Kurze Runde

Heute gibt es eine kurze Runde durch drei Bücher: in Dismatria schildert die Autorin Igiaba Scego ihre Rassismus-Erfahrungen in Italien, Jonathan Lethem erzählt in Alan, der Glückspilz von Alltäglichem wie Absurdem und Dilek Güngör befasst sich in Ich bin Özlem mit den Identitäts-Fragen einer Tochter türkischer Eltern.

Entwurzelt

Dismatria und weitere Texte von Igiaba Scego

Die Autorin Igiaba Scego ist in Italien als Journalistin, Schriftstellerin und Rednerin bekannt. Dabei  gilt ihr Interesse vor allem dem Kolonialismus und dem Rassismus. Scego wurde in Italien geboren, ihre Eltern stammen allerdings aus Somalia. Somalia ist für sie vor allem das Land ihrer Mutter, das ihr ewig verschlossen bleibt, ausgedrückt in dem von ihr geprägten Begriff „Dismatria“. Für Scego selbst ist ein Leben in Somalia keine Option, zugleich aber fällt es ihr schwer, in Italien Heimat zu finden. Im Freiburger nonsolo Verlag sind nun drei ihrer Texte in deutscher Übersetzung erschienen, ergänzt durch ein ausführliches Vorwort der Romanistin Martha Kleinhans. Einen wenig beachteten Blickwinkel bietet dabei vor allem der Text „Als die Italiener keine Weißen waren“, der sich mit Ressentiments gegenüber italienischen Einwander*innen in den USA befasst und erneut verdeutlicht, wie subjektiv und bar jeder objektiven Grundlage rassistische Konstrukte sind.


Igiaba Scego: Dismatria und weitere Texte. Übersetzt von Ruth Mader-Koltay. nonsolo Verlag 2020, 89 Seiten.

Mehr dazu bei novelero.

 

Gesammelte Absurditäten

Alan, der Glückspilz von Jonathan Lethem

Die Grenze zwischen absolut Möglichem und völlig Absurdem ist fließend in Lethems Erzählungen und wird mehr als einmal zugunsten der Absurdität übertreten. Er erzählt von einem Mann, dem die Wölfe ein Findelkind bringen, von einer Insel voll skurriler Gestalten und von einem Porno-Kritiker, in dessen Wohnung sich die VHS-Kassetten stapeln. Lethems Ideen entstammen der Pop- und Online-Kultur, seine Figuren sind meist hilflos darin verloren. Darüber hinaus haben die Erzählungen haben keine gemeinsame Basis, sie sind im Original über knapp zehn Jahre in verschiedenen Publikationen veröffentlicht worden und 2015 im englischsprachigen Original erstmals gesammelt erschienen. Alan, der Glückspilz ist eine unterhaltsame und vielfältige Erzählungs-Sammlung, deren Übersetzung allerdings an der ein oder anderen Stelle etwas holpert.


Jonathan Lethem: Alan, der Glückspilz. Übersetzt von Johann Christoph Maass. Tropen 2019, 169 Seiten. Originalausgabe unter dem Titel Lucky Alan and Other Stories 2015 bei Doubleday.

Mehr dazu bei Mottingers Meinung.

Und woher kommst du wirklich?

Ich bin Özlem von Dilek Göngür

Özlem, eine in Deutschland geborene Frau und Tochter türkischer Eltern, hadert mit ihrer Identität. Obwohl sie die Türkei nur aus dem Sommerurlaub kennt, ist sie in ihrem Bekannten- und Freundeskreis die Türkin, die immer Börek mitbringt und gefragt wird, wenn es um den Islam geht. Özlem weiß fast nichts über den Islam und fragt sich, warum sie überhaupt immer Börek macht. Sie hat es satt, dauernd erklären zu müssen, warum ihr Kind keinen türkischen Namen hat, warum ihr Mann Deutscher ist und dass sie wirklich aus Schwäbisch Gmünd kommt. Bei einem gemeinsamen Kurzurlaub mit dem Freundeskreis eskaliert der Konflikt, als eine Freundin sagt, sie würde ihr Kind niemals auf eine Schule mit einem hohen Anteil türkischer und arabischer Kinder schicken. Özlem ist natürlich nicht gemeint, sie „ist ja nicht so“. In Özlem brechen alle Dämme.


Dilek Göngür: Ich bin Özlem. Verbrecher Verlag 2019, 157 Seiten.

Mehr dazu bei Literaturkritik.

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