Essen aus Büchern: Waterzooi aus Teju Coles „Open City“

In Open City hält Cole sich hauptsächlich in New York auf, wo er mich mit schon mit Groundnut Stew sehr glücklich gemacht hat. In seinem Urlaub reist er allerdings auch nach Brüssel, wo er mit einer zufälligen Flugzeugbekanntschaft Essen geht. Auch wenn Brüssel nicht in Flandern liegt, bestellt die Dame waterzooi, einen flämischen Eintopf.

Waterzooi ist ursprünglich ein Fischgericht, wird in einigen Gegend aber auch traditionell mit Huhn zubereitet, was heute die allgemein populärere Variante ist. Übersetzt heißt das Gericht in etwa „Wassersud“ und stammt aus dem ostflämischen Raum. Mittlerweile existieren natürlich hunderte Varianten der Suppe, ich habe für diesen Beitrag ein paar Rezepte zusammengeworfen.

Cole ist mit seinen Angaben im allgemeinen sehr präzise und nennt auch den Namen des Restaurants, allerdings konnte ich es nicht ausfindig machen und weiß nun nicht, welche Variante des waterzooi serviert wurde. Ist auch nicht so wichtig, gegessen wird es ohnehin nicht:

„She had not touched her waterzooi. She continued chewing bread and spoke, in response to my question, dispassionately.“

Offenbar hat ein Gespräch über religiösen Extremismus der Dame den Appetit verdorben. Macht nichts, esse ich es eben. Und zwar mit Fisch, Hühnersuppe gab es ja erst.

Waterzooi1

für 4 Teller Waterzooi:

  • 2 mittelgroße Möhren
  • 4 Stangen Staudensellerie
  • 2 Petersilienwurzeln
  • 1 Zwiebel
  • 40 g Butter
  • 400 ml Fischfond
  • 200 ml Weißwein
  • 1 Lorbeerblatt
  • 500 g Fischfilet (traditionell Süßwasserfisch, andere Fische funktionieren natürlich auch, recht häufig wird z.B. Kabeljau verwendet)
  • Salz und Pfeffer
  • 1 gehäufter EL Paniermehl
  • 100 ml Schlagsahne
  • 2 Eigelb
  • Saft 1/2 Zitrone
  • 2 EL gehackte Petersilie

Karotten, Petersilienwurzel, Sellerie und Zwiebel in kleine Würfel schneiden. In einem Topf die Butter zerlassen und das Gemüse darin andünsten. Mit Wein ablöschen und den Fond aufgießen. Das Lorbeerblatt hinzufügen und ca. 15 Minuten köcheln lassen.

In der Zwischenzeit in einer Schüssel Eigelbe, Zitrone, Sahne und Paniermehl verrühren. Das Fischfilet in mundgerechte Stücke zerteilen.

Nach Ablauf der Kochzeit das Lorbeerblatt entfernen und den Fisch in ca. 4-5 Minuten in der Brühe gar ziehen lassen. Den Topf von der Platte ziehen. Den Fisch auf vier Suppenteller verteilen, die im Topf verbleibende Brühe mit der Sahne-Ei-Mischung abbinden, die Petersilie hinzufügen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Brühe ebenfalls in die Suppenteller verteilen.

Serviert wird Waterzooi im allgemeinen mit geröstetem Weißbrot.

Ich stand der Suppe ja ehrlich gesagt skeptisch gegenüber, weil mir Fisch schnell zu viel wird und dann ist Fischsuppe nun nicht das erste, worauf man sich stürzt. In diesem Fall aber ist der Fischgeschmack sehr zurückhaltend und die cremige Sahne funktioniert hervorragend mit dem Gemüse.


Das Zitat stammt von S. 143 von Teju Cole: Open City. faber and faber 2011.

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Ein paar Worte zum Ehrengast Niederlande – Flandern

Seit 1976 gibt es den Ehrengast auf der Buchmesse. Dieses Jahr ist es kein Land, sondern ein grenzübergreifender Sprachraum, nämlich der niederländisch/flämische. Damit schlägt man ja auch ein bisschen eine Brücke zum letztjährigen Gast Indonesien. Ich schätze sowohl die Niederlande als auch Belgien sehr, wegen ihrer Sprache, wegen ihrer Pommes, wegen ihrer Literaturen und wegen ihres Bieres, das viele so abscheulich finden. Auf dem Papier sind die sprachlichen Unterschiede marginal, aber ich habe Niederländisch bei einer Flämin gelernt und brauche Tage, um in den Niederlanden irgendwas zu verstehen. Allerdings versetzen mich meine sprachlichen Grundkentnisse auch in die glückliche Position, in Ostfriesland überhaupt irgendwas zu verstehen.

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