Sabine Huttel: Ein Anderer

Ernst Kroll wird während des Ersten Weltkriegs in einem kleinen Dorf in Thüringen geboren. Sein Vater Hilmar ist Lehrer und unterrichtet im oberen Stockwerk des Hauses die Kinder der Dorfes, zudem ist er Kantor. Die Familie ist angesehen, lebt aber in bescheidenen Verhältnissen, so wie alles in dem Dorf bescheiden ist. Ernsts Entwicklung ist, bedingt durch eine Schilddrüsenerkrankung, gehemmt. Er ist langsamer als andere Kinder seines Alters, hat Schwierigkeiten mit der Motorik und kann sich nur mühsam und oft schwer verständlich artikulieren. Dass sein Sohn sich nicht entwickelt wie erhofft, kann Hilmar ihm nicht verzeihen. Ein neuer Arzt verspricht Besserung durch den Verzehr roher Schafsschilddrüsen, doch das stößt bei Ernst nicht nur auf verständlichen Widerwillen, sondern macht sein Verhalten noch schwieriger für die Eltern. Einen Draht zueinander finden Hilmar und sein Sohn ausschließlich über die Musik. Ernst lauscht begeistert, wenn sein Vater Orgel spielt und lernt auch selbst einfache Stücke zu spielen. Nicht so gut wie der Vater es gerne hätte, aber gut genug für eine gemeinsame Basis.

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