Einsam in der Arbeitsmigration – „Wie hoch die Wasser steigen“ von Anja Kampmann

Waclaw, oft genannt Wenzel, ist ein moderner Wanderarbeiter. Er arbeitet für eine Firma, die Ölbohrungen durchführt, war mal in Mexiko, ist jetzt vor der Küste Marokkos. Die Bezahlung ist gut, die Entbehrungen hart und die Gefahr groß. Als Waclaws Kollege und Freund Mátyás nach einem Sturm nicht mehr in die gemeinsame Kabine zurückkehrt, bricht seine Welt zusammen.

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Er verlässt die Plattform ohne zu wissen, wo er hin soll. Seine Ehe ist schon vor Jahren zerbrochen, Freunde an Land gibt es keine mehr. Also macht er sich auf den Weg in das ungarische Dorf, aus dem Mátyás kam und in dem seine Schwester noch lebt. Seine Reise wird zu einer ziel- und haltlosen Odyssee durch Europa, während er versucht, den schmerzhaften Verlust zu verarbeiten. Dass Mátyás und er weit mehr waren als Freunde und Kollegen, wird recht schnell deutlich, wenn auch nie ausgesprochen.

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Takiji Kobayashi: Das Fabrikschiff

Voller Hoffnung sind die Männer, die zu Beginn dieses Romans an Bord eines japanischen Krabbenfangboots gehen. Von den anwerbenden Büros der Fischereigesellschaft wurden ihnen gute Löhne bei freier Unterkunft versprochen. Bisher arbeiteten sie unter furchtbaren Bedingungen in der Industrie oder im Bergbau auf der Insel Hokkaido. Schlimmer kann es für sie kaum werden. Doch schnell müssen sie erkennen, dass sie vom Regen in die Traufe gekommen sind. Der Inspektor des Schiffs verlangt enorme Arbeitsleistungen und droht bei Zuwiderhandlungen mit drakonischen Strafen bis hin zum Erschießen. Das Arbeiten vor der Küste Kamtschatkas verlangt den Männern alles ab. Die kleinen Fangboote sind unberechenbaren Stürmen ausgesetzt, kalte Winde lassen das Deck vereisen und die Verpflegung besteht oft nur aus einer Schüssel Reis. Nur zwei mal im Monat ist es den Arbeitern erlaubt, sich zu waschen. Etliche der Männer erkranken an Beriberi, arbeiten aber trotzdem weiter bis die Beine endgültig den Dienst versagen und nur noch das Krankenbett im „Jauchefass“ bleibt, der stickigen, ungezieferverseuchten Gemeinschaftsunterkunft der Saisonarbeiter. Hier sitzen die erschöpften Männer abends beisammen und beratschlagen, was getan werden kann gegen die grauenhaften Umstände, in denen sie vegetieren müssen. Als sie den ersten Toten im eiskalten Meer versenken, erkennen sie, dass nur sie selbst sich helfen können und planen einen Aufstand.

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