Prize formerly known as the Orange die diesjährige Longlist. Das letzte mal übrigens als Baileys, der Sponsorenvertrag endet in diesem Jahr. Für mich ist es dieses mal natürlich besonders spannend, weil sechs davon Teil meines WPF-Leseprojekts werden.

Die Nominierten sind:

Adebayo, Ayombami: Stay with me

Alderman, Naomi: The Power

Atwood, Margaret: Hag-Seed
als Neuerzählung von „The Tempest“ Teil der Hogarth-Shakespeare Reihe. Möglicherweise ihre 4. Shortlist-Platzierung. Erscheint im April als Hexensaat auf deutsch bei KNAUS.

Flint, Emma: Little Deaths

Gaitskill, Mary: The Mare
auf deutsch als Die Stute bei Klett-Cotta

Grant, Linda: The Dark Circle
2000 Siegerin mit When I lived in Modern Times

Eimear McBride: The Lesser Bohemians
mit The Girl is a Half-Formed Thing Siegerin 2014

Melrose, Fiona: Midwinter

Morgan, C.E.: The Sport of Kings

Omotos, Yewande: The Woman Next Door
die Protagonistin hat meinen Namen, sollte mindestens auf die Shortlist; in deutscher Übersetzung unter dem Titel Die Frau nebenan bei Paul List

O’Neill, Heather: The Lonely Hearts Hotel
war auch schon mal auf der Shortlist

Perry, Sarah: The Essex Serpent

Proulx, Annie: Barksins
Chance auf die zweite Shortlist-Platzierung, das letzte Mal war allerdings 1997; auf deutsch als Aus hartem Holz beim Luchterhand Verlag

Riley, Gwendoline: First Love

Thien, Madeleine: Do Not Say We Have Nothing

Tremain, Rose: The Gustav Sonata
war schon zwei mal auf der Shortlist, auf deutsch unter dem Titel Und damit fing es an bei Insel erschienen.

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National Book Award 2016

Gestern gegen 21:00 Uhr EST, als ich also schon lange geschlafen habe, wurden die National Book Awards vergeben.

In der Kategorie Fiction hat Colson Whitehead den Preis bekommen für The Underground Railroad. Der Roman spielt in den Südstaaten und handelt von der jungen Sklavin Cora, die unter ihren Lebensbedinungen so sehr leidet, dass sie versucht über die illegalen Fluchtwege, die sogenannte „Underground Railroad“ in den Norden zu fliehen. Aber auch in den vermeintlich sicheren Staaten findet sie keine Ruhe und ein Sklavenjäger ist ihr auf den Fersen.

Von der Shortlist habe ich nur The Association of Small Bombs gelesen und war sehr wenig überzeugt.

Das beste Sachbuch des Jahres kommt nach Ansicht der Jury von Ibram X. Kendi und handelt ebenfalls von Rassismus. In Stamped from the Beginning: The Definitive History of Racist Ideas in America legt er dar, warum die USA den Rassismus mitnichten hinter sich gelassen haben. Er konzentriert sich dabei auf fünf einflussreiche amerikanische Aktivisten und Theoretiker: den Priester Cotton Mather, Thomas Jefferson, William Lloyd Garrison, W.E.B. Du Bois und Angela Davis. Anhand ihrer Thesen und Argumente zeichnet er eine Geschichte des Rassimus in den USA und deckt die zu Grunde liegenden Mechanismen und Entwicklungen auf.

In der Kategorie Poetry hat Daniel Borzutzky mit The Performance of Becoming Human gewonnen, im Jugendbuch das Buch March: Book Three von John Lewis, Andrew Aydin und Nate Powell, das vom Civil Rights Movement in den 1960ern erzählt.

Nachdem ja erst vor kurzer Zeit Paul Beatty den Man Booker Prize für The Sellout bekommen hat, das sich auch mit Rassismus in den USA auseinander setzt, scheint es da gerade einen gewaltigen Gesprächsbedarf zu geben. Wollen wir hoffen, dass es was bringt.

Man Booker Prize für Paul Beatty

Paul Beatty hat für The Sellout den diesjährigen Man Booker Prize bekommen und ist damit der erste US-Amerikaner, der diese Auszeichnung erhält. Fairerweise sei gesagt, dass die nicht immer schlechte Bücher schreiben, sondern erst seit 2014 mitspielen dürfen.

Der Roman ist eine Parodie auf das multiethnische Zusammenleben in den USA, erzählt aus der Sicht eines Manns, der in der Gegend von Los Angeles lebt, in einem Ort, der dem Staat so peinlich ist, dass er nicht mehr auf Landkarte verzeichnet wird. In einem irrwitzigen Experiment führt er in dieser Stadt die Sklaverei wieder ein und setzt an der örtlichen Schule die Rassentrennung durch.

Im Interview sagt Beatty, dass er die These gehört habe, dass sich die Situation für die schwarze Bevölkerung seit dem Ende der Rassentrennung eher verschlechtert habe. Denn im Grunde sei die Gesellschaft ohnehin noch immer getrennt, wenn auch nicht offiziell. Diese Überlegung treibt er in seinem Roman auf die Spitze.

Mehr dazu in diesem sehr sympathischen Interview:

Auf Deutsch ist der Titel bisher meines Wissens nicht angekündigt.

Literaturpreishysterie

Bob Dylan hat den Nobelpreis für Literatur bekommen, das wissen ja mittlerweile wirklich alle. Dazu habe ich keine dezidierte Meinung, weil mich der Nobelpreis an sich nicht besonders interessiert. In den letzten Jahren habe ich nur Mo Yan gelesen und fand es gut. Modiano habe ich nach dreißig Seiten aus Langeweile und Desinteresse abgebrochen.

Ein kleines bisschen hat es mich erleichtert, dass es ein Musiker war, das erspart mir Leute, die im Laden stehen und völlig entsetzt fragen „und von dem haben sie überhaupt nichts da?!“ Nein, habe ich nicht. Würde es irgendwann mal Murakami, hätte ich natürlich was da, würde es Thiong’o hätte ich natürlich nichts da, weil ich genau einen Kunden habe, der den kauft. Dem bestelle ich alle neuen Titel, er freut sich und gut ist. Würde Thiong’o den Nobelpreis bekommen, würde dieser eine Mann sich freuen und vielleicht eines der Bücher nochmal lesen, die er ohnehin schon zu Hause hat. Dafür hätte ich auch dreißig Leute im Laden, die entsetzt sind, dass ich nichts von einem Autor am Lager habe, von dem sie gestern in der Tagesschau das erste Mal gehört haben und den sie vielleicht für einen Koreaner halten. Die Anzahl der Menschen, die entsetzt waren, weil ich nichts von [pet-rik] [mou-di-ai-nou] am Lager habe, war wirklich zu hoch. Gute Frau, nachdem Sie ohne einen Roman dieses Mannes offenbar keinen Tag mehr leben können, sollten Sie vielleicht wenigstens wissen, dass er Franzose ist.

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National Book Awards – Longlist Fiction 2016

Wie versprochen kommt heute noch die Longlist Fiction hinterher:

Diese Sektion ist nicht so USA-lastig wie die Sachbuch-Liste. Über What Belongs To You habe ich letzens gelesen, dass es „the new American gay novel“ sei und The Portable Veblen kenne ich schon von der Shortlist des Baileys Women’s Prize for Fiction, über den Rest kann ich fast nichts sagen. Der Roman von Mahajan klingt aber so, als müsste ich ihn lesen. Soweit mir bekannt, ist bisher keiner der Titel übersetzt.

 

National Book Awards – Longlist Nonfiction 2016

Seit vorgestern werden die Longlists der diesjährigen National Book Awards veröffentlicht. Young People’s Literature war die erste, gefolgt von Poetry, beide von mir vernachlässigt, weil leider nicht gerade meine Spezialgebiete. Heute dann also Sachbuch, was ich auch vergleichsweise wenige lese, mich aber immerhin interessert:

  • Andrew J. Bacevich: America’s War for the Greater Middle East: A Military History
  • Patricia Bell-Scott: The Firebrand and the First Lady: Portrait of a Friendship: Pauli Murray, Eleanor Roosevelt, and the Struggle for Social Justice
  • Adam CohenImbeciles: The Supreme Court, American Eugenics, and the Sterilization of Carrie Buck
  • Arlie Russell Hochschild: Strangers in Their Own Land: Anger and Mourning on the American Right
  • Ibram X. Kendi:Stamped from the Beginning: The Definitive History of Racist Ideas in America
  • Viet Thanh Nguyen: Nothing Ever Dies: Vietnam and the Memory of War
  • Cathy O’Neil:Weapons of Math Destruction: How Big Data Increases Inequality and Threatens Democracy
  • Andrés Reséndez:The Other Slavery: The Uncovered Story of Indian Enslavement in America
  • Manisha Sinha:The Slave’s Cause: A History of Abolition
  • Heather Ann Thompson:Blood in the Water: The Attica Prison Uprising of 1971 and Its Legacy

Selbst für die National Book Awards ist das eine sehr USA-lastige Liste. In aller Regel findet sich auch noch was naturwissenschaftliches, das fehlt in diesem Jahr komplett. Ein paar Titel klingen aber spannend genug, dass ich sie mir mal genauer angucken muss.

Ich melde mich morgen nochmal mit der (für mich wirklich spannenden) Longlist Fiction.

Internationaler Literaturpreis für „Erschlagt die Armen“

Der diesjährige 8. Internationale Literaturpreis geht an Shumona Sinha und die Übersetzerin Lena Müller für Erschlagt die Armen. In der Jurybegründung heißt es, „Müller hat die raue Prosa Sinhas mit ihren ungebärdigen, die Wirkmacht der Sprache auslotenden poetischen Widerhaken kraftvoll ins Deutsche gebracht.“

Der Roman handelt von der Mitarbeiterin einer Asylbehörde in Paris. Sie ist dort als Dolmetscherin tätig und hilft bei der Vernehmung der Geflüchteten. Eines Tages verliert sie die Nerven und verletzt in der Metro einen Migranten – recht rabiat mit einer Weinflasche. Auf einmal ist sie diejenige, die verhört wird, der Roman ist ihr Monolog, in dem sie die Unerträglichkeiten der Flüchtlingspolitik darlegt.

Das französische Original ist 2011 unter dem Titel Assomons les pauvres! bei Editions de l’Olivier erschienen, die deutsche Ausgabe im letzten Jahr bei der fantastischen Edition Nautilus. Im gleichen Verlag erscheint dieses Jahr im August ein weiteres Buch von Sinha, Kalkutta, in dem sie von ihrer Geburtsstadt erzählt. Die Übersetzung stammt auch in diesem Fall von Lena Müller.

Bei Edition Nautilus gibt es für alle Interessierten eine Leseprobe und Sinha selbst kann man unter anderem beim Fest der Shortlist sehen.

Baileys Women’s Prize for Fiction für Lisa McInerney

Der Baileys Women’s Prize for Fiction geht in diesem Jahr an die irische Schriftstellerin Lisa McInerney für ihren Roman The Glorious Heresies, dessen Titel man vielleicht mit „die glorreichen Ketzer“ übersetzen könnte.

Die Autorin wurde 1981 geboren und startete 2006 den Blog „Arse End of Ireland“, also sowas wie „am Arsch von Irland“. Damit meint sie Galway, vor allem Cork, die Stadt, aus der sie stammt. Ihre Erzählungen und Romane handeln von der dortigen Gesellschaft, insbesondere der Arbeiterschicht und ihren täglichen Kämpfen und Problemen. Auch The Glorious Heresies bildet da keine Ausnahme. Die Inhaltsangabe lautet wie folgt:

One messy murder affects the lives of five misfits who exist on the fringes of Ireland’s post-crash society. Ryan is a fifteen-year-old drug dealer desperate not to turn out like his alcoholic father Tony, whose obsession with his unhinged next-door neighbour threatens to ruin him and his family. Georgie is a prostitute whose willingness to feign a religious conversion has dangerous repercussions, while Maureen, the accidental murderer, has returned to Cork after forty years in exile to discover that Jimmy, the son she was forced to give up years before, has grown into the most fearsome gangster in the city. In seeking atonement for the murder and a multitude of other perceived sins, Maureen threatens to destroy everything her son has worked so hard for, while her actions risk bringing the intertwined lives of the Irish underworld into the spotlight

Eine deutsche Übersetzung ist bisher weder verfügbar noch angekündigt, aber möglicherweise ändert sich das ja jetzt. McInerney twittert auch als @SwearyLady und zwar sehr sympathisch und nicht sehr sweary. Aber ich bin selbst so sweary, dass ich es vielleicht einfach nicht bemerke*.

Auf jeden Fall klingt das Buch großartig und ich muss es offenbar lesen. Ihr erfahrt als erste, wenn es soweit ist. Eine fundiertere Review-Übersicht gibt es bis dahin auf der Seite der Autorin.

Congrats, sweary Lady!

* Ich streite seit drei Tagen mit einer Freundin, weil sie behauptet, Menschen hätten eine von uns besuchte Kinovorstellung (Angry Indian Goddesses) verlassen, weil dort so viel geflucht wurde. Ich habe nicht ein Schimpfwort wahrgenommen. Aber es sind Menschen gegangen, das stimmt. Idioten.