Der Glanz vergangener Zeiten – „Brideshead Revisited“ von Evelyn Waugh

Mitten im Zweiten Weltkrieg sieht Hauptmann Charles Ryder sich plötzlich mit seiner Vergangenheit konfrontiert: er und seine Kompanie sollen im herrschaftlichen Landsitz Brideshead einquartiert werden. Vor etlichen Jahren war dieses Haus fast seine zweite Heimat und sein Leben eng mit dem der Besitzer des Hauses, der Familie Flyte, verbunden.

Charles, aus dessen Perspektive der Roman erzählt wird, lernt Sebastian Flyte wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg am College in Oxford kennen. Unverkennbar hat der junge Mann Probleme mit seiner Familie und bezeichnet Brideshead nicht als sein zu Hause, sondern als das Haus, in dem seine Familie lebt. Dennoch bringt er den Studienfreund mehrfach mit nach Brideshead und Charles lernt nach und nach die mehr oder weniger exzentrischen Mitglieder des Haushalts kennen. Brideshead ist, als Charles es das erste mal betritt, schon fast ein Relikt einer vergangenen Zeit. Die Familie Flyte hängt an ihren alten Privilegien, Ansprüchen und Ritualen, kein Hauch von Modernität stört die Atmosphäre in den protzigen Räumen. Obwohl Sebastian sich nicht scheut, seine Privilegien zu nutzen, leidet er unter den Ansprüchen seiner Familie und verfällt zusehends dem Alkohol. Charles kann dem Freund nicht helfen und muss mit ansehen, wie er sich immer weiter von ihm entfernt.

„But as I drove away and turned back in the car to take what promised to be my last view of the house, I felt that I was leaving part of myself behind, and that wherever I went afterwards I should feel the lack of it, and search for it hopelessly, as ghosts are said to do, frequenting the spots where they buried material treasures without which they cannot pay their way to the nether world.“

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Thomas Mann: Buddenbrooks

Ach ja, die Buddenbrooks. Sie waren vor guten zehn Jahren das erste Buch, das ich von Thomas Mann gelesen habe und damit der Grundstein einer großen Liebe. Ich hatte damals gehörigen Respekt vor diesem Großmeister der deuschen Literatur mit seinen legendären Bandwurmsätzen. Ich weiß nicht, warum das so oft das erste ist, was Menschen zu Thomas Mann einfällt, so lang sind seine Sätze nun wirklich nicht, da gibt es weitaus schlimmere (ich meine dich, Augusto Roa Bastos!).

Ich hatte das Buch dabei, als ich in einem Sommer mit drei Freundinnen nach Fehmarn gefahren bin, darunter zwei weitere Mann-Fans. Natürlich mussten wir nach Lübeck ins Thomas Mann-Haus und natürlich mussten wir in Travemünde die Vorderreihe entlang spazieren. In den Fotos dieses Urlaubs habe ich noch ein Bild von einem Haus gefunden, das wir als Residenz des Lotsenkommandeurs Schwarzkopf auserkoren hatten. Ohne jede Grundlage, versteht sich. Mortons „auf den Steinen sitzen“ schaffte es sogar für einige Zeit in unseren aktiven Wortschatz.

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