Jasper Fforde: Shades of Grey – The Road To High Saffron

Bernard Marx and the Amazing Technicolour Dreamcoat könnt der Untertitel dieser Dystopie sein. In der Welt, in der Fforde seine Geschichte ansiedelt, wird die soziale Hierarchie ausschließlich nach der Farbwahrnehmung der Bewohner festgelegt. Ganz oben stehen diejenigen, die rot und blau sehen können, ganz unten die Grauen. Letztere verrichten alle Arbeit für die „oberen“ und haben nahezu keine Chance, aufzusteigen. Ehen werden nicht nach Sympathie sondern nach Farbe und wünschenswerten Mischverhältnissen geschlossen. Die Anklänge an vor allem Brave New World aber auch 1984 sind dabei nicht zu übersehen.

„Munsell tells us over and over again that inquisitiveness is simply the first step on a rocky road that leads to disharmony and ruin“

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Valerie Fritsch: Winters Garten

Winters_Garten„Während draußen die Welt in tausend Stücke fiel, schliefen die Menschen miteinander, weil sie nicht anderes anzufangen wussten mit ihren heilgebliebenen Körpern, als sie zusammenzukleben zwischen all den Scherben.“

Valerie Fritsch ist einigen vielleicht noch vom letztjährigen Bachmann-Preis präsent, wo sie den Kelag-Preis und den Publikumspreis bekam für ihren Text „Das Bein“. Winters Garten ist ihr zweiter Roman.

Anton Winter wächst auf in einem Haus, das von einem riesigen Garten umgeben ist. Der Garten trägt ewig Früchte, er wächst auf inmitten von sattem Grün, verschwenderischer Fülle und nie versiegender Fruchtbarkeit. Die Welt, die dieses Paradies umgibt, ist nicht relevant für sein Leben. Es gibt eine Stadt am Meer, in die seine Großeltern gelegentlich fahren, die aber von den anderen Bewohnern des Hauses gemieden wird, so gut es geht. Sie brauchen nichts von der Welt da draußen. Doch es gibt auch Misstöne und seltsam anmutende Elemente in all dieser Perfektion. Die Großmutter hatte mehrere Fehlgeburten, die Föten bewahrt sie in Einmachgläsern auf, die im Keller zwischen der eingemachten Ernte des letzten Jahres stehen. Anton ist fasziniert von ihnen, von den Gebilden, die noch gar nicht als Kind erkennbar sind und von den fast fertigen Kindern, die mit winzigen, zur Faust geballten Händchen in den Gläsern schweben. Vor diesem Regal kann er Stunden verbringen.

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