Essen aus Büchern: Bohnenmus-Brötchen aus Haruki Murakamis „Kafka am Strand“

Das japanische Bohnemus-Brötchen Anpan erfreut sich landesweit großer Beliebtheit und ist vor allem als Zwischenmahlzeit beliebt. Das Wort setzt sich zusammen aus dem Wort Anko für Bohnenpaste und Pan, was über das portugiesische pão seinen Weg ins Land gefunden hat. Es soll das erste Brot sein, das jemals in Japan gebacken worden ist. Inzwischen haben sich sowohl bei Teig als auch Füllung zahlreiche Varianten entwickelt. Die traditionelle Füllung ist eine glatte oder pürierte Masse aus Adzuki-Bohnen, inzwischen gibt es aber auch sehr viele innovativere Füllungen.

Auch Nakata aus Murakamis Kafka am Strand gehört zu den Fans des süßen Brötchens. Als er Nakano das erste mal verlassen muss, landet er, völlig überfordert von den Zugverbindungen und nicht in der Lage, Schilder zu lesen, am Bahnhof Shinjuku. Ratlos setzt er sich vor dem Gebäude auf eine Bank. Bald füllt sich der Platz mit Menschen, die dort ihre Mittagspause verbringen.

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Takiji Kobayashi: Das Fabrikschiff

Voller Hoffnung sind die Männer, die zu Beginn dieses Romans an Bord eines japanischen Krabbenfangboots gehen. Von den anwerbenden Büros der Fischereigesellschaft wurden ihnen gute Löhne bei freier Unterkunft versprochen. Bisher arbeiteten sie unter furchtbaren Bedingungen in der Industrie oder im Bergbau auf der Insel Hokkaido. Schlimmer kann es für sie kaum werden. Doch schnell müssen sie erkennen, dass sie vom Regen in die Traufe gekommen sind. Der Inspektor des Schiffs verlangt enorme Arbeitsleistungen und droht bei Zuwiderhandlungen mit drakonischen Strafen bis hin zum Erschießen. Das Arbeiten vor der Küste Kamtschatkas verlangt den Männern alles ab. Die kleinen Fangboote sind unberechenbaren Stürmen ausgesetzt, kalte Winde lassen das Deck vereisen und die Verpflegung besteht oft nur aus einer Schüssel Reis. Nur zwei mal im Monat ist es den Arbeitern erlaubt, sich zu waschen. Etliche der Männer erkranken an Beriberi, arbeiten aber trotzdem weiter bis die Beine endgültig den Dienst versagen und nur noch das Krankenbett im „Jauchefass“ bleibt, der stickigen, ungezieferverseuchten Gemeinschaftsunterkunft der Saisonarbeiter. Hier sitzen die erschöpften Männer abends beisammen und beratschlagen, was getan werden kann gegen die grauenhaften Umstände, in denen sie vegetieren müssen. Als sie den ersten Toten im eiskalten Meer versenken, erkennen sie, dass nur sie selbst sich helfen können und planen einen Aufstand.

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Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Seit Jahren versucwpid-20150930_110210-1.jpghe ich in regelmäßigen Abständen Haruki Murakami zu lesen und scheitere meistens. Mit Von Männern die keine Frauen haben bin ich noch einigermaßen warm geworden, was sicher auch daran liegt, dass es einzelne Erzählungen sind, alle Romane habe ich früher oder später abgebrochen. Die Pilgerjahre habe ich wenigstens zu Ende gelesen.

Der Roman handelt von Tsukuru Tazaki, Eisenbahningenieur in Tokio. Zu Schulzeiten war er Teil eines engen Freundeskreises, bestehend aus zwei weiteren Jungen und zwei Mädchen, deren Namen alle Farben enthielten. Aka, Ao, Shiro und Kuro, rot, blau, weiß, schwarz. Nur Tsukuru fällt aus der Reihe, er ist „farblos“, und so nimmt er sich auch im Erwachsenenalter noch wahr. Ohne besondere Merkmale, fast gänzlich ohne Eigenschaften, ein leeres Gefäß, das nur dazu da ist, von anderen befüllt zu werden. Seine neue Liebe Sara sieht das anders, sie hält ihn für etwas besonderes. Sie glaubt aber auch, dass er erst seine Vergangenheit bewältigen muss, um eine neue Beziehung eingehen zu können. Denn das enge Band aus Schulzeiten wurde plötzlich zerstört – die Freunde ließen sich verleugnen, wenn Tsukuru anrief und teilten ihm schließlich mit, er möge sich bitte nicht mehr melden, man habe, nach dem was vorgefallen sei, kein Interesse mehr an weiterem Kontakt. Zwar weiß Tsukuru nicht, was vorgefallen sein soll, akzeptiert den Entschluss aber und zieht sich verzweifelt zurück.

Viele Jahre später versucht er nun, gedrängt von Sara, den Kontakt wieder aufzunehmen und herauszufinden, was der Grund für das jähe Ende der Freundschaft war.

Die Geschichte fängt vielversprechend an. Da man auch als Leser nicht weiß, was der Grund für den Kontaktabbruch war, wächst die Spannung zusehends. Die Auflösung fand ich dann allerdings, nachdem der Spannungsbogen so gespannt wurde, eher unspektakulär. Tsukuru hat das ganze Buch über sehr reale Träume, die eine Auswirkung auf die Realität zu haben scheinen. Zeitweise ist er selbst sich nicht sicher, ob er in seinem Unterbewusstsein Dinge tut, an die er sich in wachem Zustand nicht erinnern kann. Doch aus diesem magischen Realismus, den es bei Murakami ja irgendwie immer geben muss, wird erstaunlich wenig gemacht. Dafür geht es viel ums Essen. Leichtes Frühstück, zu süßes Croissant, Zitronensoufflé zum Dessert, wie kann Sara so dünn bleiben, wenn sie immer den Nachtisch komplett isst? Möglicherweise gibt es eine Symbolik dahinter, die ich nicht verstanden habe, ich empfand es als eine Auflistung irrelevanter Details, die nichts beitragen (und dabei ist Essen ein ganz zentrales Interesse von mir!).

Seinen Titel hat das Buch mit einem Klavierstück gemeinsam, das im Roman eine zentrale Rolle spielt, „Années de pèlerinage“ (Pilgerjahre) von Franz Liszt. Dieses Stück bringt natürlich auch nochmal eine ganze Menge Symbolik mit, es hilft, es sich wenigstens einmal anzuhören. Dass ich die Symbolik trotzdem nicht völlig verstanden habe, liegt an meinem miserablen Musik-Verständnis und ist keinesfalls Herr Murakami anzulasten.

Trotz aller Kritikpunkte ist das Buch sehr gut lesbar und unterhaltsam, wenn auch am Ende durch die losen Enden der Erzählstränge unbefriedigend. Aber auch damit muss man als Leser mal leben, wenn der Autor einem nicht alles ordentlich auflöst. Wie gesagt eines der wenigen Bücher von Murakami, die ich zu Ende gelesen habe, aber definitiv kein must-read, außer natürlich für Murakami-Fans.


Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki. btb 2015. Übersetzt von Ursula Gräfe. 317 Seiten, € 10,99. Deutsche Erstausgabe: Dumont 2014. Originalausgabe: Shikisaki wo motanai Tazaki Tsukuru to kare no junrei no toshi. Bungeishunju 2013.