Sabine Huttel: Ein Anderer

Ernst Kroll wird während des Ersten Weltkriegs in einem kleinen Dorf in Thüringen geboren. Sein Vater Hilmar ist Lehrer und unterrichtet im oberen Stockwerk des Hauses die Kinder der Dorfes, zudem ist er Kantor. Die Familie ist angesehen, lebt aber in bescheidenen Verhältnissen, so wie alles in dem Dorf bescheiden ist. Ernsts Entwicklung ist, bedingt durch eine Schilddrüsenerkrankung, gehemmt. Er ist langsamer als andere Kinder seines Alters, hat Schwierigkeiten mit der Motorik und kann sich nur mühsam und oft schwer verständlich artikulieren. Dass sein Sohn sich nicht entwickelt wie erhofft, kann Hilmar ihm nicht verzeihen. Ein neuer Arzt verspricht Besserung durch den Verzehr roher Schafsschilddrüsen, doch das stößt bei Ernst nicht nur auf verständlichen Widerwillen, sondern macht sein Verhalten noch schwieriger für die Eltern. Einen Draht zueinander finden Hilmar und sein Sohn ausschließlich über die Musik. Ernst lauscht begeistert, wenn sein Vater Orgel spielt und lernt auch selbst einfache Stücke zu spielen. Nicht so gut wie der Vater es gerne hätte, aber gut genug für eine gemeinsame Basis.

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Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur

Arbeit und Struktur ist der Blog Wolfgang Herrndorfs, in dem er vor allem von seiner Erkrankung berichtet. 2010 wird bei ihm ein Gehirntumor, ein Glioblastom diagnostiziert. Mit Chemo und OPs überlebt er unerwartet lange. Am 26.08.2013 erschießt er sich am Landwehrkanal. Nach seinem Tod wurde der Blog in Buchform veröffentlicht, ist bis heute aber auch online verfügbar.

„Oft denke ich eine halbe Stunde oder länger nicht an den Tod.“

2016-11-01-13.52.54.jpg.jpgDass Arbeit und Struktur kein einfaches Buch sein würde, war mir klar, schließlich handelt es vom Tod eines Menschen. Aber, so dachte ich, würde es mir auch nicht sehr nahe gehen, schließlich kannte ich Herrndorf nicht und sein Tod wäre also für mich nichts anderes als der einer fiktiven Figur oder einer historischen Person. Ich habe am Ende fast vier Wochen gebraucht für dieses Buch, weil ich es immer wieder weglegen musste, weil Herrndorf mich immer wieder völlig kalt erwischt hat mit einem einzigen Satz, mit einem blöden Halbsatz. Herrndorf konnte außergewöhnlich gut schreiben und seine Worte haben eine ungeheure Wucht. Weiterlesen