Du, Maxim, der Volker möchte auch gerne was dazu sagen.

Als im letzten Jahr das erste Mal das neue Literarische Quartett lief, fand ich es sehr unterhaltsam. Außerdem freute es mich, dass ich jetzt auch endlich mal Quartett gucken kann. Als das alte vor die Hunde ging, war ich gerade sechzehn und wenig daran interessiert, Leuten zuzusehen, die über Bücher sprachen, die ich nicht gelesen hatte und auch nicht lesen würde. Auch bei der ersten Folge des „neuen“ Quartetts sagten schon die ersten Kritiker, dass nicht wirklich über Bücher gesprochen werde und es nur darum ginge, wie Biller alles scheiße findet und dass keine echte Diskussion zustande kommt. Ja, stimmt schon, dachte ich, aber irgendwie ist es ja doch unterhaltsam und glaubte, das sei eben die erste Sendung, in der alle erstmal ihre Rollen üben und alles noch nicht so ganz rund läuft. Ich hatte die Hoffnung, dass es sich noch entwickelt und dass Frau Westermann mal die Decke von den Schultern nimmt und was anderes über Bücher sagt, als dass sie „schön“ sind und ihr nahegingen.

Seitdem habe ich jede Sendung gesehen, immer mit einer Kollegin und Freundin zusammen, alleine hätte ich es nicht ertragen. Die Folge vom November habe ich nur zu Ende gesehen, weil da ein komisch grinsender Mann hinter Biller saß, den ich interessant fand. Eine Diskussion gab es in keiner dieser Sendungen. Es ist auch wenig Zeit für jedes Buch, wenn man immer vier davon durchbringen muss. Und es wird nicht leichter, wenn keiner der Gesprächsteilnehmer den anderen ausreden lässt und Biller wenig zum Buch sagt, aber viel darüber, was er alles nicht leiden kann in der Welt.

Bei der letzten Folge, die am Freitag lief und die ich heute gesehen habe, war Christine Westermann gar nicht da, weil sie krank war, als Gast war Eva Menasse da. Biller fand Frau Menasse langweilig und zu lang in ihren Ausführungen. Persönliche Beleidigungen sind natürlich immer das beste, was einer Diskussion passieren kann. Und selbstverständlich hatte Biller in seinen eigenen Ausführungen alle Zeit der Welt. Westermanns Fehlen fiel kaum auf, in den letzten Sendungen hatte man sie ohnehin kaum zu Wort kommen lassen. Weidermann schafft es als Moderator noch immer nicht, die Diskussionsleitung zu halten und lässt sich diese Rolle immer und immer wieder von Biller entreißen. Dafür wird sein Haar im Verlauf der Sendung immer unordentlicher. Biller und Menasse redeten fast immer gleichzeitig, manchmal mischte sich auch Weidermann mit ein, und am Ende sprachen alle drei gleichzeitig, so dass es endgültig unmöglich wurde, der Diskussion zu folgen, wenn man das denn so nennen möchte. Weidermanns „Kopf hoch“ am Ende klingt, als sei es an ihn selbst gerichtet.

Und jetzt hab ich keine Lust mehr. Die ganze Sendung ist ein Anachronismus, es passt nicht mehr in die deutsche Fernsehlandschaft, dass ein paar Leute im Kreis sitzen und sich über Bücher unterhalten, ohne Einspieler und solche Sachen. Aber gerade deswegen wäre es so charmant gewesen, wenn man es hätte wiederbeleben können, wenn man das Konzept funktionierend ins Jahr 2016 hätte bringen können. Zumindest in der jetzigen Konstellation halte ich diesen Versuch für gescheitert, es sei denn, jemand bringt mal ein Sprechholz mit. Frau Westermann scheint mir dafür geeignet. Bis dahin guck ich lieber Book Hauls auf youtube.