sag mal, fbm…

Zu den Eskalationen auf der Messe am Wochenende wurde schon viel und vielleicht sogar schon alles gesagt, aber ich will jetzt auch nochmal, weil ich so mega abgenervt bin. Ich weiß, dass die Messe für viele ein sehr positiver Ort der Begegnung und des Austauschs ist. Zumindest am Samstag war sie das aber nicht. Über die Tumulte selbst kann ich nicht viel sagen, ich war nicht da und weiß nicht, ob nun wirklich jemand ‚Sieg Heil‘ gerufen hat und wer wen zuerst angebrüllt hat. Ich war zu dieser Zeit auf Sizilien, bin in einer Lavahöhle rumgestolpert und in knöcheltiefe Fledermausscheiße getreten – der Frankfurter Buchmesse ist, spätestens mit ihrer Stellungnahme zu den Ausschreitungen, etwas ganz ähnliches passiert.

Die Frage, ob Verlage aus dem rechtsradikalen Spektrum auf der Buchmesse etwas zu suchen haben oder nicht, ist nun wirklich keine neue. Die Diskussion gibt es jedes Jahr und jedes Jahr sagt die Messe, Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut (Standgebühren auch), man habe keinen Grund Verlage nicht zuzulassen, die als Organisation nicht verboten sind, und deren Schriften auch bisher nicht indiziert wurden. Rechtlich ist das so sicher richtig. Moralisch und politisch beantwortet das nichts, aber Boos will die Messe ja auch als wirtschaftliche und nicht als politische Veranstaltung verstanden wissen.

Weiterlesen

Advertisements

Ein paar Worte zum Ehrengast Niederlande – Flandern

Seit 1976 gibt es den Ehrengast auf der Buchmesse. Dieses Jahr ist es kein Land, sondern ein grenzübergreifender Sprachraum, nämlich der niederländisch/flämische. Damit schlägt man ja auch ein bisschen eine Brücke zum letztjährigen Gast Indonesien. Ich schätze sowohl die Niederlande als auch Belgien sehr, wegen ihrer Sprache, wegen ihrer Pommes, wegen ihrer Literaturen und wegen ihres Bieres, das viele so abscheulich finden. Auf dem Papier sind die sprachlichen Unterschiede marginal, aber ich habe Niederländisch bei einer Flämin gelernt und brauche Tage, um in den Niederlanden irgendwas zu verstehen. Allerdings versetzen mich meine sprachlichen Grundkentnisse auch in die glückliche Position, in Ostfriesland überhaupt irgendwas zu verstehen.

Weiterlesen

Der mediale Rundumschlag zur Leipziger Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse ist vorbei, und für alle, die nicht dabei waren, wurde in den Medien viel berichtet. Hier eine willkürliche Auswahl von Berichten, Artikeln und Interviews, über die ich gestolpert bin und die mir teilenswert erschienen:

Zum „größten Hörspiel der Welt“ hatte ich ja schon was gesagt, jetzt waren die Macher auch auf der Buchmesse und erzählen über ihr Giganto-Projekt, Unendlicher Spaß als Mitmach-Hörspiel für alle umzusetzen.

Erst vor kurzem hat Serendipity von Feiner reiner Buchstoff mich dankenswerterweise auf das Lesenswert-Quartett aufmerksam gemacht, das viel besser ist als das Literarische Quartett. Anlässlich der Buchmesse kamen Denis Scheck, Ijoma Mangold, Johannes Willms und Felicitas von Lovenberg zusammen um über Gegenwartsliteratur zu sprechen, unter anderem über Daouds Gegendarstellung und Karen Duves Macht. Zu sehen in der swr Mediathek.

Wer nur Denis Scheck sehen will, kann sich auch seine Vorstellung von Neuerscheinungen angucken. Dabei befasst er sich nicht nur mit Romanen sondern auch mit spirituellen Kochbüchern.

Ein etwas bissiges und sehr unterhaltsames Buchblogger-Alphabet hat Jan Drees (auch Buchblogger) für den Freitag geschrieben.

Das Deutschlandradio Kultur redet mit Jan Weiler über die Persönlichkeitsrechte seiner Kinder und wie er in seinen Kolumnen damit umgeht. Jan Böttcher und Zoe Hagen sagen auch was, allerdings zu anderen Themen.

Ebenfalls der Deutschlandfunk hat mit Mara Giese (Buzzaldrins Bücher) über Buchblogs gesprochen. Ein recht kurzes, aber sehr sympathisches Interview.

Wolfang Tischer vom Literaturcafe sprach mit Florian Kessler, der Lektor bei Hanser ist über „Institutsprosa“ und den Literaturbetrieb. Herausgekommen ist ein wirklich sehr interessantes Gespräch unter der Überschrift „Lektorat und Literatur – Was ist ein gutes Buch?„, das bei Voice Republic zu hören ist. (Überhaupt lohnt sich ein Blick auf das Angebot von Voice Republic zur Leipziger Buchmesse, da sind auch noch andere interessante Sachen zu finden)

Preis der Leipziger Buchmesse 2016

Heute ist der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen worden.

In der Kategorie Belletristik geht er an Guntram Vesper für Frohburg, einen umfangreichen Roman angesiedelt in seiner ostdeutschen Heimatstadt.

Der Preis für Sachbuch/Essayistik geht an Jürgen Goldstein für sein Sachbuch über den Entdeckungsreisenden Georg Forster, erschienen bei Matthes & Seitz.

Mit Brigitte Döbert darf sich auch eine Frau über eine Auszeichnung freuen und zwar für ihre Übersetzung von Die Tutoren aus dem Serbischen. Der 768 Seiten-Roman erscheint, wie auch Frohburg, bei Schöffling.

Ich hatte in der Belletristik ja eine Wette auf Stockmanns Fuchs laufen und habe in meiner Überzeugung, Recht zu haben, auch gleich mal einen Stapel eingekauft. Ich sollte mit diesen Literatur-Preis-Wetten aufhören, ich liege jedes einzelne Mal völlig daneben.  Also sollte der jetzt plötzlich überall ausverkauft sein, bei mir gibt’s noch welche…

Wie auch bei der Frankfurter Buchmesse ist Voice Republic vor Ort um die wichtigsten Ereignisse mitzuschneiden. Dort kann man sich die Preisverleihung anhören, aber auch die Präsentation der Nominierten in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung.

Lesen in Havanna

messe
Foto: Instituto Cubano del Libro

Zum 25. mal findet derzeit die Buchmesse in Havanna statt. Erstmals wird diese auch von Vertretern US-amerikanischer Verlage besucht, die über eine mögliche zukünftige Zusammenarbeit sprechen möchten und traditionell werden auch die wichtigsten Neuheiten aus Deutschland an einem Gemeinschaftsstand präsentiert. Für die meisten KubanerInnen sind Bücher aus dem Ausland aber unerschwinglich – mit 500 Pesos entsprechen die Anschaffungskosten einem durchschnittlichen Monatsgehalt.

Die wichtigsten Zahlen zur Messe und dem Leseverhalten der KubanerInnen liefert das börsenblatt, die junge Welt gönnt der kubanischen Buchmesse gleich ein ganzes Online Spezial mit einigen sehr interessanten Artikeln über einen Buchmarkt, der mit dem deutschen nicht viel gemein hat.

Frankfurter Buchmesse 2015 – Ehrengast Indonesien

Heute fällt der Startschuss für die Frankfurter Buchmesse, Gastland ist in diesem Jahr Indonesien mit dem Slogan „17.000 Inseln der Imagination„. Verglichen mit den letzten Jahren ist die Anzahl der Publikationen aus dem Gastland sehr gering. Letztes Jahr, als Finnland Ehrengast war, zauberte nahezu jeder Verlag irgendeinen Titel aus dem Hut und ein Plakat noch hinterher. Dieses Jahr fällt es den Verlagen merklich schwerer.

Weiterlesen