Jean Rhys: Die weite Sargassosee

Die weite Sargassosee hat einen unmittelbaren Bezug zu Jane Eyre. Wie auch in der letzten Woche könnte dieser Text Spoiler enthalten. Nächste Woche wieder was spoilerfreies. Versprochen.

Über Jahrzehnte konnte die englischstämmige Familie Cosway das bequeme und feudale Leben angesehener Plantagenbesitzer auf Jamaika führen. Doch das Glück hat die Familie verlassen. Das aktuelle Familienoberhaupt Alexander ist als Trinker und Sklavenschinder verschrieen, sein „schwachsinniger“ Sohn Pierre macht den Bediensteten Angst und seine Frau Annette verliert über alldem den Verstand. Nur Tochter Antoinette scheint auf dem Familiensitz Coulibri eine einigermaßen glückliche Kindheit zu verleben. Als die Sklaverei auf Jamaika verboten wird, sind die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft endgültig vorbei. Der Vater lebt da schon nicht mehr, und die Mutter kann als Kreolin von Martinique weder von der weißen noch von der schwarzen Bevölkerung Hilfe erwarten. Eine Ehe mit Mr. Mason, der gerade erst auf die Insel gekommen ist und von all den Dramen nichts weiß, scheint ein vielversprechender Ausweg zu sein. Doch auch er kann den Lauf der Dinge nicht aufhalten, bringt im Gegenteil noch die wenigen verbleibenden Angestellten gegen sich auf, und als Coulibri in Flammen aufgeht, angezündet von einem wütenden Mob, ist es mit Antoinettes Kindheit endgültig vorbei.

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Monique Roffey: The White Woman on the Green Bicycle

1956 kommen Sabine und George Harwood als jungvermähltes Ehepaar aus England nach Trinidad. Drei Jahre soll George in der dortigen Zweigstelle seines Unternehmens arbeiten, danach wollen sie wieder zurück nach England gehen. George ist begeistert von der neuen Heimat auf Zeit, liest alles über die Insel, liebt ihre Geräusche und Gerüche. Sabine ist verzweifelt. Als sie Trinidad das erste Mal sieht, noch bevor das Schiff überhaupt anlegt, hasst sie die Hitze und die wuselige Geschäftigkeit im Hafen. Während die Leinen festgemacht werden, versteckt sie sich in der Kabine und fleht die Jungfrau Maria um Hilfe an. Doch sie will sich tapferer zeigen als die anderen verhätschelten Expat-Gattinnen und nicht nur jammern. Die drei Jahre werden wohl auszuhalten sein. Dass sie weit länger bleiben wird, ahnt sie da noch nicht.

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Die Zeit, in der die Harwoods nach Trinidad kommen, ist denkbar ungünstig. Große Teile der Inselbevölkerung haben nun nicht gerade auf noch mehr Briten gewartet. Eric Williams ist der neue Stern am politischen Himmel, seinen Reden auf dem zentralen Woodford Square lauschen tausende begeisterte Anhänger. Mit den Worten „Massa day done“ fordert er den Abzug der weißen Ausländer, die erst mit Sklavenhaltung und nun mit einseitigen Machtstrukturen schon viel zu lange die Bevölkerung Trinidads unterdrücken. Sabine sieht sich mehr und mehr offenen Anfeindungen ausgesetzt, sie traut sich kaum noch in die Öffentlichkeit und erlebt ihr Dasein auf Trinidad als Zustand permanenter Bedrohung. Ihre wiederholte Bitte, die Insel endlich zu verlassen, nimmt George nicht ernst. Alleine traut Sabine sich aber auch nicht zurück nach England.

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Carrie Tiffany: Fortschrittlich leben für jedermann

1934 dampft der Landwirtschaftliche Schulungszug im Auftrag der australischen Regierung durchs Outback. An Bord sind Spezialisten für Getreideanbau, Nutztierzucht, Hauswirtschaft und Säuglingspflege. In wirtschaftlich schweren Zeiten wird die optimale Nutzung des kargen Lands zur patriotischen Pflicht. Mit von der Partie sind auch Robert und Jean. Sie bringt den Farmersfrauen bei, wie sie selbst Kleidung nähen und flicken können, er schwärmt von explodierenden Ernteerträgen dank des neuartigen Phosphatdüngers. Die beiden verlieben sich Hals über Kopf und wollen ihre wissenschaftlichen Kenntnisse auf einer eigenen kleinen Farm auch in der Praxis unter Beweis stellen.

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Margaret Atwood: Lady Oracle

Joans Mutter wünscht sich eine hübsche, grazile Tochter, die zum Ballett geht, bei den Pfadfinderinnen beliebt ist und reizende Kleider tragen kann. Joan ist dick, hat keine Freundinnen und ihr Part bei der Ballettaufführung wird in letzter Minute gestrichen. Ihr Körper ist der Hauptschauplatz der Auseinandersetzung mit ihrer Mutter, die es nicht schafft, wirkungsvoll einzugreifen, weder mit Bestechungen noch mit untergeschummelten Abführmitteln. Ihr Gewicht ist Joans Weg der Mutter zu zeigen, dass sie sie hasst und die wirkliche Machtposition innehat indem sie sich schlicht weigert, das repräsentable Töchterchen zu sein.

atwood_ladyoracleIhre einzige Freundin und Verbündete ist ihre Tante Louise, mit der sie eine Vorliebe für Liebesschnulzen und Essen teilt. Als Louise stirbt, hinterlässt sie Joan einen Großteil ihres Vermögens und eine zweite Identität – Joan unterschlägt die Geburtsurkunde und hat bald einen Pass, ein Konto und einen Autorenvertrag unter dem Namen Louise K. Delacourt. Zufällig hat Joan nämlich entdeckt, dass sie ein schriftstellerisches Talent für Kostümromanzen hat und davon ganz gut leben kann. Eher zufällig produziert sie dabei auch einen Gedichtband mit dem Namen Lady Oracle, das einzige Buch, das jemals unter ihrem richtigen Namen erscheint.

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Richard Yates: Revolutionary Road

revolutionaryroad„What the hell kind of a life was this? What in God’s name was the point or the meaning or the purpose of a life like this?“

Die Revolutionary Road ist eine Straße, die nicht hält, was der Name im ersten Moment zu versprechen scheint. Das Leben in dem New Yorker Vorort durch den diese Straße läuft, ist so gar nicht revolutionär. Das mag an der Zeit, den 50ern, liegen oder an den Menschen die dort wohnen, vor allem solide situierte Kleinfamilien, die mit Revolutionen wenig am Hut haben.

In diesem Vorort wohnen seit einigen Jahren auch April und Frank Wheeler mit ihren beiden Kindern. Davor führten sie ein freigeistiges und ungebundendes Leben, oder zumindest glaubten sie das, in New York. Doch als April schwanger wurde, gaben die beiden diesen Lebensstil auf und zogen in einen Vorort. Frank beendete sein Leben als Bonvivant und nahm einen Job an in der Firma, in der auch sein Vater schon sein Geld verdient hatte. Langweilig und eintönig aber sicher, von irgendwas müssen die Rechnungen ja bezahlt werden. April, die einmal davon geträumt hatte, Schauspielerin zu werden, ist nun Hausfrau und Mutter.

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