Buchhändlerin? Das wäre ich auch gerne!

Obwohl ich seit einiger Zeit überhaupt nicht mehr als Buchhändlerin arbeite, führt mein Ausbildungsberuf immer wieder zu Begeisterungsstürmen. So ein schöner Beruf! Tatsächlich ist es ein schöner Beruf, das gebe ich unumwunden zu. Allerdings fällt mir in diesen Gesprächen auch immer wieder auf, dass viele Leute geradezu wildromantische Vorstellungen vom Beruf der Buchhändlerin haben. Und so viel Spaß der Job mir auch gemacht hat – reines Gold ist er halt nicht.

„Da würde ich den ganzen Tag lesen!“

Nein, würdest du nicht. Du würdest 8 Stunden arbeiten und nach Feierabend lesen. Wie in sehr vielen anderen Berufen auch. Wenn es gut läuft, hast du in diesen 8 Stunden eine Menge interessante Gespräche über Bücher geführt, wenn es schlecht läuft sagst du einfach nur 480 mal „9,99 €, wird es bei Ihnen als Geschenk eingepackt, ja der Preis ist abgeklebt, möchten Sie ein Lesezeichen dazu haben? Einen schönen Tag noch!“. Wenn es richtig schlecht läuft, musst du auch noch Schokoladentäfelchen oder irgendeinen anderen Quatsch up-sellen. Wenn es richtig super schlecht läuft sagen mehr als zehn Leute „Da steht ja gar kein Preis drauf, dann kostet es wohl nichts, hahahahaha!“ und man darf sie nicht boxen. Und wenn es super, super schlecht läuft, kotzt auch noch ein Hund auf den Teppichboden und der dicke Wels im Aquarium hinter der Kasse stirbt publikumswirksam. Alles schon dagewesen.

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Klar gibt es Buchhandlungen, in denen man sich problemlos acht Stunden am Tag aufhalten kann.  (Bild von Foundry Co auf Pixabay)

Kein Beruf hat nur Sonnenseiten, das ist völlig klar. Man muss sich im Buchhandel darüber im Klaren sein, dass es manchmal super öde und manchmal auch echt anstrengend sein kann. Man sitzt meist nicht den ganzen Tag versonnen in einem romantischen Antiquariat, sondern steht im blödesten Fall den ganzen Tag im tageslichtfreien Untergeschoss eines trostlosen Einkaufscenters, das schon seit 1987 nicht mehr als Vorzeigeprojekt gilt. Und steht und steht und steht. Das merkt man schon irgendwann. Außerdem sind Bücher richtig, richtig schwer. Wer viel liest und schon mal umgezogen ist, weiß was ein Karton voll Bücher wiegen kann. Morgens um sieben ganze Paletten davon auf Wagen und wieder auf andere Wagen zu wuchten, ist halt auch ein Knochenjob. Da haben auch nicht alle Bock drauf und vielen ist es auch nicht klar, wie körperlich anstregend dieser Beruf sein kann.

Am Ende ist Buchhandel auch „nur“ spezialisierter Einzelhandel. Sicher gibt es Branchen, in denen die Arbeit schwerer ist und sicher auch Aufgabenfelder, die monotoner sind. Aber gerade die Filialisten sind nun nicht bekannt dafür, dass sie ihren Mitarbeiter*innen im Berufsalltag Raum für kreative Selbstentfaltung lassen. In meiner Ausbildung habe ich Filialisten-Azubis kennengelernt, die drei Jahre quasi nur an der Kasse standen. Und das kann so richtig öde werden. Aber auch wenn man hinter der Kasse mal weg darf, lauern überall Aufgaben, die überhaupt keinen Reiz für niemand haben. Nach drei Wochen im Schulbuchgeschäft zum Beispiel ist es einem dann auch egal, ob man Englischbücher mit passenden Umschlägen verkauft oder Damenschuhe mit passenden Einlagen. Geistig erhebend ist beides nicht.

„…und mit Leuten über Bücher reden!“

Ja, das macht man auch. Manche Leute kommen in die Buchhandlung, um über Bücher zu reden. Manche hören einem sogar zu. Andere kommen um sich zu beschweren, dass Edeka keine gelben Säcke mehr hat, es keine gedruckten Busfahrpläne mehr gibt und um zu fragen, wer morgen bei Maischberger ist. Manche kommen und bedanken sich, dass man ihnen letztens ein so, so großartiges Buch empfohlen hat. Andere kommen um ein Buch für einen Dreijährigen zu kaufen, der aber schon auf Viertklässlerniveau liest oder motzen, weil keine Karte im Maßstab 1:25.000 von irgendeiner abstrusen Gegend in Nordschweden am Lager ist. Manchmal kommen Frauen mit zweijährigen Kindern an der Hand und brechen in Tränen aus, wenn sie nach einem Buch über Multiple Sklerose fragen. Wer irgendwann mal im Buchhandel war, kann tausend Geschichten über Kund*innen erzählen. Manche kennen alle. Mit allen muss man irgendwie umgehen.

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Zwei Tage vor Schuljahresbeginn ist ein wichtiges Mathebuch nicht lieferbar und die 26,5 cm-Umschläge sind auch aus. Symbolbild. (La chasse à l’ours – Jan Fyt)

Zur Kundschaft gehören anstrengende Menschen, nette Menschen, komisch riechende Menschen, Kuchen verschenkende Menschen und echte Kotzbrocken. Man denkt oft nur an die letzeren, weil sie die besten Stories abgeben. Am Ende ist es wahrscheinlich eine Gauß’sche Normalverteilung. Ein paar super nette, ein paar super blöde und ein großes, großes Mittelfeld von Leuten, die irgendwie normal nett sind. An manchen Tagen muss man das mantra-artig wiederholen, weil irgendwie alle scheiße und anstrengend sind. Meistens gehen diese Tage vorbei. Wenn die Tage nicht mehr vorbeigehen, ist es an der Zeit, einen neuen Beruf zu finden.

„Buchhändlerinnen sind ja keine Verkäuferinnen, oder?“

Vielleicht sind sie es wirklich nicht und deshalb ist die Branche in der Krise. Wer im Handel nicht verkaufen will, hat eben den falschen Job. Es hilft ja auch nichts – mit Liebe für Bücher kann man die Ladenmiete leider nicht bezahlen. In welcher Ausprägung das stattfindet, ist sicher unterschiedlich. Bei einem Filialisten, bei dem ich gearbeitet habe, musste man immer einen Zusatzverkauf anbieten. Immer. Auch zum Pixi-Buch. Und wenn es eine Mini-Schokoladentafel war. Ob das auch wirklich gemacht wurde, wurde regelmäßig durch den Einsatz von Testkäufer*innen überprüft. Ob man sich davon unter Druck setzen lässt oder nicht, ist sicher auch eine Persönlichkeitsfrage. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Berufsalltag nicht unbedingt von der von Herzen kommenden Literaturempfehlung getragen wird.

Je nachdem wo man arbeitet, verkauft man ja auch gar nicht primär Bücher. Besonders bei einigen Filialisten verkauft man zwischendrin den größten Schrott. Meine Highlights waren Mini-Auflaufformen, die nicht in den Ofen durften und Maiskolbenhalter aus Silikon. Neben Strandspielzeug, Lichterketten, Bonsaisamen, Duftkerzen und glitzernden Elfenfiguren, versteht sich.

Buchhandel ist außerdem ein kaufmännischer Beruf, da kommt man um Zahlen nicht herum. Beim ersten „Soll an Haben“ in der Berufsschule trägt einen die Liebe zum Buch nicht mehr weit. Im neuen Berufsbild ist der kaufmännische Teil zwar ein bisschen runtergefahren, aber wenn man da wirklich überhaupt keine Lust drauf hat, sollte man sich das trotzdem gut überlegen. Man wird in dieser Ausbildung irgendwann mal rechnen müssen. Obwohl ich das gerne behaupte, besteht die IHK-Prüfung nämlich nicht nur aus Geschenke einpacken und Altpapier zerreißen.

„Sicher kriegt ihr auch Rabatte auf Bücher! Und Leseexemplare!“

Ja, und die braucht man auch. Bei dem Gehalt freut man sich nämlich über jeden gesparten Euro. Wie gesagt – Buchhandel ist am Ende des Tages spezialisierter Einzelhandel und wird auch so bezahlt, manchmal sogar schlechter. Meine Ausbilderin sagte mir, Buchhändlerin sei eben ein Höhere-Töchter-Beruf, ich würde sagen, es ist ein Gattinnen-Beruf. Selbstverständlich gibt es Buchhandlungen, die gute Gehälter zahlen. Aber wie viele Handelsbranchen verlässt sich auch der Buchhandel an vielen Stellen darauf, dass seine Angestellten von der Kohle nicht ernsthaft leben müssen. Man merkt das auch an der wahnsinnig hohen Anzahl von Mini- und Halbtagsjobs. Und eben am Stundenlohn. Einem ehemaligen Kollegen wurden mal 1.400 € brutto im Monat für 40 Stunden Arbeit die Woche angeboten. Das ist sicher ein extremes Beispiel, aber das kommt halt vor. Oder besser gesagt kam halt vor. Mit der Einführung des Mindestlohns ist das Leben für einige im Buchhandel ein kleines bisschen komfortabler geworden, aber Mindestlohn ist halt auch nur ein schwacher Trost. Selbstverständlich gibt es Buchhandlungen die mehr zahlen, ich kenne aber viele, die machen das eben nicht. Viele können auch gar nicht. In einer Branche, bei der man für 40% Einkaufsrabatt schon ziemlich ordentlich verhandelt hat, muss man sich große Sprünge auch erstmal leisten können.

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Wie man eine Tonne Bücher halbwegs sinnvoll in einer bezahlbaren 40 qm-Wohnung unterbringen soll, lernt man in der Buchhandelsausbildung leider auch nicht.

Je nachdem, wie man die eigene Freizeit gestalten möchte, kann man auch die Arbeitszeiten als durchaus unangenehm empfinden. Samstags sowieso, an Brückentagen auch und abends bis 19:00 Uhr oder länger – das ist im gesamten Einzelhandel eher Regel als Ausnahme. Flexibilität ist dank hauchdünner Personaldecken auch nicht immer gegeben. Dafür hat man Dienstagvormittag den Supermarkt für sich, weil alle anderen arbeiten und Arzttermine sind auch kein Problem. Und man arbeitet selten fünf Tage am Stück, was ich wirklich angenehm fand.

Aber um nochmal auf die Leseexemplare zurückzukommen – das ist schon cool. Man kriegt wirklich eine Menge Bücher, viele davon vor Erscheinen und oft sind tolle Sachen dabei und es macht Spaß, die zu verkaufen. Und Rabatt auf Bücher ist natürlich auch eine sehr nette Sache. Ich rechne den in meinem Kopf immer noch runter und erschrecke dann, wenn man mir an der Kasse sagt, was ich wirklich zahlen muss.

„Den ganzen Tag mit Leuten arbeiten, die Bücher lieben! Das stelle ich mir toll vor!“

Seien wir ehrlich, das ist das große, große Plus an diesem Job. Viele Leute im Buchhandel brennen für ihren Job, so schwierig er manchmal ist. Ich habe selten so großartige Teams und so coole Leute erlebt wie in dieser Branche. Viele von ihnen sind auch klug und witzig und überhaupt brillant. Und sie machen fantastische Veranstaltungen, die mit so viel Begeisterung und Herzblut umgesetzt werden. Alleine für die Leute wäre ich noch ein paar Jahre geblieben, hätte ich die Chance gehabt. Hatte ich aber nicht. Jetzt mache ich was anderes, das macht auch Spaß, aber diesen Spirit muss man woanders erstmal finden.

40 Gedanken zu “Buchhändlerin? Das wäre ich auch gerne!

  1. marinabuettner 20. Juli 2019 / 12:21

    Du sprichst mir aus der Seele. Jedes Wort kann ich unterschreiben. So empfand ich es auch, nur gab es sogar dann auch nicht mehr die buchbesessenen Kollegen, sondern vor allem wenig buchaffine Aushilfen.
    Viele Grüße!

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    • Marion 21. Juli 2019 / 18:17

      Liebe Marina,
      das ist auch etwas, das viele meiner Ex-Kolleg*innen immer mehr kritisiert haben. Hauptsache flexibel – die Ausbildung ist da nicht mehr wichtig. Dass gerade im Buchhandel von den Kund*innen eine ziemlich hohe Beratungskompetenz erwartet wird, ist dann natürlich blöd.

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  2. Leseseiten 20. Juli 2019 / 12:36

    Vielen Dank für diesen pointierten Text! Ich finde, Du hast das alles sehr treffend beschrieben! Ich ergänze noch das Allheilmittel der Handelsgegenwart: Die Kundenkarte! „Haben Sie eine?“ Beste Grüße!

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    • Marion 21. Juli 2019 / 18:19

      Ein Laden, in dem ich mal gearbeitet habe, hatte eine. Mit so gut wie keiner Funktion, außer dass man damit eine Monatsrechnung hatte. Die konnte man allerdings auch so haben. Aber der Aufschrei, als die abgeschafft wurde!
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  3. Mikka Liest 20. Juli 2019 / 13:21

    Hallo,

    das kenne ich nur zu gut – ich bin gelernte Sortimentsbuchhändlerin, arbeite aber schon seit einigen Jahren nicht mehr in dem Beruf.

    Den ganzen Tag lesen, das ist wirklich so eine häufige Fehleinschätzung… Ich habe tatsächlich in meinem Leben selten WENIGER gelesen als in meiner Zeit als Buchhändlerin.

    Bei meinem letzten Buchhändler-Job war meine Abteilung im Kellergeschoß – und Tageslichtlampen? Fehlanzeige. (Dazu kam noch eine stinkfaule, unfähige Kollegin, deren Arbeit ich mitmachen und ihre Fehler ausbügeln musste, weil sie mit der Chefin verwandt war.)

    Es wurden auch immer weniger gelernte Buchhändler/innen eingestellt, dafür immer mehr ungelernte Menschen, die nach eigener Aussage selber eigentlich gar nicht lasen, sondern halt einen Job brauchten. Und dementsprechend berieten.

    Tatsächlich musste ich das Buchhändler-Sein dann aber aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Weil ich Multiple Sklerose habe und trotz meines damals noch jungen Alters irgendwann halt nicht mehr lange stehen oder den ganzen Tag schwere Pakete wuchten konnte. (Das kam ein paar Jahre nach einem Bandscheibenvorfall im Alter von 22 Jahren.) Das konnte lange auch keiner verstehen. „Aber mit deiner MS ist das doch ein Traumjob, der ist doch körperlich nicht anstrengend!“ Äh, doch.

    Das Schulbuchgeschäft war immer der Horror! Oh Gott, das war ja noch in einer Zeit, als die Schulen (zumindest bei uns) die Bücher noch nicht gesammelt bestellt haben, sondern den Kindern nur die Listen mitgegeben haben. Schön fand ich immer die Eltern, die keinen Plan hatten, was ihr Kind überhaupt in der Schule so macht. Die nicht wussten, ob ihr Kind Englisch macht oder Latein, Religion oder Ethik.

    Huch, das war jetzt viel Gemeckere, dabei mochte ich den Beruf doch eigentlich! Nein, wirklich.

    Nur dieser letzte Job hat sehr unschöne Erinnerungen hinterlassen. Aber ich hatte auch schon richtig wunderbare Kollegen und Kolleginnen und Kunden und Kundinnen, an die ich immer noch gerne zurückdenke. (Und mit denen ich zum Teil noch befreundet bin.) Die Buchhandlung, in der ich meine Ausbildung gemacht habe, habe ich heiß und innig geliebt – leider musste der Chef, der schon ein stolzes Alter hatte, wegen seiner fortschreitenden Alzheimer-Erkrankung den Laden verkaufen, und der neue Besitzer hat die Azubis nicht alle übernommen.

    LG,
    Mikka

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    • Marion 21. Juli 2019 / 18:28

      Meine Ausbildung habe ich in Rheinland-Pfalz gemacht bevor es dort die Ausleihe gab. Dafür Lehrmittelgutscheine, die der reine Horror in der Abrechnung waren. Irgendwann wurde dann die Ausleihe eingeführt, an der aber auch nicht alle teilgenommen haben oder nicht wussten, ob sie teilnehmen und dann war das Portal irre kompliziert und manche Menschen mussten die Arbeitshefte selbst kaufen und andere nicht und am Ende war sowieso alles falsch und zu viel und hat gefehlt und es war wirklich absurd. Hinzu kamen dann natürlich auch Eltern, denen die Leistungskurse ihrer Kinder ebenso wenig bekannt waren wie die Teilnahme am Religionsunterricht. Und das – wie auch bei dir – in einem Keller ohne Tageslicht.
      Der Glaube, dass das körperlich nicht anstrengend sei, ist tatsächlich weit verbreitet. Ich war mal am 18.12. mit einer Heiserkeit, die sich dann als Kehlkopfentzündung entpuppte, bei meinem damaligen Arzt, der sagte „Sie sind ja Buchhändlerin. Das ist ja um die Zeit auch eher entspannt, oder?“ Hätte ich sprechen können…. Naja, ich hab dann eben den Arzt gewechselt. Auch aus anderen Gründen. Ich bin nicht sicher, ob immer seine Frau einkaufen gegangen ist.

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  4. dj7o9 20. Juli 2019 / 14:46

    Großartiger Artikel – ich hatte einiges davon befürchtet, aber meist auch eher romantisch angehaucht drüber nachgedacht. Ein extra großer Dank an alle Buchhändler*innen – mein Respekt und meine Achtung ist ihnen (was auch immer es wert sein mag) sicher.
    Liebe Grüße, Sabine

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    • Marion 21. Juli 2019 / 18:29

      Schön, dass er dir gefallen hat. Tatsächlich hat unser Gespräch in München mit zum Enstehen beigetragen.

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      • dj7o9 22. Juli 2019 / 9:23

        Habe ich gerade in einem Essay von George Orwell gelesen (Bookshop Memory) und an Dich gedacht:
        But the real reason why I should not like to be in the book trade for life is that while I was in it I lost my love of books. A bookseller has to tell lies about books, and that gives him a distaste for them; still worse is the fact that he is constantly dusting them and hauling them to and fro. There was a time when I really did love books–loved the sight and smell and feel of them, I mean, at least if they were fifty or more years old. … But as soon as I went to work in the bookshop I stopped buying books. Seen in the mass, five or ten thousand at a time, books were boring and even slightly sickening.

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        • Marion 22. Juli 2019 / 10:09

          Ich wusste nicht, dass er auch mal Buchhändler war. Aber Recht hat er – Bücher verlieren sehr schnell das besondere, wenn man jeden Tag mit ihnen arbeitet. Am Anfang habe ich noch ewig für den Wareneingang gebraucht, weil ich dauernd tolle, spannende, neue Sachen entdeckt habe, aber nach ein paar Wochen hatte das schon jeden Reiz verloren. Man kann ihnen keine Zeit widmen, es wird halt einfach eine Ware.

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  5. Andreas Kück - LESELUST 20. Juli 2019 / 17:23

    Moin Marion!

    Ein sehr informativer Beitrag: Vielen Dank!

    Jaja, immer diese Klischee-Fragen, die kenne ich als Krankenpfleger auch. Mein absoluter Favorit: „Das du das kannst, anderen Menschen den Hintern abzuwischen?“ Klar, meine Haupttätigkeit als Krankenpfleger besteht aus „Popo putzen“. Aber solange immer noch „Schwester Stefanie“ im Kopf der Bevölkerung rum spukt, wird sich daran auch nicht so schnell etwas ändern…!!!

    Ich wünsche Dir ein tolles Wochenende!
    Lieben Gruß
    Andreas

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    • Marion 21. Juli 2019 / 18:32

      Moin Andreas!

      Ach ja, die gute Schwester Stefanie…
      Ich finde es oft gruselig, wie massiv Pflegeberufe unterschätzt werden und wie schnell immer die Idee da ist, „Leute, die nichts gelernt haben“ irgendwie in diesen Bereich zu quetschen.
      Wenn es ja mal so einfach wäre, dann wäre Pflegenotstand auch in Zukunft sicher kein Problem.

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  6. Yvonne Koch 20. Juli 2019 / 17:47

    Ich kann das alles nachvollziehen… Trotzdem ist für mich eine Buchhandlung immer noch ein magischer Ort. Und BuchhändlerInnen meistens unglaublich einfühlsame Menschen. Und ich muss immer lachen, wenn mein 16jähriger Sohn mit einem schweren Rucksack nach Hause kommt und mir nur kurz zuruft: „Kann jetzt nicht reden, die Bücher rufen….hab so viel Tolles bei Marion gefunden (Name der Buchhändlerin unseres Vertrauens)“

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    • Marion 21. Juli 2019 / 18:36

      Ich kann auch das nachvollziehen. Zum einen, weil eine Buchhändlerin mit tonnenweise guten Tipps natürlich Gold wert ist. Zum anderen, weil es mir ja oft genug ähnlich geht. Hotels sind für mich meistens total nette, entspannte Orte. Das sehen die Leute, die da im Akkord Betten machen, wahrscheinlich auch anders. Aber das ist ja eben auch Teil des Jobs. Und es gibt ja auch enorm viele Leute, die sehr, sehr gerne und sehr gut im Buchhandel arbeiten.

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  7. thehateyougive 20. Juli 2019 / 19:40

    Wichtigster Buchhandels-Skill: Kund*innen ein Buch kompetent verkaufen, das man rein nach Cover ausgesucht hat, weil man null Ahnung von dem Genre hat. Gleichzeitig reden und diskret Klappentext lesen ist gar nicht mal SO einfach.
    „Ja, das ist eben ein bisschen moderner und frisch, weniger klassische Pilcher Schmonzette“ -> Ich hab das Buch genommen, weil das Cover relativ modern aussah und Liebe nicht direkt im Titel gesteckt hat, außerdem klingt der Name der Autorin jung.

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    • Marion 21. Juli 2019 / 18:34

      Und es ist krass, wie man dann manchmal doch daneben liegt! Ich dachte total lang, „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ sei ein total harmloser, netter Familien-Roman. Hoppla.

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      • thehateyougive 21. Juli 2019 / 19:20

        Das hab ich deshalb meiner Mutter gegeben und dann erst selbst gelesen. Kein Wunder, dass ihre Reaktion über das „leichte Urlaubsbuch“ verhalten war.

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  8. gerlintpetrazamonesh 20. Juli 2019 / 19:48

    Und ich kaufe immer noch gerne beim örtlichen Buchhändler ein. Wobei, öh, örtlich, also ich wohn ja eh auf dem Land und die Kleinstädtchen in der Nähe (hoffentlich weiß jetzt niemand dort, wer ich bin, die sind schnell beleidigt) haben nun nicht gerade die Auswahl. Bemüht trifft es. Eine der wenigen Sachen, die ich an großen und Unistädten vermisse. Aber zum Beruf: ja, und sein weniger kaufmännischer Bruder, Bibliothekar, haben mich einst schon interessiert. Aber allein schon die Zahlen, die kaufmännische Ausrichtung haben mich von vorneherein abgeschreckt. Und beim anderen, dass ich bei Staub immer gleich niesen muß… nein, nicht allein. Trotzdem waren da natürlich wieder Sachen dabei, an die denkt man als Berufsfremder erst mal nicht. Insofern wieder recht lehrreich und irgendwo traurig – ja, das ist nicht der Grund, warum die Einzelhändler weniger werden, aber teilweise ist es natürlich schon so: komme ich zu manchem, tatsächlich noch nicht Buch-, Händler, so sagt mir der Angestellte: wissen sie was, bestellen sie’s doch im Internet! Das geht schneller und ist billiger!

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    • Marion 21. Juli 2019 / 18:47

      Das mache ich natürlich auch noch sehr gerne. Hier gibt es auch schon ein paar, die wirklich tolle Sortimente haben. Das habe ich im kleinstädtischeren Bereich auch schon anders erlebt. Und im Buchhandel ist es ja nun auch recht selten, dass man zugeben muss: online ist das billiger und geht schneller. Vor allem bei ausländischen Büchern, die nicht in einer „gängigen“ Fremdsprache erschienen sind, kommt das manchmal dann aber doch vor.
      Auf den kaufmännischen Aspekt hatte ich übrigens auch überhaupt keine Lust. Aber dann hat es mir wirklich überraschend viel Spaß gemacht. Und es war sogar eine Art „Karriere-Retter“. Mit soliden kaufmännischen Kenntnissen kommt man dann eben auch woanders noch unter.

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  9. Thursdaynext 20. Juli 2019 / 22:51

    Kürzlich in meiner Stammbuchhandlung kam ein alter, kleiner, schmuddelig angehauchter Mann und bekam mit viel Freundlichkeit die leeren Pfandflaschen der Belegschaft samt nettem kleinem Plausch obwohl die junge Buchhändlerin sah dass zahlende Kundschaft wartete. Die Kundschaft wartete in dem Fall gerne und war sehr angetan. Er kommt wohl regelmäßig und bekommt Sozialkontakt und Aufmerksamkeit. Ich liebe meine Buchhändler auch wenn sie üble Dealer sind 😉

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    • Marion 21. Juli 2019 / 18:50

      Solche Charaktere braucht es auch, die mit 10,- Jahresumsatz alle Herzen gewinnen.

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  10. Werner Philipps 21. Juli 2019 / 4:33

    Gerade habe ich Deine Seiten entdeckt. Und als erstes diesen Artikel gelesen. Nun betrete ich mit ganz anderen Gedanken die kleine Buchhandlung hier im Ort. Die Freundlichkeit der Damen hier tat bisher immer ein Übriges, mich von Amazon und Konsorten fernzuhalten. Selbst, wenn ein Buch einmal nicht am Lager war, so erhielt ich es bisher immer schon am nächsten Tag. Auch das „rumschnüffeln“ an neuen Büchern liebe ich schon seit meiner Kindheit. 🙂

    Liebe Grüße,
    Werner

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    • Marion 21. Juli 2019 / 19:42

      Die Buchbeschaffungs-Geschwindigkeit in Deutschland ist wirklich bemerkenswert. Schneller gehen – zumindest im Einzelhandel – wohl nur Medikamente.

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  11. Marius 23. Juli 2019 / 17:44

    Ein toller Artikel, der den Beruf endlich mal auch etwas entromantisiert. Natürlich gibts das Klischee des Buchhändlers, der hinter der verschneiten Schaufensterscheibe sitzt, den ganzen Tag Tee trinkt, Bücher liest und freudig aufsieht, wenn die Ladenglocke bimmelt, um sich dann gewandt mit der Kundschaft über die Lyrikszene Tschenstochau zu unterhalten. Aber dass dieses Bild wenig mit der meist sehr unglamourösen Wirklichkeit zu tun hat, das hast du sehr schön illustriert. Vielen Dank hierfür!

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    • Marion 23. Juli 2019 / 17:54

      Sehr gerne. Es freut mich, dass der Beitrag dir gefällt. Und das Klischee des Buchhändlers hast du sehr schön getroffen.

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  12. rotherbaron 25. Juli 2019 / 18:16

    Ein schöner und lebendiger Artikel. Ich freue mich als Verleger und Autor, wenn ich auf engagierte BuchhändlerInnen treffe, die eine Leidenschaft für Literatur haben. Leider ist das nicht immer der Fall. Schade finde ich es, dass man wenige BuchhändlerInnen auf den kleinen Buchmessen trifft. Zwischen manchmal nicht so professionellen Produkten, lässt sich das ein oder andere Ausgefallene entdecken. Meine Mitarbeiterinnen kommen immer mit Büchern von KollegInnen zurück …Leider sind diese Messen meist an Wochenenden und da ist man/frau erschöpft und möchte von seinem „Traumberuf“ ausspannen…Verstehe ich…würde mich aber trotzdem über mehr Interesse für die Indie-Szene freuen. Hier vielleicht ein kleiner Einblick in die Mini-Messen-Welt und vielleicht kommt auch die Lust auf, sich mit unsere Literatur einzulassen. Das würde mich freuen: https://literaturplanetonline.com/category/messeberichte/

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    • Marion 25. Juli 2019 / 22:31

      Mein Problem mit Messebesuchen war eher ein Mangel an Zeit. Die freien Samstage waren rar und dann meistens „Wunschtage“ weil Familienfeiern oder ähnliches waren. Und Sonntage verbringen auch viele lieber mit der Familie, so vorhanden. Oder eben mit anderem, das stimmt.
      Erschwerend hinzu kommt, dass es da sicher viele interessante Entdeckungen gibt, viele Buchhändler*innen aber gar nicht einkaufen dürfen. Und wo sie es dürfen, müssen sie auch das Publikum beachten. Die Kundschaft in ostfriesischen Kleinstädten ist beispielsweise nicht sehr experimentierfreudig, durfte ich erfahren. Besuche von kleinen Messen oder auch kleinen Verlagen bei großen Messen war für mich immer eher Privatvergnügen. Eingekauft und verkauft habe ich dann leider eher Mainstream, auch wenn ich mir das manchmal anders gewünscht hätte.

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      • rotherbaron 26. Juli 2019 / 8:18

        Vielen Dank. Das erklärt mir Vieles und ist auch verständlich. Manchmal erscheint mir das auch ziemlich aussichtslos, was wir da treiben: Zwischen HobbyschriftstellerInnen und Mainstream sitzend und hoffend ….

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        • Marion 26. Juli 2019 / 9:11

          So rein privat finde ich das ja ein sehr spannendes Feld. Zweifelsohne ist es aber auch ein sehr schwieriges und ich sehe vollkommen ein, dass es manchmal aussichtlos zu sein scheint. Umso mehr Erfolg wünsche ich euch.

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          • rotherbaron 26. Juli 2019 / 11:40

            Dankeschön!- Wir werden weiter machen, denn vielleicht braucht es irgendwann mal Literatur abseits vom Mainstream.

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  13. Stephanie Jaeckel 31. Juli 2019 / 9:00

    Ich hab mal ein paar Jahre in einer Bibliothek gearbeitet – Deine Berufsbeschreibung lässt sich in Vielem darauf übertragen… Toller Text. Weil ich leider auch bei Dir keine Sternchen mehr verteilen kann – warum auch immer mein Rechner das verweigert – hier im Kommentar einen dicken, dicken Stern für Den Beitrag!

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    • Marion 31. Juli 2019 / 9:17

      Vielen Dank! Den Stern rechne ich im Kopf einfach mit.

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  14. Kate 26. August 2019 / 16:12

    Hallöchen,
    ich hatte Freitag meinen letzten Tag als Buchhändlerin und habe deinen Beitrag durch Zufall entdeckt. Er hat mich köstlich amüsiert, weil ich so viele Parallelen entdeckt habe. Selbst der sterbende Wels …
    Zusatzempfehlung. Das schreit ja beinahe schon Thalia 😀
    Der letzte Absatz ist wohl der schönste, denn meine Kollegen sind auch das, was ich am meisten vermissen werde. So coole Leute mit denselben Interessen, das findet man schwer wieder. Dennoch freue ich mich auf den neuen Lebensabschnitt, denn für mich haben die negativen Seiten des Jobs leider überwogen. Die Arbeitszeiten, das Gehalt und die Kotzbrocken als Kunden. Da bin ich jetzt raus und es fühlt sich noch schön aus. Mal sehen wie lange 🙂
    Ganz toller Beitrag! Danke dafür.
    Liebste Grüße, Kate

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    • Marion 26. August 2019 / 17:03

      Hallo Kate,

      danke für deinen Kommentar! Ich kann die Entscheidung gut verstehen. Ich habe den Buchhandel umzugsbedingt verlassen, war dann ein Jahr im „normalen“ Einzelhandel und habe das so sehr gehasst, dass es ausschlaggebend war, einen ganz anderen Weg einzuschlagen. Relativ schnell habe ich gemerkt, dass ein reiner Bürojob auch nicht das richtige für mich ist und habe mittlerweile einen guten Weg für mich gefunden. Mit freien Wochenenden, mehr Flexibilität und einem Gehalt, das ich im Buchhandel wahrscheinlich nie erreicht hätte. Klar ist Geld nicht alles, aber wie auch dich hat mich auch einiges andere gestört. Von den Leuten, die mit mir auf der Berufsschule waren, sind auch nur noch ganz, ganz wenige im Buchhandel.
      Ich bin jetzt in einem sehr buchfernen Bereich und manchmal fehlen sie mir schon. Aber als Freizeitbeschäftigung bleiben sie mir ja immerhin erhalten.
      Für deinen Neustart wünsche ich dir viel Erfolg und hoffe, dass das schöne Gefühl bleibt.

      Liebe Grüße,
      Marion

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