Tom Disch: Endzone – Letzte Gedichte

Der US-amerikanische Autor Tom Disch dürfte, obwohl in seinem Genre sehr bekannt, hierzulande fast nur ernsthaften SciFi-Fans ein Begriff sein. Für seine Romane, die er unter seinem vollen Namen Thomas M. Disch veröffentlichte, erhielt er unter anderem mehrfach den renommierten Nebula Award. Als er 2008 Suizid beging, hinterließ er aber auch eine beachtliche Gedichtsammlung. Einige davon veröffentlichte er in seinen letzten Lebensjahren auf seinem Blog endzone, der noch immer online ist.

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Seinem Selbstmord voraus gingen drei Jahre, in denen ein Schicksalsschlag auf den nächsten folgte. Nachdem sein Lebensgefährte Charles Naylor an einer Krebserkrankung gestorben war, drohte ihm der Verlust der ehemals gemeinsamen Wohnung, die auf Naylors Namen lief und auch das Landhaus des Paares wurde durch einen Wasserschaden unbewohnbar. Zudem litt Disch selbst mit Ende 60 an verschiedenen Erkrankungen, die eine gesellschaftliche Teilhabe immer schwieriger machten. Sein literarisches Schaffen war fast völlig zum Erliegen gekommen, außer ein paar eher unbedeutenden Veröffentlichungen in Kleinverlagen konnte er keine Erfolge mehr verzeichnen.

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Blogbuster – Mein Kandidat für die Longlist

In diesem Jahr mache ich beim Blogbuster-Preis mit. Das ist bisher ein bisschen untergegangen, zumindest hier auf dem Blog, denn bisher hatte ich noch nicht sehr viel darüber zu erzählen. Bis Ende 2017 durften AutorInnen bei diesem Preis ihre unveröffentlichten Romane einreichen, seitdem lesen ich und die anderen BloggerInnen uns durch mehr oder weniger vielversprechende Manuskripte und müssen bis Ende des Monats die Entscheidung getroffen haben, mit welchem Roman wir ins Rennen gehen wollen. Ab da übernimmt dann eine Fachjury, in der unter anderem Denis Scheck, Literaturagentin Elisabeth Ruge und Lektorin Sara Schindler vertreten sind. Zu Gewinnen gibt es Ruhm und Ehre in Form einer Veröffentlichung beim (von mir sehr geschätzten) Verlag Kein & Aber.

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182 Manuskripte wurden insgesamt für den Wettbewerb eingereicht, immerhin 70 weniger als im vergangen Durchlauf. Ob unter dem Rückgang in der Quantität auch die Qualität leidet, ist sicher eine andere Frage, aber einige der BloggerInnen hatten schon ein wenig zu kämpfen bei ihrer Suche nach einem passenden Text. Sophie von Literatourismus musste Mitte Februar sogar ganz die Segel streichen, nachdem sie nichts finden konnte, was sie begeistert hätte. Frank Rudkoffsky hingegen ist sehr begeistert von Die Federn meiner Mutter, dem Roman, mit dem er weitermachen will.

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Women’s Prize for Fiction – der Stand nach einem Jahr

Vor einem Jahr habe ich voller Enthusiasmus ein Leseprojekt gestartet, das zumindest ehrgeizig ist, möglicherweise aber auch nur wahnsinnig. Wer es damals nicht mitbekommen hat – seit Januar 2017 lese ich mich durch alle Shortlists des Preises, der seit 1996 verliehen wird, erst Orange Prize for Fiction hieß, dann Bailey’s Prize for Fiction und jetzt, nach dem Wegfall des Großsponsors, unter Women’s Prize for Fiction firmiert. Der Preis wird, wie der aktuelle Name auch verrät, für ein fiktives Werk verliehen, das von einer Frau und auf englisch verfasst wurde. Als das Projekt im Januar gestartet ist, standen 126 Bücher auf der Liste, mit den Nominierten aus 2017 sind es nun also 132.

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Zwei Jahre schiefgelesen – Wie das Bloggen mein Lesen verändert

Seit zwei Jahren gibt es schiefgelesen nun schon, auf den Tag genau. Es ist inzwischen so sehr zur Selbstverständlichkeit geworden, dass es mir viel länger vorkommt. Das Bloggen über  Bücher hat in dieser Zeit einiges an meinem Leseverhalten geändert.

Es zwingt mich dazu, mich mehr mit den Büchern auseinanderzusetzen während ich sie lese. Ich mache keine umfangreichen Notizen, aber ich notiere mir Zitate, die ich passend finde und manchmal Details, die ich in der Rezension verwenden will. Seit ich vor einem Jahr mit Essen aus Büchern angefangen habe, schreibe ich jetzt auch Passagen dafür auf.

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Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur

Arbeit und Struktur ist der Blog Wolfgang Herrndorfs, in dem er vor allem von seiner Erkrankung berichtet. 2010 wird bei ihm ein Gehirntumor, ein Glioblastom diagnostiziert. Mit Chemo und OPs überlebt er unerwartet lange. Am 26.08.2013 erschießt er sich am Landwehrkanal. Nach seinem Tod wurde der Blog in Buchform veröffentlicht, ist bis heute aber auch online verfügbar.

„Oft denke ich eine halbe Stunde oder länger nicht an den Tod.“

2016-11-01-13.52.54.jpg.jpgDass Arbeit und Struktur kein einfaches Buch sein würde, war mir klar, schließlich handelt es vom Tod eines Menschen. Aber, so dachte ich, würde es mir auch nicht sehr nahe gehen, schließlich kannte ich Herrndorf nicht und sein Tod wäre also für mich nichts anderes als der einer fiktiven Figur oder einer historischen Person. Ich habe am Ende fast vier Wochen gebraucht für dieses Buch, weil ich es immer wieder weglegen musste, weil Herrndorf mich immer wieder völlig kalt erwischt hat mit einem einzigen Satz, mit einem blöden Halbsatz. Herrndorf konnte außergewöhnlich gut schreiben und seine Worte haben eine ungeheure Wucht. Weiterlesen

Geburtstag für mich, ein Bücherscheck für euch!

schiefgelesen wird ein Jahr alt. Für ein Hobby von mir ist das ein beachtliches Alter. Daran habt ihr natürlich einen großen Anteil – weil ihr hier lest, liked und kommentiert und deshalb gibt es jetzt ein Geschenk.

Eine oder einer von euch bekommt diesen fantastischen Bücherscheck über € 10,-

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Wenn ihr den Bücherscheck gerne gewinnen möchtet, verratet mir in den Kommentaren, welches Buch ihr euch dafür kaufen würdet. Das hat natürlich keinen Einfluss auf eure Chancen, ich bin nur neugierig.

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blog, this is twitter, facebook, please meet blog.

In den letzten Wochen fiel mir etwas verstärkt auf: offenbar hat jeder Blog außer meinem Social Media. Als ich diesen Blog eingerichtet habe, hätte ich nicht gewusst, was ich da schreiben sollte, bei facebook und twitter, ich wusste ja kaum, was ich hier schreiben sollte. Twitter hab ich nie abschließend kapiert, deswegen hat mich das erstmal gar nicht interessiert. Facebook hab ich kapiert, irgendwann musste ich auch mal eine Unternehmensseite betreuen, leider war bei den PCs des Unternehmens der facebook-Zugang geblockt, was die Betreuung sehr kompliziert und sporadisch gemacht hat. Jetzt aber wollte ich es nochmal mit dem Blog ausprobieren.

Über Ostern habe ich einen Header gebastelt, für das Foto mein Wohnzimmer umgeräumt und dann gleich so gelassen, weil es mir eigentlich besser gefällt. Bookstagramer (und die, die mit ihnen leben) müssen ein leidensfähiges Volk sein. Außerdem habe ich in einem gegen mich selbst ausgetragenen Designwettbewerb ein Logo gemalt.

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Passiert ist auf den Seiten bisher eigentlich gar nichts, aber ich verspreche, dass sich das ändern wird. Ich verspreche das in der Hoffnung, dass ihr mir auch da folgen werdet. Es freut mich, wenn ihr das macht, ich mag euch aber auch so.

Hier ist mein Twitter-Account und da bin ich bei facebook.

Außerdem bin ich bei goodreads, da können wir Freunde sein.

Wir sehen uns, ihr seid super!

Allie Brosh: Ich. Neben der Spur.

Mit dem Unteritel Mein Hund ist doof, die Welt ist schlecht und ich weiß auch nicht weiter erzählt Allie Brosh von den Widrigkeiten des Lebens, speziell des Lebens mit nicht sehr klugen Hunden und allem, was ihr so widerfährt. Sie illustriert diese Geschichten auch und zwar mit unendlich tollen Paint-Zeichnungen. Wer jemals versucht hat, mit Paint irgendetwas zu malen, weiß, wie die Ergebnisse normalerweise aussehen, und so sehen sie auch in diesem Buch aus. Absichtlich und deswegen so charmant.

Das Buch ist aus dem Blog Hyperbole and a Half entstanden, bei dem man sich das ganze auch angucken kann. Ich finde Blog-Bücher oft nicht sehr sinnvoll. Erstens sind die Sachen online und wenn ich den Blog mag, hab ich das alles schon gesehen. Und zweitens sind das beides gänzlich verschiedene Medien, die sich nicht immer gut verstehen, weil Blogs als gedrucktes Buch die Dynamik verlieren, die oft ein wesentlicher Bestandteil ist. „Hyperbole and a Half“ hat aber ohnehin nicht mehr viel Dynamik, da ist seit 2013 nichts mehr passiert. Außerdem enthält das Buch lauter kurze, abgeschlossene, Comic-artige Erzählungen, in denen man sehr schön blättern kann und die so bezaubernd sind, dass man sie immer Leuten schenken will.

Neben den wirklich lustigen und charmanten Kindheitserinnerungen und Hunde-Storys werden auch die Depressionen der Autorin behandelt. Vor ein paar Jahren wurde es auf einmal ruhig auf Hyperbole and a Half und als Allie Brosh endlich wieder auftauchte, erzählte sie, dass sie unter Depressionen litt und sie das von vielem, auch dem Schreiben ihres Blogs, abgehalten hatte. Ihre Schilderungen sind erstaunlich eindringlich, trotz des kindlichen und albernen Zeichenstils und werden von vielen Betroffenen und Therapeuten als sehr treffend beschrieben. Wer also irgendeinen Zugang zu dem Thema sucht, wird in diesem Buch auch fündig.

Sicher sind die Bilder nicht anspruchsvoll oder stilistisch einwandfrei, haben aber extrem viel Charme und wer auch nur ein bisschen Spaß an sowas hat, sollte in dieses Buch unbedingt mal reingucken. Die Übersetzung ist sehr, sehr gut, aber ein bisschen Charme geht auf dem Weg vom Amerikanischen ins Deutsche dann doch unvermeidbar verloren. Wer die entsprechenden Fremdsprachenkenntnisse hat, tut sich in diesem Fall mit dem Original wirklich einen Gefallen. Auf jeden Fall reingucken, mindestens in den Blog!


Allie Brosh: Ich. Neben der Spur. Mein Hund ist doof, die Welt ist schlecht und ich weiß auch nicht weiter. Mosaik 2014. 384 Seiten, € 14,99. Übersetzt von Leena Flegler. Originalausgabe: Hyperbole and a Half. Unfortunate Situations, Flawd Coping Mechanisms, Mayhem, and Other Things That Happened. Touchstone 2013.